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SWR3 Gedanken

Kim Howard ist Künstlerin in Hamburg. Sie verdient Geld damit, Särge zu bemalen. Ein ausgefallener Beruf. Vor allem wenn man bedenkt, dass ihre Kunst immer unter der Erde oder im Krematorium landet.
Kim macht das nichts aus. Für sie steht der Arbeitsprozess im Vordergrund. Und damit auch die Arbeit mit den Trauernden. Sie sagt: „Viele Angehörige fühlen sich erleichtert, wenn wir den Sarg gestalten. Und für mich ist es ein schönes Gefühl, ihnen dabei zu helfen.“
Kim lässt die Angehörigen auch gerne selbst zum Pinsel greifen. Für viele eine wohltuende Auszeit in der Hektik der letzten Besorgungen für die Beerdigung. Die Trauernden können den Sarg anfassen. Manche fotografieren ihn oder entdecken nach der Arbeit Farbspuren an ihren Händen. All das trägt dazu bei, den Tod eines lieben Menschen besser verarbeiten zu können.
Die Mal-Motive sind ganz unterschiedlich. Manchmal kommt die Lieblingsfarbe des Verstorbenen auf den Sarg oder die Namen der Hinterbliebenen. Für einen begeisterten Schwimmer hat Kim den Sarg mit Wassermotiven verziert. Einer Frau war das Bild in der Küche ihrer Mutter besonders wichtig. Für sie hat Kim eine Kopie dieses Bildes auf den Sarg ihrer Mutter gemalt. Kim sagt: „Am Anfang steht immer die Frage: Was verbindet mich mit dem toten Menschen?“

Ich finde es gut, den Abschied so intensiv wie möglich zu gestalten. Und
ich habe die Hoffnung, dass uns mit unseren Verstorbenen noch mehr verbindet als nur das Fotoalbum oder die verblassenden Erinnerungen. Manchmal meine ich es sogar zu spüren, dass sie ganz nah bei mir sind.
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Der größte Teilchenbeschleuniger der Welt hat einige Superlative zu bieten:
Er ist 27 km lang, minus 270 Grad kalt und 4 Milliarden Euro teuer.
In der Röhre unter Genf sollen Protonen auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zur Kollision gebracht werden. Damit wollen die Forscher den Urknall simulieren.
Sie suchen in der ersten Phase nach einem rätselhaften Teilchen. Es wird bisher nur vermutet, hat aber schon einen Namen: Es heißt „Higgs-Boson“ und ihm soll alle Materie ihre Masse verdanken. Umgangssprachlich wird es „Gottesteilchen“ genannt.
„Gottesteilchen“ wahrscheinlich deshalb, weil wir nach unserer christlichen Weltanschauung Gott „unsere Masse verdanken“. Gott gilt als der Schöpfer allen Lebens. Der Urknall, das „Gottesteilchen“ und alles was daraus geworden ist, war demnach seine Idee. Wenn ich mir die Komplexität der Welt so anschaue, dann verstehe ich, dass viele Menschen Gott so bewundern und ihn in Gottesdiensten verehren.
Übrigens: Der Teilchenbeschleuniger ist inzwischen defekt. Frühestens im Februar kann er seinen Betrieb wieder aufnehmen. Wir Menschen werden wohl immer weit hinter der Genialität Gottes zurückbleiben.
Aber eines können wir natürlich versuchen: Die Schöpfung, die er uns anvertraut hat, erforschen und so sorgsam wie möglich mit ihr umgehen. Sie war nämlich als Geschenk gedacht, glaube ich.
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Das Geschäft mit Singles, die einen Partner suchen, brummt. Ständig gibt es neue Angebote und Vermittlungs-Agenturen. Das „Speed-Dating“ ist fast schon ein alter Hut. Im Moment boomt das „Jumping Dinner“: Verschiedene Gänge eines Menüs bei verschiedenen Singles einer Stadt.
Mittlerweile gibt es auch Wallfahrten für Singles. Im Bus wird meistens der Rosenkranz gebetet oder man singt Kirchenlieder. Ziel ist fast immer das Grab des Heiligen Antonius in Padua. Er ist der Patron all derer, die etwas suchen. Und so erhoffen sich die Singles vom Hl. Antonius, dass sie einen Lebenspartner finden. Eine von ihnen ist Veronika aus Bayern.
Im Bus sitzt auch ein kritischer Fernseh-Journalist. Er kritisiert vor allem, dass die Wallfahrer ja eigentlich eine gewisse Gegenleistung für ihr Gebet erwarten. Deshalb fragt er Veronika, ob der Hl. Antonius denn auch schuld sei, wenn sie nach der Fahrt keinen Partner finde.
