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SWR3 Gedanken

Die letzten Kisten und Möbelstücke sind im Umzugswagen verstaut und bald schon geht es los: in eine andere Stadt, in eine neue Wohnung. Eine neue Arbeitsstelle wartet. Und noch unbekannte Leute. Neue Kolleginnen und Kollegen, neue Nachbarn.
Aufbrechen und neu anfangen. Ein bisschen geht es mir wie Abraham, von dem die Bibel erzählt. Der muss auch alles Vertraute hinter sich lassen. Muss an einen neuen unbekannten Ort ziehen. Gar nicht so einfach.
Noch einmal gehe ich durch meine jetzt leere Wohnung und erinnere mich an viele glückliche Augenblicke der vergangenen Jahre.
Ich höre noch einmal das Lachen mit den Freunden. Wie wir bei einer guten Flasche Rotwein stundenlang erzählt und alles um uns herum vergessen haben. Ich höre das Klavierspiel aus dem Nachbarhaus von Gegenüber. Bis zu seinem Tod mit 90 Jahren hat Ernst gerne am Klavier gesessen und hat sich durch seine Musik ein bisschen die Einsamkeit vertrieben. Oft habe ich ihm dabei zugehört und bin selber ganz ruhig geworden. Und ich sehe noch einmal die kleine Amelie, die Tochter unserer besten Freunde, wie sie mit unserer Katze im Garten spielt, auf allen Vieren ihr hinterher schleicht und sie mit ihren Lieblingskeksen füttert.
Aber jetzt heißt es: Abschied nehmen, aufbrechen und neu anfangen. Mit den vertrauten schönen Erinnerungen und auch mit dem, was schwierig war. Die Bibel erzählt von Abraham, der auch alles verlassen hat. Aber er geht mit einem besonderen Versprechen im Gepäck. Gott verspricht ihm: Du brauchst keine Angst zu haben. Ich werde mit dir sein und dir neue Perspektiven schenken. Und Menschen werden da sein, die mit dir lachen werden und bei denen du willkommen bist. Mach dich auf den Weg und du wirst nicht alleine bleiben. Tschüss, ich bin dann mal weg.

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Eine katholische Ordensfrau in einer Moschee.
Dieses Bild hat sich mir vom Katholikentag in Mannheim eingeprägt: eine betende Nonne, Schwester Gabriele, mitten drin beim Gottesdienst der muslimischen Gemeinde. Was sucht eine Nonne in einer Moschee?
Sie hat die Augen geschlossen und die Hände gefaltet. Während die Männer sich beim Beten tief verbeugen, stehen etwas abseits die christlichen Gäste. Die Gemeinde hat sie eingeladen, beim Freitagsgebet dabei zu sein, um etwas von ihrem muslimischen Glauben kennen zu lernen. Sie wollen miteinander über ihren Glauben ins Gespräch kommen. Weil das hilft, Vorurteile abzubauen. Manche der Gäste verfolgen neugierig, was passiert. Vieles ist ihnen fremd und in ihren Gesichtern stehen viele Fragen.
Schwester Gabriele aber lässt sich nicht irritieren. Für sie ist es selbstverständlich, mit zu beten. In ihrer eigenen Sprache und mit Worten ihres christlichen Glaubens. Fröhlich erzählt sie mir hinterher: „Ich kann doch nicht einfach zuschauen, wenn andere Menschen beten. Die Muslime haben uns zu sich eingeladen. Und dann ist es für mich doch selbstverständlich, mit zu beten und die Hände zu falten. Sie haben ihren Gott und ich habe meinen - und beide hören uns Menschenkindern zu. Das ist einfach großartig!" schwärmt sie mit leuchtenden Augen. Diese Unbefangenheit berührt mich. Weil nicht zuerst nach den Unterschieden gefragt wird, sondern nach dem, was Menschen verbindet. Weil Menschen erst einmal in einem Raum zusammenkommen und schweigen und beten, bevor sie Fragen stellen und Antworten suchen. Menschen, die in ihrem Herzen davon überzeugt sind, dass es einen Gott gibt, egal welchen Namen er trägt.

