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SWR3 Gedanken

An zwei Samstagen im Oktober ist es so weit: Die Studierenden des Strasbourger Stifts, einem Studiwohnheim der elsässischen, evangelischen Kirche, machen sich in einer langen Karawane auf den Weg. Da fahren ein großer und ein kleiner Lastwagen, mehrere Kleinlaster und viele Autos langsam durch den Norden des Elsasses.
Das Strasbourger Stift war früher einmal Ausbildungsstätte der elsässischen Pfarrerinnen und Pfarrer. Und damals wollten die umliegenden Gemeinden ihre angehenden Pfarrer unterstützen und weil die damals nicht so reich waren und nicht so viel zu essen hatten, haben die Gemeinden den armen Studis von ihrer Ernte etwas abgegeben. Natürlich mit dem Hintergedanken: Wir unterstützen euch beim Studium und ihr kommt nachher in unsere Gemeinden als Pfarrer.
Heute sind die Studenten - ein Segen - nicht mehr ganz so arm, aber die Tradition hat sich fortgesetzt: Die Gemeinden feiern ihre Erntedankgottesdienste und in den darauffolgenden Wochen kommen die Studenten und sammeln Gemüse und Obst ein. Na ja, da es heute nicht mehr so viele Bauern und kaum noch Gemüsegärten gibt, geben die Leute statt dessen auch gerne Konserven und Tütensuppen, Schokolade und Kekse - Hauptsache, die Studis freuen sich.
Der Höhepunkt der Erntefahrt der Studis ist jedoch mittags die Einkehr in einem Bauernhof. In einer Scheune sitzt man dann an langen Holztischen beisammen und isst hausgemachte  „Dompfnüdle", also elsässische Dampfnudeln.
Und wenn wir so beisammen sitzen, Strasbourger Studenten und elsässische Dorfbevölkerung und gemeinsam essen, dann denke ich, dass genau das Erntedank ist: teilen, was man hat, gut essen und eine gut gelaunte Gemeinschaft.

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„Seht die Vögel im Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. ...
Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht" - und sie sind doch wunderschön. (Mt 6,26ff)
Oder seht einfach mal nach draußen, guckt den Kindern beim Spielen zu: wie konzentriert und ernsthaft sie spielen und darüber hinaus sich und die Welt komplett vergessen; und doch gehört ihnen, den Kindern das Himmelreich (Mt 19,14).
Wie dem kleinen Frieder.
In unserer Gesellschaft werden Kinder wie Frieder nur allzu oft und allzu schnell als Störfaktoren betrachtet. Dabei können wir doch eine ganze Menge von ihnen lernen.
Da guckt mich der kleine Frieder aus seinen frechen Kinderaugen an und meint: „Wenn du willst, dass ich nachmittags schlafe, dann will ich auch, dass du Orangen und Milch isst. Willst du Orangen und Milch essen?!?"
Ich mag keine Orangen und keine Milch, Frieder weiß das. Wenn ich etwas nicht mag, und das dann auch nicht essen möchte, obwohl es doch so gesund ist, warum sollte Frieder dann nicht auch den Mittagsschlaf verweigern? Warum soll er nicht die gleiche Freiheit haben, etwas nicht zu mögen?
Kinder stellen in Frage, was man für selbstverständlich hält. Was für ein Reichtum an Ideen! Nur, wir profitieren viel zu wenig von diesem Reichtum der Kinder.
Es gibt Eltern, die führen so eine Art Sprüchetagebuch ihrer Kinder. „Frieders gesammelte Sprüche" heißt das dann in Frieders Fall. Auf einer Seite kann man da lesen:
Frieder steht eines Tages nach dem Kindergottesdienst vor dem Spiegel, betrachtet sich eingehendst darin. und kommt dann zu dem Schluss: „Frieder, du bist eine wunderschöne Lilie auf dem Felde."

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„Zu Tode wachsen? Nein danke." So könnte der Slogan lauten für die Décroissance-Bewegung - zu Deutsch: die Anti- Wachstumsbewegung. Décroissance ist In in Frankreich: es gibt Bücher, Zeitungen, Vorträge, Filme...
Die Idee ist ganz einfach: Die Décroissance-Bewegung bietet kein fertiges wirtschaftliches oder politisches Programm, eher eine Art Überzeugung, die alle Anhänger der Bewegung teilen. Es ist eine Einladung an alle, eine neue Gesellschaft zu erfinden und dabei zu helfen, sie aufzubauen. Es geht um die zunächst einmal simple Feststellung, dass es kein unendliches Wachstum gibt, ja dass sogar die Idee eines unendlichen Wirtschaftswachstums schädlich ist. So nennen sich die Anhänger der Décroissance-Bewegung „objecteur de croissance", also „Wachstumsverweigerer".
Und ihre Forderung: Politik darf nicht mehr wirtschaftshörig sein. Und so bietet die Bewegung Alternativen. Diese neuen Gesellschaftsentwürfe sind verschieden und bunt, ernst und überzeugend und manchmal schrill und verwegen. Aber gerade deshalb, in all ihrer Vielfalt, wie ich finde, überzeugend - wir leben in einer bunten Welt und wir müssen etwas ändern, um langfristig zu überleben.
Das Symbol der „Wachstumsverweigerer" ist übrigens eine kleine Schnecke. Es geht um „simplicité volontaire", um „freiwillige Einfachheit" oder um es gut schwäbisch auszudrucken: um Sparsamkeit. Weniger ist bekanntlich mehr.
Worum es letztendlich und aus Kirchensicht geht, ist Verantwortung zu übernehmen für unsere Schöpfung. Gott hat uns diese Welt anvertraut und uns aufgefordert, für sie zu sorgen. Und das sollten wir mit Kreativität und Überzeugung tun. Denn: Materiell gesehen ist unsere Schöpfung endlich, da stoßen wir schon lange an ihre Grenzen. Geistig aber öffnen sich dabei ungeahnte Horizonte.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11630

