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SWR3 Gedanken

In der vergangenen Woche saß ich mit meinem Laptop auf der Terrasse und bereitete meinen nächsten Gottesdienst vor.
Es war früh am Morgen und noch ziemlich ruhig im Ort. Die Luft roch noch ganz frisch, klar, kühl fast. Eine Spinne hatte ihr Netz zwischen meine Rosen gesponnen. Es hingen sogar schon ein paar Tautropfen daran und sie spiegelten die Sonne, die langsam höher stieg. Sie brachte ein bisschen Wärme mit.
Seltsam. Aber In diesem Moment wurde mir auf einmal klar: „Der Sommer ist vorbei! Das ist der Herbst!“ Dieser eine kurze Augenblick hatte etwas unwahrscheinlich Melancholisches: Die Leichtigkeit des Sommers, das grelle Licht der Sonne, die frühe Hitze, Leute, die gern draußen sind, im Schwimmbad, beim Grillen im Biergarten und überhaupt… vorbei.
Alles hat seine Zeit“ so sagt der Prediger Salomo im Alten Testament. Eine Binsenweisheit. Na klar.. Und doch ungemein tröstlich.
Sagt es mir doch: Alles, aber auch alles was ist, endlich.
es gibt Momente und Zeiten, bei denen ist es traurig oder schade, wenn sie zu Ende gehen. Aber gerade das macht sie kostbar.
Bei den weniger schönen Dingen, wenn man Schmerz und Trauer aushalten muss, hilft manchmal nur, es zu wissen: alles geht vorbei. Alles hat seine Zeit. Auch das tiefste Leid und der größte Schmerz hat irgendwann ein Ende. Und dann wird es eine neue Zeit, einen neuen Horizont geben.
„Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: schrieb der Prediger Salomo. weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; umarmen hat seine Zeit und die Umarmung zu lösen hat seine Zeit…“ Und egal, welche Zeit gerade dran ist: Schöne oder schwere Zeit: All unsere Zeit steht in Gottes Händen, sagt die Bibel. Daran glaube ich. Und deshalb kann ich versuchen, mutig in die Zukunft zu gehen!
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Cher hat’s getan, Michael Jackson sowieso, die schöne Prinzessin Letitia grade vor kurzem und wer noch? Die Liste der Frauen und Männer, die sich für ihre Schönheit unters Messer gelegt haben ist lang. Vielleicht mittlerweile genauso lang wie die Liste, derer, die noch so aussehen, wie Gott sie schuf.
Ob das mit den Schönheits OPs nun immer gelungen war, sei mal dahin gestellt!
Ich meine, wenn die Menschen, die sich verschönern wollten wirklich eine megaschiefe Nase haben oder eine Riesenwarze mitten auf der Wange – verständlich. Wenn sie nach einem Unfall plastische Chirurgie in Anspruch nehmen, damit sie ihr eigenes Gesicht und ihren eigenen Körper wieder finden – klar, dass da kein Mensch was anderes sagen oder denken würde als „Gut gemacht“.
Grundsätzlich aber denke ich: Gott hat sich doch was dabei gedacht, uns so in die Welt zu setzen, wie wir sind. In der Schöpfungsgeschichte heißt es sogar: er hat uns nach seinem eigenen Bild geschaffen! Ob seine „Baupläne“ wirklich so schlecht sind? Ich weiß es nicht. Ich jedenfalls habe keine Lust, mich jedem gerade aktuellen Schönheitsideal zu unterwerfen. Tattoos und aufgepumpte Lippen und abgesaugte Hüften… Und morgen sind dann wieder schmale Lippen modern und ich muss nachbessern?! Nein Danke. Und ich mag auch nicht meinen Konfirmanden mit auf den Weg geben: „Hey Du, Du giltst nur dann was, wenn du schön bist! Und übrigens: Alles ist machbar – auch schon mit 14!“
Ich möchte lieber versuchen, mit ihnen zusammen ihre ganz eigene Schönheit zu entdecken. Und zwar die Schönheit, die ein freies und unbeschwertes Lachen formt. Oder die Schönheit, die ein aufrechter Mensch ausstrahlt. Oder die Schönheit eines Gesichtes mit vielen Lachfalten und Kummerfalten!
Perfekte Schönheit? Ist doch langweilig. Kann doch jeder machen, wenn er das Geld dazu hat. Ein Gesicht, das von dir als Mensch und deiner Geschichte erzählt: Das ist schön!
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„Mensch, Du bist ja voll die Emanze!“ Wie oft habe ich diesen Satz gehört. Zum Beispiel, wenn ich freundlich darauf hingewiesen habe, dass ich nicht Bankkaufmann, sondern Bankkauffrau bin. Oder wenn ich gesagt habe, dass ich Briefe nicht beantworte, wenn die nur „Liebe Kollegen“ überschrieben sind. Voll die Emanze. Schließlich – so hörte ich dann immer - gäbe es doch Frauen, die hätten da kein Problem mit, wenn sie als „Kollege“ angesprochen werden. Ich solle mal mich mal nicht so haben.
