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SWR3 Gedanken

Reihe: "Schülerfragen rund ums Eingemachte": Teil 7: Warum an die Inhalte der Bibel glauben?"

„Warum sollte man an die Inhalte der Bibel glauben, wenn dieses Buch doch von Menschen geschrieben ist?" Das wurde ich vor kurzem von Schülern gefragt. Meine erste Antwort: "Sollen sollt Ihr schon gar nichts", denn der Glaube kann und darf nach meiner Überzeugung nur freiwillig sein. Ich kann mich nur damit beschäftigen und dann schauen, ob es mich überzeugt, mir gut tut und etwas für mein Leben bringt. Leider ist das mit dem Beschäftigen gar nicht so einfach, denn die Bibel ist zwar ein ganz wunderbares altes, weises und heiliges Buch, aber leider oft nicht leicht zu verstehen. Denn es ist kein einheitliches Buch, es ist Geschichtsbuch, Weisheitsbuch, Lehrbuch, Gedichtbuch, vor allem aber ein Glaubensbuch. Das zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Menschen geschrieben wurde. Warum also glauben, was diese Menschen geschrieben haben? Zuerst mal denke ich weil es eine große alte Sammlung von Lebensweisheit und Glaubenserfahrung ist. Das kann man schon als rein menschengemacht ansehen. Aber allein die Tatsache, dass Menschen dieses Buch schon seit gut 3000 Jahren schätzen und als Lebensbegleitung nutzen, macht es so einmalig und kostbar. Als gläubiger Mensch kann ich noch einen Schritt weitergehen und fragen: kann es denn nicht sein, dass diese uralten kostbaren Schriften nicht auch das sind was uns Gott durch die Menschen hindurch wissen lassen will? Dass die Menschen, die diese Lebens -und Glaubenserfahrungen gesammelt, aufgeschrieben und weitergegeben haben, Werkzeuge, Kanäle oder „Sprachrohre" Gottes waren? Denn viele dieser Glaubens -und Lebenserfahrungen sind so gut, so zeitlos und beeindruckend, dass sie ohne große Erklärungen verstanden werden können. Manche aber können nur aus der Zeit heraus verstanden werden, in der sie entstanden sind. Da braucht es jemanden, der einem hilft die Bibel zu verstehen. Und dafür ist - unter anderem - die Kirche da: denen, die es wollen, glauben helfen.

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Reihe: "Schülerfragen rund ums Eingemachte": Teil 6: Wie zeigt sich Ihr Glaube im Alltag?"

Die haben mir so richtig auf den Zahn gefühlt, die jungen Leute vom Berufskolleg in Rottenburg. Auf den Glaubenszahn, wenn man das so sagen kann. Zum Beispiel mit dieser nur scheinbar locker-flockigen Frage: „Wie zeigt sich Ihr Glaube im Alltag?" Recht haben sie, denn nur schön Reden reicht nicht. Der Glaube will und soll gelebt werden und das zeigt sich eben im Alltag. Also, dann gehen wir ihn doch mal durch, meinen Alltag, von oben bis unten, von morgens bis abends. Und morgens liege ich immer erst mal auf der Matte. Da mache ich Gymnastik, Yoga oder wie auch immer man es nennen mag. Weil ich als Sitztier ohne diese Übungen einfach Rückenschmerzen hätte. Und bei diesen Übungen bete ich auch meistens. Später dann bei meiner Arbeit hab ich eigentlich auch immer mit dem Glauben zu tun. Mal diskret, in e-mails, Telefonaten oder persönlich Gesprächen und mal öffentlich wie in dieser Radiosendung. Glaube ist also nichts was sich für mich nur in der Kirche abspielt. Der Glaube ist für mich geradezu verwoben mit meinem Alltag. Wenn ich zum Beispiel die frische Luft eines Spätsommermorgens einatme, dann fühle ich mich eingebunden in die herrliche Schöpfung und bin dankbar dafür. Und auch dafür, dass ich so leben kann, wie ich lebe. Denn das ist weiß Gott nicht selbstverständlich. Wenn ich Menschen begegne, dann sehe ich sie immer auch als von Gott geschaffene Zeitgenossen. Mal als Geschenk, mal als Herausforderung und immer mal wieder auch als Geduldsprobe. Und wenn ich dann abends ins Bett gehe dann danke ich Gott für diesen Tag, wie auch immer er gewesen sein mag. Denn auch dieser war ein Teil des großen Puzzles, das sich am Ende das Leben nennt.

