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SWR3 Gedanken

Die Charts am Wochenende – ich bin immer wieder überrascht, wie viele Plätze ein Lied innerhalb einer Woche zurückfallen kann. Gestern noch auf Platz eins, reicht es heute nicht mal mehr unter die ersten zwanzig.

Dass wir einer Melodie überdrüssig werden, einen Rhythmus plötzlich stumpf und einen Text belanglos finden, geht manchmal ganz schön schnell. Kaum ein Hit hält sich länger als vier Wochen auf den ersten drei Plätzen.

Was braucht es eigentlich, damit uns ein Lied länger begleitet? Was unterscheidet einen echten Langzeithit von einer Eintagsfliege?

Neulich habe ich eine Frau besucht, die im Sterben lag. Sie war nicht mehr ansprechbar. Ihre Gesichtszüge waren unbewegt, und sie atmete nur noch ganz flach. Irgendwann fing ich an ein Kirchenlied zu singen: die güldne Sonne voll Freud und Wonne - das fiel mir ein, weil die Sonne so hell in’s Zimmer schien. Und plötzlich sehe ich, wie sich die Lippen der Frau bewegen, und ganz ganz leise höre ich sie mitsingen. Die sterbende Frau singt mit mir jenes alte Lied vom Licht und von der Freude unter Gottes Himmel zu sein.

Seither höre ich auch Popsongs anders – ich überlege, ob ich sie in Krisensituationen noch mitsingen würde, ob sie an das Lied von der „güldnen Sonne“ von Paul Gerhardt heranreichen. Tatsächlich gibt es einige Lieder, die mir schon viele Jahre lieb sind. ‚Let it be’ von den Beatles ist so ein Lied, oder Cat Stevens ‚morning has broken’, und eigentlich auch U2 s Van Diemens land.
Welche Lieder werden Sie begleiten? Durch dieses Jahr, durch Krisen, durch’s Leben?

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„Ich bin geborgen wie die Feder im Wind. Wenn ich auf die Wellen geweht werde, ertrinke ich nicht. Wenn ich an Felsen geweht werde, zerbreche ich nicht.“
Ich habe diesen Satz lange nicht verstanden. Erst als ich das Buch von Julia Butterfly Hill gelesen habe, eine Baumschützerin, habe ich kapiert, dass dieser Satz stimmt. Mehrere Monate hat Julia auf einer Plattform in der Krone eines kanadischen Mammutbaums gewohnt, und damit das Fällen dieses Baums verhindert.

„Ich bin so geborgen wie die Feder im Wind.“ Das erlebt Julia Butterfly Hill während eines Sturmes. Zuerst versucht sie dem Wind zu trotzen. Sie klammert sich mit Armen und Beinen an die Planken ihrer Unterkunft, bietet all ihre Kraft auf, nur um zu spüren, dass der Wind stärker ist als sie. Dann wird ihr klar, dass es keinen Sinn hat gegen den Wind zu arbeiten .Jetzt überlässt sie sich seiner Kraft, sie wird von ihm in ihrem Zelt hin und her geschleudert, jedoch innerhalb der Plattform gehalten. Am Ende hat sie gelernt: Je weniger Widerstand ich dem Wind entgegensetze, desto kleiner ist die Gefahr mich zu verletzen.

„Ich bin so geborgen wie die Feder im Wind, wenn ich auf die Wellen geweht werde, ertrinke ich nicht. Wenn ich an die Felsen geweht werde, zerbreche ich nicht.“ Sich hin- und her werfen lassen von den Mächten, gegen die man keine Chance hat, sich ausliefern, gegen alle Angst. Und dann dabei erleben: ich bin ja gehalten- wie eine Feder im Wind. Dieses Vertrauen finde ich auch in einem Satz in der Bibel.
„Unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.“

Ob Wind oder Wellen, ob Ängste oder einfach die Stürme der Zeit – Gottes Hand hält uns.
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So wurde Charles Darwin von den Karrikaturisten seiner Zeit verunglimpft. Seine Entdeckung passte damals vielen nicht in den Kram: Menschen und Affen sollen gemeinsame Vorfahren haben! Die unterschiedlichen Lebewesen entwickeln sich ständig weiter durch genetische Zufälle!
Kann nicht sein, sagten die Leute - in der Bibel steht es schließlich anders:

Da gibt es sieben Schöpfungstage,
da ist die Rede von Adam, dem ersten Menschen, aus Lehm gemacht.
Da wird Eva, die erste Frau, aus Adams Rippe modelliert.

