Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR3 Gedanken

17MAI2008
DruckenAutor*in
Castingshows sind „in“. Egal ob Tarzan, Top-Model oder Superstar. Sind Gecastete die neuen Helden unserer Zeit? Nein! Sagt die Caritas. Helden finden sich nicht im Fernsehen, sondern im Alltag: „So sehen Helden aus“ steht auf Plakaten mit denen die Caritas für die Wiederentdeckung wahrer Helden wirbt.
Das Mädchen darauf - noch keine achtzehn. Schwarzes Haar, locker zum Pferdeschwanz zusammengebunden. Eine Halskette, schwarze Fingernägel, müder Blick. „So sehen Helden aus.“ Und im Kleingedruckten: „Sie geht wieder zur Schule, obwohl sie ihre Tochter alleine erziehen muss.“
Eine bewundernswerte Leistung. Scheint ja nichts besonderes: zur Schule zu gehen. Macht doch jeder. Aber ohne die Unterstützung der Eltern? Ohne fürsorgliche Großeltern, aber mit der Verantwortung für ein Kind? Trotzdem zu sagen: ich will mein Leben meistern, einen Schulabschluss machen, eine Ausbildung anfangen, für mein Kind sorgen können. Ich hatte eine Schülerin in der Berufsschule, die ihr Kind morgens in der Krippe abgab, dann für ihre Ausbildung büffelte und sich dabei schon darauf freute, ihr Kind abends wieder abholen zu können, um noch ein bißchen zu spielen oder etwas vorzulesen. Ihr Ausbildungsgehalt war geringer als Sozialhilfe, aber sie sagte mir ganz tapfer: Ich will mein Leben selbst bestimmen.
Ja – so sehen Helden aus! In der positiven Bedeutung dieses Wortes. Es gibt sie noch. Und ich wäre froh, wenn mehr Leute in ihnen das sehen würden was sie sind: Helden!


https://www.kirche-im-swr.de/?m=3666
Soll man sich als Christ politisch engagieren? Ja! Sagte sich Bischof Fernando Lugo und kandidierte als Präsident in Paraguay. 6,5 Millionen Einwohner. Aber nur 2 % von ihnen besitzen über 70 % des bebaubaren Bodens. Hier wurde Fernando Lugo mit 44 Jahren Bischof. In San Pedro, einer armen Landregion im Osten. Vehement setzte er sich für die Anliegen der Landlosen und Kleinbauern ein. Ging entschieden gegen Großgrundbesitzer, Drogenbarone und korrupte Provinzpolitiker vor. „Selig die Armen, denn Ihnen gehört das Himmelreich,“ hat Jesus einmal gesagt. Dieser Satz war und ist für ihn Programm. Den Armen soll es besser gehen. Vor allem den ganz Armen. 300.000 Landlose gibt es in Paraguay. Sie möchte der Bischof nicht nur ermutigen und ihnen beistehen. Er will ihnen auch Land geben. Dabei weiß Bischof Lugo genau, dass das erst der Anfang ist. Man muss die Armen auch begleiten, ausbilden und auch Absatzmärkte für ihre Produkte schaffen. Und vor allem: eine umfassende Landreform durchführen.
Um das zu erreichen legte Fernando Lugo sein Bischofsamt nieder. Denn Bischof sein, heißt für alle Gläubigen offen sein. Politisch agieren heißt aber, die Richtung einer einzigen Partei einschlagen. Dann kandidierte Lugo: Und die Menschen haben ihm geglaubt: endlich jemand, der nicht von Geldgier, sondern von der Barmherzigkeit Jesu getrieben ist. Mit überragender Mehrheit wurde er zum neuen Präsidenten Paraguays gewählt. Jetzt ist er die ersten Wochen im Amt und ich wünsche ihm, dass sich sein Traum erfüllt. Denn wenn Politik den Armen helfen kann, dann muss man sich als Christ auch politisch engagieren.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3665
15MAI2008
DruckenAutor*in
Als auf Papst Johannes Paul II. ein Attentat verübt wurde, hat mich vor allem eines beeindruckt: Der Papst hat keine Rache gefordert, sondern ist ins Gefängnis gegangen. Wollte mit dem Attentäter reden, hat für ihn gebetet.