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Reihe: „Schülerfragen rund ums Eingemachte" Teil 5:"Glauben sie an die Hölle?"

„Glauben Sie an die Hölle?" Ups, das war eine der Fragen der jungen Leute eines Berufskollegs. Sie hatten mich zu einem Gespräch über Gott und die Welt eingeladen. „Glauben Sie an die Hölle?" Meine Antwort: „Ich glaube an Gott!", denn glauben heißt für mich vertrauen, darauf hoffen, dass es etwas gibt. Na ja, aber damit war die Frage noch nicht beantwortet und es ist ja nur logisch, wenn man zum Beispiel an einen Himmel glaubt, auch an seine Kehrseite zu glauben, an die Hölle. Und Vorstellungen von einer Hölle haben die Menschen ja auch geprägt, bis zum heutigen Tag. Mit mittelalterlichen Bildern: dunkle, schwefel- dampfende Höhlen wo die Sünder auf Bratrosten oder in Kesseln mit siedendem Öl für immer büßen müssen. Bilder voll von Sadismus, Angst und Rachegefühlen. Grauenhaft! Mit ihnen wurde auch Jahrhunderte lang Angst und Schrecken verbreitet. Und Macht ausgeübt von den Kirchen. Das ist Gott sei Dank so gut wie vorbei und nur ein paar Vorvorgestrige verbreiten diese rußigen Schreckensbilder noch immer. Aber wie soll das Leben nach dem Tod, wenn man denn an ein solches glaubt, denn aussehen für die, die unvorstellbar Schlimmes getan haben? Können selbst diese Menschen angesichts der unermesslichen Liebe Gottes auf Vergebung hoffen? Kann ich mir zum Beispiel Mutter Teresa und Adolf Hitler in ein und demselben Seelenraum vorstellen? Ich kann es nicht. Was ich mir aber vorstelle ist, dass der Mensch nach seinem Tod sein Leben in der unvorstellbar großen Liebe Gottes gespiegelt bekommt. Und dadurch erfährt wie nah oder unendlich fern er durch seine Taten oder Untaten von Gott ist. Und wenn ein Mensch in seinem Leben bewusst und in freiem Willen schrecklichste Dinge getan hat, dann stelle ich mir vor, dass die Gottesferne, die er dann nach seinem Tod erfährt, so furchtbar ist, dass man sie auch Hölle nennen könnte.

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Reihe: „Schülerfragen rund ums Eingemachte" Teil 4:"Was kommt nach dem Tod?"