Mir gefällt Veronikas Antwort. Sie sagt: „Es kommt mir nicht darauf an, dass meine Gebete erfüllt werden. Mir sollen durch diese Fahrt meine eigenen Anteile am Problem bewusst werden.“ Sie will also rausfinden, womit sie selber einer Beziehung vielleicht im Weg steht.
Ein Jahr nach der Fahrt besucht der TV-Journalist Veronika noch einmal. Und siehe da, sie ist frisch verliebt. Ob ihr dieser Mann vor der Wallfahrt wohl auch aufgefallen wäre? „Nein, wahrscheinlich nicht“, sagt Veronika. Vielleicht sind ihr also tatsächlich ihre eigenen Hindernisse bewusst geworden: zu hohe Erwartungen an den Partner vielleicht. Oder dass sie selber schon zu festgefahren ist.
Für Veronika war es trotzdem ein kleines Wunder. Genau ein halbes Jahr nachdem sie beim Hl. Antonius eine Kerze angezündet hat, hat ihr neuer Freund sie zum Tanzen aufgefordert. Jetzt steht die Hochzeit vor der Tür. Und sein Name ist – kann das Zufall sein? – Anton.
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Im August haben wir mit 40 Jugendlichen die Zugspitze bestiegen. Die Tour war Teil der Vorbereitung auf die Firmung, die im November bei uns stattfinden wird. Da werden die Jugendlichen noch mal bekräftigen, dass sie zu ihrer Taufe stehen.
Mit im Marschgepäck waren über 200 „Gebetswimpel“. Bunte Fähnchen an langen Leinen, auf die Verwandte und Freunde den Firmanden einen Wunsch oder Segen aufgeschrieben hatten. Die Jugendlichen waren begeistert von der Idee. Und sie waren sofort einverstanden, das zusätzliche Gewicht auf die Zugspitze zu tragen.
Viele Menschen haben den Firmanden etwas gespendet, dass sie die Wimpel auf den Berg hoch tragen. Mit dem Geld wollen wir unserer peruanischen Partnergemeinde einen lang ersehnten Wunsch erfüllen. Die Jugendlichen aus Santa Rita wünschen sich nämlich Fußballtrikots für ihre Mannschaft.
Kurz unterhalb des Gipfels haben wir die Fähnchen aufgehängt. Es war ein schöner Augenblick, als sie endlich im Bergwind flatterten. Die Jugendlichen waren ganz still. Fast schon andächtig. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, sie konnten spüren, dass uns viele gute Wünsche nach oben begleiten. Das hatten wir auch dringend nötig, denn der Schlussanstieg zum Zugspitz-Gipfel hatte es noch mal richtig in sich.
Einen Tag später auf dem Rückweg haben wir die Gebetswimpel wieder eingesammelt. Und beim Firmgottesdienst werden sie in der Kirche hängen und uns daran erinnern, was wir gemeinsam erlebt haben.
Ich finde, die langen Leinen mit den farbigen Fähnchen machen eines deutlich: Das Leben ist bunt. Und das Gebet verbindet uns Christen auf der ganzen Welt. Von unserer Pfarrkirche über die Zugspitze bis nach Peru.

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Mit 40 Jugendlichen zu Fuß auf die Zugspitze. So sollte unsere Firmvorbereitung dieses Jahr aussehen. Die Firmung ist im November. Da kommt der Bischof, und die Jugendlichen bekräftigen noch mal, dass sie zu ihrer Taufe stehen.
Einige Eltern waren erst mal skeptisch, als sie von unserer geplanten Bergtour hörten. Klar, die meisten Jugendlichen verweigern schon seit Jahren den gemeinsamen Sonntagsspaziergang. Und dann auf die Zugspitze! Aber wir wollten es wagen.
Hüttenwirte und Wanderer haben unser Unternehmen bewundert und vor allem die tapferen Firmanden. Am dritten Tag dann die Stunde der Wahrheit: Gipfeltag. Erst 600 Höhenmeter durch Geröll und Schneefelder bis zum Zugspitzplatt. Dort beginnt der härteste Teil der Tour.
Und dort steht auch die höchste Kapelle Deutschlands. Für diesen Augenblick haben wir Begleiter uns etwas Besonderes ausgedacht. Wir wollen in einem kleinen Ritual deutlich machen, was Firmung eigentlich bedeutet.
