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SWR3 Gedanken

Herzlichen Glückwunsch, Harrisburg,
wie schön, dass es dich noch gibt.
Eigentlich feierst du ja heute deinen dreißigsten Geburtstag.
Denn heute vor dreißig Jahren hättest du sterben können.
Aber du bist mit dem Leben davon gekommen –
und der Rest von Amerika auch.
Das klingt komisch, oder?
Allein schon deswegen, weil man Harrisburg kaum noch kennt.
Harrisburg liegt im US-Bundesstaat Pennsylvania.
Dort steht ein Atomkraftwerk mit zwei Reaktorblöcken.
Und in einem davon kam es genau heute vor dreißig Jahren
beinahe zur Katastrophe, als das Reaktorkühlsystem versagte.
Der Reaktor konnte schließlich doch runtergefahren werden.
Nach offiziellen Angaben ist dabei kaum Radioaktivität ausgetreten.
Allerdings haben sich die Krebserkrankungen in den sechs Jahren nach dem Unfall dort mehr als verdoppelt.
Der Katastrophen-Reaktor war übrigens erst ein Jahr alt gewesen,
also das modernste, was es damals gab.
Er wurde trotzdem nicht mehr repariert.
Aber der Nachbarreaktor läuft immer noch.
Also eigentlich eine alte Geschichte, und dann kam ja
auch noch die russische Tschernobyl-Katastrophe –
aber die ist ja auch schon wieder vergessen und vorbei.
Ja, die meisten von uns haben sich an die Kernkraft gewöhnt
und behaupten, dass die Reaktoren heute doch viel moderner seien.
Das hatte man in Harrisburg auch geglaubt.
Und viele ärgern sich ja heute über Windräder,
die die Landschaft verschandeln.
Und bei mir zuhause bin ich mir auch nicht sicher,
ob meine zwölfjährige Tochter wirklich versteht,
warum ich in den Räumen, wo niemand ist,
immer das Licht ausschalte.
Aber anders geht es nicht, glaube ich.
Wenn ich nicht auch ganz persönlich bereit bin,
mein Verhalten zu ändern, ändert sich nichts.
Wenn ich nicht bereit bin,
kleinere und sicher auch größere Unannehmlichkeiten hinzunehmen,
bleibt unsere Gesellschaft vom Atomstrom abhängig.
Und wird dafür dann auch bezahlen müssen –
hoffentlich nicht mit dem Leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5649
Wann fängt der Frieden an?
Natürlich, wenn der Krieg vorbei ist, könnte man sagen.
Aber ich glaube, dass das nicht stimmt –
weder bei den Kleinkriegen im persönlichen und familiären Alltag
noch bei den großen Kriegen im politischen Bereich.
Der Frieden beginnt nicht sofort,
wenn der Krieg vorbei ist.
Sondern Frieden braucht viel mehr Zeit.
Die Bibel beschreibt den Frieden oft mit einem Bild:
Die Bibel sagt, dass Frieden wachsen muss wie ein Baum.
Frieden ist also kein fester Zustand, sondern ein lebendiger Prozess.
Frieden bracht gute Wachstumsbedingungen und auch Pflege.
Ein kleiner und junger Baum ist eben noch kein stabiler Baum.
Und ein kleiner und junger Frieden ist noch kein stabiler Frieden.
Darum freue ich mich heute über einen Frieden,
der an diesem Donnerstag seinen dreißigsten Geburtstag feiert.
Denn genau heute vor dreißig Jahren
haben zwei Staaten Frieden geschlossen,
denen man das eigentlich nicht zugetraut hätte: Israel und Ägypten.
Der israelische Premierminister Begin
und der ägyptische Präsident Sadat unterschreiben
im amerikanischen Ort Camp David einen Friedensvertrag.
Und ihr Vertrag und ihr Händedruck und ihr Lächeln
waren ernst gemeint und haben gehalten,
was die beiden Politiker sich und ihren Völkern versprachen: Frieden.
Dreißig Jahre konnte dieser Frieden nun wachsen und stark werden.
Und das ist eigentlich ein Wunder, denn rundherum um diese beiden Länder wird immer wieder und immer weiter gekämpft:
zuletzt im Gazastreifen bei dem Bürgerkrieg der Palästinenser.
Aber Israel und Ägypten halten an ihrem Vertrag fest
und schützen ihren Frieden vor der neuen Kriegsgefahr.
Der ägyptische Präsident Sadat hat diesen Frieden
mit seinem Leben bezahlt, denn fanatische Muslime ermordeten ihn.
Und auf der anderen Seite wurde ein israelischer Friedenspolitiker von einem jüdischen Fanatiker ermordet.
