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SWR3 Gedanken

Wie sicher waren wir doch eigentlich schon,
dass es morgen gegen Oranje geht;
Deutschland gegen Niederlande, der Klassiker als Endspiel.
Nun wird Spanien uns vertreten.
Und unseren Jungs bleibt heute das andere Finale - gegen Uruguay,
um Platz vier oder drei.
Es ist inzwischen, glaube ich, okay.
Und es ist auch gut, dass es morgen dann zu Ende geht mit der WM
- gut jedenfalls aus der Perspektive von Menschen,
denen Fußball weniger wichtig ist.
Kann ich nachfühlen. Ein wenig fremd ist mir das auch,
das ganze schwarzrotgoldene Gejubel und Vuvuzela-Getröte,
die kollektive Euphorie überall. Und trotzdem:
Das neue Sommermärchen, obwohl auch dieses Mal wieder ohne happy end,
dieses wiedergekommene „Wir-Gefühl" war gut und wichtig.
Gut, weil geradezu das Gegenteil von dumpfem Nationalstolz  -
neben den Müllers und Schweinsteigers
waren da die Özil, Cacau, Klose, Boateng:
Ein Spiegelbild der bunten Republik Deutschland war zu bejubeln.
Das müssen manche Fangruppen erst noch lernen -
aber diese bunte Mannschaft hat so toll zusammengespielt
und so viel Zukunfts-Perspektive entwickelt: das wird noch. Wichtig war es auch,
weil es die Leute überhaupt mal wieder zusammengebracht hat.
So gern ich allein vor dem Fernseher sitze:
vom Viertelfinale an musste ich raus - nur zu Freunden,
statt gleich zum public viewing; aber gemeinsam gucken...
Der Mensch ist  ein soziales Wesen;
wenn es was zu feiern gibt, spüren wir das -
und noch mehr vielleicht wenn wir trauern müssen.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei -  
so heißt das in der Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Vielleicht haben wir das ja gelernt von dieser WM:
Dass Gott uns als Gemeinschaft gedacht hat und als Geschwister -
ob wir nun verlieren oder gewinnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8629

Schon wahr - die Bundeskanzlerin hat vielleicht
selber nicht wirklich dran geglaubt, an die Finanztransaktions-Steuer.
Jedenfalls haben die Mächtigen der G8 und G20-Staaten
Ende Juni in Toronto einen entsprechenden Beschluss verweigert.
Aber das Faszinierende an dieser Idee
ist ja sowieso eher das Kleine als das ganz Große.
Das fängt schon bei der Steuer selbst an.
Wenn die ganz großen Geschäfte an den Börsen der Welt abgehen,
wo es um hunderte Millionen oder gar um Milliarden geht.
(Und inzwischen haben wir gelernt,
dass da auch schon mal ein Staat pleite gehen könnte dabei.)
Aber natürlich auch wenn ganz bescheiden nur VolksAktien
zum Kauf oder Verkauf anstehen...
Immer, wenn am Finanzmarkt Geld fließt,
soll eine nur winzige Steuer fällig werden.
Null Komma Null Fünf Prozent  vom Umsatz, ungefähr.
Also fünfzig Cent bei 1.000 Euro ...
Geschätzte 150 Milliarden im Jahr würden die Staaten einnehmen;
hundertfünfzig Milliarden, die einfach da wären.
Einzusetzen für mehr Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich;
gut zu gebrauchen für den effektiveren Kampf gegen die Klimakatastrophe -
solche guten Dinge eben.
Riesiger Effekt insgesamt - und das bei minimalem Einsatz.
Auch der Verwaltungsaufwand wäre klein;
diese Geschäfte laufen ja alle vollautomatisch online ab...
Die großen, die Banken und die Spekulanten sind trotzdem dagegen;
und leider auch ein paar von den wichtigen Staatsmännern.
Ich glaube, sie haben einfach Angst:
Davor, dass die miniminikleine Steuer beweisen würde,
dass tatsächlich was zu bewegen ist. Ohne Aufwand, wie gesagt.
Und Angst vor einer Idee, die andere Leute hatten als sie selbst.
Kirchen und Bürgerbewegungen werden keine Ruhe geben -
und irgendwann wird es sich durchsetzen
das winzig Kleine mit dem RiesenEffekt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8607

