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SWR3 Gedanken


Obi Wan Kenobi aus Star Wars hat keine Kinder. Gandalf aus „Herr der Ringe“ auch nicht. Und Albus Dumbledor aus Harry Potter hat auch keine Kinder. Alles weise Männer, aber ohne Kinder. Ich frage mich: Habe ich damit meine Chancen verspielt, ein weiser Mann zu werden?

Sicher, mit Halbwüchsigen müssen sie sich rumschlagen, schließlich soll ihre Weisheit ja auf die jüngere Generation mal übergehen. Aber selbst haben sie keine Kinder. Sie haben keine Windeln gewechselt, keine Fläschchen gemacht und mussten nicht zum tausendsten Mal „Zehn kleine Zappelmänner“ singen.

In der Bibel wird ein weiser Mann verglichen mit einem Baum. Ein weiser Mann ist wie ein Baum gepflanzt an Wasserbächen. Dass heißt, er ist tief verwurzelt und so ständig mit der Quelle – in dem Fall mit Gott und Gottes Wort – verbunden.

Ich denke: Nein, als Vater ist man kein Baum, tief verwurzelt. Man ist der Kerl, der ständig unter dem Baum herumspringt und darauf aufpasst, dass keines der Kinder herunterfällt. Jedenfalls alles andere als verwurzelt. Und überhaupt: weise Männer tragen Bart. Mag meine Tochter aber nicht. Piekst.

So weise wie Albus Dumbledore werde ich wohl also nicht. Und trotzdem, glaube ich, dass es noch nicht zu spät ist. Immerhin habe ich meine Kinder. Und über sie habe ich mal den Satz gehört: Kinder wissen noch ganz viel von Gott. Weil sie noch nicht so lange von ihm weg sind, wie die Erwachsenen.

So gesehen ist es gut, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Wer mit ihnen spielt, sie beobachtet, sich mit ihnen unterhält, der entdeckt immer wieder etwas von Gott. Er ist ein weiser Mann, Wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen. Und wem es gefällt, der kann sich auch einen Bart wachsen lassen, wie Gandalf. Wenn er lang genug ist, dann piekst er auch nicht mehr.
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„Vater und Sohn - Was nur SIE ihrem Sohn beibringen sollen.“ So heißt das Buch das ich zur Geburt unseres Sohnes geschenkt bekommen habe. Darin befinden sich mehr oder weniger ernst gemeinte Tipps für Väter, die es mit einem Sohn zu tun bekommen. „Wenn ihr Sohn traurig ist, dann ist er meistens nur müde oder hungrig oder beides“ so lautet ein Tipp. Ein anderer „Wenn sie ihrem Sohn einen Superman-Pyjama kaufen, wundern sie sich nicht, wenn er vom Etagenbett springt oder auf sie drauf.“ Einer dieser Tipps hat mich aber wirklich überrascht: „Halten Sie ihren Sohn dazu an, für seine Feinde zu beten.“

Das ist schon ein starkes Stück. Wirklich anspruchsvoll und schwierig umzusetzen. Natürlich kann man es seinem Sohn immer wieder sagen, aber erstens ist das nervig sich zu wiederholen und zweitens: Bin ich da eigentlich ein gutes Vorbild. Zuerst müsste ich mich ja dran halten, für meine Feinde zu beten.

Und warum soll man das denn überhaupt? Denn Kindern muss man oft genug auch beibringen, dass das was ihnen geschieht ein Unrecht ist. Dass sie sich wehren müssen. Selbstbewusst sollen Kinder sein. Richtig! Erst dann wenn wir aneinander geraten sind, weiß ich, wer mein Feind ist. Und erst dann kann ich strenggenommen ja auch erst für einen Feind beten.

Jesus hat es gesagt: Liebet eure Feinde bittet für die, die euch verfolgen (Mt 5, 44) Vielleicht langt das ja schon, wenn man sagt: Du sollst, weil Jesus es gesagt hat. Und vielleicht – wenn man es wirklich macht, dann merkt man, dass mit einem etwas passiert. Nämlich, dass man einen anderen Blick auf die Menschen bekommt. Auch auf die, die einem Böses wollen. Vielleicht nimmt man sie dann nicht mehr als die Bösen wahr, sondern als Menschen.

Ob ich das wirklich meinem Sohn beibringen kann? Auf jeden Fall nur, wenn ich es selber machen und wenn es mir wichtig ist. Dann kann es klappen. Dass mein Sohn sich richtig abgrenzen kann und dabei den Anderen – und ist es auch sein Feind – nicht mit Ignoranz straft.
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Ein paar Freunde und ich fläzen zur Mittagszeit auf den Stühlen der Skihütte und genießen die Sonne. Plötzlich kommen ein paar Kinder und werfen Schneebälle auf uns. Wir werden laut und rufen ihnen zu, dass sie das lassen sollen. Das scheint sie aber eher noch anzuheizen. Die Attacken kommen jetzt in kürzeren Abständen. Das Gekicher wird lauter. Auf einen Schneeballschlacht haben wir keine Lust. Eine Frau wurde auch schon empfindlich am Kopf getroffen.

