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SWR3 Gedanken

Heute in zwei  Monaten wird es ernst mit Weihnachten. Aber keine Panik!
Und keine Hektik wegen der Weihnachtsmänner im Supermarktregal!
Denn im Oktober muss man natürlich noch nicht alle Weihnachtsgeschenke
fertig haben - obwohl das irgendwie schon praktisch wäre und schön.

Und es sind ja jetzt eben noch zwei Monate Zeit -
und in diesen drei Monaten steckt eine Chance.
Eine Chance für Weihnachten - obwohl das Risiko groß ist.

Allein schon wirtschaftlich betrachtet:
diese vielen Feiertage, die da alle Jahre wieder auf uns zukommen.
Und ob das Weihnachtsgeschäft an den Ladenkassen
das Bruttosozialprodukt wieder ankurbeln kann, ist unsicher.

Und menschlich gesehen?
Auch menschlich gesehen ist Weihnachten ein Risiko.
Viele Menschen haben Angst vor Weihnachten: zu viel Stress und Streit.
Da hilft oft nur noch die Flucht in den sonnigen Süden.

Muss aber eigentlich nicht sein,
denn die Lösung liegt viel näher und ist viel billiger,
erfordert aber ein bisschen Mut. Meine Schwester hat das jetzt gewagt:
Sie - und ihr Mann - hatten genug von Heiligabend mit der Großfamilie
und haben das mitten im Sommer endlich auch mal gesagt:
Und siehe da: Alle, die sonst immer zusammen gefeiert hatten,
haben plötzlich auch eigene Ideen für dieses Fest.
Okay, zuerst staunte man über so viel Veränderung,
aber jetzt finden es alle ziemlich gut.

Weihnachten unterbricht eben alte Gewohnheiten: Gott wird Mensch.
Jetzt ist die Gelegenheit, dieses Fest so zu planen, dass es Freude macht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9274

zum 45. Todestag von Paul Tillich

Schade, dass du tot bist, Paul! Ich hätte gerne einmal mit dir geredet.
Aber genau heute vor fünfundvierzig Jahren bist du gestorben.
Dabei habe ich noch so viele Fragen über Gott und die Welt -
und du hättest vielleicht die Antworten.
Denn die darf man doch erwarten von einem Theologieprofessor,
wie du einer warst: der berühmte Paul Tillich aus Chicago.

Obwohl du manchmal die Antwort einfach verweigert hast.
Stattdessen hast du geschmunzelt und gesagt,
dass kluge Fragen wichtiger sind kluge Antworten.
Zugegeben: Sowas nervt, aber eigentlich stimmt es ja.
Und ich finde es interessant, wenn ein amerikanischer Professor sowas sagt.

Obwohl der kleine Paul eigentlich in Deutschland geboren wurde.
Und zwar schon 1886, und das ist deswegen wichtig,
weil du also schon im Ersten Weltkrieg dabei warst.
Und der war für dich die Hölle. Was du da an der Front erlebt hast,
hast du nie mehr vergessen können. Im Gegenteil:
Das hat dein ganzes Leben auf den Kopf gestellt.
Das heißt: Du hast über alles neu nachgedacht - vor allem über Gott.

Und du hast erkannt: Gott ist das größte Geheimnis unseres Lebens.
Manchmal ist er kaum noch zu sehen zwischen all unseren Grausamkeiten.
Darum ist der Glaube an Gott auch das größte Wagnis unseres Lebens.
Um an Gott zu glauben, muss man noch mutiger sein als ein Soldat.

Kein Wunder, dass die Nazis so einen mutigen Theologie-Professor verfolgt haben und Du wegen Hitler eben schnell nach Amerika fliehen musstest.
In Deutschland hat dann schon bald der Zweiten Weltkrieg angefangen.
Vermutlich hätte man doch mehr auf dich hören und nach Gott fragen sollen.

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zum 70. Geburtstag von Pelé

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Gott.
Denn viele nennen dich so: „Gott".
Dabei heißt du eigentlich „Edison Arantes do Nascimento".
So nannten dich jedenfalls deine Eltern,
als du genau heute vor siebzig Jahren geboren wurdest.
Darum also jetzt auf jeden Fall einen herzlichen Geburtstagsglückwunsch!