Oranje war doch eigentlich schon mal vorgegangen -
Endspiel gegen die niederländischen Nachbarn am Sonntag -
das wäre ein  Hit gewesen. Na gut, Spanien war gestern einfach besser;
sind jedenfalls ohne Glück ausgekommen.
Für Löws Mannen gibt's jetzt also das kleine Finale am Samstag gegen Uruguay.
Sportlich und spannend wird das,
wenn auch die deutsche Nationalmannschaft spielt,
als ginge es um den Cup.
Oder haben sie etwa gelogen, Löw und Lahm und alle?
Nach dem vier zu eins gegen Argentinien klang es noch so:
Unser Ziel war, dass wir das Viertelfinale erreichen.
Und was jetzt kommt, wäre sowas wie eine Zugabe. Naja, eigentlich waren wir ja schon Weltmeister.
Null zu eins gegen Serbien? - Schnell vergessen.
Jeweils vier Treffer gegen England und Argentinien -
da war die Welt wieder in Ordnung.
Wer immer schwankt zwischen überheblichem Größenwahn
und allzu schneller Depression:
Wer so drauf ist, hat eigentlich schon verloren.Beide Stimmungen - oder sind es drei - diese Stimmungen müssen
jetzt wieder in die Balance kommen:
Weder haben „wir" schon den dritten Platz sicher
noch haben wir ihn verloren - noch ist etwa alles egal.
Und so sehen richtige Sieger aus:
Die kommen wieder, im nächsten Spiel und in ein paar Jahren.
Dann haben sie ihre Niederlagen analysiert und die Fehler verarbeitet,
haben weitere Erfahrungen gesammelt,
haben am eingespielten Team festgehalten,
das ist weiter zusammengewachsen ... Schließlich: Beim Fußball ist es ein bisschen wie beim lieben Gott:
Du hast immer wieder eine neue Chance -
am Samstag auf einen ehrenvollen dritten Platz gegen Uruguay -
und im richtigen Leben auf Vergebung und Neuorientierung.
Allerdings: Gott ist anders als das WM-Publikum.
Gott steht immer zu jedem und jeder -
gerade auch im Moment der Niederlage.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8628

Zuversichtlich und positiv leben: das ist mehr als blauäugiger Optimismus; und fängt schon beim Reden an - altfried g. rempe aus Trier
Eine lange Liste gäbe das,
wenn ich anfangen würde, alles Negative oder Schlechte aufzuzählen,
nur das, was es heute schon gegeben hat oder was mir noch begegnen wird.
Was ich alles nicht kann
oder noch erreichen möchte, aber leider leider...
Und wenn ich die ganze Woche nehme -
oder gar die ganze Welt...
Das habe ich mir abgewöhnt.
So weit das überhaupt geht -
und manchmal staune ich darüber, wie weit das geht.
So weit wie möglich versuche ich auch,
die negativen Wörter aus meiner Rede zu verbannen.
„Nein", „nichts", „nicht machen" oder „nicht können"...:  Weg damit.
Das zieht doch nur runter, stößt immer wieder ins Negative hinein.
Lieber sage ich es positiv -
statt „Ich sage nicht Nein"... heißt das dann, wie eben;
„ich verbanne die negativen Wörter".
Mir hilft das. Es ist ja mehr ist als nur ein Sprachspiel.
Die Welt ist schlecht genug, meine Probleme sind mächtig -
auch ohne dass ich sie immer bespreche und besinge.
Sie und ich - wir brauchen einen Perspektivenwechsel.
Lasst uns doch lieber auf das Positive blicken,
schöne Tage genießen, die guten Taten der Menschen um uns herum loben oder unsere eigenen Leistungen feiern.
Ist das blauäugiger Optimismus? Da bin ich angstfrei.
Es bleibt nah genug dran an der Wirklichkeit und ihren Problemen.
Am Anfang der Bibel, in der SchöpfungsGeschichte,
steht ja ganz bewusst: Gott sah alles an, was er geschaffen hatte,
und Gott sah: Es war alles sehr gut.
Das ist immer noch die Idee - gültig trotz aller Beweise dafür,
wie schlecht die Welt und die Menschen angeblich sind.
Und trotz der vielen Probleme, deren Lösung noch auf sich warten lässt.
Ein Ideal - Sie und ich, wir sind eingeladen, es zu verwirklichen.
Vielleicht fängt das ja schon damit an, wie wir drüber sprechen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8605

Wir waren mit ein paar Leuten unterwegs zu Chorproben im Saarland.
Schnellster Weg - kürzester Weg: wie fahren wir...
Ohne Navi fühlt man sich ja fast schon hilflos.
Bei einer Tour haben wir uns entschlossen,
doch mal die Umgehungsstraße auszuprobieren.
Und tatsächlich: Da waren wir deutlich schneller am Ziel.
Ohne Navi unterwegs sein, sich selber orientieren.
Ja: Das hat was.
Natürlich ist es einfacher, mir den Weg suchen zu lassen -
sogar an Staus und Baustellen vorbei;
da muss ich nur noch sicher fahren und immer im richtigen Tempo.
Aber spannender finde ich es doch auch,
mir den Weg sozusagen von Hand zusammenzusuchen.
Schon vorher einen Eindruck zu kriegen, was ich da vor mir habe -
wie viel Autobahn, wie viel kurvige Strecken im Mittelgebirge.
Mit dem Navi fahre ich da doch vergleichsweise blind.
Ahnungslos, wie lange es noch in welche Richtung geht -
ohne Kontakt zur wirklichen Realität da draußen.
Ich habe meinen Weg lieber selbst in der Hand.
„Wenn ich das Ding eingeschaltet habe,
dann fahre ich auch so, wie er das sagt." So ticken ja viele.
Mir wäre das zu abhängig.
Ich entscheide lieber selbst, bin auf eigenes Risiko unterwegs.
Für meinen Lebensweg bin ich ja auch selbst verantwortlich,
erst mal noch. Und bin nah dran an der Wirklichkeit.
Und bis jetzt bin ich trotz mancher Umwege immer angekommen.
Was ja vielleicht auch ein Beweis dafür ist,
dass ich begleitet bin auf meinen Wegen -
von anderen Menschen, von meinem Schutzengel,
von einem liebevollen Gott.
Da bin ich mindestens so sicher wie ich sicher bin,
dass der Navi wirklich den kürzesten Weg weist. 
Oder den schnellsten...