Matze steht auf und geht zu den Kindern und schnappt sich den größten Jungen. Matze kommt zurück und legt sich in die Sonne. Keine Schneebälle fliegen mehr. Die Kinder sind laut. Aber sie werfen keine Schneebälle mehr. Ich bin beeindruckt und frage Matze. „Was hast Du mit den Kids gemacht.“ „Nichts“, sagt der „ich habe nur zu dem einen gesagt, dass er ab jetzt die Verantwortung für die anderen trägt. Wenn etwas passiert, dann würde ich ihn persönlich dafür verantwortlich machen.“

Ich schaue zu den Kindern. Tatsächlich: Der große Junge redet auf die anderen ein. Die lassen die Schneebälle wieder fallen. Ich bin beeindruckt, was man alles erreicht, wenn man jemandem Verantwortung überträgt. Auch wenn der noch Kind ist. Er oder sie wächst plötzlich über sich hinaus.

In der Bibel wird der Mensch ganz schnell in die Verantwortung genommen. Kaum ist er geschaffen, bekommt er von Gott Verantwortung übertragen. Er muss den Garten bebauen und sich um die Tiere kümmern. Mir sagt das: Wir sind dazu da, Verantwortung zu übernehmen. Das ist unser Auftrag für die Schöpfung. Und schlimm ist, wenn wir keine Verantwortung übertragen bekommen. Denn dann ist uns langweilig und wir machen Unsinn.

So wie die Kinder mit den Schneebällen. Aber die haben ja jetzt Verantwortung bekommen. Das tut denen gut, glaube ich, und es tut uns gut. Die Sonne scheint.
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Väter haben es nicht leicht. Schon die Bibel erzählt davon. Da sind Väter geplagt mit Söhnen, die ungehorsam sind, sich gegen den Vater stellen oder das Geld des Vaters kurzerhand durchbringen.

Isaak – auch so ein Vater in der Bibel- dem ist passiert, dass er beide Söhne – Jakob und Esau – verloren hat. Jakob und Esau waren Zwillinge und sie haben sich von Anfang an gestritten.

Schon bei der Geburt gönnte Jakob Esau nicht, dass er der erste war. Jakob hielt seinen Bruder an der Ferse fest. Und schließlich hat er noch seinen Bruder ums Erbe gebracht. Dazu musste er Isaak, den inzwischen sehbehinderten Vater betrügen. Aber Esau kam seinem Bruder Jakob auf die Schliche und so musste Jakob fliehen. Weil Esau ihn sonst umgebracht hätte. Armer Vater, kann ich nur sagen.

Dabei hat Isaak, der Vater, alles versucht, dass die beiden Streithähne sich irgendwie vertragen. Aber es hat nichts geholfen, alle Erziehung und gutes Zureden war umsonst.

Bestimmt hat sich Isaak viele Gedanken gemacht hat. Wie viele Väter heute. Da klappt es ja auch in manchen Familien nicht. Mal streiten sich die Kinder oder eins der Kinder gerät immer mehr auf die schiefe Bahn. Wenn sich dann noch die Kinder gegen einen wenden, wird es ganz bitter. Was bloß, hat man falsch gemacht und was soll man tun?

Bei Isaak war es so: Jakob, den einen Sohn hat er verloren, weil der weggegangen ist. Und Esau war nicht mehr der, der er einmal gewesen ist. Und Isaak, der Vater musste untätig zusehen, wie alles schief geht. Vielleicht hat er sich auch noch Vorwürfe gemacht. Aber schließlich haben seine Söhne es doch noch zu etwas gebracht. Ohne seine Hilfe.

Das ist vielleicht die schwierigste Übung für Väter. Nichts wissen, still sitzen, abwarten müssen und nichts tun können. Aber es ist nötig – Damit die Kinder ihren eigenen Weg finden und gehen können. Auch den zum Vater zurück.
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Ich war 5 Jahre alt. saß im elterlichen Bett und habe meinen Vater gefragt: „Warum müssen Menschen eigentlich sterben?“

Eine schwierige Frage. Vielleicht besonders für Väter. Das ist nicht gerade ihr Gebiet. Die reparieren lieber Sachen, wenn sie kaputt gehen, oder werfen sie eben weg, wenn gar nichts mehr geht. Tote Tiere werden im Garten verbuddelt, ok, aber warum das alles???

Geh mal zu Mama, die weiß das vielleicht.“ Oder: „Du hast doch Religion in der Schule, frag doch da mal den Pfarrer, der muss das doch wissen.“ Delegieren muss man ja heutzutage können. Es ist nicht wichtig, dass man alles weiß, aber man muss jemanden kennen, der es weiß. So kommt man gut durchs Leben.

