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SWR3 Gedanken

Wann haben Sie zum letzten mal da gesessen und zugehört? Einfach nur zugehört. Gar nicht so einfach. Jetzt im Advent. Es gibt ja immer was zu tun, die Zeit ist kurz und was ist das schon: bloß zuhören!
Das hat schon Martha ihrer Schwester Maria vorgeworfen. Bloß zuhören!
Die Bibel erzählt, wie die beiden aneinander geraten sind. Das war, als Jesus plötzlich vor der Tür steht. Ganz überraschend. So wie jetzt wieder Weihnachten vor der Tür steht. Und nichts ist vorbereitet.
Martha läuft gleich zur Hochform auf. Kochen, Bett beziehen, Badewasser einlaufen lassen, das volle Programm. Jesus soll es schön haben. Maria aber- so heißt es - setzt sich Jesus zu Füßen und hört ihm zu. Unglaublich.
Und Jesus, für den Martha sich ja abrackert, der verteidigt Maria auch noch. Lass gut sein, meint er, Maria hat eine gute Wahl getroffen, nimm ihr das nicht weg. Warum verteidigt Jesus die Maria so?
Als meine Kinder noch klein waren, ging es mir oft wie Martha. Tausend Dinge zu tun, eben schnell mal- aufräumen, kochen, waschen, das volle Programm. Aber manchmal kam eins der Kinder angelaufen. Schreiend. Mit aufgeschlagenem Knie, mit Hunger, mit Kummer. Und ich habe alles fallen lassen. Habe mich hingesetzt und einfach nur zugehört. Richtig zugehört. Auf einmal war es vorbei.
Vorbei mit dem wehen Knie, mit dem Hunger, mit dem Kummer. Wie weggeblasen. Einfach nur vom Dasitzen und Zuhören. Nie vergesse ich diese glücklichen, kostbaren Momente. Dieser Augenblick, der Blick in die Augen und das Gefühl: wie schön, dass wir einander haben. Wie kostbar und unersetzlich ist das.
Bloß zuhören. Man kann es nicht sehen, man kann es nicht hören, man kann es nicht riechen, was da passiert. Und doch ist es das Größte. Da geht der Himmel auf und alle werden reich beschenkt.
Deshalb-falls Sie manchmal auch so eine Maria sind- mitten im vollen Adventsprogramm, lassen Sie sich das nicht wegnehmen. Sie haben eine gute Wahl getroffen.

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Kennen sie Josef? Den mit der Laterne? Als Krippenfigur ist er derzeit in Millionen von Wohnzimmern, Hotellobbys und Weihnachtsmärkten einfach unersetzlich ist. Josef, der Mann, der im Stall die Laterne hochhält.
Josef ist der Prototyp des Mannes, der sich zu Weihnachten fragt: „Was soll ich hier eigentlich?"
Josef wollte nämlich nichts wie weg.  Er soll Vater sein für ein Kind, dessen Vater- also Erzeuger er gar nicht ist? Er soll glauben, dass seine Maria nichts gehabt haben soll mit einem Anderen? Nur dem Heiligen Geist? Wer bitteschön ist denn das?
So eine Geschichte geht jedem Mann an die Männerehre.  Glaubt er sie, steht er da wie ein Waschlappen. Glaubt er sie nicht, muss er sich die Frau seines Herzens aus dem Herzen reißen. Wie er es macht, ist es verkehrt.
Wie hat Josef das Problem gelöst?
Die Bibel erzählt, wie dem Josef in der Nacht ein Engel erschienen ist. Ja, Josef hat tatsächlich auf seine Träume gehört, hat sie nicht abgetan als wirres Zeug. Und in seinem Traum war ein Engel - ob mit Flügeln oder  Latzhose sein mal dahingestellt. Und der Engel sagte: Bleib bei Maria.  Das Kind ist ein ganz besonderes Kind. Ehre hin oder her. Gott hat einen Job für dich. Du bist unverzichtbar.
Und deshalb hält Josef bis heute die Laterne hoch im Stall von Bethlehem. Wenn Sie auch so ein Josef-Typ sind. Wenn Sie jetzt vor Weihnachten das brennende Gefühl haben: Was soll ich hier eigentlich?
Dann sei Ihnen gesagt:  Auch Sie haben in der Weihnachtsgeschichte eine tragende Rolle! Nicht nur Engel, auch Frauen wissen es sehr zu schätzen, wenn ein Mann seinen Stolz hinten anstellt, Verantwortung übernimmt und tut, was getan werden muss.  Was wären wir ohne die Josefs, die einfach nur da sind und die Laterne hochhalten. Damals im Stall von Bethlehem und heute.