Naja. Wenn sich die Gemüter dann ein bisschen beruhigt hatten kamen wir meist hinterher in ein gutes Gespräch über Gleichberechtigung und was das denn heißt.
Nun ist das ja nur ein kleines Beispiel.
Vor 50 Jahren hat die Bundesrepublik ein Gesetz verabschiedet und in ihrem Grundgesetz festgehalten: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
Vor 50 Jahren. Aber: Gleichberechtigt sind wir doch als Männer und Frauen immer noch nicht. Frauen erhalten in vergleichbaren Positionen immer nich schlechteren Lohn. Die Aufstiegschancen in einer Firma als Frau, die noch Kinder kriegen kann, sind wesentlich schlechter, als die des gleichalten Mannes. Mir ist klar, dass auch die Religionen mit ihrem Denken lange Zeit nicht wirklich mitgeholfen haben, die Gleichberechtigung zu fördern! Dabei steht schon in den ersten Sätzen der Bibel: „Gott schuf die Menschen nach seinem Bild und schuf sie als Mann und als Frau.“ Es gehört also eigentlich selbstverständlich zum christlichen Menschenbild, dass Männer und Frauen vor Gott gleich sind. Es wird Zeit, dass wir das umsetzen. Ganz echt und ganz konkret und nicht nur im Gesetz
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„One Moment in Time“ – was für ein song! Erinnern Sie sich? Whitney Houston hat das vor 20 Jahren zu den Olympischen Spielen gesungen.
„Ich möchte einen Augenblick in der Zeit, an dem ich mehr bin, als ich jemals dachte, sein zu können. Einen Moment, in dem all meine Träume nur einen Herzschlag entfernt sind“
Für hunderte von Athleten bei den Olympischen Spielen und den Paralympics gab es diesen einen Moment. Es war der Moment, als sie ins Stadion einzogen und zig-tausende von Menschen ihnen zujubelten. Es war der Moment, als ihr Land angesagt wurde, als ihre Fahne auf den Bildschirmen erschien. Für einige Sportler gab es noch einen ganz anderen - wohl absolut einzigartigen Moment:
Als sie als Sieger auf’s Treppchen stiegen und man ihnen die Medaille umhängte. Die Hymne ihres Landes war zu hören – ihretwegen. Weil sie Leistung gebracht hatten! Alle Welt blickte nur auf sie. Aller Applaus gehörte ihnen alleine. Das muss ein unbeschreiblicher Moment sein – eben one Moment in time.
Jetzt ist dieser Moment vorbei. Die Nationalhymne ist verklungen, der Applaus vorbei. Irgendwo hängen die Medaillen- gut sichtbar. Und es hat ein paar Interviews gegeben… Und jetzt? Was bleibt von diesem einen Moment, wenn alles wieder normal wird? Was bleibt, wenn ich die Leistung nicht mehr bringen kann und keinen Applaus mehr bekomme? Was bleibt wenn in wenigen Wochen niemand mehr meinen Namen zu kennen scheint? „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann!“ las ich die Woche in meinem Kalender. Vielleicht ist es das, was bleibt: Die Erinnerung an diesen einen Moment.
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Jung, schön, berühmt, und tragisch. Manche Menschen haben einfach ein wirklich tragisches Leben! Denken sie nur mal an Lady Diana, die einem wohl sofort einfällt oder Marylin Monroe. Oder denken sie an Romy Schneider. Siewürde heute ihren 70. Geburtstag feiern, wenn sie noch lebte. Romy Schneider war schon früh ein gefeierter Star, dann durch tragische Erlebnisse kurz vor dem Selbstmord, ein neuer Anfang in Frankreich, der aber nicht trägt. Sie stirbt, mit nur dreiundvierzig Jahren. Sie ist heute noch fast genauso beliebt wie damals, Ihr Leben wird gerade verfilmt. Einer meiner Freunde sieht immer noch mit Hingabe die- zugegeben herrlich kitschig-romantischen Sissi-Filme, in denen sie die unglückliche Kaiserin Elisabeth darstellt. Im Film wie im Leben: Eben: Jung, schön, berühmt und: tragisch.
Manchmal denke ich, die Faszination die z. B. von dieser schönen Schauspielerin ausgeht, wird durch ihr persönliches Schicksal noch erhöht.
