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SWR3 Gedanken

Frau Benz ist begeistert: „Ich finde das super, dass Jugendliche so bereit sind sich zu engagieren.“ Die Leiterin der städtischen Kindertagesstätte im pfälzischen Frankenthal hat Glück gehabt: Seit Donnerstag verwandeln Meßdiener und Katholische Junge Gemeinde das heruntergekommene Außengelände „ihres“ Kindergartens in ein Erlebnisparadies. Die Gruppe aus der benachbarten Pfarrei St. Paul bekam diese Aufgabe bei der 72 Stunden-Aktion. Frau Benz weiß: „Das hätte noch Jahre gedauert, bis es dafür Geld von der Stadt gegeben hätte.“ Zwar wurde gerade die Außenisolierung des Gebäudes saniert, aber damit war der Etat der Stadt auch schon erschöpft. Zu viele Löcher muss das verschuldete Frankenthal stopfen.
Doch jetzt können sich die Kinder freuen. Für sie entsteht ein spannender Sinnesparcour mit Barfußpfad. Die Jugendlichen legen auch eine neue Randbepflanzung an. Dann können die Kinder viel ungestörter spielen. Vielleicht schaffen sie im Schlußspurt sogar noch das Insektenhotel. Darin könnten verschiedene Käfer oder auch Bienen überwintern. Durch das Insektenhotel könnten die Kinder eine Menge über die kleinen Tierchen lernen.
Morgen zum Abschluss gibt es dann einen Gottesdienst mit Kindern, Eltern, Erziehern und den Teilnehmern der 72-Stunden-Aktion. Den haben sich die Kindergarten-Eltern gewünscht, als Dankesfest. Der benachbarte Pfarrer sagte gerne Ja. Er war es auch, der Frau Benz auf die Aktion aufmerksam gemacht hat. Schon lange arbeitet er mit den Erzieherinnen gut zusammen. So können die Firmlinge der Pfarrei im Kindergarten ein Praktikum machen, um Erfahrungen zu sammeln.
Das Projekt in Frankenthal ist nur eines von fast 3000 Projekten, die heute und morgen noch verwirklicht werden – „wirklich licht“ werden. Denn die 100.000 engagierten Jugendlichen lassen es in Deutschland hell werden. So wie Jesus es gesagt hat: „Wer mir nachfolgt wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern er wird das Licht des Lebens haben und es in Fülle haben.“
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Die 72-Stunden-Aktion ist in vollem Gange. Überall im Land werkeln bereits 100.000 Jugendliche und versuchen fast 3000 Projekte zu verwirklichen.
Ich habe überlegt, was Jesus dazu sagen würde und mal einen Blick in die Bibel geworfen. Die Jugendlichen würde er für ihren Einsatz bestimmt loben. Aber ich glaube er hätte auch eine Botschaft für alle übrigen. Da heißt es nämlich in der Bibel:
„Sammelt Euch keine Schätze auf Erden, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen. Sondern sammelt Euch Schätze im Himmel.“
Also liebe Handwerker, liebe Menschen in den Betrieben, Firmen und Geschäften: seid großzügig. Wenn die Jugendlichen noch einen Eimer Farbe für eine Kindergartenwand brauchen – gebt Sie ihnen. Und wenn ein paar Dachlatten nötig sind – fahrt sie Ihnen bitte hin.
Als Elisabeth von Thüringen sah, dass Kinder nichts zu essen hatten, lud sie alle Hungrigen zu sich in die Schlossküche ein.
Und als Martin von Tour einen Bettler frieren sah, gab er ihm die Hälfte seines Mantels. Zur Belohnung nennt man beide heute Heilige. Wer von seinem Reichtum abgibt wird damit ja noch lange nicht arm. Im Gegenteil. Wer andere beschenkt und dadurch hilft, dass die Welt ein bisschen besser wird, darf sich heilig nennen und sammelt Schätze im Himmel.
Nicht umsonst hat die 72-Stunden-Aktion das Motto „Uns schickt der Himmel.“


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Johannes ist schon ganz gespannt. Um 17.00 geht es los. Dann – und wirklich erst dann - erfährt er auf dem Rathausplatz des pfälzischen Frankenthal, wo er anpacken soll. Denn Johannes macht mit bei der 72Stunden-Aktion. 3 Tage und Nächte soziales Engagement. Sonst verbringt er seine Freizeit eher mit Handball und Jump-Style-Tanzen. Aber die nächsten 3 Tage wird er gemeinsam mit 100.000 Kindern und Jugendlichen in 7 Bundesländern zupacken, um die Welt ein bisschen lebenswerter zu gestalten.
Bei der letzten 72Stunden-Aktion vor 5 Jahren war Johannes auch schon dabei: „Da sollten wir in einem Kindergarten im benachbarten Ludwigshafen eine marode Mauer sanieren und mit kinderfreundlichen Motiven gestalten“, erinnert er sich. „Das war anstrengend. Wir haben 3 Tage im Kindergarten gepennt und mit 15 Leuten unheimlich viel gemacht. Aber am Ende die coole Wand zu sehen, mit Micky Maus und so, das hat unheimlich viel Spaß gemacht. Und die ist heute immer noch da.“ Wegen diesem Spaß hat er auch Freunde und Klassenkameraden motivieren können. Außerdem gibt es in Frankenthal für die Aktion morgen schulfrei. Johannes hofft auf ein ebenso gutes und spannendes Projekt wie beim letzten mal: „Einen Spielplatz gestalten, das wäre cool.“ Aber wie gesagt: die Umschläge mit den Aufgaben sind noch bis heute abend verschlossen.
Obwohl die 72-Stunden-Aktion vom Bund der deutschen katholischen Jugend organisiert wird, findet Johannes sein Engagement nicht unbedingt religiös. „Ich mache das einfach, um mal was Gutes zu tun.“ Trotzdem erfüllt er damit genau das, was Jesus sich von den Menschen wünscht: dass sie „Sauerteig“ sind. Dass sie durch ihr Tun, die träge Mehlmasse anstecken und mitziehen, damit etwas richtig Schönes aufgeht. Danke Johannes.