Doch Darwin gegen die Bibel auszuspielen wird weder ihm noch der Bibel gerecht. Der britische Naturwissenschaftler wollte etwas ganz anderes als die Schreiber der Bibel. Er hat Phänomene in der Tier- und Pflanzenwelt sehr genau beobachtet, er hat sie wissenschaftlich analysiert und logische Schlüsse daraus gezogen.
Die Schreiber der Bibel haben Menschen beschrieben, wie sie miteinander umgehen, was ihnen hilft, ein gutes Leben miteinander zu führen. Beide haben in je ihrem Bereich Wahres erkannt.

Darwin fand heraus, dass Lebewesen bessere Chancen haben, wenn sie sich spezialisieren und sich in Nischen einrichten.
Die Schreiber der Bibel erklären uns, dass Menschen bessere Chancen haben, wenn sie sich ihrer Grenzen bewusst sind und anderen vergeben. Ganz steil könnte man sagen: das Christentum hat sich auf’s Vergeben spezialisiert.

Mit dieser Spezialisierung sollten wir uns allerdings keinesfalls in einer Nische einrichten. Denn davon können alle profitieren: weiß ich um meine eigenen Grenzen, kann ich auch mit denen der anderen umgehen. Das ist, finde ich, eine Wahrheit, die Darwins Evolutionslehre in nichts nachsteht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5389
„Wann immer ich an einer geöffneten Kirche vorbei komme, gehe ich rein. Dann setze ich mich mitten ins Kirchenschiff. Und in der Stille spüre ich immer, wie nah Gott ist“. Das hat mir neulich eine junge Frau gesagt.

Aber: Ist das so? Brauche ich die Stille, um Gott zu spüren? Oder ist die Stille in der Kirche nicht einfach nur ein Gegenpol zu meinem lauten Alltag?

Wenn ich ganz still sitze passiert es manchmal, dass ich mich herausheben lasse aus meiner lauten Welt. Völlig vergessen kann ich mich bei Musik, die mich zum Hinhören zwingt, ganz egal ob das nun Bach oder Pink Floyd ist. Oder wenn ich vor einem Kunstwerk stehe, das mich berührt. Da vergesse ich dann alles um mich herum. Wann immer ich mich so herausreißen lasse aus meinem Organisieren, Planen, Erledigen, dann passiert etwas. Dann passiert etwas mit mir.

Mir strömt eine Kraft zu, die nicht aus mir selber kommt. Ich bin einfach nur da. Und gerade weil ich nichts tue und nichts will, gebe so Gott in mir Raum.

Ich lasse mich also ganz und gar auf etwas anderes ein. Und dann, dann kann ich eine Kraft spüren, die aus einer anderen Quelle kommt als aus meinem Schaffen.

Und das alles ist gar nichts Neues oder gar Modernes. Schon vor 3000 Jahren hat ein Psalmbeter diese Erfahrung gekannt und zusammengefasst mit den Worten:

„Bei dir ist die Quelle des Lebens, Gott, und in deinem Licht sehen wir das Licht.“
Entdecken Sie diese Quelle, lassen Sie sich unterbrechen!
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Und plötzlich sagt keiner mehr was.
Es gibt sie. In Cliquen, unter besten Freundinnen, bei Liebespaaren und Dienstbesprechungen: Die plötzliche Stille.

Eben noch hat man sich angeregt unterhalten, geschwätzt, gelacht. Und dann bricht ohne Voranmeldung das große Schweigen herein. Keine peinliche Stille, weil ein delikates Thema angetippt wurde, eher so etwas wie: alle treten irgendwie innerlich zurück, halten inne, nehmen staunend wahr, wer da noch so sitzt.

Ganz schön schwierig es auszuhalten, wenn es so still ist. Und meistens quatscht ja dann doch einer einfach rein. Ich kann der Versuchung aber auch widerstehen. Und dann- dann bekommt diese Stille eine ganz eigene Bedeutung:

Ich merke dann auf einmal: es gibt da eine Distanz zwischen uns. Auch wenn wir meinen, wir wären uns ganz nah und ganz einig – die Distanz ist da, wir sind nicht eins.

