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SWR3 Gedanken

Weihnachten Ostern Allerheiligen - christliche Feiertage sollten in Europa keine Rolle mehr spielen? Ein EU-Kalender in der Kritik...
Doch doch, das ist wirklich lobenswert:
Schülerinnen und Schüler sollen was lernen über Europa;
über ihre Rechte als Verbraucher, als Kinder und Jugendliche.
Sie sollen - wenn schon, dann - safer sex machen
und sich im Europäischen Freiwilligendienst engagieren -
achtzig Seiten Bilder und viel Text in allen europäischen Sprachen,
sogar in Latein, herausgegeben von der Europäischen Union selbst.
Die verschenkt das Teil als Unterrichtsmaterial;
inklusive Lehrerheft und Arbeitsblätter zum Kopieren im Klassensatz.
Und außerdem hat es einen Kalender - das macht es interessant.
Viel Platz für die vielen Termine, die die kids haben;
auch als Aufgabenheft zu gebrauchen,
damit sie weder das Vokabeln-Lernen vergessen noch die Mathe-Aufgaben.
Tja - und beim Kalender fingen dann die Probleme an, dieses Jahr.
Tage, Wochen, Monate sind alle drin, Feiertage auch -
erster Mai, dritter Oktober - staatliche Feiertage bei uns, deutsche Ausgabe;
und die muslimischen. Ramadan, eId al fitr, Zuckerfest...
Ziemlich multikulti, europäisch weltläufig eben; alles paletti!?
Leider fehlt ein Hinweis auf Weihnachten; auch Ostern: ausgespart,
obwohl beides ja auch staatliche Feiertage sind.
Christi Himmelfahrt hat nicht mal der „Vatertag" gerettet...
Hatten sie „vergessen", die christlichen Feste.
Nur geschlampt, bei 3,2 Millionen Auflage. „Keine Absicht", ganz bestimmt.
Auch wenn's schwerfällt: ich betrachte es einfach mal positiv,
als Herausforderung, als  Signal, dass die Kirchen und die Christen
wieder ein bisschen stärker arbeiten müssen an ihren Feiertagen.
Sich selbst und andere neu heranführen.
Sonst ist Ostern bald nur noch der erste Sonntag nach Frühlingsvollmond - und Weihnachten so'n Geschenke-Tag kurz vor Jahresende.
Und am Aschermittwoch wäre wirklich alles vorbei. Schade.
Der christliche Glaube prägt den Rhythmus
auch des bürgerlichen Jahres -
mindestens so sehr wie der Koran.
Und selbst wenn er uns nur ein paar freie Tage schenken würde -
schon deswegen müssten die doch im Kalender stehn.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10144

Freitag, klassischerweise der Wochentag, an dem die Katholischen fasten.
Oft war das einfach nur „kein Fleisch essen und keine Wurst" ...
Der Verzicht hielt sich in Grenzen: So leckere Eierspeisen! -
Und heute weiß ich auch lecker Fisch zu schätzen.
Als Kinder haben wir manchmal freitags auf Süßigkeiten verzichtet.
Alles halb so schlimm.
Und deswegen auch nur halb so wirksam, glaube ich,
weil das Wichtigste dabei verlorenzugehen drohte:
Mal aus dem alltäglichen Trott rauskommen,
mal für einen Tag das lassen, was sonst so selbstverständlich ist;
die eigenen Grenzen erfahren und austesten - das wäre doch Fasten...
Fisch verspeisen statt Rindersteaks, Käse statt Blutwurst auf dem Schulbrot:
da merkt man doch nichts davon.
Und ob die Leute - von wegen Lerneffekt! - freitags für's Leben lernen
und zu Vegetariern werden? Ich hab's jedenfalls vermieden.
Es gäbe was anderes, was viel tiefer eingreifen würde
in den normalen Alltags-Ablauf; bei vielen jedenfalls.
Das wäre: heute bleibt das Auto stehen.
Autofasten, Freitags. Vielleicht jede Woche...
Wäre durchaus machbar, in den Städten allemal
und auch auf dem Land, wenn der öffentliche Nahverkehr gut ist.
Weniger Auto - da wären schon massive Veränderungen nötig.
Früh genug aufstehen und frühstücken, am Busfahrplan orientiert.
Warm genug anziehen - gelegentlich muss ich ja auf dem Bahnsteig warten.
Solche Sachen eben...
Am 20. März startet im Dreiländer-Bereich
Luxemburg - Rheinland-Pfalz - Saarland und außerdem in Darmstadt
wieder die Aktion Autofasten. Vorschlag: nicht nur freitags,
sondern gleich vier Wochen möglichst oft das Auto stehen lassen,
mit Bussen und Bahnen fahren; ich fahr' mit dem Rad.
Das Klima wird davon besser;
die Generationen nach uns werden's uns danken -  
und wir selber gewinnen vielleicht auch:
Fahrräder werden verlost, Tickets und Bahncards teilweise sogar verschenkt.
Und zur Erinnerung und als Übung
lass ich heute schon mal das Auto stehen. Einfach weil Freitag ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10143