Jetzt war sein Nachfolger – Benedikt XVI. in den USA. Und ich habe wieder gestaunt. Es war in New York. Dort, wo an jenem 11. September Selbstmordattentäter so viele Menschen ins Verderben gerissen haben. Wo das World Trade Center in sich zusammengestürzt ist und so viele Menschen unter sich begraben hat. Ground Zero. Benedikt XVI. kniete sich nieder und betete. Für die vielen Menschen, die sterben mußten, für die Angehörigen, für alle Opfer der Gewalt. Und dann sagte er:
„Gott des Friedens, bring deinen Frieden in unsere gewalttätige Welt: Frieden in die Herzen aller Männer und Frauen und Frieden unter den Nationen der Welt. Führe jene auf deinen Weg der Liebe, deren Herzen und Gedanken sich in Hass verzehren.“
Gerade dieser letzte Satz hat mich bewegt:
„Führe jene auf deinen Weg der Liebe, deren Herzen und Gedanken sich in Hass verzehren.“ Keine Rachegelüste, keine Strafforderungen, kein ewiges Höllenfeuer, sondern die Bitte um Verwandlung. Wie schön wäre es, wenn sich tatsächlich der Hass in der Welt in Liebe verwandeln könnte. Für uns Menschen scheint das unmöglich zu sein. Aber mit Gottes Hilfe kann es vielleicht doch gelingen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3664

Heißhunger auf selbstgemachte Pommes. Also schnell noch ein Netz Kartoffeln in den Einkaufswagen und ab zur Kasse. Als Pfälzer liebe ich unsere „Grumbeeren.“ Vor allem frittiert. Aber momentmal:
Auf dem Etikett steht „Ägypten“. Das kann ja wohl nicht sein, oder? Ägyptische Kartoffeln in der Pfalz. Nanu? Und auch die biologischen Kartoffeln daneben kommen nicht aus meiner Heimat, sondern vom Nil. Sollte die tatsächlich jemand mit dem Flugzeug oder Schiff nach Deutschland gebracht haben, damit ich sie hier kaufen kann? Obwohl mein Bauer um die Ecke noch welche in der Scheune hat? Die sind zwar noch nicht „neue Ernte“ wie die aus Ägypten, schmecken aber trotzdem noch gut. Aber mein Pfälzer Bauer wird sie wohl unterpflügen müssen. Wenn es „neue Ernte“ aus Ägypten gibt – dann bleiben die alten Pfälzer leider liegen.
Was ist das für eine verrückte Welt, wo ich aus den Nachrichten erfahre, dass in Afrika Hunger herrscht, aber die Kartoffeln aus Ägypten nicht im benachbarten Afrika landen, sondern in meinem Supermarkt. Nur weil die Afrikaner sich Kartoffeln nicht leisten können. Oder besser gesagt: Nur weil in Europa Leute wie ich unbesehen Kartoffeln aus Ägypten kaufen. Weil sie sonst noch ein bißchen auf frischere Kartoffeln warten müßten. Ich meine: Ist doch klar, dass die Ägypter lieber an gut zahlende Europäer verkaufen als an arme Afrikaner.
Aber mit mir nicht! Also: Kartoffeln wieder raus aus dem Einkaufswagen und heute keine Pommes gemacht. Das nächste mal kaufe ich wieder auf dem Markt: Pfälzer Kartoffeln.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3663
Warum gibt es eigentlich keinen gemeinsamen Feiertag für Christen und Muslime? Ein christlich-muslimischer Feiertag wäre eine große Chance.
Was man da feiern könnte? Nun – es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel könnte man ein Mosesfest feiern. Moses ist sowohl im Christentum als auch im Islam und natürlich auch im Judentum eine bedeutende Persönlichkeit – er steht sowohl in der Bibel als auch im Koran.
