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SWR3 Gedanken

Wir sind einfach aus der Haustüre raus und losgegangen. Erst ein verlängertes Wo-chenende, dann mal eine ganze Woche. Wir haben nämlich den Jakobsweg direkt vor unserer Haustür. Diesen Sommer sind wir auf dem Jakobsweg durch das Elsass gewandert: Strasbourg, Mount Sainte Odile, Belfort.

Das ist wohl das erste Mal, dass wir so bewusst unsere Umgebung, die Natur erleben und gemerkt haben: Im Frühling ist es anders als im Sommer und wiederum jetzt im Herbst. Da hängen fett die Reben an den Weinstöcken. Wunderbar!

Was uns bei unseren Wanderungen immer beschäftigt, ist die Sache mit dem Rucksack. Jedes Mal überlegen wir uns zuhause ganz genau: Was brauchste unbedingt? Auf was kannste verzichten? Wir haben superleichte Jugendherbergsschlafsäcke, schnelltrocknende Handtücher, bequeme Kleidung. Wir sind zu zweit, mein Mann und ich, also teilen wir uns alles, was man sich so teilen kann. Nur kein Gramm zuviel! Und dann ist es doch wieder so, dass wir uns unterwegs fragen: Warum schleppste so viel überflüssiges Zeug schon wieder mit dir rum?

Aber wir schleppen auch noch andere, überflüssige Dinge mit uns rum: Probleme bei der Arbeit, Sorgen und Ängste, und manchmal auch Wut. Damit ziehen wir also los auf unserem Jakobsweg und sind so richtig niedergedrückt von allem. Aber er ist schon komisch, dieser Jakobsweg. Mit jedem Schritt, den wir so gehen, werden Kon-flikte klarer, fallen uns verrückte Ideen ein, wie wir Probleme doch noch zu einem guten Ende bringen können. Und am Ende erscheint uns alles ganz einfach.

Man muss einfach nur aus der Haustüre raus und losgehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6742
„Selig sind die Friedfertigen“ - so flatterte es auf den Fahnen evangelischer und katholischer Kirchtürme in Kehl. Sie erinnern sich, im April traf sich die NATO in Stras-bourg. „Selig sind die Friedfertigen.“ Das war als Mahnung gedacht. Es sollte die Männer und Frauen der NATO an ihr Ziel erinnern: Frieden in der Welt zu schaffen und zu sichern.
Eigentlich könnte man die Banner gleich wieder aufhängen. Zur Bundestagswahl. Nicht weil sich derzeit die Parteien gegenseitig bekriegen. „Selig sind die den Frieden suchen“ dieser Satz könnte die Politiker an ihre Versprechen erinnern. Und sie fragen: Was tut ihr für den Frieden in unserem Land und anderswo?

Bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr zum Beispiel. Kann man wirklich mit Waffen Frieden schaffen? Wo endet die Friedensarbeit und wo beginnt der Kriegseinsatz?

Aber auch der Frieden im eigenen Land ist nicht selbstverständlich. Hier geht es um Frieden zwischen Arm und Reich. Dass der Unterschied nicht zu groß wird, dass beide miteinander leben können. Wie steht es mit den sozial Schwachen in unserem Land? Wird ihnen geholfen?

„Selig sind die den Frieden suchen“ sagt Jesus. Das könnte dieses Mal auch eine Mahnung an uns Wähler und Wählerinnen sein: Was tue ich, um die Demokratie bei uns zu stärken? Wie engagiere ich mich? In einer Partei? Im Fußballverein mit Ju-gendlichen? In der Bürgerinitiative, die sich für die Umwelt einsetzt? In der Kirchen-gemeinde?

„Selig sind die den Frieden suchen“ das ist aber nicht nur eine Mahnung, es ist zual-lererst ein Versprechen. Wer für den Frieden eintritt, der wird mit Frieden beschenkt. Und der tut allen gut.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6741
„Wir brauchen jetzt nicht nur einen Konjunkturaufschwung. Wir brauchen einen Wer-teaufschwung.“
Wolfgang Huber hat das gesagt. Er ist Vorsitzender der evangelischen Kirche Deutschlands. Das war im Juli, als die Evangelische Kirche eine Denkschrift heraus-gegeben hat zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.
In seiner Presseerklärung dazu spricht Wolfgang Huber immer wieder von einer „ver-antworteten Freiheit“. „Verantwortete Freiheit“ ist ein schönes Wort! Und es fasst gut zusammen, was die Kirche zur Krise zu sagen hat.