Flüchten oder bleiben - das ist heute und in den nächsten Tagen
eine ernste Frage für viele Menschen
- jedenfalls überall in den sogenannten Hochburgen
des mehr oder weniger organisierten,
mehr oder weniger Straßen-Karnevals, von Fastnacht oder Fasching.
Natürlich werde ich jetzt für mich behalten,
wie ich die tollen Tage und Nächte verbringe und wo und mit wem.
Aber ganz allgemein: Es muss doch - ganz ernsthaft - so was geben
wie allgemein gültige und sinnvolle Regeln
für ein sozial verträgliches Miteinander, auch wenn die Narren los sind
und bevor sie einigen auf den Zeiger gehen. Ob es verwegen ist,
dafür in die Bibel zu schauen, ausgerechnet heute?
Zugegeben: Die Bibel ist keine Gesetzes-Sammlung -
und ob Jesus überhaupt je gelacht hat:
über diese Frage gibt es im Roman „Der Name der Rose" von Umberto Eco
finstere Debatten und schlimme Morde,
bis dann schließlich die ganze Abtei abgefackelt ist.
Aber ein paar sinnvolle Lebensregeln hat es doch in der Bibel.
Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden.
Jesus schlägt das vor - mit vielen Beispielen: Die goldene Regel.
Was du von anderen erwartest: Tu es auch für sie.
Wer seine Ruhe haben will in diesen Tagen,
muss die anderen vielleicht in Ruhe feiern lassen; und umgekehrt natürlich. Ausgelassen feiern und gelassen bleiben: das muss gehen, nebeneinander. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr:
Paulus, als Karnevalist völlig unverdächtig, sagt von sich selber:
Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden... Das darf man weiterdenken.
Unter den Lachenden und für sie ein Lachender werden -
jedenfalls wenn und so lange man mit ihnen zusammen ist.
Und mit den Trauernden trauern, mit den Stillen still bleiben,
wo es sich ergibt...
So aufgestellt würden sie gut miteinander leben können,
die Narren und die Flüchtigen; auch über die tollen Tage hinaus.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10142

 Eine abenteuerliche Geschichte ist das; oder mehr als eine Geschichte -
und heute noch interessant, obwohl es schon in der Bibel steht.
Dreizehn Freunde sind unterwegs.
Jesus aus Nazaret ist ihr Anführer.
Er erzählt ihnen und allen Leuten vom Himmel
und davon, wie Gottes Reich anbricht, mitten in ihrem Leben.
Schon spannend - und eigentlich eine ziemlich globale Perspektive.
Allmählich müsste ihnen klar werden,
dass Jesus die ganze Welt radikal verändert haben will -
seine Visionen gehen weit über das kleine Palästina hinaus.
Und da, mitten drin, baggern Jakob und Johannes ihn an:
Also... Wenn du die Herrschaft über die Welt antrittst,
dann sorg doch bitte dafür, dass wir rechts und links von dir sitzen.
Haben wir uns verdient, denken sie wohl.
Klingt aber jedenfalls wie purer Egoismus.
Die haben aber auch gar nix kapiert. Klar, dass Jesus sie zurückweist.
Und die anderen zehn sind entsprechend sauer.
Was die sich einbilden! Was glauben die denn, wer sie sind.
Typische Reaktionen - wer politische Intrigen kennt, kennt das;
oder wer schon mal mobbing im Betrieb erlebt hat. Kennt man nur zu gut.
Jesus kennt es auch; er nutzt die Gelegenheit -
und sagt noch mal, worum es geht.
Ihr wisst, dass die Herrscher der Welt ihre Völker unterdrücken
und dass die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.
Ja, das wissen sie -
und wer heute Zeitung liest und Radio hört, weiß es auch heute.
Gerade lehnen sich die Menschen in den arabischen Ländern dagegen auf.
Bei euch muss es anders sein, sagt Jesus.
Wer bei euch groß sein will, soll allen zu Diensten sein...
Nichts da mit hochherrschaftlich rechts und links vom Boss sitzen.
Nichts mit andere sorgen für mich, mir geht es gut.
Den Buckel krumm machen; selber sorgen für die anderen.
Alle Maßstäbe auf den Kopf gestellt. Bei euch muss es anders sein.
Das wäre eine Botschaft für die Welt - auch heute noch.
Und für die Kirche gilt sie auch: Bei euch muss es anders werden...