Die Menschen in der Bibel sind alt geworden. Also im wortwörtlichen Sinne: steinalt, fast unmenschlich alt. Dem Leben der ersten Menschengenerationen waren kaum Grenzen gesetzt (1. Mose 5). Adam lebte 930 Jahre lang, „Methusalem" sogar 969. Mose dagegen wurde nur 120. Abraham immerhin stirbt mit 175 Jahren (1. Mose 25,7) - „alt und lebenssatt".
Damals, zur Zeiten der Bibel waren das utopische Vorstellungen, heute hingegen wirken diese Altersangaben schon fast wieder realistisch. Noch ein wenig und wir erreichen biblisches Alter! Nur, in der Bibel war ein hohes Alter ein Segen - Ausdruck, dass der Segen Gottes mit einem war. Heute dagegen gehört man ja bereits mit fünfzig zum alten Eisen, steht den Jungen im Weg, ist zu langsam, zu schwerfällig für unsere ungeduldige und schnelllebige Zeit.
Nur, in einigen Jahren werden wir - so Gott will und wir leben - auch dazu gehören. Zum alten Eisen. Über die Hälfte aller Deutschen wird über sechzig Jahre alt sein.
Viele ältere Menschen zu haben, stellt vor große Herausforderungen, bietet aber auch Chancen. Denn die Alten haben doch auch eine gewisse Lebenserfahrung und manches Wissen, das wir schon meinen, verloren zu haben.
So gibt es zum Beispiel in Bonn einen Senior Experten Service kurz: SES, der sich genau dessen bedient: Die älteste Expertin ist 89 und Ärztin; der SES und seine Senioren bildet Sozialarbeiter in Riga aus, verbessert in Kambodscha die Schweinezucht, bringt afghanischen Kindern Englisch bei und erklärt in Rumänen die Bäckerzunft à la EU. Hier setzen ältere Menschen ihr Wissen ein und stellen es der Gesellschaft zur Verfügung.
Solche Initiativen stellen eine Bereicherung dar:
Alt sein kann ein Segen sein!

http://www.seelsorge-im-alter.de/leben-im-alter/lebensbilder/alte-menschen-in-der-bibel/http://www.ses-bonn.de/

→ BRIGITTE Special Interest 2011 „Das unterschreiben Frauen" S. 13 „Die Alten haben viel Wissen - ein Volk mit vielen alten Menschen stellt uns vor große Herausforderungen, bietet aber auch Chancen. Zahlen und Fakten"

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11629

Er leidet furchtbare Qualen, eine unheimliche Macht tobt in ihm, wie ein gehetztes Tier rennt er durch die Straßen. Die Leute haben Angst vor ihm: „Dieser Mensch ist von allen guten Geistern verlassen. Was ist nur in ihn gefahren?" So treibt es ihn herum, ziellos streift er umher, nirgends findet er Ruhe.
Die Bibel erzählt wie eines Tages nun Jesus mit seinen Jüngern vorbeikommt. Wie ein Wilder rennt der Mann zum Ufer hinab und wirft sich vor Jesus nieder. Gequält schreit er: „Was willst du von mir, Jesus, Sohn Gottes? Ich bitte dich: Quäle mich nicht!"
Jesus schaut ihn voller Mitleid an. Er sieht, wie er außer sich ist, quasi besessen von einer dunklen Macht und ruft zornig: „Du dunkle Macht, lass diesen Menschen los! Fahr dort drüben in die Schweineherde - da magst du wüten; aber lass diesen Menschen in Ruhe!"
Da ist es, als ob unsichtbare Ketten sich lösen. Endlich ist der Mann von seinen Qualen erlöst; ruhig setzt er sich Jesus zu Füssen.
Diese Geschichten werden manchmal etwas abfällig Wundergeschichten genannt und gemeint ist: Wundergeschichten sind was für Kinder und Einfältige. Und doch entbehren sie ja nicht einer gewissen Aktualität, wenn man sich zum Beispiel die Gesundheitsdiskussion in unserem Lande anguckt.
Man hat den Eindruck, als ob die klassische Medizin uns Menschen als eine Art Maschine ansieht. Der Mensch besteht sicherlich aus einem Körper, mit all seinen Bedürfnissen und Befindlichkeiten, der Mensch besteht aber auch aus einem Kopf und seinen Gedanken und Überlegungen, aus einem Herz mit seinen Gefühlen und Erinnerungen - und der Mensch hat eine Seele und mit ihr spirituelle Erfahrungen. All das sollten wir beachten bei unserer Suche nach alternativen Heilmethoden, die den ganzen Menschen wahrnehmen und alle seine Aspekte: Körper und Kopf, Herz und Seele in Einklang bringen.