Warum ist das bloß so? Weil wir uns mit ihnen vergleichen? Ist das so, weil wir – auch als Erwachsene immer noch ein Stückchen Märchen träumen: „Wie wäre das, wenn ich selbst…“ Leider nur werden wir auch von den ganz berühmten Menschen immer wieder in die Realität zurückgeholt. Leider kriegen wir auch von Promies immer wieder gezeigt: „Hey Du, das Leben ist nicht nur eitel Sonnenschein – auch unser Leben ist kein Märchen!“ Eigentlich ein bisschen schade. Ober doch auch heilsam? Wahrscheinlich beides.
Aber ehrlich: Leben ist nun mal nicht nur nett! Keiner hat uns für unser Leben immer nur einen Rosengarten versprochen! Nicht mal Gott. Aber was anderes hat er uns versprochen: dass wir – auch in den wirklich tragischen Situationen unseres Lebens- nicht alleine sind. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt!“ sagt Jesus und ich denke, das gilt für Promies gleichermaßen wie für uns.

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Wären Sie bereit, für Ihre Überzeugung ihr Leben zu riskieren, möglicherweise zu sterben? Ich meine nicht nur theoretisch, sondern ganz echt – ihr Leben einzusetzen für das, was sie als richtig und gerecht erkannt haben?!
Machen wir es konkret:
Nehmen wir an, sie leben in einem Land, in dem freie Meinungsäußerung verboten ist – sogar tödlich sein kann wie derzeit in China oder in anderen diktatorischen Ländern. Würden sie sich trauen, trotzdem öffentlich ihre Meinung zu vertreten? So gedanklich sind wir ja vielleicht alle ganz gerne mal Heldinnen und Helden. Aber wenn’s Ernst wird?
Ich persönlich bin – glaube ich - nicht besonders mutig. Ich habe keine Ahnung ob ich standhaft bleiben würde. Da bräuchte man wahrscheinlich gar nicht so weit zu gehen und mir gar mit dem Tod zu drohen.
Deshalb habe ich große Hochachtung vor Menschen, die tatsächlich so stark sind!
Hans Scholl z.B. gehört ganz eindeutig dazu.
Er war standhaft. Und er hat mit seinem Leben für seine Überzeugung bezahlt. Er, seine Schwester Sophie und Christoph Probst gehörten zur Widerstandsgruppe „weiße Rose“. Sie waren davon überzeugt: Ein Unrechtsstaat darf nicht auf Dauer bestehen. Mit scharfen Worten griffen sie Hitler und seine Partei an, verurteilten seine mörderische Schlacht um Stalingrad, die Verdummung des deutschen Volkes mit all den lügenhaften Propagandanachrichten und sie verurteilten die Verfolgung des jüdischen Volkes. Ihre Überzeugung druckten sie auf Flugblätter, Am 18. Februar 1943 verteilen sie die Blätter unter anderem im Lichthof der Münchner Uni. Sie werden dabei gesehen, verhaftet und den Nazis überantwortet. Nur vier Tage später werden sie nach langen Verhören ermordet.
Heute wäre Hans Scholl 90 Jahre alt geworden – so aber starb er mit 24.

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„Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu. Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein!“
Kennen sie das Kindergebet auch noch? Meine Mutter hat das abends am Bett mit mir gebetet und das war immer irgendwie ein ganz besonderer Moment. Heute würde ich sagen: Er war mir heilig. Beten sie heute noch, zum Mittagessen oder abends vorm Einschlafen? Oder haben sie’s verlernt?
Im Unterricht mit meinen Konfirmanden kommt meist irgendwann die Frage: „Kann Gott denn die Gebete von allen Menschen überhaupt hören? Und will er die dann auch noch beantworten?“ Die Frage ist berechtigt: Wie oft habe ich z.B. als Kind ganz bescheiden nur für eine drei in Mathe gebetet – draus geworden ist meistens nix. Wie oft beten Menschen dafür, dass ein Mensch, den sie lieben wieder gesund werden soll – und er wird es doch nicht! Also wie ist das mit den Gebeten?
Albert Schweitzer sagt: „Gebete ändern nicht die Welt. Aber die Gebete ändern Menschen und Menschen ändern die Welt.“
Vielleicht ist es genau das: Wenn ich darauf vertraue, dass Gott mir nah ist und einen Weg für mich weiß- dann kann ich Dinge angehen, die ich sonst vielleicht nicht schaffen würde.
Beim Beten kommts auch nicht auf die geschliffenen, feinen Worte an. Es kommt darauf an, so zu beten, wie mein Herz und mein Verstand es mir sagt! Und wenn ich einen Anfang mit dem alten Kindergebet mache!
Ob mein Gebet den Menschen, den ich liebe und der krank ist, wieder gesund machen kann- ich weiß es nicht. Aber vielleicht kriege ich die Kraft, den schweren Weg mit ihm zu gehen, der vor ihm liegt. Oder die Dinge zu sagen, die noch gesagt werden müssen. Und das ändert bestimmt unsere kleine ganz eigene Welt für immer und macht sie ein Stück heiler!
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