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10141

Bruder Luc ist Mönch und Arzt im Kloster Notre Dame
im Atlas-Gebirge in Algerien;
nebenbei im Hauptberuf versorgt er das ganze Dorf mit Medizin.
Der Film „Von Menschen und Göttern" erzählt
von der militärischen Bedrohung durch die Rebellen-Armee
und wie die Mönche sich entscheiden müssen:
hier bleiben, das Leben riskieren - oder gehen,
nach Frankreich zurück, in Sicherheit weiterleben.
Da sagt Bruder Luc:
„Ich fürchte den Tod nicht mehr - ich bin ein freier Mensch."
Wie nebenbei erzählt der Film eine ganz andere Szene:
„Warst du schon mal verliebt?"
Eine junge Frau aus dem Dorf stellt Bruder Luc diese ungewöhnliche Frage;
sie sitzen in der Abendsonne draußen an der Klostermauer.
Ihr ist klar: Er ist Mönch, er lebt in der kleinen Gemeinschaft,
aber sicher ohne eine Frau oder einen Mann an seiner Seite.
Und sie, Rabbia erlebt wohl gerade eine der ersten Verwirrungen,
die das auslöst: Verliebt zu sein.
Und fragt ausgerechnet den Mönch, was sie denn tun soll...
Hallo, Zölibat und so - das geht einem doch gleich durch den Kopf.
Warst du schon mal verliebt?
„Aber ja, mehrfach sogar", antwortet der Alte in der Abendsonne.
„Doch dann habe ich eine Liebe erfahren, die noch viel stärker war;
und dieser Liebe bin ich gefolgt."
Der Film lässt offen, was Lucs Antwort für Rabbia bedeutet.
Ob sie jetzt weiß, dass sie der Liebe ihres Lebens folgen muss und wird
und wer der Glückliche ist...
Mir hat dieses kurze Gespräch auch eine Antwort mitgegeben
für die neue Diskussion über den Zölibat in der katholischen Kirche:
Ja, es gibt so eine Liebe; sie überkommt einen Menschen und reißt ihn mit.
Macht ihn wahrscheinlich sogar unfähig zu einer Liebes-Partnerschaft.
Sie gilt keinem einzelnen Menschen, sondern einem Beruf, einer Berufung.
Diese Liebe hört einen Ruf, der von Gott kommt.
Und folgt ihm bedingungslos.
Christen wissen, dass dieser Gott Liebe ist, wirkliche Liebe.
„... und dieser Liebe bin ich gefolgt - ich bin ein freier Mensch."