„Was kommt nach dem Tod?" Ich war eingeladen zu einem Gespräch in einem Berufskolleg. Die jungen Leute konnten mich fragen was sie wollten. Was also antworten auf die Frage nach dem Tod, auf die ich natürlich keine klare, wasserdichte Antwort geben kann. Darum erstmal: ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was nach dem Tod kommt, keiner weiß es und niemand kann was beweisen. Deshalb kann ich nur zweierlei tun: Nachdenken welche Vorstellung ich vom Leben nach dem Tod habe. Und ich kann glauben, hoffen, vertrauen. Also erstmal nachdenken. Welche Möglichkeiten gibt es denn? Ich sehe drei. Die für mich schwärzeste: gar nichts. Mit dem Tod stürzen wir in ein großes schwarzes Nichts. Diese Vorstellung gefällt mir natürlich nicht. Denn das Leben hier kann schon so schön sein und die Schöpfung ist im Größten und im Kleinsten schon so voll Kreativität und Leben, dass ich mir das Nichts weder vorstellen kann noch will. Die zweite Möglichkeit: die ewige Wiederkehr. Man geht ein in ein neues anderes Leben und zwar so lang bis man es sich verdient hat aus diesem Kreislauf auszusteigen. Gefällt mir auch nicht, weil es mir wie ein Zwangsmechanismus erscheint, dem ich mich nicht beugen möchte und den ich der Kreativität und Liebe eines göttlichen Schöpfers auch nicht würdig fände. Die dritte Möglichkeit: Nach dem Tod gehe ich ein in ein neues, ewiges Leben. Geborgen in einem Gott von dem mich viele weise Menschen und vor allem das Leben Jesu gelehrt haben, dass er mir gut will. Dass ich es gut haben werde bei ihm. Dass er mir nach meinem Tod eine neue endgültige Existenz schenkt, die all meine Macken, Verletzungen, mein ganzes gelebtes aber auch ungelebtes Leben aufnimmt und vollendet. Mit Leib und Seele, ganz ich und doch ganz anders, ganz bei Gott. Aber, wie gesagt, ich weiß es nicht. Ich kann nur nachdenken, hoffen und vertrauen.

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Reihe: „Schülerfragen rund ums Eingemachte" Teil 3:"Wofür soll die Kirche stehen?"

„Wofür soll die Kirche stehen?" Na super! Diese Frage kam mir gerade recht nach den letzten Monaten mit all den schrecklichen Nachrichten über sexuellen Missbrauch und den Machtspielen der Bischofkonferenz mit der katholischen Journalistenschule. Junge Leute in einem Berufskolleg hatten mir diese Frage gestellt. Leicht fällt mir die Antwort wenn ich erstmal sage wofür die Kirche nicht stehen soll: vor allem nicht für Macht! Für mich ist es das krasse Gegenteil des christlichen Glaubens, wenn Kirchenführer Macht demonstrieren. Sei es durch inneren oder äußeren Pomp oder durch autoritären und demütigenden Umgang mit Menschen. Kirche soll sich auch nicht in intime Details der Lebensführung einmischen. Das ging sie eigentlich noch nie was an und seit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle erst recht nicht. Und darum soll sie sich zu Themen der Sexualität nur noch äußern, wenn sie danach gefragt wird. Stattdessen soll sie den Schatz des christlichen Glaubens durch die Zeit tragen. Den Kern des Lebens und der Botschaft Jesu Christi bewahren, pflegen, weitergeben und - vor allem - selbst leben. Stichwort Glaubwürdigkeit. Dazu gehört vor allem, dass sich die Kirche um das Seelenheil der Menschen sorgt, dass sie bei den Menschen ist, sie mag, mit ihnen liebt und leidet und mit ihnen feiert. Dass sie ihnen die Angst nimmt durch die zeitlos schöne Nachricht von einem Gott, der den Menschen wohl will, der will dass sie sich aus ihren Zwängen befreien. Aus Zwängen, die ihnen andere auferlegt haben, in der Gesellschaft oder der Wirtschaft oder von Zwängen, die sie sich selbst auferlegt haben, durch zu hohe Ansprüche an sich selbst. Und für Gerechtigkeit soll die Kirche stehen. In ihr selbst, in unserer Gesellschaft und in der einen Welt. Und schließlich soll sie dem Tod die Stirn bieten, die Hoffnung stärken, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern anfängt, neu anfängt...