Wir bitten also die Jugendlichen in die Kapelle. Dort hängen wir jedem ein kleines Holzkreuz um den Hals. Es stammt aus unserer Partnergemeinde in Peru. Dazu sagen wir: „Gott bestärke dich auf deinem Weg nach oben.“ Mit großen Augen schauen mich die Jugendlichen an. Und ich merke, dass das für viele von ihnen ein ganz besonderer Augenblick ist.
Den Segen aus der Kapelle konnten wir gut gebrauchen. Denn das letzte Stück hat es wirklich in sich. Und als schließlich auch das etwas weniger sportliche Schlusslicht der Mannschaft mit hochrotem Kopf die Gipfelplattform betritt, brandet Beifall auf. Wir sind ganz schön zusammengewachsen.
Ich glaube, auf unserer Tour haben die Jugendlichen gespürt, was Firmung eigentlich bedeutet: Stärkung auf dem weiteren Weg durchs Leben. Dabei sich getragen wissen von einer guten Gemeinschaft - und von Gott.
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Im August haben wir mit 40 Jugendlichen aus der Pfarrgemeinde die Zugspitze bestiegen. Fünf Tage waren wir unterwegs und haben dabei auf Berghütten übernachtet.
Erst entlang des türkis schimmernden Flüsschens Partnach, dann durch Fels und Geröll des Wettersteingebirges. Eine grandiose Landschaft. Und ein super Gefühl, mit allen Teilnehmern am Gipfelkreuz zu stehen, es geschafft zu haben.
Der alpine Gruß „Grüß Gott!“ ist den Jungs und Mädels schon beim Aufstieg aufgefallen. Und mittlerweile haben sie ihn in akzentfreiem Bayrisch drauf. Deshalb grüßen sie beim Abstieg gut gelaunt die Entgegenkommenden mit einem lauten „Grüß Gott!“. Einer der Gegrüßten bringt den unvermeidlichen Kalauer und antwortet: „Ich richt´s aus, wenn ich ihn treff!“. Die Jugendlichen lachen. „Warum lacht ihr?“ frage ich. „Na ja, Gott kann man ja nicht einfach so treffen.“
Aber eigentlich sind wir Gott auf dieser Tour schon mehr als ein Mal begegnet: in der Schönheit der Natur zum Beispiel. Oder auch im Erleben unserer tollen Gemeinschaft. Und der ein oder andere ist ihm vielleicht während unserer Morgenrunden begegnet, beim täglichen Eintrag ins Tour-Tagebuch oder beim Schweigemarsch durch das paradiesische Reintal.
Ein Fünkchen Gott soll ja in jedem von uns stecken. Vielleicht sind die Jugendlichen diesem Funken auf unserer Tour begegnet. Aber auch sonst waren sich die Jugendlichen einig: diese Wanderung war die schönste seit langem.

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Es gibt schon kuriose Nachnamen. „Morgenschweiß“ oder „Guckinsglas“ zum Beispiel. Aber unsere Nachnamen können wir uns nun mal nicht aussuchen. Ursprünglich hatten die Menschen bei uns wohl nur einen Vornamen. Irgendwann hat der dann nicht mehr ausgereicht, um die Leute zu unterscheiden. Also haben sich unsere Vorfahren Beinamen gegeben. Und so wurde eben aus dem Dorfbäcker der Herr Beck und aus dem schmächtigen Hans der Hans Klein.
Die Menschen haben nach Charaktereigenschaften gesucht, die eine Person aus der Masse hervorheben. Die Vorfahren von Familie Morgenschweiß waren wohl Frühaufsteher und die von Familie Guckinsglas haben gerne ein Gläschen getrunken.
„Hat der liebe Gott eigentlich auch einen Namen?“ – das hat mich ein Erstkommunionkind gefragt. Und ich war froh, dass mir auf die Schnelle die passende Bibelstelle eingefallen ist. Es ist die Szene, wo Moses in der ägyptischen Wüste vor einem brennenden Dornbusch steht. Dort verrät Gott seinen Namen. Er sagt: „Nennt mich Jahwe“.
Wie unsere Namen, so hat auch der Name „Jahwe“ eine Bedeutung. Und er verrät uns etwas über Gott. Jahwe ist Hebräisch. Die Silbe „Ja“ heißt „Ich bin“. Und die drei Buchstaben, die im Hebräischen folgen – HWH – die heißen „Ich-bin-da“. Und zwar je nach Zusammenhang in allen Zeitformen. Also „Ich-war-da“, „Ich-bin-da“ und „Ich-werde-da-sein“.
Gott als unser Begleiter. In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das haben die Israeliten damals unter Moses erfahren. Und auch wir dürfen fest damit rechnen: Unser Gott Jahwe ist immer da.
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