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SWR3 Gedanken

„Haben sie eigentlich schon gehört , dass..."
„Haben Sie schon gehört? Wissen sie schon das Neuste von dem und dem?" wie oft beginnt ein Gespräch so, weil mir jemand das neueste Gerücht aus unserem Dorf erzählen will. Wie reagieren Sie auf so was? Mal abgesehen von der ganz menschlichen Neugier, die wohl jeden dann packt, ist es in meinem Beruf als Pfarrerin ja auch wichtig, zuverlässige Informationen zu bekommen.
Manchmal erfahre ich nur so, dass jemand ein Gespräch mit mir sucht oder auf einen Besuch wartet. Und trotzdem - irgendwie ist das immer ein bisschen zwiespältig. Wie sortiert man diese „Übers-Gartentor-Infos"? Wie kriegt man die Kurve zwischen Gerüchteküche und echten Infos, die für das Zusammenleben wichtig sind und es menschlich machen? Was befriedigt einfach nur die Lust am Klatsch? Was ist ehrliche Anteilnahme an einer bestimmten Situation? Ich habe mir jetzt angewöhnt, solche Dinge durch die drei Siebe des Philosophen Sokrates zu schütten:
Die drei Siebe sind: Das Sieb der Wahrheit, das Sieb der Güte und das Sieb der Notwendigkeit. Will sagen: Wenn das, was mir da erzählt wird, nicht der Wahrheit entspricht - hake ich es erst mal ab. Wenn das, was mir erzählt wird nicht gut ist - also mit Güte erzählt wird - hake ich es erst mal ab. Wenn das, was mir da erzählt wird, nicht notwendig ist zu wissen, weil es mir oder anderen weiterhilft - hake ich es erst mal ab.
Natürlich hilft mir diese Methode nicht gänzlich, mich von Klatsch und Tratsch fern zu halten. Aber sie hilft zu klären, womit ich mich nun weiter beschäftigen sollte und womit nicht! Vieles, was ich nicht wissen muss, belastet mich auch nicht. Und es lebt sich wenigstens ein kleines bisschen leichter!

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Jedes Jahr von Neuem melden sich in den Kirchengemeinden Mädchen und Jungs zur Konfirmation an. Jedes Jahr von Neuem bemühen sich Pfarrerinnen und Pfarrer - hoffentlich - den Jugendlichen etwas mit zu geben, das ihnen fürs Leben was zu sagen hat: Über Gott und Jesus, Nächstenliebe und Vergebung. Jedes Jahr gelingen diese Bemühungen bei einigen und scheitern sie bei vielen! Wohl, weil Tanzen und Fußball und iphone nun mal interessanter sind als Bergpredigt und zehn Gebote. Ich denke, das mag mit 13 Jahren so sein. Aber ich denke auch, dass im Leben jedes Menschen Zeiten kommen, in denen es wichtig ist - abgesehen von fit for fun - auch fit für schwierige Situationen zu sein. Und die Bibel gibt Hilfestellung dazu! Auf die Frage nach Krieg und Frieden zum Beispiel sagt Jesus, dass auf Dauer die Friedfertigen gewinnen werden - die Konfirmandinnen und Konfirmanden fragen, ob das auch für Osama bin Laden gilt und klären in der Diskussion ihren eigenen Standpunkt.
Auf die Frage danach, wie ich mit meinen alten Eltern oder Großeltern umgehe, die anfangen, anstrengend zu werden - antwortet die Bibel: Ehre Deinen Vater und Deine Mutter, auf dass es auch Dir gut gehe! Heißt für einen Konfirmanden vielleicht manchmal die alte Oma eben nicht zu belächeln sondern einfach mal zu besuchen und eine halbe Stunde ihren Geschichten zuzuhören. Auf die Frage nach Vergeltung von Unrecht antwortet Jesus: Schlag nicht zurück. Halte deinem Gegner vor Augen, was er tut, indem du ihm auch noch die rechte Wange hin hältst. Was heißt das für Schüler, die Tag für Tag Angst vor der Schule haben, weil sie dort Stress mit anderen haben. Vielleicht doch lieber einen Lehrer um Hilfe bitten als selbst zurück zu hauen - oder als ängstlich zu kuschen. Jedes Jahr von Neuem melden sich Jugendliche zum Konfirmanden-Unterricht an. Hoffentlich treffen sie auf Menschen, die ihnen zu solchen Themen wirklich was zu sagen haben!