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10140

„Barrierefrei" - das sollte an sich Standard sein, im Internet.
Gute Farbkontraste, Schriftgröße verstellbar.
Jedes Bild muss beschriftet sein - Navigation nur über Texte, nie über Grafik - damit der blinde Mensch und sein Browser sich zurechtfinden.
Solche Sachen - die meisten Seiten im Internet können das mittlerweile.
Inzwischen geht es immer öfter mal auch um barrierefreies Einkaufen.
Und seit Anfang letzten Jahres gibt es ein Zertifikat.
Kann der Laden sich in der Werbung mit schmücken
und einen Sticker mit Logo ins Fenster kleben.
"Hier barrierefrei einkaufen" oder „Zertifikat generationenfreundlich"...
Das gehört sich in einer Gesellschaft, an der eigentlich alle teilhaben sollen.
Ehrlich gesagt: Ich bin zwar noch nicht richtig alt
und eigentlich auch nicht sehbehindert oder so.
Aber ich finde die Leselupe am Einkaufswagen schon toll -
so winzig, wie manche Informationen aufgedruckt sind,
auch mit Brille unlesbar.
Und solche Maßnahmen machen den Laden generationenfreundlich
und barrierefrei: Genügend breite Parkplätze,
Einkaufswagen auch mit Rollator zu benutzen,
breite Gänge, Platz für den Rollstuhl auch an den Kassen.
Preise ohne Brille zu lesen - also groß genug gedruckt
und kontrastreich, auch die Kilopreise, statt in blasser Minischrift.
Ideale Farbe, übrigens: Gelb auf Lila; sagen die Fachleute.
Und dass nix im Weg stehen sollte - weder Werbeschilder
noch leere Kartons: Das ist ja sowieso eigentlich pure Höflichkeit.
Gut - alle diese mehr technischen Sachen versprechen Teilnahme für alle;
ich finde das Menschliche viel wichtiger:
dass ich im Laden jemand ansprechen kann, wenn ich was suche.
Dass wirklich jemand da ist,
der oder die sofort Zeit hat, mir zuhört und wirklich weiterhilft.
Wobei „Kommen sie, ich zeige es ihnen" hilfreicher ist als
„müssen sie mal da vorne gucken, in der zweiten Gondel links".
In den Laden geh ich doch beim nächsten Mal gerne wieder rein.
Barrierefrei - das geht am besten, wo es menschlich zugeht.
Und Barrieren abbauen um uns herum:
Das sollten wir sowieso alle tun - jede und jeder,
nicht nur die im Supermarkt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10139

Sind sie katholisch?
Sind sie etwa gern katholisch?
Das ist eine richtig schwierige Frage,
schwieriger noch heute, nach mehr als einem ganzen Jahr
mit immer neuen  Meldungen von Übergriffen
der teilweise schlimmsten Art,
ausgerechnet in katholischen Einrichtungen.
Lange zurück liegen die meisten Fälle - aber das hilft ebenso wenig
wie die Erkenntnis, dass auch anderswo Kinder und Jugendliche
zu Opfern sexueller Übergriffe geworden sind und immer noch werden.
Für viele stellt sich die Frage inzwischen ja anders:
Bleibst du katholisch? Und: Warum sollte ich...
Die Austritts-Zahlen des letzten Jahres sprechen eine deutliche Sprache.
Jeder und jede hat für diesen Schritt Gründe gehabt und hat sie noch - manche teilen sie ihrem Pfarrer oder der Gemeinde mit,
gelegentlich auch öffentlich, im Leserbrief oder online-Kommentar.
Die meisten behalten für sich, warum sie sich so entschieden haben.
Respekt ihnen allen. Und dennoch: Viele bleiben ja Gott sei Dank auch, trotz allem.
Und ich unterstelle mal, dass das oft auch eine bewusste Entscheidung ist,
statt einfach nur Trägheit oder NochNichtDrüberNachgedacht.
Herzlich willkommen allen,
die sich weiterhin in ihrer Kirche engagieren
oder sich einfach mittragen lassen. Gern auch in der katholischen.
Für die, die davon auch anderen erzählen wollen,
gibt es jetzt eine interaktive Internet-Seite.
„Ich bin gerne katholisch, weil..." -
naja, ich hätte ja gesagt gerne Christ - gleich ob evangelisch oder katholisch;
hier also: gerne katholisch, weil - das kann man da weiterschreiben.
Viele tun es auch. Rosemarie zum Beispiel:
„Ich bin und bleibe eine Überzeugungstäterin.
Das ist ... und bleibt eine große Herausforderung."
„... weil die katholische Kirche meine Heimat ist
und nicht bloß eine Wellness-Oase", schreibt Iris, 
ergänzt von Stefan, der „ein Zuhause voller Liebe" erlebt...
Und Bene schreibt: „Gott spielt in meinem Leben keine Rolle, er ist der Regisseur!"  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10138