Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR3 Gedanken

Fast alle haben jetzt irgendwie Ferien im Kopf oder im Herzen,
viele sind schon unterwegs;
die meisten sehnen sich weg von zu Hause und nach UnterwegsSein...

Manche denken dabei allerdings auch an Unsicherheiten
oder sogar an Gefahr.
Auf der Straße, auf dem Wasser oder in der Luft kann durchaus schon mal
was passieren - ein kleines Missgeschick oder ein größerer Unfall.
Pass verloren, Scheckkarte geklaut gekriegt, Fuß umgeknickt -
so was, was eigentlich niemand braucht -
weder im Alltag noch in der schönsten Zeit des Jahres.

Früher haben Menschen um GOttes Schutz gebetet gegen solche Gefahren,
wenn sie auf die Reise gingen - Pilgersegen hieß das oder Reise-Segen.
Viele kirchliche Jugendgruppen machen das auch heute noch so,
bevor sie ins Zeltlager aufbrechen.
Und Pilgergruppen sowieso. Und andere Reisende auch.
Sie machen sich noch mal ausdrücklich bewusst,
dass sie unter GOttes Schutz stehen und gehen und fahren.
Sie hoffen, dass GOttes starke Hand sie begleitet und führt.
Auf sich aufpassen werden sie trotzdem - oder sogar noch besser.
Sich auf GOtt zu verlassen ist ja keine Einladung zu Leichtsinn
oder Risiko und Nervenkitzel-Sucht. 

Kostenlos - gesponsert ausgerechnet von einer Versicherung,
im Internet leicht zu finden
gibt es den Reisesegen seit ein paar Jahren in einer neuen Form.
Wer aufbricht, allein oder mit anderen,
kann ihn sich bestellen - per SMS.
Paar Minuten später kommt ein Segensspruch als Message aufs Handy.

Familien oder Reisegruppen sitzen schon im Auto
oder stehen am Gate im Flughafen;
sie werden vielleicht kurz mal ruhig,
einer liest den Segen vor, manchmal sagen alle „Amen"
- und vertrauen sich und die Reise und alle anderen auch GOtt an.
Der ist mit uns unterwegs. Immer. Gut zu wissen...

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13352

In Hildesheim wird der Dom renoviert;
eins der wertvollsten Kunstwerke haben sie so lange ins Museum gestellt:
Die über tausend Jahre alte Doppeltür - zwei Flügel, aus Bronze gegossen,
fast fünf Meter hoch und jeweils einszwanzig breit;
geschmückt mit sechzehn Szenen aus der Bibel, dreidimensional;
die Figuren scheinen aus der Fläche herauszuspringen.
Da erschafft Gott die Menschen, der Engel vertreibt sie aus dem Paradies,
da ist die Geburt im Stall von Betlehem, die drei Könige beim Jesuskind,
Jesus am Kreuz, Jesus am Ostermorgen auferstanden aus dem Grab -
eine Bibel in Bildern.
Sprach vor mehr als tausend Jahren den Leuten direkt ins Herz,
auch wenn sie nicht lesen konnten.
Sehr eindrucksvoll und ziemlich berühmt: Die Hildesheimer Bernwardstür.

Im Museum rücken neuropsychologische Forscher der Tür zu Leibe.
Studentinnen setzen sich vor die riesige Bernwardstür.
Und während sie die angucken,
messen Elektroden ihre Hirnströme; Kameras zeichnen auf,
wie sich ihre Augen bewegen, wohin der Blick zuerst geht und wohin dann,
wo sie wie lange hinschauen.
Man kann feststellen, welche Szenen im Gedächtnis bleiben;
und messen, wie aktiv das Gehirn dabei ist,
ob es heftige oder weniger starke Emotionen gibt. Solche Sachen...
Vielleicht kommt mal dabei heraus,
wie die Türen später mal noch besser zu erklären sind oder so.

Alles wichtig; ich wüsste gern noch was anderes.
Spricht so eine biblische Szene neben dem Hirn auch das Herz an?
Wie und warum spüren Menschen die Botschaft hinter den Bildern:
Die Botschaft von einem GOtt, der die Menschen liebt
und ihnen Leben schenkt - im Leben und durch den Tod hindurch.
Diese Botschaft provoziert eine Antwort: Zustimmung oder Ablehnung.
Will ich und kann ich das glauben, mich auf diesen GOtt verlassen?
Elektroden und Messung und Statistik sind da überfordert.
Und das ist gut so.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13351

Endlich fängt der Sommer an, Sommer zu werden.
Endlich draußen sitzen, nachts mit offenen Fenstern schlafen...
Aber da ist ein nerviger Ton, gleichmäßig, gleichbleibend, durchdringend.
Die Nachbarn haben ihren Pool mit Wasser gefüllt
und die Umwälzpumpe gestartet.
Das Wasser soll ja sauber bleiben statt „umzukippen".
Und die Pumpe macht den Ton...

