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SWR3 Gedanken

In Tokio gibt es ein „Romantik-Restaurant“. Nur für Frauen. Für 50,- Euro können sie hier nicht nur essen gehen, sondern sie werden auch endlich einmal so behandelt, wie es sich gehört. Als Prinzessin nämlich. Schon beim Eintreten wird das deutlich. Ein echter Butler, weißes Hemd, schwarze West, Fliege, gepflegtes Äußeres, kommt auf die Frauen zu und setzt ihnen ein silbernes Diadem auf. Dazu begrüßt er sie mit einem höflichen: „Willkommen Prinzessin“. So spricht er die Frauen dann durchgehend an: „Prinzessin“. Und die Bestellung wird schon mal auf den Knien entgegengenommen. Denn die Kundin wird wirklich als Prinzessin behandelt.
Quatsch? Oh nein. Das Restaurant läuft gut. Vor allem japanische Office-Ladys, Frauen ab 20, die den ganzen Tag im Büro arbeiten, kommen gern her. Wertschätzung im Beruf? Fehlanzeige. Höflich behandelt werden? Fehlanzeige. Aufmerksamkeiten, nette Männer. Meistens auch Fehlanzeige. Wenn man aber von niemandem beachtet wird, was soll man dann machen? Also kaufen sich die jungen Damen ein bisschen Wertschätzung. Und 50,- Euro ist ja gar nicht so teuer, um einmal als Prinzessin behandelt zu werden.
Obwohl es ja auch umsonst ginge, wenn wir Männer uns ein bisschen mehr an Jesus orientieren würden. Der hat die Frauen immer höflich behandelt. Man denke nur an die Samariterin. Eine Außenseiterin. Sie soll mit einigen Männern ein Verhältnis gehabt haben. Und wer weiß, was da noch so alles war. Aber Jesus ließ alle Vorurteile beiseite. Als er ihr an einem Brunnen begegnet, bittet er sie höflich um Wasser. Und dann hat er Zeit für sie. Hört ihr zu. Kein Small-Talk, keine Floskeln, sondern volle Aufmerksamkeit. Er lässt sie erzählen von ihren Sorgen und Nöten, ihren Wünschen und Sehnsüchten. Er schenkt der Samaritern Wertschätzung.
Und als sie sich verabschiedet, geht sie gestärkt in ihren Alltag zurück.
Wäre doch toll, wenn wir immer so miteinander umgehen könnten. Nur das „Romantik-Restaurant“, das würde dann pleite gehen.


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Bilder vom Krieg kennt jeder. Rollende Panzer. Fallende Bomben. Verletzte Soldaten. Flüchtende Zivilisten. Zeitungen, Fernsehen und Internet zeigen den Krieg in allen Schattierungen.
Aber wie sieht Friede aus? Warum bekommen wir den so selten zu sehen?
Kann man ihn überhaupt darstellen?
Das kirchliche Hilfswerk missio hat deshalb einen Fotowettbewerb ausgeschrieben. Und jeder kann mitmachen:
Einfach: Frieden fotografieren und dann das Foto einsenden oder bei missio.de hochladen. Na ja: so einfach ist das vielleicht gar nicht. Denn wie sieht Frieden aus?
Jesus hat einmal gesagt: „Selig, die Frieden stiften.“ Und genau das will missio. Deshalb werden überall auf der Welt friedensfördernde Projekte unterstützt.
Zum Beispiel in Nigeria. Dort herrscht unglaubliche Gewalt. Denn Nigeria hat Öl und ist eigentlich reich. Aber diesen Reichtum teilen die Mächtigen nicht. Trotz des Öls sind die meisten Nigerianer bitterarm.
