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SWR3 Gedanken

Eine Gruppe Jugendlicher sitzt auf dem Boden im Kreis. Man redet über einen Bibeltext und über die Taufe. Manche meinen: Die Taufe ist die Voraussetzung dafür ist, dass man in den Himmel kommt. Andere finden Taufe dafür ganz unwichtig.
Die einen finden, dass man unbedingt an Jesus glauben muss. Die anderen bestreiten das. Jesus sei fürs Seelenheil nicht so wichtig.
Und ich als Pfarrer mittendrin. Eine spannende Diskussion. Weil die Jugendlichen ernsthaft ihre Argumente austauschen, weil sie versucht haben, einander zu erklären was sie meinen, Weil sie einander jede Frage geduldig beantwortet haben.
Zuerst habe ich gedacht: Seltsam, dass Jugendliche so heftig und interessiert über dieses Thema debattieren. Manche Jungendliche waren für mich schon auch mal erschreckend radikal und kompromisslos in ihrer Meinung.
Aber diese Gruppe als Ganzes, die wurde mir immer sympathischer. Weil ich gemerkt habe: Da sitzen welche zusammen und diskutieren in aller Ruhe so lange, bis sie einander halbwegs verstehen.
Was für ein Reichtum, habe ich gedacht. Und was für ein Glück, dass es das gibt.
Junge Menschen, die sich ohne äußeren Zwang im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt austauschen, Respekt! Und wenn sie dabei sogar auf Fragen eingehen, die ihnen erst einmal blöde vorkommen, Chapeau!
Manchmal heißt es ja: Jugendliche reden viel zu wenig miteinander, hängen nur vor der Glotze ab oder dem Computer. Mag ja sein. Aber es gibt aber auch die Anderen. Bei uns in der Gemeinde jedenfalls. Und vielleicht auch anderswo.
Die sind nicht spektakulär in ihrem Verhalten wie die, die Randale machen. Die sitzen im Kreis und üben, wie das geht: miteinander zu reden und dabei auch über sich selber nachdenken. Kann nicht jeder, auch als Erwachsener nicht. Gut, wer das schon mal und in der Jugend einübt.
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Früher gab es einen „Dritte Welt“ Laden bei uns. Da gab es dann Kaffee aus Kolumbien oder Tücher aus dem Senegal oder Handtaschen aus Indien.
Inzwischen ist Indien ein Land, aus dem High-Tech Produkte kommen und Callcenter für Amerikanische Software-Hersteller stehen. Die Welt hat sich verändert, ist zusammengerückt und der „Dritte-Welt“ Laden heißt jetzt auch „eine Welt“ Laden.
Ich finde, das ist mehr als nur politisch korrekt. Es stimmt einfach, denn wir leben wirklich in einer Welt, auch wenn wir manchmal denken, wir sitzen im falschen Film, weil jeder nur noch sein eigenes Süppchen kocht.
Culcha Candela – eine Musikband aus Berlin.- kochen nicht ihr eigenes Süppchen. Chino ist Deutsch-Koreaner, Don Cali Kolumbianer, Itchyban Pole und Reedoo Deutscher. Culcha Candela sind sozusagen die Band der einen Welt.
Für mich klingt das wie eine Vision aus der Bibel. In der heißt es: einmal werden die Menschen aus der ganzen Welt dahin kommen, wo Gott ist. Die Bibel nennt diesen Ort: Zion. Alle Menschen aus allen Himmelsrichtungen sollen dorthin kommen und Frieden finden.
Ich glaube nicht, dass Zion ein bestimmter Ort irgendwo auf unserem Planeten sein muss. Vielleicht ist es auch einfach ein gemeinsames Ziel, nämlich die Welt ein Stückchen besser zu machen.
Und ein Stückchen besser wird die Welt schon, wenn wir sie nicht aufteilen in eine erste, zweite und dritte. Sondern wissen und danach leben: es gibt nur die eine Welt. Und wenn wir ein gemeinsames Ziel haben, dann ist es egal woher wir kommen. Culcha Candela machen es vor. Klingt gut. Echt der Hamma.

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Fronleichnam ist ein Feiertag, der evangelische und katholische Christen trennt. Luther hat dieses Fest als das „allerschändlichste“ bezeichnet hat. Er mochte keine Prozessionen. Gott könne man damit sowieso nicht erpressen.
Tatsächlich ist mir Fronleichnam auch etwas fremd. Bei diesem Fest wird eine geweihte Hostie, also das Abendmahlsbrot, das für den Leib Jesu steht, durch die Stadt oder über die Felder getragen. Oft in einer so genannten Monstranz. Dass sieht dann so aus, als würde der Priester ein sehr wertvolles – weil meistens vergoldetes –Demoplakat durch die Gegend tragen. In manchen Gegenden werden zu diesem Fest auf der Wegstrecke große Blumenbilder mit biblischen Motiven gelegt. Da entstehen oft ganz kunstvolle Bilder.
