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SWR3 Gedanken

Beten Sie etwa, bevor Sie los-surfen und vielleicht bei Google
oder bei SWR3.de die neuesten Nachrichten über die Stars
oder bei spiegel online aus Politik und Gesellschaft suchen?
Natürlich nicht – Kiste an und einfach los geklickt.
Da kommt es auf den ersten Blick ja vielleicht doch ein bisschen seltsam,
wenn man hört, dass wenigstens auf katholischer Seite
gelegentlich nach einem Schutzpatron für das Internet gesucht wird.
Isidor von Sevilla ist einer der Spitzen-Kandidaten -
heute ist sein Namenstag.
Isidor von Sevilla. Man muss ihn nicht kennen.
Spanischer Mönch, Theologe, Bischof vor beinah anderthalb tausend Jahren.
Zum Patron für das www wäre er vielleicht deswegen geeignet,
weil er damals getan hat, was das Internet heute tut:
Er hat in einer großen Bibliothek sozusagen
das gesamte Wissen der damaligen Welt zusammengetragen
und das dann in zwanzig Bänden noch mal zusammengefasst.
Gültig bis ins Mittelalter hinein, diese sogenannte Enzyklopädie.
Klar, da wäre auch schon ein entscheidender Unterschied:
Halbwertzeit und Verfallszeiten im Internet sind viel viel kürzer.
Wenn du heute eine Information online findest,
prüfst du doch fast schon automatisch, ob die nicht etwa älter ist
als – na gut: Höchstens ein paar Jahre.
Zweiter wichtiger Unterschied: das Internet ist natürlich viel mehr
als eine mehr oder weniger objektive Sammlung
von mehr oder weniger wichtigen Informationen,
die irgend jemand zusammengetragen hätte.
Informationen Meinungen Bilder Filmchen und Filme,
offizielle Mitteilungen und Amoklauf-Drohungen und deren Fälschung:
Das alles kommt vor und macht das Internet schwierig und gefährlich.
Mal ganz abgesehen von Porno und anderen Sachen,
ohne Rücksicht auf die Würde von Kindern, Frauen und Männern …
Ein bisschen mehr Geist täte dem Internet sicher gut.
Und vielleicht hilft da ja auch beten – neben dem verantwortlichen Umgang,
den natürlich jede und jeder selbst lernen muss.
Und wenn ein Schutzpatron, als Fürsprecher bei oder Bote von Gott,
der das auch noch mal klar macht: Dann meinetwegen auch Isidor von S.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=5711
Endlich Wochenende – na gut: ein paar Stunden noch,
also den Rest von diesem Freitag.
Aber dann: Freizeit und Freiheit! Schönes Wochenende!
Gelegentlich kommt es mir ein bisschen seltsam vor,
wie früh auf manchen Radiowellen die Woche schon zu Ende ist.
Normale Leute haben da noch einen ganzen Freitag vor sich – als Arbeitstag.
Aber: keine Medienschelte.
Sondern eine Erinnerung:
Früher mal war der Sonntag die Nummer eins der Wochentage –
auch ganz offiziell. Im Fahrplan stand für den Samstag die Nummer sieben.
So hatte auch die Bibel die Woche eingeteilt:
der Sonntag ist der erste Tag der Woche –
der Tag, an dem die Frauen in Jerusalem entdeckt haben,
dass das Grab leer ist, in dem sie ihren Freund Jesus begraben hatten.
Der erste Tag nach dem Sabbat – die alte jüdische Zählung.
Ich habe die Umstellung noch erlebt.
Inzwischen hat die Globalisierung nach dem Kalender gegriffen;
allgemeine Verweltlichung. Religiöse Argumente zählen nicht mehr –
und natürlich ist es praktischer,
die beiden freien Tage am Ende der Woche auch gemeinsam zu zählen.
Also: Samstag an sechs und Sonntag an sieben.
Und der Montag ist eben der erste Tag der Arbeitswoche.
Sinnlos, als Kirche dagegen zu halten.
Aber einen kleinen Akzent setze ich dann doch gerne.
Der Sonntag, finde ich, soll nicht einfach so untergehen im Wochenende.
