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SWR3 Gedanken

Halleluja, kennen Sie das berühmte Halleluja von Händel? Noch nie hab ich das so schön gehört oder vielmehr gesehen, wie auf diesem Video bei Youtube. In Alaska ist ein ganzes Dorf ‚in action', einfach klasse: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, in der Schule, einer Turnhalle, der Kirche, auf der Arbeit, beim Einkaufen, im Auto, im Schnee, sie alle halten im Takt zu Händels Halleluja Schilder hoch oder lassen sie fallen. Schilder mit den Silben ha, le, lu und ja bzw. den Text des Liedes drauf.
Eine tolle und kreative Umsetzung von etwas so altem wie Händel durch junge Menschen. Halleluja! Das guckt man und ertappt sich beim mit summen! Man muss einfach bei Youtube ‚halleluja alaska 5th grade' eingeben.
In der Bibel findet sich auch eine Hallelujageschichte, eigentlich eine ganz kleine Randnotiz von einer Prophetin. Die hieß Hanna, war schon ziemlich alt und hat am Tempel von Jerusalem gearbeitet. Es muss eine sehr fromme Frau gewesen sein. Zu der kommen jedenfalls Maria und Joseph in den Tempel mit dem kleinen Jesuskind. Und als Hanna diesen kleinen Jesus sieht, fängt sie an zu singen: Halleluja!
Und dann erklärt sie den Leuten, warum: Dass dieses scheinbar so normale Kind ein ganz besonderes Kind ist. Dass Gott in diesem Kind ganz nah ist. Und so überraschend anders. Nicht so, wie wir es uns denken und manchmal auch wünschen.
Gott kommt ganz anders zu uns, ganz unauffällig sieht das aus. Er wird als Kind geboren und teilt das menschliche Leben von Anfang an. Das ist das Besondere. Gott, ein Mensch wie Du und ich.
Und das finde ich, haben die in Alaska genau richtig verstanden mit ihrem Filmchen auf Youtube. Der große Gott ist da: in der Schule oder im Laden, einfach bei den Menschen.
Ich jedenfalls habe glatt mitgesungen. Halleluja !

Unter : http://www.youtube.com/watch?v=LyviyF-N23A

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„Jetzt kann ich sterben" sagt er und hält das Jesuskind hoch.
Maria und Joseph hatten - wie es damals üblich war - ihr Kind nach der Geburt in den Tempel gebracht. Und da kommt dieser alte Mann, Simeon, nimmt den kleinen Jesus auf den Arm und sagt eben genau das: „Jetzt kann ich sterben; jetzt nachdem ich den Heiland gesehen habe." (Lukas 2,25-35)
Was diesen Simeon so interessant macht? Der hat da Jahre, Jahrzehnte, fast sein ganzes Leben im Tempel ausgeharrt und auf eben diesen einen Augenblick gewartet. Simeon hat mit unerschütterlicher Hoffnung und Ausdauer und Geduld gewartet, dass wahr wird, was Gott versprochen hat, dass er sich um uns kümmert und sich um uns sorgt. Ich vermute mal, dass die Menschen diesen Simeon ausgelacht, ihn lächerlich gemacht haben: was für ein Träumer, ein Phantast, ein kindischer Greis; mehr nicht; nicht ernst zu nehmen. Wer wartet schon ein Leben lang? Warten ist langweilig und doof.
Und nun sieht Simeon also dieses Jesuskind. Aber er sieht weit mehr: er sieht das kleine Baby im Licht dessen, was es einmal sein wird. Noch ein kleines Kind, bald aber ein Hoffnungsträger für die Menschen.
Was ich an Simeon so toll finde? Wir leben in einer Welt voller Fehler, voller Leid; da passieren tagtäglich Dinge, die einfach keinen Sinn machen, die verletzen und ungerecht sind. Und trotz alledem vertraut Simeon auf Gott in dieser trostlosen Welt; er vertraut gegen allen Augenschein. Und letztendlich sieht er sich in der Geburt dieses Kindes bestätigt: Die Welt ist nicht verloren, weil mit diesem Kind die Zukunft der Kinder Gottes eröffnet wird.
Wer so glaubt, sieht sein Leben und die Welt mit anderen Augen.
Aus: Annegret Reitz-Dinse & Hartmut Dinse „Paargeschichten: Beziehungen in der Bibel - 12 Dialoge" Neukirchener Verlagshaus 2002.

