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SWR3 Gedanken

Fastnacht ist das fröhliche Gesicht des Christentums:
Dieser Satz fasziniert mich.
Fastnacht ist das fröhliche Gesicht des Christentums.
Denn man kann ja lang und breit
über die Schattenseiten dieses organisierten Frohsinns predigen – und ich selber bin wirklich kein großer Fastnachts-Jeck –
aber in der Fastnacht steckt auch eine Botschaft,
und die stammt aus der Bibel:
„Bei Gott gelten andere Maßstäbe als in unserem Alltag.“
Fastnacht zeigt etwas von dieser Veränderung,
die die Bibel immer wieder ankündigt.

Denn die Fastnacht nimmt die herrschenden Verhältnisse auf´s Korn.
Das scheinbar Sinnlose regiert.
Fastnacht fragt: Denkt ihr noch an euren Traum vom Glück –
oder habt ihr euch schon abgefunden euren Gewohnheiten?
Fastnacht fragt: Bist du schon im Alltag verschimmelt?
Oder glaubst du noch daran,
dass die Welt auch ganz anders sein könnte?
Vielleicht tatsächlich so fröhlich,
wie Jesus immer wieder mit seinen Leuten gefeiert hat?
Fastnacht fragt: Hast du dich schon gewöhnt an dich selbst –
und bist du damit zufrieden, wie dein Leben aussieht?
Oder kannst du dir auch vorstellen,
noch eine ganz andere Rolle zu spielen?
Denn die Fastnacht stellt alles auf den Kopf:
Oben und unten, Macht und Ohnmacht –
alles kehrt sich um in der Fastnacht.
Vertauschte Rollen, verkehrte Welt:
Die Fastnacht ist das Fest der anderen Möglichkeit.
Natürlich: Fastnacht ist nicht realistisch.
Sondern eben nur eine närrische Unterbrechung.
Aber in dieser Unterbrechung steckt Wahrheit.
Denn diese Unterbrechung zeigt,
dass die alltägliche Routine eben nicht alles ist:
Die Welt kann nach Aschermittwoch ein bisschen verrückt bleiben.
Eine fröhliche Rest-Fastnacht wünsche ich –
um danach das Leben mit neuen Augen zu sehen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2941
Glauben Sie, dass Gott tanzen kann?
Nein, das ist kein Fastnachtsscherz oder abgedrehte Wissenschaft;
Gott tanzt – und mein Leben bekommt einen neuen Rhythmus.
Das können Sie sich nicht vorstellen? Warum eigentlich nicht?
Woher bekommen wir eigentlich unsere Vorstellungen und Meinungen
über Gott und über den Glauben?
Zuerst lernen wir Gott wohl in unserer Familie kennen:
durch das, was Eltern, Großeltern und Paten uns von Gott erzählen und zeigen. Manchmal gefällt uns das gut.
Oft erinnern wir uns ein Leben lang daran.
Dann können wir Glauben in der Kirchengemeinde kennen lernen:
wenn wir erleben, wie Christen da von Gott begeistert werden.
Manchen gefällt das gut. Und machen dann gerne mit.
Der eine oder die andere hat Gott im persönlichen Gebet entdeckt:
in den Worten des Vaterunsers oder in der stillen Meditation.
Manchen gefällt das, und sie genießen es immer wieder.
Aber wenn das alles Ihnen und Ihrem Glauben nicht geholfen hat:
weil in der Familie kaum jemand etwas von Gott wissen will,
weil in der Kirche nur sehr wenig von Gott zu spüren ist,
weil das Gebet für Sie immer ein großes Geheimnis geblieben ist ...
... dann sage möchte ich Ihnen sagen:
Gott ist auch noch ganz anders. Gott tanzt nämlich.
Die Bibel jedenfalls erzählt oft
von frommen Tänzen und fröhlichen Feiern.
Als zum Beispiel Jesus zu einer Hochzeit eingeladen ist,
tut er alles, was er kann, damit das Fest fröhlich bleibt.
Und von König David, dem größten König im alten Israel,
berichtet die Bibel, dass Musik und Tanz immer zu seinen Gottesdiensten dazugehört haben.
So eine göttliche Fröhlichkeit wünsche ich Ihnen
auch für die letzten beiden Fastnachts-Wochen.
Vielleicht denken Sie an diesem Wochenende
mitten im Tanz oder bei der Party ja auch mal an den Gott, der tanzt. Der vielleicht gerade mit Ihnen tanzt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2940
Wie trainieren Sie eigentlich Ihre Seele?
Vielleicht kommt Ihnen diese Frage komisch vor?
Kann sein, aber ich finde die Frage wichtig:
Wie trainieren Sie Ihre Seele?
Denn eigentlich trainieren wir alles, was uns wichtig und wertvoll ist.
Da gibt es Fortbildungs-Veranstaltungen im Beruf
und Musik-Unterricht für die Kinder.
