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SWR3 Gedanken

09FEB2008
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Kann man eine katholische Kirche von einer evangelischen unterscheiden?
Auf den ersten Blick.
Denn wenn vorne ein meist rotes Wachs- oder Öllicht brennt, ist die Kirche katholisch.
Ewiges Licht heißt diese Lampe und hat viele Bedeutungen. Sie brennt an dem Platz in der Kirche wo die geweihten Hostien aufbewahrt werden.
Spaßeshalber könnte man sagen: Wenn das Licht brennt, ist die Kirche in Betrieb. Sprich: Gott ist anwesend. Auch wenn kein Mensch sich darin aufhält ist der Raum nicht leer. Hier ist ein heiliger Ort sagt die kleine Flamme und erinnert damit an eine besondere biblische Begebenheit:
Moses, eine der Urgestalten der Bibel, der das Volk Israel aus der Sklaverei Ägyptens führte und dabei sogar mit Gottes Hilfe das rote Meer teilte, hatte sich als junger Mann in die Einsamkeit der Wüste zurückgezogen. Da sah er plötzlich einen brennenden Busch vor sich. Der brannte, aber nicht verbrannte. Und er hörte eine Stimme: „Moses, der Ort, an dem du stehst, ist heiliges Land!“. Da spürte Moses dass etwas ganz besonderes geschah. Er zog sich die Schuhe aus und warf sich voll Ehrfurcht zu Boden. In diesem feurigen Busch ist Moses Gott begegnet. In einem Busch, der brennt und dabei nicht verbrennt. Ein tolles Bild für Gott! So Gott zu begegnen hat das Leben des Moses total verändert. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde er zum strahlenden Anführer seines Volkes. Erst ab dann konnte er mit Gottes Hilfe Wunder wirken und fand den Mut dem Pharao Ägyptens die Stirn zu bieten.
Das ewige Licht in den Kirchen erinnert an diese Begebenheit. Gott wartet hier auf die Menschen, wie er in der Wüste auf Moses gewartet hat. Auch Kirchen sollen Orte der Gottesbegegnung sein.
Aber nicht nur die Kirchen.. Denn Gott kann ich an vielen Orten begegnen. Ob in meiner Wohnung nicht auch ein Platz für ein ewiges Licht wäre?


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08FEB2008
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"Muss ich das machen? Ich kann das nicht." Die junge Frau sieht mich entsetzt an. Ihr Vater ist gestorben, und wir sprechen über die Beerdigung. Ich hatte gerade gesagt, welche Abschiedsgesten am Grab üblich sind, und dazu gehört es auch, mit einer Schaufel Erde ins Grab zu werfen.
Diese Geste erinnert an das Zuschaufeln des Grabes.. Früher haben das die Verwandten oder auch die Nachbarn selber getan. Heute erledigen Friedhofsbeamte diese Aufgabe hinterher, wenn alle Trauergäste weg sind.
Kein anderes Symbol spricht so die Vergänglichkeit unseres Lebens und damit die ganze Härte des Abschiednehmens an:
"Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück. Der Herr aber wird dich auferwecken." sagt der Priester bei der Beerdigung.
Natürlich muss niemand Erde ins Grab werfen. Man wird nicht dazu gezwungen. Und es ist nicht unbedingt notwendig. Aber es ist sinnvoll. Es ist sinnvoll, Zeichen zu verwenden, die einem das Abschiednehmen ganz bewusst machen. Der Trauer und dem Tod nicht ausweichen, sondern sich dieser Erfahrung ganz bewusst stellen.
Das ist schwer. Kein Wunder, dass die junge Frau davor zurückschreckt.
Deshalb bin ich froh, dass es in der katholischen Tradition noch ein zweites Zeichen am offenen Grab gibt. Das Wasser. Es erinnert an die Taufe, also daran, dass der verstorbene Mensch mit Christus verbunden ist, und dass er auf Auferstehung hoffen darf. Neues Leben bei Gott. Wenn wir bei der Beerdigung das Grab - und den Sarg darin - mit Weihwasser segnen, wünschen wir diesem Menschen neues Leben bei Gott.
Erde und Wasser. Beide Zeichen ergeben ein Ganzes:
Die Erde macht das Abschiednehmen bewusst, das Wasser erinnert an die Hoffnung auf ein neues Leben bei Gott.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3096
07FEB2008
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Ein Dieb in Darmstadt bekommt ein schlechtes Gewissen. "Was ich gemacht habe war falsch. Aber wie kann ich mich entschuldigen? Wie werde ich meine Sünden los?" Der Dieb hat eine originelle Idee. Und so schickt er ein Paket ab.