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Monika ist vier Jahre alt und eigentlich wie alle Kinder in ihrem Alter. Sie spielt gern mit ihren Puppen, sie lacht viel und sie versteckt sich gerne. Und doch ist Monika anders, denn sie ist von Geburt an blind.
Sie kann die vielen bunten Blumen im Garten nicht sehen. Und auch nicht wie andere Kinder ein Bilderbuch entdecken. Und trotzdem ist sie ein fröhliches Kind. Als hätte sie alle Farben dieser Welt in ihrem Herzen.
Vor ein paar Tagen habe ich sie beobachtet, wie sie allein im Garten unterwegs ist. Wie eine Katze krabbelt sie über den Rasen. Einmal greift sie mit ihren kleinen Händchen nach einem Ball. Sie setzt sich aufrecht hin und hält ihn sich vor das Gesicht. Sie riecht an ihm. Lange und intensiv. Und dabei schmunzelt sie. „Ein blauer Ball" ruft sie auf einmal aus und wirft ihn in die Luft. Ein blauer Ball? Tatsächlich ist er grün, aber für sie riecht er blau und sie freut sich über einen blauen Ball.
Der grüne blaue Ball beschäftigt mich noch eine Weile. Ist wirklich alles, was ich wahrnehme und sehe, so wie es ist? Ein anderes Beispiel: Ich sehe einen jungen Mann, der keine Arme und Beine mehr hat. Und sofort denke ich: der arme Kerl! Ist das ein Leben? Aber dann höre ich ihm zu und bin bewegt von seiner Lebensfreude, von seinen Träumen und von dem, was er alles kann: Tauchen, auf einem Surfbrett übers Wasser gleiten, sogar Golf spielen. Kurzum: Ich sehe einen Menschen, der in meinen Augen schwer behindert ist und der so ganz anders, als ich vermute, sein Leben genießen und gestalten kann.
In der Bibel sagt Jesus einmal: Menschen sehen erst nur, was vor Augen ist. Gott aber schaut das Herz an. Mit dem Herzen sehen, das macht erst wirklich sehend. Die kleine Monika hat mir gezeigt, wie das gehen kann.

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Wie sage ich es ihm nur? Wie sag ich es ihr? Dass ich sie ganz besonders lieb habe? Irgendwie fällt das schwer: romantische Worte? Originelle Liebeserklärungen? Das passt doch eher selten.
Kinder gehen da meist unbefangener ran. So wie die kleine Levinja. Sie strahlt ihren Lieblingsopa an und sagt: „Du, ich hab dich ganz doll lieb - von hier bis ins Universum."- „Und die Oma?"- „Die Oma hab ich lieb so hoch wie ein Hochhaus. Und das ist ja auch ganz schön hoch", schiebt sie fast entschuldigend hinterher. So einfach ist das bei Levinja mit den Liebeserklärungen.
Und wie geht es Ihnen damit? Könnten Sie einfach so zu einem anderen Menschen sagen: „Ich liebe dich bis ins Universum!" Oder: Meine Liebe zu dir hört niemals auf, auch wenn du heute ganz anders bist als damals, als wir uns kennengelernt haben.
Ich liebe dich bis ins Universum. Auch dann, wenn du krank bist und mich besonders brauchst. Sogar dann wenn andere dich längst abgeschrieben haben oder du dich selbst aufgegeben hast. Ich liebe dich, einfach so. Weil du so bist, wie du bist.
Gar nicht so einfach, so was zu sagen. Klingt ein bisschen kindlich vielleicht. Aber alles andere als naiv. So eine Liebe wünsche ich mir und Ihnen. Weil ich glaube, dass diese Liebe etwas mit Gott zu tun hat. Weil so eine Liebe direkt von Gott kommt.
Und deshalb braucht ein Mensch nicht besonders fromm zu sein. Wer so lieben kann, dem ist Gott ganz nah, mitten in seinem Herzen.

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Es ist mal wieder Zeit für einen Besuch bei Tante Katharina. Letzte Woche ist sie 84 Jahre alt geworden. Noch immer lebt sie in ihrer kleinen Wohnung und kann sich ganz gut selbst versorgen. Ich fahre gern zu ihr, denn ihr Erdbeer-Sahne-Kuchen ist einfach himmlisch. Und wenn sie ins Erzählen kommt, dann kann ich ihr stundenlang einfach nur zuhören und alles um mich herum vergessen.
Heute hat sie ein paar Fotoalben auf dem Tisch liegen und blättert darin. Ab und zu zaubert ein Bild ein liebevolles Lächeln in ihr Gesicht und sie streichelt fast zärtlich über die Seiten des Albums. „Das hier ist mein Großvater", sagt sie. „Ich bin seine einzige Enkeltochter und uns verbindet etwas ganz besonderes. Auch wenn er schon lange tot ist".
„Kathi, du bist meine Augenweide, hat er immer zu mir gesagt" Augenweide - was für ein seltsames, altes Wort. Es passt zu meiner Tante. Augenweide - dazu fällt mir ein Satz aus der Bibel ein. In einem Psalm heißt es von Gott: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser". Was so viel heißt wie: ich kann mich in jeder Situation auf meinen Gott verlassen. Ich bin ihm nicht egal. Und er weiß, was ich zum Leben brauche.
„Kathi, du bist meine Augenweide", hat der Opa zu Tante Katharina immer gesagt. Er war extrem kurzsichtig, musste alles immer ganz dicht vor seine Augen halten: Du bist meine Augenweide, hat er gesagt. Du tust mir gut, auf dich kann ich mich verlassen. Schön, dass du einfach da bist! Auch du machst mein Leben reich und wertvoll.
Ich werde heute meine Augen weit aufmachen und meine Augenweide suchen. Oder vielleicht selber für einen anderen zur Augenweide werden.