Der Samstag: der ist da für Freizeit, Sport, Einkaufen,
für’s Wohnung Renovieren, für die Gartenarbeit.
Und der Sonntag ist anders:
Christinnen und Christen gehen vielleicht zum Gottesdienst in die Kirche;
manche Familien treffen sich, Freizeit- und sportliche Aktivitäten
sind oft ein bisschen ruhiger, geselliger…
Und jedenfalls die Christen unter uns wissen,
dass der Sonntag eben der Tag ist, an dem sozusagen alles angefangen hat:
der Tag der Auferweckung, der Ostermorgen, jede Woche wieder gefeiert.
Wirklich: Der erste Tag der Woche.
Und deswegen mache ich es ein bisschen anders als die meisten:
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende – und einen guten Sonntag!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=5710
Eigentlich dürfte das Verfahren ja erst heute in einem Jahr beginnen -
aber schon direkt nach dem Tod von Papst Johannes Paul dem Zweiten
heute vor genau vier Jahren brach es wie eine Welle los:
Santo – subito forderten die Menschen -
in großer Menge auf dem Petersplatz,
aber auch in den Internet-Foren, in Leserbriefen und sonst überall.
Santo Subito – sprecht ihn heilig, aber dalli.
Natürlich gab es auch skeptische Stimmen;
viele in der Kirche fanden, man sollte mal lieber nicht so schnell…;
und da sei ja doch auch eine Menge falsch gelaufen
in den 26 Jahren mit diesem Papst Karol Wojtyla...
Es ist dann ja auch ein wenig ruhiger geworden.
Wird sicher noch bis zum fünften Jahrestag dauern mit der Seligsprechung.
Es gibt einen sachlicheren Blick auf das Leben des polnischen Papstes.
Es bleibt wichtig, dass er beharrlich
das System der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa unterwandert hat.
Deutschland und Europa wären immer noch geteilt ohne ihn.
Wobei er sicher auch die Gunst des geschichtlichen Augenblicks genutzt hat.
Vergeblich hat er 2003 US-Präsident Georg W. Bush aufzuhalten versucht,
als der seine Soldaten in den zweiten Irak-Krieg schickte.
Wie recht er hatte!
Und mit dem Kapitalismus ist Johannes Paul der Zweite ja überhaupt
mindestens so kritisch umgesprungen
wie mit dem sogenannten Sozialismus.
„… falsch ist ein Lebensstil, der vorgibt, dann besser zu sein,
wenn er auf das Haben und nicht auf das Sein ausgerichtet ist.
Man will mehr haben, … um das Leben (egoistisch) zu konsumieren.“
Wie recht er auch damit hatte, zeigt die aktuelle Krise mal wieder.
Santo subito – innerkirchlich bin ich immer noch ein wenig skeptisch.
Aber weil ja auch die Kritik an Krieg und Ungerechtigkeit
und kapitalistischer Wirtschaft und all dieser Sünde
mit ihm zusammen heiliggesprochen würden - meinetwegen:
Santo Subito – am liebsten noch im kommenden Jahr!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5709
1893 – da war ein bisschen Schluss mit April April.
Und zwar am ersten April. Kein Scherz.
Bis da hin galt in vielen Gegenden von Deutschland die Berliner Zeit -
anderswo eine Münchener Zeit; und es gab natürlich regionale Zeiten,
einzelne Länder hatten ihre eigenen Uhren.
Und die natürliche Zeit, also die Sonnenzeit:
die ist ja sowieso überall anders; die Erde braucht ein bisschen,
bis sie sich so weit herumgedreht hat,
dass die Sonne am höchsten Punkt steht.
Ein bisschen falsch gehen die Uhren also eigentlich.
Aber – von wegen April April:
mit der Sonnenzeit könnte man weder Radioprogramme machen
mit Nachrichten immer zur vollen Stunde,
noch einen Fahrplan für die Eisenbahn.
Nach der Sonne ist ja in jedem Kaff zwölf Uhr mittags
ein bisschen früher oder später als etwa im Nachbardorf -
jedenfalls West nach Ost oder umgekehrt.
1893 waren es konsequenterweise auch die Eisenbahnen,
die die eine verbindliche Zeit eingeführt haben – die Mitteleuropäische Zeit.