Mitten in der Wüste erscheint ihm Gott – als brennender Dornbusch. Spricht zu Moses. Gott will, dass es den Menschen gut geht, dass es keine Unterdrückung gibt, keine Sklaverei, sondern Freiheit für alle. Moses hat er auserwählt: „Du sollst mein Volk in die Freiheit führen. In ein Land wo Milch und Honig fliessen. Und ich werde Dir dabei helfen.“
Später offenbart Gott dem Moses seine Gebote – die berühmten zehn. Keine strengen Verbote, sondern wichtige Grundregeln für ein friedliches Miteinander der Menschen.
Daran erinnern wir uns viel zu selten.
Wie wäre es also einen Mosestag zu feiern: Als gemeinsamen Feiertag. Um sich an Gott zu erinnern, der die Menschen befreien will. Und an seine Gebote. So ein Feiertag wäre eine echte Chance für das Miteinander der Religionen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3662
12MAI2008
DruckenAutor*in
600 Meter hoch soll es werden. Das höchste Haus der Welt. Gebaut wird daran in Dubai. Nur einmal haben es sich Menschen noch höher vorgenommen: in Babel, so die Bibel, wollte man bis zu Gott bauen. Das hat dem gar nicht gefallen und er verwirrte die Sprachen der Menschen. Seitdem gibt es, so die Bibel, italienisch, deutsch, arabisch und und und...
Aber dann kam das Pfingstfest! Und Gott macht seinen Sprachenfluch rückgängig. An Pfingsten nämlich konnten die Apostel plötzlich alle Sprachen der Welt – alle! Jeder Mensch konnte sie verstehen: egal ob Jude, Grieche, Römer oder Ägypter. Alle verstanden was z.B. Petrus sagte: „Jesus, den ihr gekreuzigt habt, ist von Gott auferweckt worden. Wer an ihn glaubt, wird gerettet, egal aus welchem Volk.“
Das sollen tatsächlich alle hören und verstehen – und dann auch anders miteinander umgehen. Nicht nur an den eigenen Vorteil denken und sich gegenseitig übertreffen wollen, sondern anfangen füreinander da zu sein.
Dann sind verschiedene Sprachen und Kulturen kein Hindernis mehr. Pfingsten ist in gewisser Weise ein Fest der Völkerverständigung: Gott schenkt den Aposteln und allen, die ihnen zuhören, seinen Geist. Und dieser Geist wird in jeder Sprache verstanden.
Die Erfahrung zeigt: sich über Grenzen hinweg zu verständigen ist nicht immer leicht. Aber Pfingsten verspricht uns Gottes Beistand dafür.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3661
11MAI2008
DruckenAutor*in
„Ich will aber kein Geschenk zum Muttertag basteln!“ Tja – dann hat Mama eben Pech gehabt, oder?
Man kann freundliche Gesten eben nicht einfordern. Im Gegenteil. Kinder haben Phasen, in denen sie sich von ihren Eltern abwenden. Selbst die Mutter schlechthin – Maria – die Mutter Jesu – muss diese Erfahrung machen. Der kleine Bengel läuft einfach weg. Es sollte ein so toller Ausflug werden. Nach Jerusalem in die große Stadt. Aber statt der Mama zu folgen, haut Jesus ab. Geht auf Erkundungstour. Allein. Erst nach Stunden finden ihn Maria und Josef wieder. Sitzt im Tempel und redet dort mit den Gelehrten. Will alles wissen über Gott. Er reagiert sogar patzig, als Mama erklärt, dass sie sich Sorgen gemacht hat.
Ich frage mich, wieviel ich als Mama oder Papa von meinen Kindern erwarten darf. Darf ich erwarten, dass sie mich lieben, mir gehorchen, das tun was ich sage, die Richtung einschlagen, die ich mir für sie vorstelle?
Jesus ging seinen eigenen Weg. Tat was er für richtig hielt. Landete irgendwann am Kreuz.
Der Muttertag hat für mich so einen Beigeschmack von erwarteter Dankbarkeit. Aber Kinder haben ihren eigenen Willen. Schön, wenn es heute trotzdem Geschenke gibt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3660