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8604

Radikal und glaubwürdig: sollten die Menschen und die Kirchen sein, die das Evangelium zu den Leuten bringen... - altfried g. rempe aus Trier
Ob das funktionieren würde -
heute, zweitausend Jahre danach?
In einer Gesellschaft, die Leistung und Gegenleistung für heilig hält:
Könnte Jesus auch heute Männer und Frauen losschicken
mit seiner Botschaft von Frieden und Heil für die Menschen
- und mit sonst nichts?
Ohne Geld, ohne Picknick, ohne Schuhe sogar?
So macht er es im Evangelium;
gestern haben die Katholiken es mal wieder gehört.
Jesus schickt seine Freunde los, immer zu zweit,
unbewaffnet sowieso, ohne Wanderstock
(der ja auch gegen die Schlangen half, zumal wenn du barfuß bist...);
nur mit der Botschaft, dass Gottes Reich angefangen hat
und dass Friede sich ausbreiten soll.
Wobei Jesus wohl damit gerechnet hat,
dass die Botschaft mal gelegentlich nicht so gut ankommt.
Dann schüttelt den Staub von den Füßen und zieht weiter, fordert er.
Aber eigentlich hat er wohl erwartet,
dass seine Botschafter willkommen sind.
Lasst euch dann ruhig einladen, schlägt er vor.
Esst und trinkt, was sie euch vorsetzen -
denn der Arbeiter hat ein Recht auf seinen Lohn.
So etwas funktioniert heute vielleicht noch in Nischen einer Gesellschaft.
Die Kirche und die Christinnen und Christen müssen
wohl eine andere Art von Radikalität leben,
wenn sie weiterhin die Menschen ansprechen wollen, alle Menschen.
Radikal sein - also überzeugt sein,
dass sie der Welt wirklich was zu sagen haben;
weil die Botschaft einfach gut ist -
weil die Welt wirklich wartet auf Gerechtigkeit und Frieden
und Bewahrung der Schöpfung. Und weil die Leute fragen, wie das geht.
Und das müssten die Kirchenmenschen
so radikal leben, wie es nur geht.
Glaubwürdig, gerade in diesen Zeiten - wo es so schwierig zu sein scheint.

             

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8598

Ein Glückwunsch für Amerika; aber eigentlich für die ganze Welt -
altfried g. rempe aus Trier
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht,
dass alle Menschen gleich erschaffen wurden,
dass sie von ihrem Schöpfer
mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden,
worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind."
So fängt ein Text an, der Geschichte gemacht hat.
Es ist das erste offizielle Dokument der Weltgeschichte,
in dem von Menschenrechten die Rede ist -
von Rechten, die jeder Mensch hat, die ihm niemand wegnehmen darf.
Der Anfang der Declaration of Independence an,
der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika,
beschlossen am vierten Juli 1776.
Heute feiern sie ihren Independence Day.
Glückwunsch, USA - Glückwunsch aber auch an die ganze Welt.
Denn eigentlich gilt ja für die ganze Welt und für alle Menschen überall,
was da ausdrücklich aufgeschrieben ist.
Auch wenn es erst mal nur als Begründung dafür gedacht war,
dass sich die Amerikaner von der Kolonialmacht England befreien wollten.
Auch wenn sogar die USA noch lange gebraucht haben,
bis die Menschenrechte für alle galten:
Sogar für Frauen und für Afroamerikaner... Alle Menschen haben gleiche Rechte -
weil sie Menschen sind, weil Gott sie ihnen schenkt:
Es hat lange gedauert, tausende Jahre,
bis diese Botschaft wirklich ankommen konnte.
Eigentlich stand sie ja schon in der Bibel.
Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, ihm gleich -
als Mann und Frau schuf er sie: das steht ganz am Anfang. Und Paulus hat es mal so aufgeschrieben:
Es hat nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch Jude ist oder nicht,
im Sklavenstand oder frei, ob Mann oder Frau...
Ja - es muss noch weiter gehen, fast überall auf der Welt;
auch in der der Kirche muss es noch gültiger werden.
Und daran sollen sie sich und uns ruhig erinnern, die USA,
am fourth of July - Independence Day.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8597