Da gibt es Gedächtnis-Training für Senioren
und Sicherheits-Training für Autofahrer.
Und nicht zuletzt joggen immer mehr Menschen,
um sich fit zu machen oder fit zu halten.
Aber wie trainieren Sie Ihre Seele?
Und dabei geht es mir gar nicht um dieses Wort „Seele“.
Da können Sie gerne auch irgendein anderes Wort einsetzen.
Eines, das auch die andere Seite von uns beschreibt;
diese innere Seite, das Innenleben –
oder sind Sie da so fit, dass kein Training nötig wäre?
Das glaube ich eigentlich nicht; ich fürchte eher das Gegenteil:
Ich fürchte, dass viele Seelen überhaupt nicht fit sind.
Jedenfalls nicht fit und stark und kräftig genug für das,
was das Leben ihnen abfordert.
Ich kenne immer mehr Menschen, deren Seele erschöpft ist.
Man nennt das dann anders:
Manche sprechen von psychischen Problemen oder Depressionen;
andere nennen es Burn-out oder Reif-für-die-Insel.
Und wenn es um die größte Aufgabe für eine Seele geht:
um Tod und Sterben – dann sind viele vollkommen überfordert.
Tabletten oder Alkohol bringen Linderung, aber keine Lösung.
Die Seele braucht anderes Training und andere Stärkung.
Was das sein könnte, muss jeder und jede selber ausprobieren.
Vielleicht taugt ein täglicher Spaziergang oder ein tägliches Gebet.
Vielleicht hilft auch der Gottesdienst am Sonntag und
vielleicht ein Jogging ohne Zeitdruck, damit die Seele aufatmen kann.
Den härtesten Vorschlag zum Seelentraining macht die Bibel:
Die Bibel sagt, es sei eine Hilfe für das Leben, an den Tod zu denken,
In einem Psalmgebet (Psalm 90,12) heißt es:
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben, damit wir leben können.“
Wenn eine Seele vor dem Tod immer weniger Angst hat,
dann ist sie stark für das Leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2939
Wie schützen Sie eigentlich Ihre Seele?
Vielleicht kommt Ihnen diese Frage komisch vor?
Kann sein, aber ich finde diese Frage trotzdem wichtig:
Wie schützen Sie Ihre Seele?
Denn eigentlich schützen wir alles, was uns wichtig und wertvoll ist.
Die Kinder begleiten wir auf dem Schulweg.
Das Auto hat vorne und hinten eine Stoßstange.
Bei Frostgefahr holen wir die Pflanzen vom Balkon.
Den Blutdruck kontrollieren wir regelmäßig.
Das Haus hat einen Blitzableiter.
Die Lebensversicherung haben wir neulich erst erhöht.
Eigentlich ist alles gut versorgt –
aber wie schützen Sie Ihre Seele?
Ich fürchte, viele Seelen sind vollkommen schutzlos und wehrlos
allen Gefahren und Belastungen des Alltags ausgeliefert.
Und schlimmer noch: Oft bringen wir die Seele bewusst in Gefahr.
Wie ist es sonst möglich, dass ein zehnjähriges Kind bei durchschnittlichem Fernseh-Konsum zehntausend Tote gesehen hat?
Warum sonst verkaufen sich Ehebruch- und Mordgeschichten so gut?
Warum sonst werden die Nachrichten immer sensationsgieriger
und die Hemmschwellen immer niedriger?
Eine Seele kann dabei nicht cool bleiben, sondern sie wird verwundet
oder krank. Sterben allerdings wird die Seele nie,
sondern sie muss alles immer weiter mitmachen und aushalten,
bis sie endlich erlöst wird.
Ich möchte meiner Seele das nicht mehr zumuten.
Ich möchte meine Seele nicht abschotten,
aber ich möchte sie schützen
vor Belastungen und Gefahren, die vollkommen unnötig sind.
Darum schalten wir zuhause den Fernseher immer seltener an.
Darum suchen wir in der Zeitung auch die guten Nachrichten.
Darum freuen wir uns über unsere Lebensmöglichkeiten,
anstatt neidisch auf andere Menschen zu schauen.
Jesus fragte einmal:
„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt,
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2938
Wie ernähren Sie eigentlich Ihre Seele?
Vielleicht kommt Ihnen diese Frage komisch vor? Kann sein,
aber ich finde die Frage wichtig: Wie ernähren Sie Ihre Seele?
Mit der Ernährung unseres Körpers geben wir uns ja viel Mühe:
Da werden Kalorien und Joule berechnet,
die Inhaltsstoffe geprüft und die Vitamine kontrolliert.
Und dann die Zubereitung: möglichst schonend und ohne Fett.
Und zum Schluss dann endlich das Essen selbst:
am besten mehrere kleine Mahlzeiten täglich
und dabei bewusst kauen und unbedingt genug trinken.