Das ist die Zeit, die uns heutzutage verbindet;
von der Grenze zwischen Polen und Weißrussland und Ukraine
bis an die französische Atlantik-Küste.
Anderthalb Stunden Sonnenzeit-Unterschied,
wenn man mal genauer hinguckt, in die eine Zeitzone gepackt.
Wir sind es gewohnt, es macht der biologischen Uhr keine Probleme,
dass wir uns eben nicht genau nach der Sonne richten.
Obwohl ein paar Natur-Freaks das problematisch finden –
und ich beneide ehrlich gesagt die Leute in der Bretagne,
weil es da abends so viel länger hell ist als bei uns.
Ungleichzeitig sind die Menschen trotzdem immer noch –
obwohl die Uhren überall gleich gehen.
Aber die Menschen ticken eben unterschiedlich –
junge anders als alte, linke als rechte, Fromme und Atheisten;
sie sind islamisch christlich jüdisch oder gar nichts.
Gott lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten,
und er lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte –
das weiß die Bibel; unabhängig von Zeitzonen – und auch am ersten April.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5708
Einige von uns werden aufatmen, am nächsten Sonntag.
Wir – das sind fast zweitausend Menschen
in Rheinland Pfalz und Saarland und Luxemburg,
die seit dem achten März mitmachen bei der Aktion Autofasten.
Also: So wenig wie möglich das Auto benutzen -
am liebsten gar nicht. Und statt dessen zu Fuß gehen, Rad fahren,
Busse und Bahnen benutzen.
Eine Aktion der Kirchen – unterstützt von Regierungen und Fahrradläden
und – vor allem – von den Nahverkehrsunternehmen und Tarifverbünden.
Die haben für zwei Wochen kostenlose Tickets verschenkt –
meins gilt noch bis übermorgen für die Großregion Trier,
bis hoch in die Eifel und tief an die Mittelmosel runter…
Und wieso aufatmen?
Na klar, es war nur eine Abmachung.
Wir haben nur versprochen, dass wir eben möglichst wenig Auto fahren.
Keine Kontrolle – wie denn auch. Aber eine ernsthafte Selbstverpflichtung.
Und viele von uns machen das ja auch zum ersten Mal -
und zumindest die tun es mit einer gewissen Neugier:
Wie ist das denn, mit Bus und Bahn zur Arbeit zu fahren
oder auch zum Sonntagsausflug.
Interessante Begegnungen und Gespräche gehabt, berichten manche.
Aber natürlich ist auch von weniger prickelnden Erfahrungen die Rede.
Jugend-Gangs, die sich im hinteren Busbereich breit machen,
die Walkmänner auf Stadion-Lautstärke aufgedreht.
Busse und Bahnen, die verspätet oder gar zu früh gefahren sind -
da ist es gut, du hast einen Chef mit Verständnis für Ökologisches.
Und aufatmen werden eben einige, weil sie jetzt wieder ans Steuer „dürfen“.
Obwohl sie den Zündschlüssel dann doch
mit einem leise schlechten Gewissen drehen werden.
Eigentlich haben sie ja erlebt, dass es auch ohne geht.
Nachhaltig wird eine Aktion wie Autofasten natürlich nur,
wenn die guten Erfahrungen mit Bewegung ohne Auto
dann auch möglichst viele zu länger anhaltendem Umdenken bringen.
Erst wenn viele – und zwar viel mehr und nicht nur vier Wochen im Jahr –
verantwortlicher mit dem Auto umgehen, verbessert sich das Klima spürbar.
Und schließlich wollen wir das auf die Dauer alle: Aufatmen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5707
„Wahrscheinlich gibt es keinen Gott.
Also: Keine Sorge, keine Angst – genießen sie ihr Leben!“
Das ist Werbung – auf den ersten Blick: gegen Religion.
Zu sehen auf den Reklame-Flächen von dreihundert London-Busses,
auch auf den berühmten Doppeldeckern.
In deutschen Großstädten versucht eine Atheismus-Kampagne übrigens,
jetzt auch Bus-Flächen für ähnliches zu bekommen.