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Jesus der Frauenversteher - könnte man meinen. Die Bibel erzählt nämlich, wer so alles am bitteren Ende seines Lebens unter seinem Kreuz stand: Frauen. Lauter Frauen Alle anderen, also die Männer, hatten sich versteckt.
Waren sie stärker als die Männer? Tapferer? Glaubensgewisser? Treuer?
Ich weiß nicht. Jedenfalls - einen Mann hat es dann doch gegeben, ein ganz sanfter Typ. Die Bibel nennt ihn „den Jünger, den Jesus lieb hatte", also sein Lieblingsjünger. Der stand also auch unterm Kreuz.
Eine Szene erzählt die Bibel:
Jesus hängt am Kreuz. Er lebt noch. Er schaut da so runter und sieht seine verzweifelte Mutter. Vielleicht macht er sich auch Sorgen um ihre Zukunft. Jedenfalls fällt sein Blick auch auf den Jünger, den er lieb hat, und plötzlich, quasi aus heiterem Himmel sagt er zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!" und zu seinem Lieblingsjünger: „Siehe, deine Mutter!"
Was ich so schön daran finde, ist: Jesus sorgt sich um die, die zurückbleiben. Schweißt zwei Leute unterm Kreuz zusammen, die sonst in ihrer Trauer alleine geblieben wären. Jesus hilft ihnen mit der Trauer umzugehen. Denn das schlimmste, wenn man trauert, ist doch dieses Gefühl, vollkommen allein, hilflos und schutzlos zurückzubleiben. So gesehen war Jesus mehr als nur ein Frauenversteher. Er versteht. Er leidet mit denen, die traurig sind und allein.
Vielleicht schickt er auch Ihnen einen vorbei, wenn Sie ihn brauchen. Einer, der da ist und Ihnen zeigt: Du bist nicht alleine.

Johannes 19,25-27

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Immer wieder umziehen, überleben, konspirative Treffen, der Druck von außen ist groß, man will sie nicht im Land, Juden, Christen, sie werden verfolgt. Wer sich die aktuelle Situation im Nahen Osten ansieht, erschreckt, dass es so was immer noch gibt: Verfolgungen, Intoleranz, Misstrauen und Repressalien aufgrund von Religionszugehörigkeit. Toleranz, die wir in Europa für selbstverständlich halten - sie ist es nicht. Auch nicht hier in Deutschland! Denken wir nur an unseren oft schwierigen Umgang mit den Muslimen, die unter uns wohnen.
So ungefähr sieht er also aus, der Hintergrund der Geschichte von Prisca und Aquila. Ihre Geschichte steht in der Bibel, aber heute ist sie aktueller denn je.
Das Leben der beiden hört sich nicht nur gefährlich an, das war es auch. Prisca und Aquila gehörten zu den ersten Christen. Jesus war gestorben und auferstanden. Seine Anhänger nun versuchten zu überleben. Und das war gar nicht so einfach. Auch heute noch ist es in manchen Ländern gefährlich, für seine Religion einzustehen, gegen den Strom zu schwimmen, überzeugt von etwas zu sein und das dann auch zu leben. Im besten Fall wird man verachtet, lächerlich gemacht, marginalisiert, im schlimmsten Fall, wie bei Prisca und Aquila, kommen da noch Verfolgungen, Gefängnis, Folter und Tod hinzu. Eine autoritäre Gesellschaft hält es schwer aus, wenn es da Leute gibt, die anders denken. Toleranz andersglaubenden Menschen gegenüber ist nicht selbstverständlich. Auch bei uns nicht. Toleranz ist etwas, das erlernt, das erarbeitet werden muss. Durch Begegnungen mit anderen zum Beispiel oder in der Schule oder auf der Arbeit oder ganz einfach durch Bücher oder Kinofilme, die andere Realitäten, andere Lebensentwürfe, andere Überzeugungen zugänglich machen.
Akzeptiere ich andersdenkende Menschen? Bis wohin geht meine Toleranz?
Prisca und Aquila mussten mehrmals umziehen, mussten mehrmals neu anfangen in ihrem Leben. Aber sie hatten den Mut und das Vertrauen das durchzustehen. Wenn ich an die Christen und Christinnen im Nahen Osten denke, dann wünsche ich ihnen genau das: Mut und Vertrauen.

Apostelgeschichte 18,2-18

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als man denkt.
Kein Ausweg, keine Möglichkeiten mehr, keine Hoffnung. Manchmal erdrückt einen das Leben. Wenn der Arzt oder die äußeren Umstände sagen, dass man keine Kinder bekommen kann, zum Beispiel. Da bleibt einem der Atem weg.
Es gibt da eine Geschichte in der Bibel, die erzählt, wie ein lange Jahre unfruchtbares Paar dann doch noch ein Kind bekommt.
Der Vater dieses Kindes hieß Zacharias und war Priester in Jerusalem am Heiligtum Gottes. Er und seine Frau Elisabeth konnten keine Kinder bekommen, sie hatten diese Enttäuschung ausgehalten, über die Jahre sich damit abgefunden - das war sicher nicht leicht! -, mittlerweile waren sie auch schon recht alt und der Kinderwunsch war, wie ich vermute, schweren Herzens, ad acta gelegt worden. An jenem Tag nun versah Zacharias wie gewohnt seinen Priesterdienst, als ihm ein Engel erscheint. Der Engel nun verkündet dem verdutzten Zacharias, dass Elisabeth schwanger sei und Gott Großes mit dem Sohn, der geboren würde, vorhabe. Zacharias bleibt erst einmal auf dem Boden der Tatsachen und erklärt dem Engel: das sei ja nun nicht mehr möglich, da seine Frau bereits etwas zu alt zum Kinderkriegen wäre. Der Engel erwidert daraufhin etwas eingeschnappt, dass wenn er als Priester so wenig Vertrauen in die Fähigkeiten Gottes hätte, dann solle es so sein, dass er bis zur Geburt nicht mehr sprechen könne.
Gesagt, getan. Zacharias tritt vor die versammelten Gläubigen - und bringt kein Wort mehr raus. Neun Monate später gebiert, wie vom Engel angekündigt, Elisabeth einen Sohn: Johannes und sein Vater, also Zacharias erlangt seine Stimme wieder.
Ich mag diese Geschichte, weil sie Hoffnung gibt: Gott erscheint in unserem Leben und er tut Großes, wo wir oft keine Möglichkeiten mehr sehen, wo wir schon abgeschlossen haben, keine Hoffnung mehr ist. Aber oft ist dieses Eingreifen Gottes nicht so, wie wir es erwarten.