Für Katholiken ist es nämlich, so dass eine geweihte Hostie und der Wein des Abendmahls nicht nur ein Symbol für Jesu Leib und Blut sind, sondern es wirklich auch sind. Und einmal geweiht bleiben Brot und Wein auch Leib und Blut. Deshalb gehen Katholiken auch sehr vorsichtig mit geweihtem Brot und Wein um. Wenn sie also durch die Stadt oder durch die Felder gehen, dann nehmen sie sozusagen ein Stück vom Leib Christi selbst mit.
Für mich als Evangelischen hört sich das dann allerdings ein bisschen so an, als ob man Gott für einen Tag im Jahr aus der Kirche heraus in die Welt holt. Sonst bleibt Gott schön säuberlich in der Kirche.
Dabei ist Gott ja nicht nur in der Kirche anzutreffen und muss einmal im Jahr raus. Aber vielleicht ist es ja auch gerade das:
Fronleichnam ist nicht nur eine Prozessione, es ist eine Demonstration dafür, dass Gott eben nicht im stillen Kämmerchen der Kirche bleibt. Bei der Prozession wird noch einmal daran erinnert: Gott ist nicht in der Kirche und belibt da, sondern er ist in der Welt, er gehört in die Welt. Und das eint Evangelische und Katholiken.
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Du führst uns hinaus ins Weite
Wer einen Tunnelblick hat, braucht jemanden, der einem den (Horizont?)Blick erweitert. Und wer ein Problem hat, braucht die Hoffnung, dass es einmal besser wird. Er braucht eine Vision, eine Hoffnung.
In Osnabrück werden heute tausende Menschen zum Katholikentag erwartet. Christen – nicht nur Katholiken – treffen sich dort um über ihre Visionen zu sprechen und sie miteinander zu teilen.
Einer davon ist Matthias Kaps. Er arbeitet bei einem Projekt, das jungen Männern helfen soll, ihren Tunnelblick zu überwinden. Damit sie lernen, Probleme auch ohne Gewalt lösen zu können. „Starke Macker stark machen“, ist sein Motto.
Die Kraft für dieses Projekt zieht er aus seinem Glauben. Denn wenn es auch manchmal so aussieht, als ob jede Mühe umsonst ist, steht für ihn fest, was das Motto des Katholikentages über Gott sagt: „Du führst uns hinaus ins Weite.“
Ein schönes Bild. Ich stelle mir da so etwas wie eine weite Prärie vor. Wie in einem Western. Der Wind pfeift übers Steppengras und bläst meine Sorgen und Bedenken einfach weg. Und in der Weite des Horizonts sehe ich plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Manchmal muss man nur mal rausgehen aus seinen gewohnten vier Wänden und schon hat man neue Ideen.
Ich hoffe, dass die Menschen beim Katholikentag heute und in den nächsten Tagen das erfahren können: dass sie die Weite erleben, für sich und für andere. Matthias Kaps jedenfalls wird seinen starken Mackern zeigen: Es geht auch ohne Gewalt. Und es gibt Besseres als den Tunnelblick.
Denn du Gott führst uns hinaus ins Weite.
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Soziales Engagement und Mitgefühl kann man lernen. So verstehe ich die Lebensgeschichte von Henry Dunant- er hat das internationale Rote Kreuz gegründet. Sein Soziales Engagement und Mitgefühl hat er aber schon von seinen Eltern abgeschaut.
In einem frommen evangelischen Elternhaus ist er aufgewachsen. Der Vater hatte Straffällige resozialisiert, wie man das heute nennen würde und seine Mutter hatte sich um Arme und Kranke gekümmert.
Henry Dunant und seine Geschwister haben also schon früh gesehen, dass sich die Eltern für andere Menschen einsetzen und für Fremde Mitleid empfinden.
Verbunden hat er sein soziales Engagement schon in jungen Jahren mit seinem Glauben. In der sog. Donnerstagsvereinigung traf er sich mit anderen jungen Leuten, um in der Bibel zu lesen und Menschen in Not zu helfen.
Ich weiß nicht, ob die Eltern Henry Dunant dazu angehalten haben, sich wie sie für seine Mitmenschen einzusetzen. Viel wichtiger und prägender war für ihn sicher, dass er bei seinen Eltern erleben konnte, wie das ist. So waren seine Eltern für ihn Vorbild für das, was er später selber wurde. Sie haben ihm vermittelt, wofür es lohnt, sich einzusetzen. Wie Eltern das heute ja auch tun oder eben nicht tun.