Freiheit brauchen wir. Keine Frage. Freiheit brauchen wir wie die Luft zum Atmen. Um uns frei entfalten zu können – wirtschaftlich gesehen, aber auch geistig, mensch-lich. Freiheit ist ein kostbares Gut, ist ein großes Geschenk. Ein Himmelsgeschenk. Aber Freiheit bleibt nur dann, wenn wir Verantwortung tragen. Wenn wir verantwort-lich mit dieser Freiheit umgehen.

Wenn sich die einen die Freiheit nehmen, auf Kosten der Freiheit anderer zu leben, dann ist das keine Freiheit. Wenn die einen schon wieder anfangen, mit hohen Ren-diten zu zocken. Und zugleich kleinere und mittlere Unternehmen keine Kredite be-kommen und Konkurs machen müssen, dann ist das keine Freiheit. Und wenn man-che nach der Phase der Kurzarbeit wahrscheinlich entlassen werden, dann ist das alles, nur nicht eine „verantwortete Freiheit“.

Diese Krise haben wir einem unglaublichen Mangel an Verantwortungsbewusstsein zu verdanken. Ich glaube, Wolfgang Huber hat da schon recht. Ich finde das mit dem Werteaufschwung eine gute Idee. Denn „Verantwortung“, wie sie die evangelische Kirche in ihrer Denkschrift versteht, Verantwortung bedeutet, aus der Krise zu lernen und im Sinn nachhaltigen Wirtschaftens umzusteuern.


Werteaufschwung
http://ekd.de/presse/pm161_2009_finanzkrise_wirtschaft_ratswort.html
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6740
„Es gibt unter ihnen niemand, der Not leiden muss. Denn die in der Christengemein-de, die Grundstücke oder Häuser besitzen, verkaufen sie, wenn es an etwas fehlt und verteilten den Erlös unter den Bedürftigen.“1

So war das damals vor 2000 Jahren. So sollte es sein. Die christliche Gemeinde versucht, so zu leben, wie Jesus es gesagt hat: Wir alle sind vor Gott Geschwister. Deshalb gehört einander helfen und miteinander teilen dazu.

Heute hört sich das so an: „Inhalt und Ziel (einer) sozialen und wirtschaftlichen Neu-ordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein.“ 2

Nein, dieses Zitat stammt nicht aus dem Parteiprogramm der Linken. Das steht so im ersten Parteiprogramm der CDU von 1947. Nach dem Grauen des Zweiten Weltkrie-ges wollte die Christlich Demokratische Partei einen Neuanfang, der allen dient.

Brandaktuell. Heute stehen wir vor der Frage: Wie schaffen wir nach dieser Wirtschaftskrise einen Neuanfang, der allen dient?

In Krisenzeiten lernt man umzudenken. Sich darauf zu besinnen, was zählt.
So kann man nur hoffen, dass die Wirtschaftskrise neben all ihren negativen Folgen auch einen positiven Effekt auf unsere Politik hat.

Und die Politiker sich darauf besinnen, was zählt: Sich für die Bedürfnisse der Men-schen einzusetzen, insbesondere derer die Not leiden.


1 Apostelgeschichte 4, 34.35. „32 All die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hat-ten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als per-sönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.“

2 Das Ahlener Programm der CDU von 1947: „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatli-chen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. (…) Inhalt und Ziel (einer) sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6739
Niels ist Pfarrer. Und er wohnt – in einem Pfarrhaus. Natürlich. Das Pfarrhaus steht gegenüber der Kirche. Und wie das so ist in einem Pfarrhaus: Niels bekommt häufig Besuch. Die Leute klingeln, wenn sie Sorgen haben, wenn sie etwas brauchen oder einfach „nur mal so“, zum quatschen.

Für die ganz konkreten Wünsche hat Niels eine besondere Kiste: In dieser Kiste befinden sich so Dinge wie Nudeln, Reis und Konservendosen, aber auch Decken und Jacken und Busfahrkarten. Geld gibt es nicht. Jedenfalls nicht so einfach auf die Hand. Im Pfarrhaus hilft man anders. Eben mit ganz konkreten Dingen.

Außerdem gibt es direkt neben Kirche und Pfarrhaus eine Bäckerei. Das ist sehr nützlich, wenn jemand klingelt und Hunger hat. Martin zum Beispiel. Der kommt öfters zum Essen vorbei. Und während Martin seine belegten Brötchen kaut, erzählt er Niels von sich. Wie er es zuhause in Mannheim nicht mehr ausgehalten hat. Wie er los ist, nach Frankreich, Spanien. Bis nach Portugal ist er gewandert. Aber jetzt will er wieder nach Hause, nach Mannheim. Gesättigt und mit einer warmen Decke in der Hand zieht er weiter.