Lukas 1

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Maria und Joseph - eines dieser legendären Paare der Bibel. Jetzt stehen sie wieder in den Weihnachtskrippen. Von ihrer Geschichte wird eine Frage immer wieder heftig diskutiert: Haben sie oder haben sie nicht? Hatten sie nun Sex oder hatten sie keinen?
Darüber streiten sich bis heute die Gelehrten - und nicht nur die.
Viel spannender finde ich die Frage: wie sind sie damit umgegangen, mit dieser ‚ungewollten' Schwangerschaft?
Tatsache war ja:
Die beiden sahen sich mit einer Realität konfrontiert, mit der sie nicht gerechnet, die sie so nicht gewollt hatten. Und das kennen wir ja auch:
Eine junge Frau, ein junger Mann, sie verloben sich, wollen irgendwann heiraten, eine Existenz aufbauen, eine Familie gründen - und dann fällt den beiden Unverheirateten ein Baby quasi in den Schoss. Nein, so hatten sie das nicht geplant. Da gab's ganz andere Pläne.
Ungewollte Schwangerschaften. Kinder, die anders sind, als man sie sich vorgestellt hat, die einem fremd sind, obwohl es die eigenen sind.
Wie gehen wir damit um?
Josephs erster Gedanke war: „Nur weg" (Mt 1). Marias erster Gedanke: „Das kann ja nicht wahr sein" (Lk 1).
Aber dann lassen sie sich überzeugen: Ein Engel kommt und erklärt Maria, dass das keine Katastrophe, sondern ein Gotteskind ist. Und ein anderer Engel erscheint Joseph und macht ihm Mut für seine Verantwortung. Sie lassen sich ein auf das Abenteuer Gottes, auf das Abenteuer Leben, bei dem nicht immer alles so läuft, wie man es will.
Sex hin oder her:
So banal - und unendlich schwierig - es sich anhört: sie vertrauen auf Gott.

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Sie sind auf der Flucht, also Maria und Joseph und das Kind, gerade erst geboren. Sie sind auf der Flucht vor einem machthungrigen Monarchen, der vor nichts zurückschreckt, auch nicht vor Kindermord. Einfach, weil er an der Macht bleiben will.
Die Flucht der drei ist eine kleine, unauffällige Geschichte in der Bibel. Fast so unscheinbar wie ihr Protagonist: Joseph. Joseph, das ist der, der mit Ochs und Esel den Background in der Krippe abgibt. Nicht nur in der romantischen Krippenszene unterm Weihnachtsbaum hat Joseph nichts zu erzählen, auch in der Bibel kommt er nicht wirklich vor. Und dann diese Geschichte:
Jesus war gerade geboren, da droht schon höchste Gefahr für Leib und Leben des Kindes. Denn der skrupellose Herodes hört von der Geburt eines neuen Königs in seinem Land. Bei möglichen Konkurrenten fackelt man nicht lange! Der Beschluss ist gefasst: Alle kleinen Jungs im Lande sollen von den Soldaten aufgegriffen und getötet werden. Und da kommt Joseph ins Spiel: Er hört auf sein Herz, er hört auf seinen Traum von einem Engel, der ihm zuflüstert „Achtung: Baby in Gefahr!" und Joseph handelt. Er tut das einzig Richtige: Er tritt mit Maria und dem Kind unverzüglich die lange und beschwerliche Flucht ins Ausland an. Dort, im Exil bleiben sie bis Herodes stirbt und die Gefahr gebannt ist.
Eine schöne Geschichte von einem Mann, der nicht scheut auf sein Herz und seine Träume zu hören, und der handelt, als es zu handeln gilt. Er spielt nicht den Helden, er tritt nicht als Besserwisser auf; er ist sensibel und offen für die Stimme seines Herzens, seiner Träume und er verhindert ganz still, leise und bescheiden, dass das Kommen Gottes zu den Menschen in Gefahr gerät.

Matthäus 2,13-15

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