Um die Armut zu bekämpfen hilft missio Brunnen zu bauen, unterstützt Jugendliche, Perspektiven zu gewinnen und bildet Ordensfrauen im Gesundheitswesen aus. Aber das ist nur die eine Seite, den Armen zu helfen. Man muss sich auch gegen die Ungerechtigkeit einsetzen. Deshalb unterstützt missio die Priesterausbildung in Nigeria. In ihrer Ausbildung lernen die Priester, einen friedlichen Dialog mit den Mächtigen zu führen und sich politisch dafür einzusetzen, dass der Ölreichtum des Landes allen zugute kommt. All das sind Schritte auf dem Weg zu einem friedlicheren Miteinander. Und wie sieht für Sie Friede aus? Gibt es ein Bild, das für Sie Frieden ausstrahlt. Wo die ganze Bedeutung dieses Wortes zur Geltung kommt. Ein ganz persönliches Bild vom Frieden. Vielleicht haben Sie ja eine Vision und einen Fotoapparat zur Hand. Dann machen Sie doch einfach mit. Die Fotos sollen Lust auf Frieden machen. Weil er in den Medien viel zu selten vorkommt. Und gewinnen kann man natürlich auch etwas.
(Infos: http://www.missio.de und http://www.friedensfoto.de)
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12NOV2009
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Ein Schlafsack, eine Plane (2 mal 3 Meter), ein Messer, eine Taschenlampe und 12 Liter Wasser. Das muss für vier Tage reichen. Mehr darf man nicht mitnehmen, wenn man bei einer Vision Quest mitmacht. Die Leiter achten strikt auf die Einhaltung dieser Regeln.
Eine Vision Quest ist eine Visionensuche. Visionen sind Träume, sind Vorstellungen von der Zukunft.
Vision Quest ist eine sehr alte Methode der Sinnsuche und der Selbstheilung: Gehe in die Wildnis, segne dich selbst und erfahre, was getan werden muss. Das hört sich ganz einfach an. Nordamerikanische Indianer gingen in die Wildnis, wenn sie an Wendepunkte in ihrem Leben kamen: Älterwerden, Krankheiten, Wichtige Entscheidungen, die zu treffen waren. Heute ist Vision-Quest ein Seminarangebot: Menschen gehen in die Wildnis, um sich mit ihrem Thema auseinanderzusetzen: Die Liste ist lang: Arbeitspatzverlust, Berufswechsel, Tod eines Familienangehörigen, Burn-out, Selbstzweifel, Beziehungsprobleme.
Statt sich weiter durchzuwurschteln, Klarheit suchen. Dazu muss man zuerst einmal alles zurücklassen. Alle Verpflichtungen, auch das Handy. Vier Tage und vier Nächte in der Natur allein sein. Kein Feuer, kein Essen, keine Uhr, keine Gesellschaft. Die Leiter sind in der Nähe und passen auf, damit nichts passiert. Aber sie greifen nur im Notfall ein. Ansonsten ist man die ganze Zeit auf sich verwiesen. So kann man sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen.
Bevor man losgeht, bespricht man sich mit der Leitung: Was will ich klären? Worauf muss ich achten. Und wenn man zurückkehrt, gibt es eine Nachbesprechung.
4 Tage und 4 Nächte sind eine lange Zeit. Muss vielleicht gar nicht sein. Ich kann auch erst mal mit einer Stunde anfangen. Ohne Handy, ohne Verpflichtung, zum Beispiel auf dem Friedhof. Der ist nahe. Und da stört mich auch keiner.

(Zum Weiterlesen: Sylvia Koch-Weser und Geseko von Lüpke: Vision Quest, Dromer Knaur. VisionQuest im internet: http://www.visionssuche.net/)
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Wenn die Kinder heute Abend zum Martinsumzug gehen, dann freuen sie sich vor allem auf das Pferd. Mit ein bisschen Glück dürfen sie es streicheln. Es ist eine Attraktion. Auf vielen Darstellungen sieht man Martin auf seinem Pferd. Er beugt sich nach unten und reicht dem jämmerlich frierenden Mann eine Mantelhälfte. Aber haben sie das schon mal versucht? Auf einem Pferd zu sitzen, das unruhig hin- und her tänzelt. Und dann mit einem Schwert einen Mantel zu zerschneiden. Das geht gar nicht.