Der israelisch-ägyptische Friedensbaum schwankt manchmal noch,
aber vielleicht ist das seine einzige Chance, nicht abzubrechen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5648
Beten ist wie Warten auf Gott. Ja, ich glaube, dieses Gleichnis passt:
Beten ist Warten auf Gott.
Und wir verbringen viel Zeit mit Warten:
beim Arzt, auf das Ende der Woche, auf das Essen, auf ein Ergebnis.
Immer wieder warten wir, weil noch nicht da ist, was wir erwarten –
genau wie beim Beten.
Warten kann ein Überbrücken oder sogar Wegwünschen der Zeit sein.
Und dabei, sagt der Volksmund, „vertreibt man sich eben die Zeit.“
Eigentlich schrecklich, oder: sich selbst die Lebenszeit zu vertreiben?
Dabei kann Warten auch ganz anders sein.
Warten kann etwas besonderes sein:
eine Zeit der Vorfreude und der Vorbereitung.
Jemand hat mir einmal gesagt, er warte mit „brennender Geduld“.
Das ist schön: nicht gelangweilt zu warten,
sondern mit brennender Geduld auf Gott zu warten.
So ein Warten ist eine Chance,
mich auf das einzustellen, was gleich passieren soll.
Denn das ist ja das einzig Sinnvolle, was ich beim Warten tun kann:
Das oder den, worauf ich warte,
kann ich nicht beschleunigen oder herbeizaubern,
aber ich kann es erwarten oder gar von Herzen herbeisehnen.
Die Wirklichkeit verändere ich damit nicht,
aber ich verändere meine Einstellung zur Wirklichkeit.
Denn so zu warten, bedeutet, den Rhythmus des Lebens zu spüren –
und zu begreifen, dass Gott sei Dank nicht alles sofort geschieht,
weil eben alles im Leben seine Zeit und seinen Raum braucht.
Und wenn das Erwartete dann eintrifft –
oder wenn der oder die Erwartete dann endlich da ist –
dann merkt man sehr genau, ob und wie gewartet wurde:
ob es nur um einen weiteren Termin im komplizierten Zeitplan ging,
oder ob das Warten wirklich eine Erwartung
oder gar Sehnsucht bedeutete.
So ein Warten ist wie ein Gebet,
ein Gebet vielleicht ganz ohne Worte.
Aber Worte sind beim Beten zu Gott auch nicht nötig,
wenn ich mit brennender Geduld warte.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5647
Die „Exxon Valdez“ ist wichtiger als die „Titanic“.
Aber wer kennt schon die „Exxon Valdez“?
Die „Titanic“ kennt eigentlich jeder: diesen großen Dampfer,
der mit einem Eisberg zusammengestoßen war.
Der Kinofilm über dieses Schiffsunglück wurde ein Kassenknüller.
So ein Erfolg wäre bei der „Exxon Valdez“ unwahrscheinlich.
Obwohl es bei ihrem Untergang viel mehr Tote gab als bei der Titanic.
Und man bräuchte auch nicht erst einen Kinofilm zu drehen,
sondern könnte sich einfach noch mal die Life-Bilder ansehen.
Denn als die „Exxon Valdez“ verunglückt,
sind internationale Filmteams schnell zur Stelle.
Rettungsteams kommen erst später, können aber nicht mehr helfen.
Denn die „Exxon Valdez“ war kein Passagierschiff,
sondern ein Supertanker.
Sie ist mit über zweihunderttausend Tonnen Öl beladen,
als sie genau heute vor zwanzig Jahren vor Alaskas Küste strandet.
In dem eiskalten Wasser bildet auslaufendes Öl
sofort eine undurchdringliche Schmierschicht.
Auf über eintausend Kilometern wird die Küste verseucht.
Vögel, Fische und Seehunde haben keine Chance.
Ursache der Havarie war ein Manövrierfehler des dritten Offiziers,
der den Supertanker steuert, weil der Kapitän betrunken ist.
Damit ist die Schuldfrage aber noch nicht geklärt.
Denn auch wir profitieren von so gefährlichen Öltransporten.
Auch ich will billiges Öl für Auto und Heizung.
Wir haben uns eben daran gewöhnt, auf Kosten der Umwelt zu leben.
Anders geht es auch nicht: Wer leben will, wer essen und trinken will, muss Tiere oder Pflanzen töten und verbrauchen.
Die uralte Weisheit der Bibel spricht das deutlich aus:
Der Mensch lebt auf dieser Welt wie ein Gärtner,
der sich von den Erträgen seines Gartens ernährt.
Aber die Bibel fordert auch, den Garten zu pflegen und zu schonen.
Im Zusammenhang von Öl und Energie heißt das:
Das Auto möglichst oft stehen zu lassen
und Wohnung und Arbeitsplatz nicht so stark zu heizen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5646
Welches ist das wichtigste Wort?
Eine schwierige Frage so früh am Morgen?