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"Sind Sie sehr religiös?", mei o mei, die stellen Fragen! Gute Fragen! Weil direkte Fragen. Und sie wollen ehrliche Antworten, die Schüler des Berufskollegs, bei dem ich zum Gespräch eingeladen bin. Also, dann ran an die Buletten! Bin ich sehr religiös? Zuerst mal, was ist religiös? Das Wort religiös kommt aus dem Lateinischen und heißt: Angebundenheit. Und das passt, denn ich fühl mich schon irgendwie angebunden, besser noch verbunden mit der Welt, die über diese Welt hinaus geht, wie mit einer unsichtbaren Nabelschnur. Das ist für mich der gefühlsmäßige Teil meines Glaubens. Und er kommt immer wieder zum Tragen, wenn ich an Grenzen komme. Als ich mal innerlich am Fallen war und Gott sei Dank nicht ins Bodenlose gefallen bin. An offenen Gräbern, als tiefe Hoffnung, dass dieses Erdloch nicht das Ende ist, oder im Kreißsaal, als das starke Gefühl: diesen neuen Erdenbürger schickt der Himmel. Das sind die Herzanteile meines Glaubens. Zum Glauben gehört aber auch der Verstand. Und zum Verstand gehört der Zweifel, als Bruder des Glaubens. Natürlich gibt es immer wieder Phasen, in denen ich zweifle. Und leider gibt es immer wieder auch Phasen, in denen ich fast am Verzweifeln bin über manche Leute in meiner Kirche. Meinem Glauben können sie aber nicht schaden. Denn der orientiert sich an Leben und Lehre Jesu Christi. Und Gott sei Dank gibt es in meiner Kirche auch genügend Menschen, die den christlichen Glauben glaubwürdig leben. Was meine Religiosität auch immer wieder stärkt und belebt sind auch die glaubenden Menschen anderer Religionen. Zu den beeindruckendsten Erfahrungen auf meinen Reisen gehört, wenn ich sehe wie echt, schön und natürlich die Menschen in aller Welt ihren Glauben leben. Und wenn ich meiner Freude und meinem Respekt all diesen glaubenden Menschen gegenüber nachspüre, dann kann ich die Frage der jungen Leute schon mit Ja beantworten. Ja, ich denke ich bin schon sehr religiös...

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Reihe: „Schülerfragen rund ums Eingemachte" Teil 1: "Der Sinn des Lebens"

Ich war eingeladen in ein Berufskolleg, sollte einen Vortrag halten über was Religiöses. Ich wollte aber keinen Vortrag halten, ich wollte lieber ins Gespräch kommen mit den jungen Leuten. Der Schulleiter ist darauf eingegangen und es wurden zwei ganz wunderbare Stunden. Schon die erste Frage der Knaller: "Was ist für Sie der Sinn des Lebens?" Wow, drunter geht's wohl nicht! Also sicher nicht nur essen trinken fernsehen, so in etwa hab ich ihnen geantwortet. Auch wenn ich mal gern gut esse, ein schönes Bier trinke und auch ab und zu vor dem Fernseher abhänge. Aber was ich damit sagen will: als Mensch, der das große Glück hat die elementarsten Bedürfnisse so selbstverständlich wie regelmäßig befriedigt zu bekommen, möchte ich dass möglichst viele Menschen dieses Glück auch haben. Und weil das weiß Gott nicht der Fall ist, versuche ich meinen Teil dazu beizutragen dass ein paar weniger Menschen hungern. Weniger an Leib und Seele hungern. Hier in meiner Nähe und weit weg am anderen Ende der Welt. Eine unerlässliche Voraussetzung dafür ist für mich, bewusst zu leben. Schon auch mal fernsehen und am Computer sitzen, aber nicht dauernd aus zweiter Hand leben. Wach und aufmerksam sein. Mit mir selbst und mit anderen.
Als Christ mache ich das, weil dieser Glaube für mich die stimmigste Verbindung von Horizontaler und Vertikaler ist, von Gott und Mensch, oder besser noch von Gott und Mitmenschlichkeit. Ein Glaube der von einem Gott erzählt der den Menschen wohl will. Das macht für mich Sinn. Und wenn es mir immer wieder gelingt bewusst zu leben, offen für Gott und für die Menschen, dann wird das für mich zum Sinn des Lebens.

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