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„Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“, Was für ein Satz! Ich kenne ihn auswendig, er begleitet mich seit meiner Kindheit. Jesus hat das gesagt, in der Bergpredigt. „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden
Gott schauen“.

Als kleines Kind fand ich diese Aussage motivierend: Wenn ich ganz brav bin, dachte ich, kriege ich bestimmt ein so reines Herz, dass ich Gott sehen kann.
Mit den Jahren frustrierte mich der schöne Satz. Ich war doch immer wieder so brav, aber Gott reichte das offensichtlich nicht; er ließ sich nicht sehen.

Später war ich überzeugt: das mit der Gottesschau und dem reinen Herzen, das ist bestimmt nur was für die, die im Kloster oder in einem Orden leben und sowieso den ganzen Tag beten. Und so schön ich die Idee mit den reinem Herz fand – das war’s mir dann doch nicht wert.

Jetzt habe ich eine Frau kennen gelernt, die alle Überlegungen von früher über den Haufen wirft. So ist das also, wenn jemand ein reines Herz hat: Jene ältere Frau geht voller Herzlichkeit und ohne jede Vorbehalte auf fremde Menschen zu. Sie schenkt dem anderen jeweils ihre ganze Aufmerksamkeit. Aus Gesprächen mit ihr gehen die Leute gestärkt weg und viele sagen, dass sie sich ohne viel Worte verstanden gefühlt haben. Ja, denke ich, so muss das sein mit dem reinen Herzen. Dem anderen mit einem Herzen begegnen, das von allen Vorurteilen gereinigt ist, ihm mit ganzer Aufmerksamkeit begegnen, nichts in ihn hinein interpretieren. Einfach sehen, was er oder sie vor aller Leistung und Sympathie ist: Ebenbild Gottes.

Den anderen so anschauen, als ob in ihm wirklich alle Liebe dieser Schöpfung wohnt. Der anderen so zuhören, als ob in jedem Wort Neues möglich wird. Dann sehe ich Gott, Gottes Möglichkeiten.
Dann gilt: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden
Gott schauen“.
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Er wolle ein Glas Orangensaft, sagt der Obdachlose an meiner Tür. Alle paar Monate kommt Manfred vorbei. Er hat dann immer einiges zu erzählen von seinem rauen Leben, während ich schaue, was ich ihm mitgeben kann.
„Ich habe keinen Orangensaft“, sage ich. Als er mich entgeistert anschaut, erkläre ich noch „gibt’s bei uns nur bei Festen. Ist zu teuer und die Kinder trinken das einfach so weg, auch ohne Durst. Ich kann Ihnen ein Glas Sprudel geben.“
Sein Blick schwankt zwischen Unglauben und Wut. Ich renne hoch, um zu schauen, ob ich noch was anderes habe, aber als ich mit einem reformhausmäßigen Saftrest wieder bei ihm ankomme, winkt er frustriert ab, nuschelt etwas wie „Nee, lass mal“ und geht grußlos.

Ich bleibe ratlos zurück. Hab ich was falsch gemacht? Womit hab ich jetzt dieses Abwatschen verdient? Hätte er nicht froh sein müssen, dass ich mir überhaupt Zeit für ihn nehme?

Wahrscheinlich haben wir an diesem Tag beide mit unserem bisherigen Bild vom andern gebrochen. Für ihn war es unvorstellbar, dass jemand wie ich nur Wasser trinkt. Dass ich nicht in dem Überfluss lebe, den er sich vorgestellt hat. Und ich war völlig perplex, dass jemand, der quasi mittellos ist, auch noch Ansprüche stellt

Aber Letztlich hat er mir etwas beigebracht mit seinem unwirschen Abgang:
Ich habe begriffen: es ist Hochmut, Dankbarkeit zu erwarten. Vor allem für Dinge, die man zu verschenken hat.
Schön für mich, wenn ich ein konventionelles Leben mit geregelter Arbeit und festem Einkommen habe. Schön, wenn ich was davon abgeben kann. Aber deshalb muss das noch lange keiner haben wollen. Auch wenn ich der Meinung bin, was Gutes zu tun – ob es gut ist, entscheidet der Empfänger.