„Er war der Größte der Fußball-Historie.
Er hat Fußball in einer Erstklassigkeit gespielt, die niemand mehr erreicht",
das sagte der Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer
mit einem dicken Fußball-Kompliment über den Fußball-Gott Pelé,
und der feiert eben heute eben seinen siebzigsten Geburtstag.

Interessant finde ich bei diesem Geburtstagskind
aber nicht allein seine Fußballkunst, sondern auch seinen Glauben.
Denn Pelé glaubt an Gott - und das nicht einfach aus Gewohnheit,
sondern aus Überzeugung und trotz vieler Traurigkeiten in seinem Leben:
So wurde eine Ehe geschieden, der Sohn aus dieser Ehe war Drogenhändler,
und eine uneheliche Tochter starb an Krebs -
von finanziellen Problemen im Leben Pelés ganz zu schweigen.

Aber seit 1994 ist Pelé mit einer Gospelsängerin verheiratet,
also mit einer Frau, die Lieder von Gott und Glauben und Freiheit singt.
Pelé sagt nicht, wie diese Frau seinen Glauben verändert hat -
und diese Verschwiegenheit finde ich gut.

Aber ich stelle mir vor, dass Pelé heute oft schmunzelt,
wenn er als Christ Geburtstagsglückwünsche für den Fußball-Gott bekommt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9272

„Bluetoothen" konnte Gott schon, als es dieses Wort noch gar nicht gab. Denn „Bluetooth", dieses Fachwort aus der Kommunikations-Technik,
meint ja den unmittelbaren Informations-Austausch
zwischen elektronischen Geräten wie zum Beispiel Handys oder Computer.
Kabel oder irgendwelche Spezialverbindungen braucht man dazu nicht.
Das ist bei Gott genauso.
Und trotzdem klappt das mit der Verbindung nicht immer.

Besonders am Anfang ist das Bluetoothen oft ein bisschen schwierig.
Wobei ich mit Anfang jetzt ungefähr das Jahr Tausend in Dänemark meine.
Da gab es natürlich noch keine Handys,
aber schon jede Menge enger Verbindungen und Kontakte.

Dieses englische Wort „Bluetooth" bedeutet auf Deutsch nämlich „Blauzahn".
Und das ist der Name eines alten dänischen Wikinger-Königs.
Der hatte eben einen besonders dunklen Zahn, einen „Blauzahn".
Aber wirklich bekannt und berühmt war er für sein Kommunikationstalent - und für seinen Glauben: Er brachte das Christentum nach Dänemark.
Und damit sorgte er für stabile Verbindungen innerhalb seines Reiches:
Der gemeinsame Glaube hat die Menschen zusammengehalten
auch ohne andauernden und unmittelbaren Kontakt zum König.
Daher der Name dieser drahtlosen Verbindungstechnik:
König „Blauzahn bluetoothte" eben.

Und wie geht nun das Bluetoothen mit Gott? Na, genauso wie sonst auch:
Nah genug ran gehen und dann den Informations-Austausch aktivieren.
Wobei das Nah-genug-rangehen eigentlich kein Problem mehr sein dürfte.
Denn das hat Gott schon mit Jesus gemacht:
Gott zeigt sich menschlich und kommt uns ganz nah. Vollkommen unsichtbar und trotzdem verständlich - wenn wir auf Empfang sind.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9271

Die Klingeltöne am Handy sind Erkennungsmelodien:
Sorgfältig ausgesuchte Spezial-Melodien, um sofort zu hören, wer anruft.
Manchmal sind solche Klingeltöne eine akustische Vorwarnung,
manchmal aber auch die Ouvertüre zu einer Liebeserklärung.
Und wenn Gott anruft, ist das genauso.
Oder woran erkennen Sie, dass Gott etwas von Ihnen will?

Bei der „Zeitung mit den großen Buchstaben" ist das vollkommen klar:
„Um Gottes Willen" steht da in fett gedruckt auf der ersten Seite,
wenn es irgendwo auf der Welt mal wieder richtig gekracht hat -
egal, ob Erdbeben oder Flugzeugabsturz.
Hauptsache eben, es war ein richtig lauter Kracher,
denn darunter schafft Gott es nicht bis in die Schlagzeile.

Die meisten Menschen sind da sensibler:
Manchmal reicht schon eine Hautverfärbung und der Verdacht auf Krebs,
um mit Gott ins Gespräch zu kommen -
oder das sanfte Atmen eines kleinen Babys in meinem Arm.
Oft meldet sich Gott auch mit Träumen, sagt zumindest die Bibel
und erzählt von solchen Gottesgesprächen als uralten Gebeten.