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Glatt und kühl fühlt er sich an. Immer wenn ich in die Manteltasche greife, legt er sich in die Hand. Mein Wanderengel. Ein kleiner Engel aus Bronze. Eine Freundin hat ihn mir geschenkt.
Weil ich ihr von einem Streit mit einem Bekannten erzählt habe. Ein ganz übler. Einen, mit dem ich nicht gut leben kann. Entweder wir finden einen Weg miteinander oder unsere Wege werden sich trennen. Aber das wäre furchtbar, das will ich nicht.
Und als ich das meiner Freundin erzählt habe, hat sie den Bronzeengel vor mir hingelegt und gesagt. „Kannste haben. Ich brauch ihn grade nicht."
Nun weiß meine Freundin, dass ich nichts mit Esoterik und Engelglaube am Hut habe. Aber sie kennt wie ich ein wenig die Bibel. Und da fliegen einem ja ständig die Engel um die Ohren. Sie rütteln auf, sie beruhigen, sie zeigen den richtigen Weg und vor allem sagen sie oft nur das eine: „Fürchte dich nicht."
Als Maria schwanger wird mit dem Jesuskind und nicht weiß, was tun. „Fürchte dich nicht! Gott ist mit dir." Als Josef abhauen will, weil er sich betrogen fühlt. „Fürchte dich nicht! Gott ist mit dir."  Und als die Hirten das Helle am Himmel für den Anfang vom Weltuntergang halten, da rufen die Engel: „Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren."
„Fürchte dich nicht!" Sagt mir mein Engel in der Manteltasche. Auch wenn du Grund genug hast. Aber hab keine Angst. Du bist ja nicht allein. Nicht alles hängt von dir ab. Ob du geschickt genug, intelligent genug, stark genug bist. Gott schickt dir Boten, Vermittler, Gott schickt dir Hilfe, die buchstäblich vom Himmel fällt. Vertraue dir selber. Aber rechne auch mit dem Unberechenbaren. Gott hat noch andere Möglichkeiten in petto. Deshalb: Fürchte dich nicht!"
Ein paar Wochen noch werde ich meinen Wanderengel brauchen. Danach werde ich ihn weiterverschenken.  An jemanden, der ihn auch so nötig hat wie ich. Vielleicht wissen Sie jemanden?

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Seit Tagen steht sie auf meinem Tisch- eine flache Schale aus Silber. Wunderschön. Was könnte man da alles rein tun. Tannenzweige mit Lametta. Oder ein roter Engel? Oder Trockenzeugs mit Zimt- und Vanilleöl. Ich kann mich einfach nicht entscheiden.
Also frage ich einen Bekannten. „Was würde dir besser gefallen: Zweige, Engel oder Duftöl?" -Schweigen- „Nu sag schon. Da muss doch was rein." -„Wieso was rein?"
Typisch Mann, denke ich und beschließe, eine Freundin zu fragen. Aber er bleibt bockig. „Wieso was rein tun?"
„Na das sieht noch nach nix aus. Nur so ne Schale. Alle schmücken jetzt ihre Wohnungen, überall Engel, Lametta, Kugeln, Kerzen. Und dann eine leere Schale. Das geht doch nicht. Das macht mich ganz nervös."
„Aha. Nervös. Interessant." Der Mann macht mich wahnsinnig, denke ich und wechsle das Thema. „Mooment mal, unterbricht er mich. Lauf doch nicht gleich davon.  Wie war das? Leere macht dich nervös? Würde ich mal drüber nachdenken." - „Wieso?"-
„Naja, könnte ja sein, dass dir das nicht nur bei der Schale so geht." Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Er ist auf einmal putzmunter.
„Schlag mal deinen Terminkalender auf. Ist da Leere? Nein. Weil Leere dich nervös macht. Und wie ist das mit dem nächsten Sonntag? Noch nichts geplant, aber tausend Ideen, was man machen könnte. Weil Leere dich nervös macht. Aber Advent feiern wollen. Und aufs Christkind warten."
Langsam ahne ich, was er meint.
„Schau mal, meint er. Könnte es nicht sein, dass du dein Leben auch immer so vollstopfst wie deine Silberschale?
Wie soll Gott dir da was schenken, wenn deine Schale bis zum Rand oben voll ist? Ein liebes Wort, ein himmlischer Fingerzeig? Hä?
Mach halt mal deine Schale leer. Werd in Gottes Namen ein bisschen nervös. Erst mal. Und dann schau dich um, rieche, atme. Sei einfach da. Und lass dich beschenken.

