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SWR3 Gedanken

Algerien erstreitet seine Unabhängigkeit von Frankreich. Vor Kuba wird ein sowjetisches Atom-U-Boot von US-Zerstörern beschossen. Die Welt steht kurz vor einem Atomkrieg. Vier Jungs aus Liverpool veröffentlichen ihre erste Single: „Love me do". Die Beatles sind da. - Schlagzeilen aus dem Jahr 1962. - 50 Jahre ist das her!
Silvia und Wolfgang erinnern sich. Evelyn und Manfred auch. Sie haben das alles damals live miterlebt. Oder die Bilder davon in der Tagesschau gesehen - damals natürlich noch in Schwarz- Weiß.
Und mitten drin sind  sie konfirmiert worden. Zusammen mit 136 anderen Jugendlichen.1962. Hier bei uns. In der Konstantin-Basilika in Trier. Damals hat der Pfarrer zu ihnen gesagt: Was auch immer geschehen mag in eurem Leben. Ihr seid nicht allein. Gott ist bei euch. Und er segnet euren Weg - 50 Jahre sind seitdem vergangen!
Morgen erinnern wir uns daran. - Wir feiern das Fest der Goldenen Konfirmation in unserer Gemeinde. Da kommen Konfirmandinnen und Konfirmanden von damals wieder zusammen. Manche von weit her. Manche wohnen noch hier in Trier. Und alle feiern wir wieder Gottesdienst. In der großen Konstantin-Basilika.
Um Rückschau zu halten. Und vor allen Dingen: Um sich neu stärken zu lassen. Für den Alltag. Mit all seinen Höhen und Tiefen. Mit all seinen guten und traurigen Schlagzeilen.
Im Gottesdienst werden wir die Konfirmanden von damals nach vorne bitten. Zum Altar. Um für sie zu beten. Und wir werden sie segnen wie damals: Was auch immer geschehen mag in eurem Leben. Ihr seid nicht allein. Gott ist bei euch.

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Es gibt sie bunt gestreift oder auch einfarbig. Aus Stoff und PVC. Rund geformt oder mit Ecken und Kanten. Strandkörbe. Heute vor 130 Jahren wurde der allererste aufgestellt. In Warnemünde. Damals hieß das Teil noch „Strandstuhl". Aber bequem war dieser Korbgeflecht-Sessel schon damals.
Ich sitze gerne drin. In einem Strandkorb. Am liebsten mit Blick aufs Meer. Aber bei mir im Garten steht auch so ein Teil. Wenn die Sonne scheint, dann verkrümel ich mich gerne mit einer Tasse Tee oder Kaffee in den Strandkorb. Füße hochlegen. Die Sonne genießen. Das Spiel der Wolken betrachten. Herrlich!
Der Strandkorb - das ist mein Rückzugsort. Um Kraft zu tanken. Zwischendrin.
Den Gedanken freien Lauf lassen beim Blick in die Wolken.
Für mich ist das wie Beten. Ich muss immer an einen Psalm denken. Da betet einer:

„Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. Und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen."
Vielleicht hat der auch in so was wie einem Strandkorb gesessen. Füße hoch. In den Himmel blicken. Die Sonne genießen.
Immer wenn ich das tue, habe ich das Gefühl: Das muss Gott gemacht haben. So gut. So wunderbar. Und so wahrhaftig.
In meinem Strandkorb fühle ich mich mitten drin in Gottes Schöpfung. Als sein Geschöpf. Das mit seinem Schöpfer über alles reden kann. Seine Gedanken teilen und fließen lassen kann. Und gute Ideen geschenkt bekommt.
Klar. Dazu braucht es von Zeit zu Zeit einen Rückzugsort. Eine Ruheoase. Für mich ist das der Strandkorb. Und für Sie?