Letzten Sommer hatte Familie L. das wohl noch überhört -
aber jetzt war es schlimm: Auf der Terrasse sitzen - nur mit Ohren zuhalten;
schlafen nur mit geschlossenem Fenster oder mit Ohropax!?
Das musste sich ändern.

Es gab Gartenzaun-Gespräche mit anderen Nachbarn.
Die einen hatten keine Probleme; andere doch, wollten aber keinen Streit.
Frau L. ging es inzwischen schlecht; der Sommer drohte schlimm zu werden.
Ausweichen in eine Pension oder bei Freunden übernachten? Nicht ernsthaft!

Bald wird es ihrem Mann zu bunt; er schreibt einen Brief an die Pool-Familie.
Benennt die Störung und die Probleme.
Macht Vorschläge: Pumpe besser gedämmt aufstellen, nachts abschalten...
Und nennt das Ziel: es soll friedlich bleiben in der Nachbarschaft.

Naja, vielleicht ist es ein bisschen feige, so einen Brief zu schreiben.
Andererseits: so bleibt die Wut unter Kontrolle -
das ist sicher besser als ein offener Schlagabtausch.

Die Pool-Nachbarn schalten gleich am ersten Abend die Pumpe ab.
Am nächsten Tag rufen sie an und laden Familie L. ein;
sie sind ein wenig enttäuscht über den Brief -
„wir können doch miteinander reden!?"
Sie haben geredet - und erste Lösungen sind verabredet.

Es ist gut, erst mal miteinander zu reden statt hinterrücks und übereinander.
Das hat übrigens auch Jesus so gesehen:
»Wenn dein Bruder oder deine Schwester ein Unrecht begangen hat,« sagt er,
»dann geh hin und stell ihn unter vier Augen zur Rede.
Wenn er oder sie mit sich reden lässt, hast du sie oder ihn zurückgewonnen.«

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13350

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht,
dass alle Menschen gleich erschaffen wurden,
dass sie von ihrem Schöpfer
mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden,
worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind."

So beginnt das erste offizielle Dokument der Weltgeschichte,
das von Menschenrechten redet -
von Rechten, die niemand wegnehmen darf - und zwar keinem.
Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika,
beschlossen am vierten Juli 1776. Fourth of July - Independence Day.
Heute feiern sie dort, wie jedes Jahr. Glückwunsch, USA!

Eigentlich gilt ja für die ganze Welt und für alle Menschen überall,
was da ausdrücklich aufgeschrieben ist.
Auch wenn selbst die USA noch lange gebraucht haben,
bis die Menschenrechte für alle galten:
Sogar für Frauen und für Afroamerikaner...
Das ist weitgehend geschafft - Präsident Barack Obama ist lebendiger Beweis.

Alle Menschen haben gleiche Rechte -
weil sie Menschen sind, von Gott erschaffen und geliebt:
Eigentlich stand das ja schon in der Bibel.
Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, ihm gleich -
das steht ganz am Anfang.
Paar tausend Jahre hat es immer noch gedauert, bis es Wirklichkeit wurde.
Und es muss noch weiter gehen, fast überall auf der Welt;
auch in der Kirche muss es noch gültiger werden.

Die USA feiern heute.
Und ab morgen sollten sie dann bitte noch mal nachdenken.
Ich finde, es verletzt auch die Menschenrechte,
wenn sie Terroristen oder Verdächtige irgendwo auf der Welt exekutieren -
per ferngesteuerter Drohne oder wie auch. Präzise, fast ohne andere Opfer.
Aber eben auch ohne Prozess oder Urteil. Vielleicht einfach wg Wahlkampf!?

Ja - Demokratie und Sicherheit sind auch Menschenrechte.
Aber wie gesagt: Das sollte man noch mal neu überlegen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13349

Früher Abend; ich stehe im Bäckerladen beim Supermarkt um die Ecke
- und die Regale sehen ziemlich leer aus.
Auch mein leckeres Dinkel-Vollkornbrot ist leider schon alle.

Dumm für unsere Haushalts-Planung - und trotzdem:
Eigentlich bewundere ich Frau B. und ihre Mitarbeiterinnen im Backshop.
Denn sie planen ja offenbar ziemlich genau auf den Punkt.
Lassen sich morgens so viel Brot und Brötchen und Gebäck liefern
und mittags noch mal nachliefern, dass sie damit hinkommen für heute.

Schon klar: das ist schwierig und fast ein wenig riskant.
Allzu oft enttäuschte Kunden bleiben weg - das kostet Umsatz.
Braucht also jedenfalls eine Menge Erfahrung und sogar ein bisschen Mut.
Andererseits: Weniger Reste sind auch schneller aufgeräumt, abends.
Und das heißt auch wenig oder gar nichts wegwerfen -
immerhin geht es ja um Lebensmittel, die da sonst vernichtet werden.
Klar: Andere Bäckereien verkaufen ab sechs Uhr alles zum halben Preis.
Hilft manchen Menschen, ist für den Bäcker aber teuer...