Zu diesen ganz persönlichen Gesprächen meldet Gott sich also eher leise an.
Manchmal sogar so leise, das er einfach überhört wird.
Das ist zumindest mein Verdacht, denn anders ist es doch gar nicht möglich,
dass wir so wenig von ihm hören.
Wahrscheinlich ist es einfach oft zu laut um uns herum und in uns drin.
Aber ich glaube, das ist nicht so schlimm, jedenfalls nicht für Gott,
denn der ruft dann einfach später noch mal an -
und spätestens nach dem Tod werden wir ihm antworten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9270

Mein Handy hat ein neues Hintergrundbild: ein Urlaubsfoto.
Obwohl das irgendwie auch nicht mehr passt so mitten in der Arbeit.
Und in meinem Leben ist das ganz ähnlich:
Da müsste ich das Hintergrundbild auch mal überprüfen.

Hintergrundbild des Lebens: klingt ein bisschen komisch, oder?
Stimmt aber, denn Hintergrundbilder gibt es nicht nur auf Bildschirmen,
sondern auch in Wirklichkeit.
Nämlich so ein Motiv mit einer ganz bestimmten Stimmung,
das mich immer begleitet und vor dem sich alles andere abspielt.
Was steht im Hintergrund meines Lebens? Was erscheint,
wenn alles startklar ist, aber noch vor der ersten Anwendung?

Ich glaube, dass Gott das Hintergrundbild meines Lebens ist.
Was nicht bedeutet, dass ich immer und überall an Gott denke.
Das ist ja gerade das Schicksal von Hintergrundbildern,
dass man sie eigentlich gar nicht oft sieht.
Denn man guckt sich ein Handy ja eigentlich nicht einfach so an.
Sondern man hält es an´s Ohr oder simmst
oder steckt es wieder in die Tasche, wenn die Musik läuft.
Hintergrundbilder bleiben eben im Hintergrund,
weil anderes sich im Vordergrund breit und wichtig macht - genau wie Gott.

Und trotzdem ist dieser Hintergrund wichtig -
und wird oft mit viel Liebe ausgesucht und zurechtgezoomt.
Und viele Hintergrundbilder sind eine Liebeserklärung.
Und tauchen eben trotzdem nur für einen Augenblick auf
und verschwinden dann ganz schnell hinter der Anruferliste.
Und auch das ist bei Gott genauso.
Gott als Hintergrundbild meines Lebens: Ich guck´ noch mal genauer hin.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9269

In meinem Handy steckt ganz schön viel von meinem Leben:
Meine Musik, meine Bilder, meine Kurznachrichten
und natürlich meine Kontakte:
Freunde, Familie und nicht zuletzt die Handwerker.
Und Gott? Wo würde ich eigentlich Gottes Kontaktdaten einsortieren?
Klingt komisch - die Frage? Kann sein, aber: Wo sortiert man Gott ein?
Gehört der in die Kategorie „privat" oder in die Kategorie „dringend" -
oder sogar zu „tägliche Wiedervorlage" oder doch eher zu „Urlaub"?

Viele Menschen sortieren auch ganz anders, nämlich nach der Menge
der gesendeten und empfangenen Nachrichten.
Und da hat Gott einen Spitzenplatz.
Denn ich finde, da kann man schon bei der Geburt anfangen.
Denn allein schon die Tatsache, dass es mich gibt, ist ein Zeichen Gottes.
Da kommt also schon einiges in Gottes Postfach zusammen.

Oder geht es nach der Wichtigkeit der Nachrichten?
Was macht man dann mit Gottes Nachricht,
dass er mich liebt und alles tut, damit ich glücklich bin?
Dass er sogar sein Leben für mich riskiert hat, um meine Seele zu befreien?
Das ist doch wirklich eine Hammernachricht.
Die muss eigentlich nach ganz oben auf meine Liste.

Oder drücken Sie so was lieber weg, weil das ja meistens doch nicht stimmt, wenn jemand so eine Nachricht schickt.
Ist nicht schlimm, weggedrückt zu werden - jedenfalls nicht für Gott.
Der reagiert sogar dann nicht sauer, wenn er immer wieder wegdrückt wird. Denn er hat eine Flatrate für uns Menschen.
Die nennt man Gnade, und damit sendet er schon seit 2000 Jahren.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9268