Und das ist auch gut so! Je ehrlicher wir uns darauf einlassen, desto deutlicher erkennen wir, was uns unterscheidet und was uns verbindet. Und vielleicht sehen wir zum ersten mal richtig hin und erkennen, wer der Mensch eigentlich ist, der uns da gegenüber sitzt. Wer er ist und wer oder was er noch sein könnte.

Ich kann dann mein Gegenüber plötzlich mit anderen Augen ansehen und vielleicht sogar neu denken, neu erfinden.

Ich glaube, dass Gott uns auch so anschaut. Uns sieht, wie wir sein könnten.
Und uns ganz viel Raum gibt, die zu werden, als die wir gedacht sind.
Was steckt nicht alles in denen, die uns als Gesprächspartner so über den Weg laufen!
Finden Sie’s raus, die nächste Stille kommt bestimmt!
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Wie lange können Sie auf einem Bein stehen?
Vermutlich länger als ich jetzt rede, aber spätestens nach ein paar Minuten wird’s doch mindestens ungemütlich. Und wozu sollten Sie auch solange auf einem Bein stehen? Wir haben schließlich zwei, die sind zum beidseitigen Draufstehen gedacht.

Und wenn wir nicht nur stehen, sondern auch noch vorwärts kommen wollen, müssen wir unser Gewicht rechtzeitig verlagern. Also ein Bein aufsetzen und dann das andere vom Gewicht befreien.

So macht uns der Körper vor, was uns auch zwischenmenschlich voranbringt. Wer stets nur auf seiner Meinung beharrt, bleibt mental sozusagen „auf einem Bein“ stehen, kommt nicht vorwärts und schon gar nicht beim anderen an.
„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zum Lob Gottes“, schreibt der Apostel Paulus in einem seiner Briefe.

Wenn ich einen anderen Menschen annehme, ist das so, wie wenn ich von meinem Standbein heruntergehe und für einen Augenblick alles Gewicht auf den Standpunkt meines Gegenübers lege.
Einen anderen annehmen heißt dann: zuhören, sich zu Herzen gehen lassen, was den anderen eigentlich bewegt.

Versuchen Sie das mal. Und sie werden merken: Sie bewegen sich dabei. Etwas verändert sich. Sie haben sich auf einen anderen Standpunkt gestellt, und damit verändert sich auch Ihre Haltung zu Ihrer vorigen Position. Und Sie haben unmerklich einen Schritt vorwärts gemacht, auf den andern zu.

So kann man Kopf, Herz und Beine gebrauchen wie sie eigentlich gedacht sind. zum Lob Gottes.
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Der Sonntag ist das, was passiert, wenn wir ausgeatmet haben. Versuchen Sie’s mal. Beobachten Sie sich mal, wenn Sie atmen: ein und aus – ein und aus.
Und? Haben Sie gemerkt, was passiert? Nach dem Ausatmen?

Nichts. Gar nichts.
Der Atem ist in uns hinein- und wieder herausgeflossen – und dann- für einen kurzen Moment: Ruhe, Pause, einfach nichts!

Dass da eine Pause ist, das merkt man beim Atmen gar nicht, man erlebt sie auch nicht bewusst.
Man atmet einfach nach der Pause ganz von selbst wieder ein.

Seltsam, diese Pause. Dieser Stillstand. Es gibt Leute, die sagen: Diese Pause ist so etwas wie unsere Mitte. Der Atem, der still steht, bringt uns zu unsrer Mitte und gibt uns die Kraft dem standzuhalten, was von außen auf uns hereinströmt.
In der Bibel, ganz am Anfang steht:

In 6 Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht[...].und ruhte am siebten Tag.

Und so ist der Sonntag unsere Atempause im Einatmen und Ausatmen der Woche.
Darum, heißt es in der Bibel, segnete der Herr diesen Tag und heiligte ihn.

Sobald wir uns unterbrechen lassen, kommt unsere Mitte zu ihrem Recht. Denn dann lässt sie sich von außen anregen, kräftigen. In der Unterbrechung bekommt unsere Mitte neuen Schwung, sozusagen Schöpfungskraft.

Geben Sie dieser Kraft eine Chance:
Einatmen – ausatmen – Sonntag.
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