"Mea culpa - lateinisch - meine Schuld" schreibt er als Absender auf das Päckchen. Adressiert wird es an die Darmstädter Polizei. Darin finden die verdutzten Beamten eine Reihe fein säuberlich gepackter Plastiktüten. Dazu mehrere Briefumschläge mit Anschriften verschiedener Geschäfte in Darmstadt. Auf einem handgeschriebenen Zettel entschuldigt sich der Dieb und bittet die Polizei, die gestohlenen Sachen wieder an die entsprechenden Geschäfte zurückzuleiten. Nichts Großes. Kosmetika, CDs, Kaugummis und ähnliches. "Ich hoffe sehr, dass die Sachen heil bei den Geschäften ankommen. Im Voraus schon einmal vielen Dank", so der reumütige Dieb auf seinem Zettel.
Eine schöne Geschichte. Weil da jemand seine Schuld einsieht. Weil er nach einer Möglichkeit sucht sie loszuwerden und vor allem sie wieder gut zumachen. Klar - mutiger wäre es gewesen, direkt zu den Geschäften zu gehen oder sich der Polizei zu stellen und ganz offen ein Schuldbekenntnis abzulegen. Aber muss man immer gleich so mutig sein? Darf man sich nicht auch ganz vorsichtig und anonym entschuldigen?
Ich denke schon.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3095
06FEB2008
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„Herr Präsident, Sie haben ihr Wort nicht gehalten. Sie haben mich und die ganze brasilianische Gesellschaft betrogen.“ Harsche Worte! Bischof Dom Luiz Cappio aus Bahia, Brasilien nimmt kein Blatt vor den Mund.
Die Regierung will in Bahia einen Fluß umleiten. 700 Kilometer lange Kanäle. Für über 1 Milliarde Euro Wem wird das nützen? Vielleicht den reichen Bauern im Nordosten, die für den Export produzieren? Jedenfalls nicht den Gemeindemitgliedern von Bischof Cappio. Selbst die Weltbank hat bei dem Projekt Bedenken angemeldet und gibt keine finanzielle Unterstützung. Begründung: Die Umwelt könnte Schaden nehmen. Und obwohl es eine deutlich günstigere Brunnenvariante zur Bewässerung gibt, hält Brasiliens Präsident Lula an dem ehrgeizigen Milliardenprojekt fest. Wegen der anhaltenden Proteste und Demonstrationen schickte er sogar vor Weihnachten Soldaten nach Bahia. Kann man sich dagegen wehren? Bischof Cappio sagt JA. Denn sein großes Vorbild ist Jesus: „Wissen Sie,“ erklärt der Bischof: „Als Jesus sich entschlossen hat, für die Armen und Rechtlosen zu kämpfen, hatte er keine Angst vor dem Kreuz. Deshalb nehme auch ich das Kreuz auf mich, denn das ist der Preis, der zu zahlen ist, wenn wir so wie Jesus für Gerechtigkeit kämpfen.“
Daraufhin trat Bischof Dom Luiz Cappio in den Hungerstreik, um den Präsidenten zu erneuten Gesprächen zu bewegen. 24 Tage fastete Dom Cappio, verlor 9 Kilo und kam ins Krankenhaus. In Brasilien und auch international wurden dadurch viele auf das Problem aufmerksam und zeigten sich solidarisch. Und obwohl der Präsident Gespräche immer noch ablehnt, kündigte Cappio an, dass der Kampf gegen das Projekt auch 2008 weitergehen wird.
Woher nimmt er diese Kraft? „Jesus gibt mir die Kraft dazu,“ erklärt der Bischof: „Er ist mein Vorbild. Denn Jesus kämpfte nicht für die Interessen einiger Reicher, sondern er setzte sich dafür ein, dass alle das Leben haben, und zwar Leben in Fülle.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3050
05FEB2008
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Himmel

von

Eine Maus kommt in den Himmel. Petrus öffnet ihr die Himmelspforte und läßt sie herein. „Was gibt es denn hier so alles, fragt die Maus den heiligen Petrus.“ „Och – das ist der Himmel. Da gibt es alles was Du möchtest.“ „Super“ sagt die Maus, „dann wünsche ich mir ein Skateboard. Das wollte ich schon immer mal fahren.“ Sprichts, bekommt ein Skateboard unter die Pfoten und saust los durch den Himmel.