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Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Ich mag dieses Gebet aus der Bibel. Es ist so wunderbar konkret:
Ein Wort- wie eine Leuchte für meinen Fuß. Wie ein Licht auf meinem Weg. Es kommt ja immer wieder vor, dass ich überhaupt keinen Plan habe, wohin es gehen könnte mit mir. Rechts oder Links. Vorwärts oder Rückwärts. Alles ist dunkel und ich blicke überhaupt nicht durch.
Viele denken in diesen Tagen an Samuel Koch,  der bei „wetten, dass...? so schwer verunglückt ist.  Was für ein strahlender Junge, wie hat er darauf gebrannt, etwas Großes zu leisten, Menschen zu verzaubern mit seinen Sprüngen.  Und jetzt liegt er im Krankenhaus und weiß nicht, ob er jemals wieder einen Fuß vor den anderen setzen kann.
Viele, die sich derzeit im Internet darüber austauschen, meinen:  lasst uns auch an die anderen denken, die auch verunglückt sind, die auch was Schlimmes erlebt haben. Und wir haben es nicht gesehen. Lasst uns auch an die denken. Mich berührt, wie viel Mitgefühl da unterwegs ist.  Das ist für mich wie Licht in der Finsternis.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg- so haben unsere Vorfahren gebetet. Stellvertretend für alle, die nicht wissen, wo es langgehen soll. Ich möchte da gern weiterbeten: Dein Wort, Gott,  sei jetzt bei Samuel Koch und bei allen, denen es ähnlich geht.  Sag ein Wort zu ihnen. Sie wissen doch nicht, wohin es mit ihnen gehen soll. Sei mit ihrer Familie und den Freunden, die sich Sorgen machen. Sei einfach da, Gott.
Und schenk uns allen ein gutes Wort in schwerer Zeit und aus dem Dunkeln ein Licht.

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Kopf hoch! Zeig mir dein Gesicht! Wenn mir das jemand sagt, freue ich mich. Hier bitteschön- mein Gesicht. So seh ich aus, so denke ich, so glaube ich.
Schwieriger wird's, wenn jemand mit einem Fotoapparat vor mir steht und dem: Bitte lächeln! Da schnurren doch meine Gesichtszüge sofort zusammen zu einem: Moment noch, ich muss nur mal schnell meine Nase pudern und mein Lächeln auftauen. Ist mir grade eingefroren.
Gesicht zeigen ist doch nicht so einfach. Gesicht hat man auch schnell mal verloren. Und was bleibt einem dann noch- so ohne Gesicht!
„Schaut auf und erhebet eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht."
Ein Mutmachsatz aus dem Lukasevangelium. Lukas war ja nicht nur Geschichtensammler, er war auch Arzt. Er hat die Leute genau beobachtet. Und er hat gesehen, wie sie mit eingezogenem Kopf durch die Gegend gelaufen sind.
Sie hatten wie wir heute viel Angst. Angst vor der römischen Großmacht, Angst,vor Armut und Schande, Angst, dass der Himmel einstürzt und das Meer die Erde verschlingt. Am meisten aber hatten sie Angst, ihren Glauben, ihre Hoffnung und ihr Gesicht zu verlieren. Ein Nichts zu sein.
 „Schaut auf und erhebt eure Häupter" meint Lukas. Zeigt euer Gesicht! Geht aufrecht als freie Menschen."
Warum? Weil all das Schlimme, das wir erleben und durchmachen, nicht das Ende ist, meint Lukas. Wenn wir Angst haben oder beschämt werden oder Sorgen haben- das ist nicht das Ende, das ist so etwas wie ein Durchgang. Gott wird kommen in großer Kraft und Herrlichkeit. Und das feiern wir an Weihnachten.
Gott fängt mit uns noch einmal neu an. Ganz klein fängt er mit uns an. In dem kleinen Dorf Bethlehem, in einem Stall. In diesem kleinen Kind in der Krippe. Gottes große Kraft und Herrlichkeit- das ist dieses Kind, Jesus von Nazareth. Und was immer auch kommt: Kopf hoch. Die Erlösung naht. Alles wird gut.

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