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Es ist ein bisschen wie in einer anderen Welt: das Pfingsttreffen der Pfadfinder. Seit ein paar Jahren gehört Georg dazu und immer zu Pfingsten treffen sie sich mit anderen Gruppen, schlagen auf einer großen Wiese ihre Zelte auf, unternehmen Schnitzeljagden durch den Wald und singen abends am Lagerfeuer ein Lied nach dem anderen aus der „Mundorgel". Zwischendurch gibt es gegrillte Würstchen und Stockbrot. Für Georg und die anderen ist das Zeltlager jedes Jahr ein besonderes Erlebnis. Selbst dann, wenn es tagelang nur regnet. Das ist ihnen egal. Hauptsache, sie sind zusammen und haben ihren Spaß. Auch ohne Laptop und Handy, denn im Lager gibt es keinen Empfang.
Beim Pfingsttreffen leben sie ganz selbstverständlich ihre Freundschaft. Einer hilft dem anderen, ohne danach zu fragen, ob das irgendwelche Vorteile für einen bringt. Im gemeinsamen Spielen können sie ihre Kräfte messen und ihre Grenzen kennen lernen. Und hier macht selbst Verlieren Spaß. Jeder versteht, dass es bestimmte Regeln geben muss, damit das Zusammenleben klappt. Und jeder versteht: Nur gemeinsam kommen wir weiter und können etwas bewegen. Und genau das ist es, was wir an Pfingsten feiern. Diesen Zusammenhalt, diesen Geist. Und der ist auch etwas für das richtige Leben, wenn die Pfingsttage längst vorbei sind. So einen Zusammenhalt, so einen Team-Geist hat Jesus gewollt: dass Menschen füreinander da sind. Ohne Wenn und Aber. Und wie es jeden einzelnen beflügelt, wenn alle zusammen etwas bewegen und verändern können. Nicht nur im Zeltlager, auch zuhause. In der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

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Was ist das eigentlich für ein Fest: Pfingsten? Haben Sie das schon mal jemandem versucht zu erklären?
An Pfingsten, also heute und morgen feiert die Kirche Geburtstag, wäre eine mögliche Antwort. Vor 2000 Jahren hat es angefangen, das mit der Kirche.
Der Anfang war wie eine Geburt: wenn heute ein kleines Kind auf die Welt kommt, dann löst das bei den Eltern, Großeltern und Freunden meistens große Begeisterung aus. Stolz berichtet dann der Vater, wie er mit dabei war bei der Geburt und die Nabelschnur durchschneiden durfte. Und ein wenig müde, aber glücklich hält die frisch gebackene Mama das Neugeborene auf dem Arm und wiegt es hin und her.
So begeistert waren auch die ersten Christinnen und Christen. Da war etwas entstanden, eine besondere Gemeinschaft, ein besonderer Geist. Alle waren begeistert von dem, was dieser Jesus ihnen erzählt hat und wie er mit Menschen umgegangen ist, mit denen sonst niemand etwas zu tun haben wollte. Wie er ganz selbstverständlich mit Gott redete, wie mit einem guten Freund. Wie er Menschen gesund gemacht und ihnen neue Hoffnung geschenkt hat. Ja, Jesus hat nicht nur von Liebe geredet, er hat sie gelebt und in die Tat umgesetzt. Und das wirkt weiter. Auch dann, als Jesus auf einmal nicht mehr da ist. Da sind die ersten Christinnen und Christen erst recht zusammen geblieben und haben weiter gemacht und haben das, was sie von Jesus gelernt haben, weiter erzählt und weiter gelebt. So sind die ersten christlichen Gemeinden entstanden. So gibt es die Kirche bis heute.
Naja, zugegeben: von der Begeisterung des Anfangs ist nicht immer was zu spüren. Aber sie ist da. Und vielleicht begegnen Ihnen ja gerade in diesen Tagen Menschen, die von der Sache Jesu immer noch begeistert sind.

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