Erst war es ein ziemlicher Skandal:
Großflächige anti-religiöse Werbung! Öffentlich! Auf den Bussen!
Dreihundert Beschwerden bei der Werbungs-Aufsichts-Behörde.
Und natürlich gab es schon bald Kirchen und islamische Gruppen,
die mit ihrer Gegen-Werbung auch auf die Busse wollten.
Eine muntere Schlacht –
und die Werbe-Agenturen mit den Busflächen werden sich freuen.
Warum nur, habe ich mich gefragt, warum nur
muss der Londoner Werbetext von Sorge sprechen und von Angst?
„Don’t worry, denn wahrscheinlich gibt es keinen Gott!“
Ich habe ein wenig genauer hingeschaut. Und erfahren:
„There’s probably no God“ war schon selber eine Gegen-Werbemaßnahme.
Der zweite Akt sozusagen.
Den Anfang hatte eine Gruppe „Jesus Aid“ gemacht.
Die wollten den Leuten beibringen,
dass du in die Hölle kommst, wenn du nicht an Gott glaubst.
Einmal deswegen finde ich die Londoner Bus-Werbung
eigentlich sogar richtig gut.
Mein Gott tut niemand in die Hölle, weil sie oder er nicht an ihn glaubt. Angst macht keine Gläubigen.
Zweitens haben die London Busses
Menschen ins Gespräch gebracht – darüber, ob sie und was sie glauben.
Und Reden ist immer gut; es hilft gegen die Angst.
Mein Glaube findet sich aber natürlich eher in der Werbung,
wie sie jetzt auch auf dreißig London Busses herumfährt;
neue Botschaft:
„Gott existiert – glauben sie’s.
Also haben sie keine Angst; und genießen sie ihr Leben!“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5706
Papst Benedikt in Afrika – wichtiges hatte er zu sagen.
Mädchen und Frauen und Kinder gehören in ihrer Würde unterstützt.
Auch in Afrika müssen vor allem die Männer lernen und akzeptieren,
dass Nein wirklich Nein heißt – auch von einer Frau oder einem Kind.
Und das nicht nur, wenn es um Sex geht, sondern immer.
Und natürlich auch,
wenn Kinder als Soldaten missbraucht werden sollen.
Dass sich die Kirche für sie noch mehr engagieren soll
und überhaupt für die Armen.
Für die Opfer der Kriege und Bürgerkriege, für Pressefreiheit
und gegen Korruption… So wichtige und allgemein gültige Sachen!
In Angola und Kamerun haben sie ihn übrigens geliebt; nicht nur die Frauen. Alles in Ordnung also – wenn da nicht die Kondom-Frage gewesen wäre.
Mir fiel es wieder ein: das Experiment des Herrn Pavlow:
Du läutest mit dem Glöckchen und gibst dem Hund ein Leckerli.
Dem Hund läuft schon bald das Wasser im Maul zusammen, per Reflex,
wenn es nur klingelt – auch wenn es dann mal kein Fresschen gibt.
Der Papst also im Flieger nach Afrika.
Hoch oben die berühmte scheinbar improvisierte Pressekonferenz.
Und dann – als Glöckchen: die K-Frage.
Afrika – Aids – Kondome erlaubt?
Prompt läuft das Wasser im Munde zusammen; erst den Reportern;
dann auch dem Publikum – auch vielen in der Kirche.
Schließlich weiß doch jeder und jede: Jetzt wird der Papst Nein sagen.
Schade – diesmal muss das Wasser sogar in die Ohren gelaufen sein.
Der Papst hat nämlich statt einfach Nein was richtiges gesagt –
aber das konnte schon keiner mehr hören.
Öffentlichkeit und Politik und Presse hatten bereits die Augen verdreht.
Dabei hatte Benedikt XVI statt einfach „verboten!“ zu sagen, argumentiert:
Dass Kondome allein das Problem Aids nicht lösen werden.
Dass alle anders mit Liebe und Sex umgehen müssten, liebevoll und treu.
Schade, wie viel von dieser
und von den anderen wichtigen Botschaften untergegangen ist
im Pawlowschen Reflex bei der K-Frage.
Nun ja – an Papst Benedikt lag es sicher nur zum Teil.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=5705