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Ich habe vor kurzem ein Haus gekauft. Ich habe mit den Verkäufern vereinbart, dass ich auch einen Großteil des Innenlebens des Hauses mit kaufe, bzw. ausräume. Warum erzähle ich Ihnen das?
Weil es ein absolut merkwürdiges Gefühl war, Dinge in die Hand zu nehmen, die einem mir unbekannten Menschen gehörten und darüber zu entscheiden, was damit passiert. Als ich da so aussortiert habe kam mir immer wieder die Frage:
Was bleibt eigentlich irgendwann mal von mir, wenn ich einmal gehe, also ich meine ganz gehe und sterbe? Die Fotos von meinen Reisen nach Kanada, zum Killimanjaro oder Südtirol? Sie werden die Nachwelt kaum interessieren. Briefe aus meiner Jugendzeit an meine Freundin in Rom, die ich aufbewahrt habe? Auch das ist nicht wirklich wichtig für die, die mal MEIN Haus ausräumen. Porzellan? Bilder? Möbel? Wissen sie was, ich glaube, das alles wird niemanden mehr interessieren. Ein bisschen traurig ist das schon. Weil es mir viel bedeutet. Jesus hat mal gesagt: Hängt Euer Herz nicht an die Sachen, die die Motten fressen! Recht hat er wohl! Das verleitet mich zu einer anderen Frage: Was soll denn am Ende von mir bleiben? Ich glaube, ich würde mir wünschen, dass der eine oder andere mal sagt: „Sie hat mir geholfen, als es mir wirklich mies ging." Ich wünschte mir, dass jemand sagen könnte: „Wir haben herrlich viel zusammen gelacht!" Ich wünschte mir, dass ein paar meiner Konfirmandinnen und Konfirmanden, die gerade Konfirmation hatten, sagen könnten: „Sie hat so von Gott erzählt, dass er für mich und mein Leben wichtig wurde." Das würde ich mir wünschen, dass das von mir bliebe Und: Was wünschen sie sich, was von IHNEN bleiben soll?

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„Hast Du auch Danke gesagt?" fragt die Mama ihre Tochter. Das Mädchen aus dem Kinderchor steht vor mir, grinst ein bisschen schelmisch und ein bisschen verlegen und streckt mir dann tatsächlich artig die Hand entgegen. Sie bedankt sich für das Eis, dass ich den Kindern ausgegeben habe... Dass es das noch gibt?! Ich meine, wir Mittelalten, wir sind doch alle mit solchen - etwas moralisch klingenden Sätzen aufgewachsen. Viele Kinder heute lernen das so nicht mehr. Wegen der Selbstbestimmung und der Anti-Autorität. Man mag darüber denken, was man will. Der Gedanke der dahinter steht ist doch der: Da hat sich ein Mensch Gedanken gemacht, wie er mir eine Freude machen kann. Ich zeige ihm, dass es gelungen ist, indem ich mich bei ihm bedanke. Das ist alles. In aller Regel freut sich der, der geschenkt hat, dann auch noch mal. Wunderbar - ganz ernst. Danke sagen tut doch eigentlich niemandem weh. So. Und jetzt gehe ich noch weiter- auch wenn es vielleicht altbacken oder moralisch klingt: Wie wärs, wenn wir mal bei Gott anklopfen und ihm Danke sagen würden? „Danke, Gott, dass ich hier in Sicherheit und Wohlstand leben darf.", Oder: "Danke, Gott, dass meine Kinder gesund sind und fröhlich ihr Leben leben!" - auch nicht schlecht. Oder: „Danke, Gott, dass meine alten Eltern noch so fit sind und immer noch alleine zurecht kommen!"
In einem Psalm heißt es: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!" Eine freundliche Erinnerung gegen das Vergessen: „He, Gott meint es gut mit dir!" Dafür Danke sagen, das ist mehr als nur eine nette Geste - finde ich...

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Gibt es etwas Friedlicheres als nach einem langen Arbeitstag durch einen Garten zu schlendern? Gibt es etwas Entspannenderes als zu sehen, welche Blüten aufgegangen? Gibt es etwas Befriedigenderes als im Nutzgarten die Früchte der Arbeit zu ernten und das eine oder andere Blättchen „Unkraut" zu rupfen? Das mag vielleicht nicht für jeden gelten... Für manch einen, der einen Garten hat, bedeutet der einfach nur eine Menge Arbeit.
Aber: Laut Bibel gehört auch beides seit Anbeginn der Welt zum Garten dazu: Arbeit und Freude! Da heißt es ganz zu Anfang: „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte." Ein Paradies also - aber nicht frei von Arbeit und Anstrengung! Ein Paradies aber auch, das sich mit ein bisschen gutem Willen formen lässt, verändern lässt.
Dumm nur, dass wir Menschen die Schönheit dessen, was wir haben, oftmals erst erkennen, wenn wir es verloren haben oder wenn es uns genommen wurde! Aus dem eigentlichen Paradies wurden wir Menschen verscheucht, weil unser Hochmut Gott zu himmelstürmend wurde, so jedenfalls steht es in der Bibel. Und damit kam die Sehnsucht nach Heilsein, nach Frieden. Vielleicht ist also unsere Sehnsucht heute nach einem schönen Garten, nach heiler Natur, nach einem ganz eigenen kleinen Paradies ein Ausdruck der Sehnsucht nach einer heilen Beziehung zu Gott oder zu den Menschen, die wir lieben?
Die Bibel erzählt: sogar Jesus flüchtet sich in einen Garten- den Garten Gethsemane. Da will er einmal ganz mit seinem Vater alleine sein, ihm ganz nahe sein, nur mit ihm sprechen. Mir geht das oft auch so: Einen der vielen Sitzplätze in meinem Garten aufsuchen, ab und an die Perspektive wechseln, zur Ruhe kommen und - in guten Zeiten - ein bisschen näher zu Gott...