Mit 31 Jahren sah Dunant das Schlachtfeld bei Solferino nach der Entscheidungsschlacht im Sardischen Krieg. 35000 verletzte, tote und sterbende Soldaten lagen da. Dunant zögerte er nicht. Er tat, was ihm seine Eltern vorgelebt hatten: Er unternahm etwas. Er trommelte die Menschen der Dörfer zusammen und half den Verletzen. Das war die Geburtsstunde des Roten Kreuzes. Heute eine internationale Organisation, die in fast alle Krisengebiete der Welt Hilfsgüter und Helfer entsendet.
Das hätten sich die Eltern von Henry Dunant sicher nicht träumen lassen. Wie es für viele Eltern erstaunlich ist, was ihre Kinder aus dem machen, was sie ihnen einmal vorgelebt haben. Deshalb herzlichen Dank an alle Eltern, die sich darum bemühen. Von Ihrem sozialen Engagement und Mitgefühl profitieren wir alle bis heute.
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Auf der Spielzeugverpackung steht: „Mit dieser Rassel fördern Sie die motorischen Fähigkeiten ihres Kindes. Und weiter: Mit dem Spiegel lernt es sein eigenes Spiegelbild zu erkennen und ihm zuzulächeln.“
Na, dann muss ich diese Rassel für meine Tochter wohl kaufen, dachte ich, aber eigentlich hätten die doch gleich draufschreiben können: „Mit dieser Rassel werden sie ihr Kind bestmöglich für ein Studium in Harvard vorbereiten.“
Immer mehr werden Kinder und Jugendliche darauf getrimmt, dass sie vor allem eins bringen, nämlich Leistung. Das fängt bei der Rassel an, geht beim Französisch im Kindergarten weiter und hört noch lange nicht bei der Nachhilfe auf.
Förderung ist wichtig, und natürlich will ich meiner Tochter keine Möglichkeiten verbauen. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass Förderung immer mehr zu so etwas wie ein Götze wird, den man geradezu anbetet und für den man fast alles opfert. Geld und Zeit der Eltern und den Spieltrieb der Kinder. Dabei müssen zwei Dinge doch immer völlig frei sein von Zweck und Ziel: Nämlich das Spiel und der Glaube.
Beim Spiel kann man das sofort sehen: Meine Tochter spielt nicht mit der Rassel, weil sie ihre Motorik fördert, sondern weil sie so nett rasselt. Sie spielt, weil es ihr Spaß macht. Spielen ist das Ziel. Mehr nicht.
Beim Glauben ist das genau so. Da geht es auch nicht zuerst um die Leistung, sondern um den Menschen.
Der Mensch selbst ist das Ziel. Das erlebe ich jedes mal, wenn ich in einen Gottesdienst gehe. Da muss ich nichts tun. Nicht mal zuhören. Ich habe die vier dicken Mauern um mich rum und es darf passieren was will. Ich kann hinhören oder nicht, mitsingen oder nicht, einfach da sein, vor Gott.
Beim letzten Gottesdienst hat meine Tochter übrigens die Rassel dabei gehabt und als der Chor gesungen hat, hat sie mit der Rassel im Takt mitgerasselt.

Das stand übrigens nicht auf der Packung: Fördert das Taktgefühl ihres Kindes.
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„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Das hört man immer wieder vom Papst und auch jeden Sonntag im evangelischen Gottesdienst. Und heute ist der Feiertag dazu: Trinitatis Das heißt Dreieinigkeit.
Vater, Sohn und heiliger Geist. Damit ist Gott gemeint, wie ihn Christen verstehen. Verwirrend. Manche meinen nämlich, dass Christen an drei Götter glauben. Das ist aber nicht so. Christen glauben an einen Gott. Der aber verschiedene Seiten hat, von denen wir ihn sehen können. Wie ein Vater, der die Hausordnung erstellt und den Menschen Gesetze mitgibt, nach denen sie leben können. Wie ein Gottessohn, ein Mensch, in dessen Gesicht wir Gott erkennen. Und wie eine Kraft, ein Geist, der uns auf Trab und in den rechten Schwung bringt.
Auch wenn es kompliziert ist. Ich finde diese Vorstellung von Gott wichtig. Aus zwei Gründen
Erstens: Gott ist immer anders, als wir es uns vorstellen. Man kann ihn nicht in eine Schublade stecken, er bleibt ein Geheimnis.
Zweitens: Menschen sind auch immer anders. Und es geht ihnen immer wieder anders. Das passt zu dem Gott, der auch immer anders ist. Der auf die verschiedenen Menschen eingehen kann. Gott ist sozusagen beweglich. Ich finde das sehr Menschenfreundlich.
Die Bibel drückt es an einer Stelle so aus: Gott ist die Liebe. Die Liebe zeigt sich für Christen darin, dass Gott diese wunderbare Welt erschaffen hat. Die Liebe zeigt sich in Jesus, der sie mit jeder Faser seines Lebens verkörpert hat. Und die Liebe zeigt sich als die Kraft, die uns beflügelt und die uns hilft, neu anzufangen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes eben.
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