Ich bin froh, dass mein Vater mir eine Antwort gegeben hat. Keine, die man in der Bibel findet, keine die er irgendwie auswendig gelernt hat, sondern eine, die ich damals als fünf oder sechsjähriger Junge verstehen konnte. Er sagte „Gott braucht Menschen hier auf der Erde und im Himmel. Und wenn Gott einen Menschen im Himmel braucht, weil er da was für ihn machen soll, dann muss er hier auf der Erde sterben und kommt in den Himmel.“

Das hab ich mir gemerkt- bis heute. Und sogar jetzt als Pfarrer finde ich diese Antwort auf dreifache Weise genial: zum einen war sie kindgerecht. Und sie war zugleich eine Antwort mit Tiefgang. Und schließlich freut es mich am meisten, dass mein Vater sie mir gegeben hat. Dass er mir mit dieser Antwort auch etwas von seinem Glauben gezeigt hat. Worauf er denn so vertraut im Leben und im Sterben.

Ich wünsche mir, dass ich das auch mal kann, wenn mein Sohn so alt ist und im Bett sitzt und ihn die großen Fragen plagen: Dass ich ihm nicht ausweiche, sondern sage, wie ich es mir vorstelle. Dass ich ihm eine Antwort gebe. Meine eigene Antwort.
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Meine Frau hat sich das Knie böse angehauen. Jetzt kauert sie am Boden, flucht leise vor sich hin und ringt mit dem Schmerz. Unsere zweieinhalb-jährige Tochter hat es mit angesehen. Sie geht zur Mama, umarmt sie und sagt dann „is nich slimm. Ich bin da!“

Ich schmunzle – ja, das sagen wir Eltern auch gerne, wenn unserer Tochter etwas passiert ist: Is nicht schlimm. Ich bin ja da!“ Dann nehmen wir sie in den Arm und trösten sie. Wir pusten auf die Stelle die weh tut und singen „Heile, heile, segen“

„Ich bin da“ Meiner Frau fällt es zuerst auf. Dieses „Ich bin da“ ist mehr als nur ein tröstlicher Satz. Es ist der Name Gottes. Die Bibel erzählt davon wie Mose zum ersten Mal Gott begegnet. Das ist vor einem Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt. Da sagt Gott zu Mose: Führe mein Volk Israel aus Ägypten und bring es in das Land, das ich dir zeigen werde.
Und weil Mose seinem Volk gerne sagen will, wer ihn schickt, fragt er Gott: Und was soll ich den Leuten sagen, ist dein Name? Da sagt Gott zu Mose: Mein Name ist Jahwe. Nun muss man wissen: Im Hebräischen stehen da nur die vier Buchstaben J-H-W-H . und eine Möglichkeit diesen Namen zu übersetzen lautet „Ich bin da“. Gottes Name also lautet „Ich bin da!“

Ohne es zu wissen, hat uns unsere Tochter uns Gott nah gebracht. Sie hat meine Frau umarmt und hat uns Gott nah gebracht. Indem sie ihn beim Namen genannt hat: „ich bin da!“
Und da waren die Schmerzen nur noch halb so schlimm. Vielleicht auch deswegen, weil sie so erstaunt war: so ein kleines Mädchen- und schon ein kleine Prophetin.
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„’Kinder sind eine Strafe des Herrn’, den Bibelvers kennst Du doch auch, oder?“ Wir sitzen an einer Festtafel. Und mein Kollege versucht gerade seine drei Töchter irgendwie zu bändigen. Ich lache und kann ihn gut versehen. Kinder machen Arbeit. Das eine Kind zerrt an der Tischdecke, das andere will unbedingt etwas zu trinken, aber auf keinen Fall das, was das Restaurant zu bieten hat und das dritte muss eigentlich schon die ganze Zeit gewickelt werden und schreit die ganze Bude zusammen.

Das kann einen den letzten Nerv rauben, vor allem, wenn sie sich doch bitte einmal von der netten Seite zeigen sollen, bei einem Fest, für das man sie auch noch schon herausgeputzt hat. Patsch – da liegt die Torte auf dem schönen Kleidchen

„Kinder sind einen Strafe des Herrn!“, Nein, das steht nicht in der Bibel. Denn für die Welt der Bibel sind die Kinder die Garanten dafür, dass es in allen Lebensbereichen weiter geht.

Kinder stellen sicher, dass auch die ältere Generation versorgt wird, wenn sie selbst es nicht mehr kann. Kinder sind nötig, dass das Volk weiterlebt, steht in der Bibel. Das ist bis heute so. Kinder sind die potentiellen Rentenzahler von morgen. Und schließlich muss uns ja auch irgendjemand mal pflegen, wenn wir alt sind.

Meine eigenen Kinder würde ich allerdings nicht so sehen wollen. Für mich sind meine Kinder ein Geschenk, weil sie uns Freude machen und unser Leben bereichern.
Die Torte auf dem Kleidchen ist zwar nervig – atme dann tief durch und sacke kurz in mich zusammen – aber das ist schnell vergessen, wenn sie mit der Strumpfhose auf dem Kopf durch die Wohnung flitzt. Da sind meine Kinder ein Geschenk.

So steht es dann auch in der Bibel (Ps 127,3) „Kinder sind ein Geschenk des Herrn“. Und vielleicht hilft es ja doch sich manchmal vor Augen zu führen: Kinder sind eine Investition in die Zukunft. Geschrei hin – versautes Kleidchen her.
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