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Die Falklandinseln. Pinguine leben hier und viele Schafe. Ja, und auch ein paar Menschen. Nicht einmal 3000 sind es - auf allen Inseln zusammen wohlgemerkt. Die Eilande im Südatlantik, sie sind strategisch und wirtschaftlich völlig bedeutungslos.
Trotzdem wird um diese Inseln erbittert gekämpft. Fast eintausend Menschen sterben.
Heute genau vor 30 Jahren ist dieser Krieg beendet worden. Die argentinischen Truppen kapitulieren. Sie ergeben sich den siegreichen Briten.
Auch wenn der Krieg nun schon lange zu Ende ist. Der Streit um die Inseln ist es längst noch nicht. Briten und Argentinier beanspruchen nach wie vor die Herrschaft über diese Inseln. Es geht nur ums Prestige. Bloß keine Schwäche zeigen.
Immer wieder machen wir die Erfahrung: Krieg löst keine Konflikte. Das heißt: Auch wenn der Frieden noch so mühsam ist. Einen anderen Weg gibt es nicht. Damit das Leben eine Chance hat.
Ich meine: Jesus gibt uns eine Orientierungsrichtung vor. Wie uns das gelingen kann, Schritte zu gehen auf dem Weg des Friedens. Jesus sagt: Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst behandelt werden wollt.
Prestigedenken. Das Durchsetzen der eigenen Interessen ohne Rücksicht auf den anderen. Das alles sind politische und menschliche Sackgassen.
Es geht auch anders. Nelson Mandela und Willem de Klerk sind dafür ein Beispiel. Sie haben zusammen dafür gesorgt, dass in Südafrika die Rassentrennung beseitigt werden konnte. Sie haben den Krieg beendet. Denn sie haben nicht nur auf das jeweils eigene Interesse geachtet. Sondern zugleich auf den Anderen. So ist ein friedlicher und demokratischer Wandel möglich geworden.
Beide haben einander so behandelt, wie sie selbst behandelt werden wollten.
Mit Respekt. Achtung. So kann Vertrauen wachsen. Und der Frieden hat eine Chance.

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Haben Sie heute Morgen schon gesungen? In der Dusche zum Beispiel? Oder beim Schulbrote schmieren, beim Kaffee-Kochen? Oder grade eben? Weil der Song einfach klasse war?
Ich persönlich gehöre ja eher zu den Auto-Sängern. Wenn ich unterwegs bin, und da kommt ein Titel im Radio, der mir gefällt, dann dreh ich die Lautstärke hoch. Volle Kanne. Und singe oder gröle mit. Und das Lenkrad wird zum Schlagzeug-Ersatz.
Eigentlich gibt es niemanden, der nicht singen kann. Sagen die Musikwissenschaftler. Höchstens gibt es Menschen, die sich das nur für sich alleine trauen.
Dabei ist auch das Singen mit anderen schön.
Es ist doch einfach genial, wenn bei einem Konzert 1000e den Song mitsingen, der vorne auf der Bühne präsentiert wird.
Und für Geübte gibt es nichts Anrührenderes als einen gelungenen mehrstimmigen Chorsatz.
Ob alleine in der Dusche oder zusammen mit anderen im Chor oder bei einem Live-Konzert. Singen berührt. Wir nehmen andere Schwingungen wahr. Und unsere Ausstrahlung verändert sich. was wir denken und fühlen, wird in diesen Momenten - kostbar und vielschichtiger.
Deshalb ist auch die Kirchenmusik so wichtig. Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden - vom Chor oder von allen in der Gemeinde. Singen verändert. Auch den Gottesdienst. Was wir denken und fühlen. Und was wir im Gebet teilen, mit Gott und miteinander. Alles das wird vielschichtiger. Intensiver.
Wer singt, betet doppelt.
sagte einmal der Kirchenvater Augustinus. Vor 1600 Jahren.
Singen verändert.  Im Gottesdienst ist Singen so etwas wie „Beten mit dem ganzen Körper". Wer singt, den tragen auch die Melodien.
Und die verbinden - mit anderen Menschen, und mit Gott.
Also: Wer singt,  betet doppelt.

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„So- Kinder, jetzt bleibt mal stehen und atmet ganz tief ein und aus!"
Dieser Spruch kam früher von meinem Vater. So regelmäßig wie das Amen in der Kirche. Vorzugsweise am Sonntag-Nachmittag, wenn wir mit unseren Eltern spazieren gehen durften. Und jedes Mal haben wir nur auf diesen Spruch gewartet:
„Kinder, jetzt bleibt mal stehen und atmet mal so ganz tief ein und aus!"
Diese Atmerei hat mich schon ein wenig genervt hat, damals. Aber Ich habe schon als Kind gespürt:  Da ist was dran. Das tut gut, diese frische Luft einatmen.
So ganz bewusst. Was für eine Kraft. Was für ein Geschenk. Einatmen. Das Leben spüren. Ausatmen. Loslassen. Entspannen.
Und noch heute empfinde ich das so.
Wenn mich etwas belastet, wenn mich ein Problem einschnürt, dann hole ich tief Luft und atme wieder aus.
Das tut mir gut. Auch wenn ich dadurch das Problem, das mich beschäftigt, nicht gelöst habe. Aber ich geh' dann  Mit neuer Kraft an die Sache ran - ein bisschen wie neu geboren.
Atem, Wind, Lebensodem, Luft, Sturm, Brausen und Hauchen.
in der Sprache des Alten Testamentes gibt es dafür ein einziges Wort: „ruach".
„Ruach" - das ist nicht nur der Lebensatem. Es ist zugleich die Kraft, die uns mit Gott verbindet.
So selbstverständlich wie mich die Luft umgibt und mir Kraft gibt.
So umgibt uns auch Gottes lebendiger Atem. Seine Kraft. Sein Geist.
In der Bibel heißt es, ganz am Anfang: Gott macht den Menschen und haucht ihm seinen „ruach", seinen Lebensatem ein.
So nahe ist  uns Gott. Jeder und jedem von uns. Auch wenn wir davon überhaupt nichts merken.
Wie sagte mein Vater immer: „So Kinder, jetzt bleibt mal stehen und atmet mal so ganz tief ein und aus!"