Ich bin denen da im Bäckerei-Shop am Supermarkt einfach mal dankbar.
Sie machen mir und anderen etwas klar:
Dass wir da ein Problem haben - und wie es zu lösen wäre:
Unsere Gesellschaft und viele einzelne und Familien
gehen einfach zu verschwenderisch um mit dem,
was Natur und Landwirtschaft uns schenken.
Das fängt schon auf dem Acker an; so viel schmeißen sie da weg
oder lassen es unterpflügen -  zu klein zu groß zu hässlich...
Und das geht weiter im Laden und bis in die Haushalte:
Zu viel eingekauft, auf Vorrat gelegt -
und dann wird es im Laden unverkäuflich wegen MHD
und zu Hause ungenießbar.

Unser tägliches Brot gib uns heute, beten die Christen jeden Tag.
Konkret würde das wohl auch heißen:
Genug für heute - und wenig genug, dass wir es auch noch essen können.

Ach ja - ich sollte noch an's Dinkel-Vollkornbrot denken -
heute mal rechtzeitig...

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13348

Im Bergbau denkt man eher in Schichten,
wenn es um Arbeitszeiten und Arbeitstage geht.
Aber trotzdem - für das Saarland fängt mit diesem Montag
eine besonderer Woche an: die erste Arbeitswoche ohne, ganz ohne.
Am Samstag war die letzte Schicht.
Seit gestern fährt niemand mehr nach Untertage,
um Kohle aus dem Berg zu holen.

Kirchenglocken haben geläutet,
Politiker und Wirtschaftsleute
und Bischöfe und leitende Leute der anderen Kirchen waren da,
ein Gottesdienst vor Ort, eine Metten-Schicht sollte klar machen:
Hier geht mehr zu Ende als nur eine wirtschaftlich-technische Epoche.
Hier geht eine Tradition zu Ende - oder noch mehr.
Das Saarland ganz ohne Kohle-Zechen und Kumpels,
ohne Kokerei-Rauch und fast ohne Stahlwerke...
Zeit zum dran Gewöhnen hat es gegeben -
aber bis zuletzt auch Menschen, die es nicht glauben wollten.

Jetzt also fängt die Zeit danach an - jedenfalls nach dem Bergbau.
Politik und Industrie arbeiten dran,
dass es neue Arbeitsplätze gibt in neuen Betrieben.
Und trotzdem werden viele erst einmal noch trauern.
Sie haben ja mehr verloren als nur den Arbeitsplatz.
Bergleute waren und sind Männer mit einem besonders gefährlichen Beruf;
paar hundert Meter unter der Erde, tief im Dunkel des Gebirges,
jederzeit könnte alles Mögliche passieren...
Das hat eine besondere Sprache hervorgebracht -
und eine spezielle Solidarität, glaube ich.
Mehr jedenfalls als unter Kollegen sonst so herrscht.

Schon deswegen besteht Hoffnung:
Wer am Samstag solidarisch und feierlich getrauert hat,
wird auch heute und morgen zusammenhalten und gemeinsam neues schaffen.
Die Gemeinschaft wird stärker sein -
stärker jedenfalls als das Ende von Saarbergbau und Grube Ensdorf.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13347

Es ist wirklich ein Problem:
Wir mögen uns sehr in der Familie und im Freundeskreis;
wir wissen, was wir voneinander zu halten haben.
Was die einzelne oder der andere kann und was nicht -
was wir einander zutrauen können
und wo man sich lieber auf jemand anderen verlassen sollte...

Und trotzdem gilt das Sprichwort:
Der Prophet gilt nichts in seiner Heimatstadt.
Ein biblisches Sprichwort, übrigens;
Jesus von Nazaret hat es schon gekannt und zitiert.
Und er hatte am eigenen Leib erfahren, dass es mehr ist als ein Sprichwort.

Die Geschichte, kurz erzählt:
Wie jeder jüdische Mann damals war er im Gottesdienst aufgestanden
und hatte das Wort des Tages aus der Heiligen Schriftrolle vorgelesen.
Dann hatte er der Gemeinde sein Glaubenszeugnis gegeben,
hatte gesagt, wie er die ausgewählte Botschaft aus der Bibel versteht.

Allerdings: Mäßig bleibt der Erfolg der Predigt in der heimatlichen Synagoge.
Ist das nicht der Zimmermann, fragen sich die Leute gegenseitig,
der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?
Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?
Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.

Ja - so geht es einem schon mal:
Zeigst du mal eine unbekannte Seite von dir selbst,
redest irgendwie anders als alle von dir erwarten, hast eine neue Idee:
da regt sich gleich alles auf.
Da macht die Umwelt doch lieber die Schubladen auf
und ordnet dich ein - braucht sie dir nicht weiter zuzuhören.

Schade aber auch - weil die Querdenker zu vielen zu quer kommen,
geht sicher auch manche sinnvolle Idee den Bach hinunter.
Schubladen zu - lieber mal richtig zuhören und neues erwarten,
auch wenn alle schon zu wissen glauben,
was von der oder dem da zu erwarten ist:
Ungeahnte Perspektiven tun sich auf und neue Horizonte!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13346