Stimmt – aber vielleicht eine wichtige Frage für diesen Tag!
Stellen Sie sich vor:
Sie könnten ab jetzt nur noch ein Wort sagen, ein einziges Wort.
Alle anderen Wörter kämen nicht mehr über ihre Lippen.
Sie wären sozusagen stumm –
stumm bis auf ein einziges Wort.
Welches Wort wäre das,
auf das Sie auf keinen Fall verzichten möchten?
Welches ist das wichtigste Wort?
Ich mache Ihnen jetzt mal einige Vorschläge:
Das eine, das einzige Wort könnte das Wort „ja“ sein.
„Ja“: Damit Sie antworten können, wenn Sie etwas gefragt werden.
Zugegeben: Das könnten natürlich nur sehr einfache Fragen sein.
Und vielleicht wollen Sie ja auch lieber und öfter „nein“ sagen?
Sie könnten sich natürlich auch das Wort „ich“
als einziges Wort aussuchen.
„Ich“: Damit Sie immer klar machen können,
um wen es gehen soll, wer das Sagen hat –
gerade wenn Sie sonst nichts mehr zu sagen haben.
Aber vielleicht möchten Sie ja auch lieber „Du“ sagen können?
Oder wollen Sie sich doch lieber für das Wort „bitte“ entscheiden.
„Bitte“: Das klingt höflich und freundlich;
und mit Höflichkeit und Freundlichkeit braucht man nicht so viele Worte, um zu bekommen, was man will.
Aber vielleicht möchten Sie ja auch lieber „Danke“ sagen können.
Vielleicht würden Sie sich aber auch ein anderes Wort aussuchen:
ein Wort, das ich Ihnen so am Radio gar nicht vorschlagen kann,
weil es der Name des Menschen ist, den Sie besonders lieb haben.
Ein Wort also, das aus Ihrem Mund einen ganz besonderen Klang hat:
unverwechselbar und wertvoll –
und lebenswichtig für jemand anderen.
In der Bibel gibt es auch so ein entscheidendes Wort,
so ein Wort, das auf keinen Fall verloren oder vergessen gehen darf.
Das wichtigste Wort in der Bibel ist „Liebe“.
Alles Reden und alles Tun nützt nichts ohne die Liebe, sagt die Bibel.
So sollte das heute auch bei Ihnen sein:
Wenn Sie ihr wichtigstes und wertvollstes Wort gefunden haben –
dann benutzen Sie es heute und in dieser Woche möglichst oft!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5645
Heute ist der „Tag des Wassers“.
Eigentlich müsste das der wichtigste Feiertag im Jahr sein.
Denn Wasser ist der wichtigste Rohstoff
auf unserem Planeten und in unserem Leben.
Aber der „Tag des Wassers“ gilt nicht als wirklich wichtig.
Er verdampft irgendwo über dem Sonntagskaffee.
Ist ja auch kein Wunder, denn Wasser kommt doch aus der Leitung.
Wieso braucht man da noch einen „Extra-Tag des Wassers“?
Ganz einfach: Weil das nur bei uns so ist,
dass das Wasser einfach aus der Leitung kommt.
Wenn man überhaupt etwas von dem Leitungswasser trinken darf.
Weil das Leitungswasser in anderen Ländern
nicht unbedingt Trinkwasser-Qualität hat.
Denn der Rohstoff Wasser wird knapp auf unserem Planeten.
Experten sagen, dass die Kriege der Zukunft
nicht mehr um Öl, sondern um Wasser gekämpft werden.
Klingt komisch, wenn man an die gewaltigen Tsunami-Wellen denkt,
denn da kommt ja mehr als genug Wasser zusammen.
Aber das ist eben kein Trinkwasser, sondern Salzwasser.
Beinahe unheimlich ist das mit dem Wasser:
Als Trinkwasser wird es immer knapper,
aber als Salzwasser richtet es immer schlimmere Schäden an.
Die Bibel kennt diese beiden Gesichter des Wassers auch:
Am Anfang des Alten Testaments steht die Geschichte
von der großen Flut, in der die ganze Welt unterzugehen droht.
Darin steckt die Erfahrung, dass es ohne Wasser kein Leben gibt,
aber dass Wasser auch alles Leben vernichten kann.
Und am Anfang des Neuen Testaments steht die Geschichte
von der Taufe, die ein Zeichen für Gottes zuverlässige Treue ist.
Auch die Taufe zeigt die Wasserkraft: Man kann darin untergehen,
und zugleich brauchen wir es als Grundstoff des Lebens.
Beides gehört im Wasser eben immer zusammen:
die tödliche Gefahr und die lebendige Kraft.
Und beides steckt auch in uns Menschen,
denn zu über neunzig Prozent besteht unsere Körper aus Wasser.
Auch daran erinnert der „Tag des Wassers“.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5644