Ich bin sicher: Martin hielt an und stieg ab. Begrüßte den armen Mann. Zerschnitt den Mantel, verschenkte eine Hälfte. Verabschiedete sich und stieg wieder auf.
Martin steigt vom Pferd. Damit überwindet er die Distanz. Er, der reiche Soldat, oben, erhoben auf dem Pferd. Unten der Bettler.
Nein! Martin begibt sich auf Augenhöhe mit dem armen Mann. Was übrigens viel freundlicher klingt als „Bettler.“ Betteln ist in unserem Land sehr negativ besetzt und wertet die Menschen ab.
Martin begibt sich also auf Augenhöhe mit dem armen Mann. Spricht mit ihm, ist freundlich. Darauf kommt es an. Der Mantel ist auch wichtig, das Teilen, das Helfen, aber zunächst einmal kommt etwas anderes: zuerst sollte ich im anderen einen Mensch sehen. Und das geht nicht von oben herab, sondern nur wenn ich vom hohen Ross heruntersteige.
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Ich bin gegen die Todesstrafe.
Logisch – werden Sie sagen – als Katholik muss er ja gegen die Todesstrafe sein. Weil Gott töten verboten hat. Weil es anmaßend ist, sich zum Richter über Leben und Tod aufzuspielen.
Aber es gibt doch Verbrechen, die schreien förmlich nach der Todesstrafe.
Das stimmt. Es gibt schlimme Verbrechen. Ein junger Familienvater in Texas zündete sein Haus an und ließ darin seine drei Kinder elend verbrennen. Sollte man da nicht ganz hart durchgreifen? Langt da eine Gefängnisstrafe? Ist es ein Wunder, wenn viele Menschen bei diesem Verbrechen die Todesstrafe forderten? Natürlich kam der Fall tagelang in die Medien. Natürlich versprach das Gericht ein hartes Durchgreifen. Und so wurde Cameron Todd Willingham 2004 in Texas zum Tode verurteilt. Und mit Gift getötet. Obwohl er seine Unschuld beteuerte. Immer wieder. Bis zum Schluss. Nie hätte er seinen Kindern so etwas antun können. Sein Pech: er konnte sich keinen teuren Anwalt leisten. Kritiker der Hinrichtung veranlassten später eine erneute Untersuchung. Und stellten fest: er war es gar nicht. Die Gutachter konnten einen technischen Defekt beweisen. Dieser hatte das Feuer verursacht und nicht Cameron Todd Willingham. Seine Kinder waren nicht Opfer eines Verbrechens geworden, sondern Opfer eines tragischen Unfalls. Nur nützte das Willingham nichts mehr. Er war bereits umgebracht worden. Und seinen toten Kindern nützte sein Sterben schon gar nichts.
Ich war froh, als ich las, dass der Gouverneur von Neu Mexiko dieses Jahr die Todesstrafe in seinem Staat abgeschafft hat. Obwohl er gläubiger Katholik ist, war Gouverneur Bill Richardson lange für die Todesstrafe. Doch er hat seine Meinung geändert: Weil die Todesstrafe keine gerechte Strafe ist. Denn jeder Unschuldig getötete ist ein Toter zu viel.
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Diana ist jung, mit dem dritten Kind schwanger, hat keine Ausbildung und muss von Hartz IV leben. Der Vater ihrer Kinder ist abgehauen – der will keine Verantwortung tragen. Und die Großmutter hat auch die Nase voll: „Ich kann nicht immer helfen, ich muss auch mal an mich denken.“ Diana könnte den ganzen Tag nur noch heulen. Fragt sich, ob sie das dritte Kind nicht besser abtreibt.
Aber sie hat es nicht getan, weil ihr die Caritas in Kaiserslautern geholfen hat.