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- Geburtstag der Kirche
Haben sie eigentlich die Geburtstagtorte schon fertig? Vergessen? Dann aber los. Gegen 10.00 Uhr gehen allerorts die Geburtstagsfeiern los!
„Welche Geburtstagsfeier denn um Himmels Willen?" denken sie jetzt vielleicht. Na, die Kirche feiert doch Geburtstag! „Ja, und was hat das mit mir zu tun?" Na, Sie sind doch eingeladen sind! An Pfingsten hat sich die Kirche ganz zu Anfang auf neue Wege gemacht. Nachdem Jesus nicht mehr mit den ersten Christinnen und Christen leben konnte, haben diese sich überlegt, wie es weitergehen könnte. Der Heilige Geist hat ihnen Hilfestellung gegeben und daraus wurde - im Laufe der Jahrhunderte - die Kirche. Ok ok... nicht immer ist alles, was mit Kirche zusammenhängt so wirklich prickelnd, das gebe ich ja zu, aber: Vielleicht geht es der Kirche wie mit den Menschen auch: Sie kommt in die Jahre, wird älter, langsamer in Vielem! Aber das heißt ja nicht, dass sie auf's Abstellgleis gehört. Vielleicht hat sie sogar - wie eben ältere Menschen auch - ziemlich viel über das Leben zu erzählen - aus den guten wie aus den schweren Zeiten! Aber: Und auch das ist wie bei den Menschen: Jung bleiben, sich verändern, Neues denken oder riskieren, das kann Kirche nur dann, wenn sie auch junge Menschen in ihrem Umfeld hat. Junge Leute, die die alten Geschichten und Lebensweisheiten, der Kirche mit neuen Worten ausdrücken können; Die Lust an gemeinsamer Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung kann Kirche nur leben, wenn sich immer wieder Menschen finden, denen das genauso wichtig ist! Also: Machen sie sich doch mal auf und gehen sie Geburtstag feiern. Um 10.00 Uhr geht's allerorts los. Und Sie sind eingeladen!

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Da stehen ein Dutzend Leute in der Kirche herum und reden in einer merkwürdigen Sprache, die keiner versteht. Ich hoffe, Sie denken jetzt nicht - „Na ja, wie immer halt!". Das wäre wirklich schade! Was ich meine ist die Geschichte von Pfingsten vor etwa 2000 Jahren.
Also: Da stehen ein Dutzend Männer herum und reden in allen möglichen Sprachen, die erst mal niemand der Einheimischen versteht. Diese Männer gehören doch alle zum selben Volk. Sind sie betrunken? Aber dann hören die Leute genauer hin und auf einmal fangen sie an, zu verstehen. „Hey, der redet ja in meiner Sprache. Der erzählt von Gott, wie ich es verstehen kann!" Ein wahres Wunder! Was war passiert? Jesus war nach seiner Auferstehung dann schließlich für immer „in den Himmel aufgefahren", wie es heißt. Die ersten Christinnen und Christen waren auf sich gestellt. Sie konnten ihn nicht mehr fragen. Wie lebte man in Jesu Sinne weiter? Was sollte geschehen? Wie konnten sie so von Jesus und von Gott sprechen, dass die Menschen dieselbe Begeisterung spüren konnten, wie sie selbst? Wenn das mit Jesus nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken sollte, dann brauchten sie Hilfe. Dringend. Und Gott verstand. Es heißt in der Bibel: Es geschah ein Brausen vom Himmel und sie wurden erfüllt vom Heiligen Geist... und sie predigten in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab zu sprechen." Und auf einmal verstehen Menschen. Auf einmal verstehen Menschen Gottes Wort. Auf einmal können sie damit etwas für ihr Leben anfangen.
Heute ist Pfingsten ich bin sicher, die Kirchentüren stehen landauf landab weit genug offen, dass die, die Lust haben auf Gottes Wort hinein finden...hoffentlich auch der Geist!

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