Neukirchener Kinderbibel von Irmgard Weth; Mk 5,1-20/Lk 8,26-39

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11628

Feiertag, Grilltag - mag die Sonne scheinen oder nicht, mag es regnen oder schneien, grillen zieht jung und alt nach draußen!
Man mag es nicht glauben, aber auch Jesus hat gegrillt! Jetzt vielleicht nicht so wie beim SWR3-Grilltag mit Johann Lafer, aber bestimmt ebenso lecker.
Allerdings lagen bei Jesus weder Würstchen noch Kottelets auf dem Grill. Nein, bei ihm gab es selbstgefangenen Fisch und dazu Brot.
Und das war gar nicht so selbstverständlich, denn eigentlich war Jesus zu diesem Zeitpunkt bereits tot und begraben. Der tote Jesus erscheint also seinen Jüngerinnen und Jüngern und das erste, worum er sich sorgt, ist, ob sie auch genügend gegessen haben. Ist ja auch verständlich: Nach dem Tod von Jesus hatten die Jünger vermutlich nicht mehr so den Appetit.
Jedenfalls fährt Jesus mit ihnen erst einmal raus auf den See, sie fangen Fisch, dann machen sie Feuer und Jesus grillt für alle. Grillen ist gut, das beruhigt. Und mit gefühltem Magen kann man besser nachdenken. Wie geht das, dass ein toter Mensch aufersteht, vor einem sitzt und Fisch grillt? Was hat das zu bedeuten? Vielleicht genau das: Jesus sorgt sich um unser Wohlergehen und kommt genau deswegen zurück.
Vielleicht denken wir das nächste Mal beim Grillen an Jesus, den Grillmeister. Vielleicht braten auch wir mal wieder einen Fisch und essen Stockbrot dazu. Und wenn wir dann so mit gefüllten Tellern da sitzen, ist es vielleicht auch einfach mal an der Zeit, Gott zu danken!

nach Joh 21,9-13

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Sonntagmorgen, die Sonne scheint. Ich stehe irgendwo in Berlin Friedrichshain. Cafés an allen Ecken und Enden. Wenn man wissen möchte, was kindermässig en vogue ist, dann ist man hier genau richtig. Die Eltern scheinen sich gegenseitig den Rang abzulaufen: wer hat das schönste Babytragetuch? wer den sportlichsten Kinderwagen? das tollste Laufrad?
Wenn man sich dann so mit seinem biologischen und fair gehandelten Kaffee Latte zurücklehnt, wird man die Frage nicht los: Für wen wird der ganze Aufwand eigentlich betrieben? Zum Wohl des Kindes oder geht es hier um die Eltern? Sind die Kinder eher so eine Art Objekt der Selbstverwirklichung für ihre Eltern? Man könnte es meinen.
Auch wir Erwachsene sind Kinder, Kinder Gottes. Aber als Kinder Gottes sind wir genau das Gegenteil von einem Selbstverwirklichungsprojekt. Wenn man sich das mal so anguckt in der Bibel, dann hat Gott zwei „Erziehungstipps" für Eltern: Nimm dein Kind so an, wie es ist; freue dich an ihm, spiel mit ihm, lach mit ihm; und dann: gib ihm die Freiheit, sich zu entwickeln und es selbst zu werden.
Da ist einmal dieses totale Angenommen sein. Egal, ob du abstehende Ohren hast oder hin und wieder schummelst; egal, ob du in der Schule hinten in der letzten Reihe gesessen und in der Nase gepopelt hast, oder ob du die mit den Süßigkeiten und der neuesten Babypuppe warst - ganz egal. Gott nimmt dich so an, wie du bist.
Aber er gibt auch Richtlinien, was wir zu tun und zu lassen haben: die zehn Gebote zum Beispiel oder diese wunderbare goldene Regel „Alles, was du willst, dass man dir tut, das tu auch den anderen".
Für Gott sind wir kein Objekt seiner Selbstverwirklichung. Wir sind frei; frei diese Gebote zu befolgen, frei Fehler zu machen, frei aus unseren Fehlern zu lernen - und es dann hoffentlich besser zu machen. Kurzum: wir sind frei zu wachsen und zu leben.

 

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