Das Angebot heißt „One for two – Jetzt lerne ich für zwei.“ Für mich und für mein neues Baby. Was junge Frauen wie Diana hier lernen können: Wie beschäftige ich mich mit meinen Kindern ohne auszubrennen? Was koche ich ihnen Leckeres mit wenig Geld? Wie verstehe ich Behördenbriefe und wie antworte ich darauf? Wie teile ich mir den Tag ein, damit alles klappt? Schwanger, mit zwei kleinen Kindern wäre für diese Fragen nie Zeit. Aber bei der Caritas gibt es eine Kinderbetreuung, eine Sozialarbeiterin, die einem beisteht, eine Hebamme, die einen auf die Geburt vorbereitet und ganz viel Solidarität. Weil es den anderen jungen Frauen im Kurs genauso geht. Weil man sich endlich mal austauschen – und auch ausheulen - kann.
Diana hat bei One for two mitgemacht. Schwanger, mit ihren zwei Kleinen, ohne Mann.
Seit Mai – viermal die Woche, den ganzen Vormittag. Und sie hat viel gelernt. Das Beste aber ist: Sie kann sich endlich wieder auf die Geburt ihres Babys freuen.

(Nähere Infos zum Projekt bei: Caritas-Zentrum Kaiserslautern, Kath. Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, Engelsgasse 1, 67657 Kaiserslautern Frau Schmitt – Tel.: 0631 / 3638 – 229, Frau Haardt – Tel.: 0631 / 3638 – 233)
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„Ich glaube, ich trinke zu viel,“ – sagte mir ein Schreinerlehrling an der Berufsschule. Es ging um das Thema Sucht. „Ich glaube, ich trinke zuviel.“ Wer das sagen kann, der hat schon viel erreicht. Wenn man sich selbst noch so kritisch sehen kann, ist das schon mal ein riesengroßer Schritt. Hab ich ihm auch so gesagt. Und dann wollte ich wissen, ob er nicht auch gleich was dagegen tun will. „Ja schon,“ meinte er. „Aber ich trinke halt auch gern. Ich will ja nicht gleich ganz aufhören.“
Also habe ich ihm eine Hausaufgabe aufgegeben. „O.K. sagte ich „Sie wollen nicht ganz aufhören, aber sie wollen auch nicht abhängig werden. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie schreiben mir für nächste Woche ganz genau auf, was sie an jedem Tag getrunken haben.
Er hat´s tapfer gemacht. War ´ne ziemlich fette Liste, mit zwei Flaschen Jacky am Samstag und mehr als zwei Bierkästen auf die Woche verteilt. Ich hab gar nicht mehr groß was sagen müssen. „Das ist schon ziemlich viel,“ meinte er nur „und jetzt?“
„Jetzt schreiben Sie´s nochmal auf. Dann können wir uns anschauen, ob Sie auch weniger trinken können, oder ob Sie süchtig sind.“
Das hat er dann gemacht und es wurde Woche für Woche weniger. „Seit ich aufschreibe, passe ich besser auf.“ sagte er. Ein ziemlicher Erfolg für ihn. Ich glaube nicht, dass der junge Schreiner süchtig wird.
Hut ab vor seiner Selbstbeherrschung und seiner Konsequenz. Das schafft nicht jeder allein. Die Caritas bietet deshalb spezielle Kurse an. Skoll heißen sie: Selbstkontrolltraining. Wer merkt, dass er vielleicht in die Sucht abrutscht und gegensteuern will, kann mitmachen. In der Gruppe kann man sich austauschen und wird ermutigt, aufzuschreiben, wann, was und wie viel man nimmt. Dann trifft man sich und berichtet. Das hilft. Übrigens nicht nur bei der Sucht. Wenn ich mich in einer Gruppe austausche, kann ich erfahren, wie andere mir helfen: ich bin nicht allein, ich werde unterstützt und kann auch andere unterstützen.
(Mehr Infos: Skoll richtet sich an Menschen, die ihr problematisches Verhalten überdenken wollen und einen risikoarmen Konsum anstreben. Koodrinatorin des Bundesmodellprojekts Skol ist Sabine Bösing vom Diözesanverband Osnabrück. E-Mail: sboesing@caritas-os.de)
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