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„Echte Fründe ston zesamme, ston zesamme su wie eine Jott en Pott" - Echte Freunde stehn zusammen. Halten zusammen wie ein Gott und ein Pott.
Vielleicht kennen Sie den Fastnachtshit von den Höhnern. Der dröhnte neulich in unserer Kirche. In der Konstantin-Basilika in Trier. Mitten im Gottesdienst. Bei der Konfirmation vor ein paar Wochen.
Die Jugendlichen haben sich dieses Lied gewünscht. Für ihren Gottesdienst.
Echte Freunde stehn zusammen. - Und Zusammenhalt, Gemeinschaft - das war das große Thema im Konfirmanden-Unterricht. Den Jugendlichen ist das auch sonst gelungen: Einander kennenlernen. Einander wertschätzen. Einander in Freundschaft begegnen. Wirklich klasse.
Und so war das eigentlich ganz logisch: In ihrem Konfirmationsgottesdienst, da haben die Jugendlichen von diesen schönen Erfahrungen erzählt. Diese Gemeinschaft. So haben sie Kirche erlebt. Als Konfi-Gruppe.
Am Ende des Gottesdienstes haben wir das Abendmahl gefeiert. Und auch da passte das Lied von den Höhnern supergut: „Echte Fründe ston zesamme, ston zesamme su wie eine Jott en Pott" - Auf gut deutsch: Echte Freunde stehen zusammen. Sie halten zusammen. Sie glauben an einen Gott - und sie essen aus einem Topf. Eine schöne kölsche Redensart: „eine Jott en Pott!"
Und genauso haben wir zum Abendmahl eingeladen. Alle 400 Menschen, die da waren. Junge, Alte, Kinder, Evangelische, Katholische, Ausgetretene - wir haben einen riesengroßen Kreis gebildet. Und dann haben wir aus einem Topf gegessen. Das Abendmahlbrot nämlich. Und aus einem Kelch getrunken.
Und alle haben wir zu einem Gott gebetet.
Ein Gott und ein Pott. Abendmahl feiern und beten. Als wir das gemacht haben, beim Konfirmationsgottesdienst, da ist Gemeinschaft entstanden. Und zwar auch mit Menschen, die wir sonst nie kennengelernt hätten.

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„Sie waren zu dritt. Und sie haben sich anständig verhalten. Aber das war ihre Taktik. Sie haben gesagt: Ziehen Sie sich etwas an, Sie gehen für zwei Tage ins Schulgebäude. Wir haben gedacht, dass wir zum Verhör gehen."
Frau Slenickova erinnert sich. Sie war 16 Jahre alt, als deutsche Soldaten ihr Dorf überfielen. Lidice - in Tschechien. Das war heute genau vor 70 Jahren. Auch wenn so viel Zeit vergangen ist. Das Schreckliche ist immer noch gegenwärtig. Frau Slenickova berichtet: „Wir gingen zur Schule."
Wenige Stunden später wurden alle Männer und Jugendliche des Dorfes erschossen. Frauen und Kinder kamen ins Konzentrationslager. Frau Sklenickova hat überlebt.
Lidice. Der kleine Ort in Tschechien wurde zu einem Mahnmal für das Grauen des Krieges. Ein Mahnmal für die Verbrechen des nationalsozialistischen Terrorregimes.
70 Jahre ist das her. Warum ist es notwendig, diese Geschichte immer wieder zu erzählen? Auch nach so langer Zeit. Und auch in der Kirche?
Ich meine: Weil nur so den Menschen, die damals Opfer furchtbarer Verbrechen wurden, ihre Würde zurückgegeben werden kann. Mir ist es wichtig an Ihrem Schicksal Anteil zu nehmen. - um deutlich zu machen: Eure Geschichte ist unsre Geschichte.
Ihr seid wichtig, mit euren Erinnerungen.
Sie helfen uns, unsere Zeit besser zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen für heute. Denn das, was damals geschah, das darf sich nicht wiederholen. Nicht in Lidice. Nicht bei uns. Nirgendwo auf dieser Welt.

Zitat: http://www.radio.cz/de/rubrik/geschichte/lidice-ein-dorf-das-in-einer-nacht-aufhoerte-zu-existieren

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