Ein wenig später kommt eine Katze in den Himmel. Auch sie wird von Petrus herzlich willkommen geheissen. „Ich schau mich hier erst mal ein bißchen um“, sagt sie. Als Petrus sie nach einiger Zeit wieder sieht, fragt er: „Und, was gefällt Dir besonders gut?“
Die Katze ist begeistert: „Hier gibt es ja sogar Essen auf Rädern.“
Witze über den Himmel mag ich besonders gern. Weil sie den Himmel für mich greifbar werden lassen. Die Vorstellungen von Petrus, einem Himmelstor und davon, dass mir alle Wünsche dort erfüllt werden mag zwar etwas naiv sein, aber sie hat für mich trotzdem etwas ungemein tröstliches. Und wer weiß, ob es nicht wirklich so ist, oder vielleicht sogar noch viel schöner?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3049
04FEB2008
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Die katholische Kirche hat so ziemlich für alles einen Schutzheiligen oder Patron, aber für die Fasnacht habe ich leider keinen gefunden. Also muss sich diejenige als Schutzpatronin verantwortlich fühlen, die heute von Amts wegen dran ist: die heilige Veronika. Die ist nämlich die Heilige des heutigen 4. Februar. Sie reichte Jesus ein Schweißtuch, als er das Kreuz trug. Und in dieses Tuch drückte Jesus sein blutiges und geschundenes Gesicht. Veronika hat das Tuch gut aufgehoben denn darin blieb der Abdruck des Gesichts von Jesus. Klingt zunächst so gar nicht fasnachtsfröhlich, aber die Geschichte geht weiter:
Der Legende nach bat Kaiser Tiberius Veronika zu sich. Er war nämlich schwer krank. Und er hoffte, dass Veronika seine Schmerzen lindern könnte. Sie nahm das Schweißtuch Jesu mit und hielt es ihm wie eine Maske vors Gesicht. Und sofort war Kaiser Tiberius geheilt. Wie das? Nun: Vielleicht sah er durch das Tuch endlich mal jemanden, der mächtiger war als er selbst. Das kann für einen Kaiser erlösend sein. Muss er doch den ganzen Tag regieren und Verantwortung tragen. Endlich brauchte er sich nicht so wichtig zu nehmen. Und das kann gesund machen.
Nun - Paßt eigentlich ganz gut zur Fasnacht. Denn da halten wir uns ja auch Masken vors Gesicht. Brauchen uns selbst mal nicht so ernst und nicht so wichtig zu nehmen. Können uns unter dem Schutz der Maske auch mal danebenbenehmen. Das kann heilsam sein. Und macht obendrein noch Spaß.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3048
03FEB2008
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Kirche muß sich in die Politik einmischen. Deshalb setzt sich Bischof Reinhard Marx für Langzeitarbeitslose ein.
„Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können,“ betont Marx und kritisiert, „dass Langzeitarbeitslose vom Aufschwung in Deutschland nicht profitieren.“
Statt sie von einer Schulung zur nächsten zu schicken, müsse man für die Unternehmen Anreize schaffen sie einzustellen. Das Problem: viele Langzeitarbeitslose können keine volle Leistung bringen. Entweder es fehlt die Qualifikation, die Schnelligkeit oder die Ausdauer. Damit sind sie für Unternehmen uninteressant. Man kann sie wie warme Semmeln anbieten, keiner will sie einstellen. Trotz Schulungen und Fortbildungen. Besonders schlimm: diese Schulungen kosten den Staat viel Geld und bewirken nur wenig.
„Was aber“, so Bischof Marx, „wenn man dieses Geld einfach den Betrieben gibt. Wenn man dem Unternehmen sagt: „Ich gebe Dir 25.000 Euro für Investitionen, für neue Maschinen, etc. Und ich zahle Dir die Hälfte vom Gehalt eines Langzeitarbeitslosen wenn Du einen einstellst - unbefristet.“ Dann könnte es sein, dass ein Unternehmer sagt: „Das mache ich. Das lohnt sich. Eine Arbeitskraft, die zwar nur die Hälfte leisten kann, aber auch nur die Hälfte kostet. Und ich kann in meinen Betrieb investieren. Das wäre interessant.“ Das lohnt sich übrigens auch für den Staat. Denn es ist billiger als ein Leben lang Sozialhilfe zu zahlen. Bei Menschen mit Behinderungen fördert der Staat auf diese Weise schon lange Arbeitsplätze, und es funktioniert.
Statt einfach nur Forderungen zu stellen, hat Bischof Marx ein 12-seitiges Konzept erstellen lassen. Fundiert und realistisch. Beraten von Leuten, die wissen, wie es in der Wirtschaft zugeht. Ich habe das Papier der Aktion Arbeit im Bistum Trier gelesen und hoffe, die Politiker werden dies auch tun. Dann hätte Bischof Marx erreicht, was Jesus fordert: Den Menschen zu helfen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3047