Wer auf der sozialen Leiter weiter oben steht, ist noch lange kein besserer Mensch. Und wer weiter unten platziert ist, hat deswegen noch lange nicht mit allem zufrieden zu sein, was ihm die oben mildtätig abgeben.
Und überhaupt. Was ist denn da wirklich Oben oder Unten? Und hat nicht Jesus mal gesagt: „die Letzten werden die ersten sein“.

Womöglich hat mir Manfred einiges voraus.
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Supermärkte sind manchmal so eine Art Vorhölle.
Letztens war vor mir an der Kasse eine ältere Frau, die ging schon beim Warten allen auf die Nerven. Erst schob sie ihren Wagen dem Mann vor ihr ständig in die Kniekehlen. Sie hatte wohl Angst, dass jemand drängelt. Dann drehte sie sich erbost zu mir um, weil ich ihr angeblich keinen Platz ließe. Schließlich fiel ihr ein, dass sie noch was vergessen hatte, und ging selbstverständlich davon aus, dass wir ihren Wagen solange weiterschieben würden. Und als es endlich ans Bezahlen ging, zählte sie ca. 76 einzelne Centstücke der Verkäuferin in die Hand, um am Ende festzustellen, dass es immer noch nicht ganz reichte.
Alle waren entnervt, Grummeln und Seufzen.

Plötzlich drehte sich jener Mann, dem sie die Kniekehlen ramponiert hatte und der noch am Einpacken war noch mal um. Er reichte der Kassiererin mit einem Lächeln das fehlende Geld und fragte dann die anstrengende Frau: Darf ich Ihnen helfen, Ihre Einkäufe nach Hause zu bringen?

Er tat das ohne jede Ironie und Hintergedanken. Und die Stimmung änderte sich schlagartig: die Kassiererin atmete erleichtert auf, die Menschen in der Schlange lächelten sich plötzlich an, und die angesprochene Katastrophenfrau sah aus wie die aufgehende Sonne. Sie strahlte den jugendlichen Kavalier an und alle, die ihr sonst noch im Blickfeld standen.
Von Vorhölle keine Spur mehr. Und ich schiebe gut gelaunt meinen Wagen zu der lächelnden Kassiererin. Der Mann im Supermarkt hat das prima hingekriegt. Hat die Frau so behandelt als wäre sie das Highlight des Tages. Und im Handumdrehen fing die Vorhölle zu leuchten an. Ein Satz von Hannelore Frank fällt mir ein:
„Ich möchte gern so sein, wie Gott mich haben will, weil er mich behandelt, als wäre ich schon so.“
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‚Wir feiern - Sie jubeln’ war mal der Slogan irgendeiner Lebensmittelfirma. Die hatte ein Firmenjubiläum. Und dazu gabs für die Kunden besonders günstige Angebote. Zum Jubeln günstig sozusagen. .
Im Supermarkt an den Regalen habe ich allerdings niemanden gehört, der in lautstarke Jubelschreie ausgebrochen wäre. Es hätte mich auch einigermaßen verstört.

Aber immerhin. Ich habe nachgedacht. Im Laden. Zwischen Milchtüten und Tomatendosen. Wann hab ich eigentlich zum letzten Mal laut gejubelt? Muss ganz schön lange her sein, mir ist jedenfalls nichts Richtiges eingefallen. Vielleicht fehlt mir auch die richtige Begeisterung für einen Fußballclub oder eine bestimmte Band.

Wann fällt es mir leicht zu jubeln? Klar, wenn ich mich über den Erfolg von jemandem freue, den ich mag. Es hilft und spornt an, wenn einem jemand zujubelt. Wenn Sie schon mal einen Marathon gelaufen sind und die jubelnden Massen an der Laufstrecke erlebt haben, wissen Sie, was ich meine.

In der Bibel können nicht nur Menschen jubeln sondern auch die Steppe und die Wüste und die Engel und so weiter. Da wird die ganze Schöpfung zu einem Jubelkonzert. Die Schöpfung jubelt, einfach weil in ihnen Gottes Lebendigkeit wohnt. Weil die Welt schön wird, durch Gottes Kraft in allen Dingen. Jetzt mitten im Frühling kann ich das besonders gut nachempfinden.

Der Sonntag heute hat in der Kirche den Namen Jubilate – und das heißt auf deutsch: freut euch. Ich nehme das als Anlass mich zu freuen. Einfach darüber, dass die Welt eigentlich doch wunderbar ist. Trotz allem, was uns Sorgen und Probleme macht.
Und aus jedem Gartenwinkel leuchtet mir Gottes Lebenskraft entgegen, jubelt mir sozusagen zu.

Anders als bei der Lebensmittelfirma heißt es in der Kirche heute: wir feiern - und wir jubeln. Wer weiß – womöglich fang ich gleich noch an zu jubeln oder wenigstens zu singen – ist ja auch eigentlich dasselbe. Jubeln Sie mit?
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