Oder Jesus. Jesus kommt so alle paar Monate mal im Pfarrhaus vorbei. Jesus heißt Jesus, weil er glaubt, er sei der wiedergeborene und auferstandene Herr Jesus Christus. Bei einer Tasse Kaffee erklärt er dem Pfarrer, wie das so ist, als Jesus Christus in unserer Welt zu leben.
Oder Giselle. Sie hat drei Jobs und vier Kinder. Manchmal wächst ihr alles über den Kopf. Dann kommt sie auf einen Kaffee vorbei und erzählt von ihren Kindern. Manchmal reicht das Geld nicht ganz. Dann drückt Niels ihr Nudeln und Sauce in die Hand.

Niels sagt, in einem Pfarrhaus zu leben, ist manchmal ziemlich anstrengend. Aber es ist nie langweilig! https://www.kirche-im-swr.de/?m=6738
Du darfst nerven! Nein, du sollst es sogar: Drastische Aktionen, klare Worte – alles ist erlaubt. „Konzertierte Aktionen“ haben die es in den Siebzigern genannt. Den Poli-tikern sagen, dass man keine Lust hat auf langweilige, aussagelose Phrasen. Politik ist dazu da, dass man auch gegen Ende des Monats noch was zu beißen hat. Hand-fest. Konkret.

Warum ich das einfach so sage? Weil Gott das so will. Gott will, dass wir uns enga-gieren. So stehts in der Bibel. Wir sollen uns engagieren - vorzugsweise für die, die nichts haben, für die, die am Rand der Gesellschaft stehen. Gott will, dass wir Politik, die schlecht ist für die Schwächsten unter uns, nicht einfach laufen lassen.

Das ist Gottes Wille. Und um seinem Anliegen Gehör zu verschaffen, hat Gott sich einiges einfallen lassen: Vor 2800 Jahren hat er dem Propheten Jeremia gesagt: Zieh dich aus und laufe nackt durch die Strassen. Zeig den Reichen und Mächtigen, dass sie auch mal nackt sein werden, wenn sie so weitermachen. Und Jeremia hat’s getan. Drei Jahre lang!
Ein andermal hat er sich ein Ochsenjoch umgelegt und ist damit rumgelaufen, um den Mächtigen zu zeigen: das macht ihr aus dem Volk: lauter Arbeitstiere.

Jeremia wollte, sollte provozieren. Anders hätten die Mächtigen damals wohl kaum aufgehorcht. Viel reden und nichts sagen, gab es schon damals. Und Dinge verspre-chen, die schnell wieder vergessen werden, wenn man die Macht hat, auch.

Wir müssen nicht gleich zu so drastischen Mitteln greifen wie Jeremia. Aber ein biss-chen mehr Kreativität würde ich mir schon wünschen.


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Heute lädt ein Pfarrer im Staat Kentucky in den USA zu einem besonderen Gottes-dienst ein. Alle sollen doch bitte ihre Waffen mit in den Gottesdienst bringen: Gewehre, Pump Guns, Pistolen. Es gibt sogar eine Waffentombola im Anschluss! Der Pfarrer und seine Gemeinde möchten gegen die restriktiven Waffengesetze der Regierung von Barack Obama protestieren.

Zur gleichen Zeit, am selben Ort demonstrieren andere christliche Gemeinden, katholische und evangelische gegen diese Waffenaktion. Sie berufen sich auf die Bibel. Denn der Gott, der uns alle, alle Menschen geschaffen hat, der hat uns auch Gebote mit auf den Weg gegeben. Zum Beispiel dieses: Du sollst nicht töten. Oder Jesus, der nicht nur gesagt hat: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, sondern auch „Liebe Deine Feinde!“

Christinnen und Christen machen es sich nicht einfach mit diesem Anspruch auf Ge-waltlosigkeit. In dieser Welt, in der wir leben, herrscht viel zu oft Unfriede, Gewalt aller Art, Angst. Soll man da nicht das Recht haben, sich und seine Familie zu schützen? Notfalls auch mit Waffengewalt? So denken in Amerika viele.

Bei uns ist das Gott sei Dank anders. Wir vertrauen darauf, dass der Staat uns schützt.

Wenn wir alle Kinder Gottes sind, dann haben wir die Pflicht, bestmöglich miteinan-der auszukommen und dabei sind Waffen nicht wirklich behilflich.
Oder um es anders zu sagen: Gott hat uns Hände gegeben, die zwar Waffen tragen können, aber diese Hände können auch streicheln und trösten und Frieden stiften. Und Gott hat uns eindeutig gesagt, was wir tun sollen: Selig sind, die Frieden suchen!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6736