Okay, manchmal darf´s auch mal die Pommes-Bude sein.
Dann ist der Bauch erstmal satt, aber wie ernähren Sie Ihre Seele?
Und dabei geht es mir gar nicht um dieses Wort „Seele“.
Da können Sie gerne auch irgendein anderes Wort einsetzen.
Eines, das auch diese andere Seite von uns beschreibt;
diese innere Seite, das Innenleben,
das eben nicht satt wird von Pommes oder frischem Blattsalat.
Denn viele Seelen sind unterernährt.
Viele Seelen zeigen Mangelerscheinungen.
Viele Seelen sind in einem lebensgefährlichen Zustand.
Lebensgefährlich nicht für die Seele selbst,
denn Seelen können nicht sterben.
Seelen müssen auch noch das Schlimmste aushalten,
bis sie endlich erlöst werden.
Eine unterernährte Seele aber ist lebensgefährlich für den Menschen. Wenn die Seele keinen Sinn mehr sieht, keine Liebe bekommt und
keinen Trost findet, hat das Auswirkungen auf den ganzen Menschen.
Dann kann der Körper noch so gesund ernährt werden:
Er fühlt sich schlapp und kraftlos – und wird vielleicht sogar krank.
Wenn die Seele Hunger hat, hilft kein Müsli-Riegel oder Power-Drink.
Die Seele braucht andere Nahrung:
Die Seele hungert nach Sinn und Orientierung.
Die Seele dürstet nach Liebe und Trost.
Die Seele braucht Aufmerksamkeit und Zeit.
In der Bibel bittet ein Psalmbeter um Nahrung für die Seele:
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott;
wann werde ich dahin kommen, wo ich Gott nahe bin?“
Gott macht meine Seele satt –
und ich bekomme Kraft zum Leben!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2937
Glauben wir eigentlich alle an denselben Gott?
Immer wieder höre ich diese Frage.
Manchmal geht es dabei um das Zusammenleben
von Christen und Muslimen.
Manchmal geht es auch um die Buddhisten oder um die Juden.
Manchmal taucht die Frage aber auch schon auf
in der Ökumene von evangelischen und katholischen Christen.
Glauben wir eigentlich alle an denselben Gott?
Früher habe mit meiner Antwort auf diese Frage gezögert.
Weil es da ja eben wirklich Riesenunterschiede gibt
zwischen den verschiedenen Religionen
und manchmal sogar zwischen den christlichen Kirchen.
Und manchmal bleibt es eben auch nicht bei den Unterschieden,
sondern kommt zu offener Feindschaft –
und schlimmer noch zu mörderischem Krieg.
Und das alles mit demselben Gott?
Ja, ich glaube schon.
Ich glaube schon, dass es ein und derselbe Gott ist,
an den wir glauben.
Denn es gibt eben nur diesen einen Gott.
Wenigstens darin sind sich alle Weltreligionen einig:
Wenn es überhaupt einen Gott gibt, dann gibt es nur einen.
Und eben nicht einen Gott für die Muslime
und einen Gott für die Juden
und dann auch noch eine Extra-Gott für uns Christen.
Bei Gott gibt es keine Unterschiede.
Unterschiede gibt es nur bei uns Menschen.
Denn das, was wir von Gott wissen und von Gott glauben,
das ist sehr unterschiedlich.
Wobei eigentlich jede Religion zugeben muss,
die vollständige Wahrheit über Gott nicht zu kennen.
Denn jede Religion hat ihre eigenen Erfahrungen gemacht mit Gott.
Und jede Religion hat ihre besondere Geschichte mit Gott.
Und jede Religion hat sich dabei auch schon mal gründlich geirrt.
Und selbst dann, wenn ich als Christ meine,
dass eine andere Religion vollkommen falsche Ansichten vertritt,
geht es doch immer noch um ein und denselben Gott.
Und ich kann nur hoffen und glauben und zu diesem Gott beten,
dass ich nicht selber in die Irre laufe.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2936
Der Streit zwischen den Kirchen ist das beste Argument gegen Gott.
Diesen Vorwurf höre ich immer wieder:
„Ja, wenn noch nicht einmal ihr Christen euch einigen könnt,
dann kann an der Kirche ja nicht viel dran sein.“
Auf den ersten Blick stimmt das: Wenn ich mitkriege,
wie manche Christen über andere Christen und Kirchen schimpfen,
schäme ich mich manchmal, selber Christ und Pfarrer zu sein.
Manche tun da ja so, als ob sie Gott und die Wahrheit
für sich gepachtet hätten.
Wie schön, dass es auch andere Christen und Kirchen gibt,
die nicht so überheblich auftreten,
sondern etwas anderes versuchen:
zum Beispiel miteinander zu beten.
Wie bei der„Ökumenischen Gebetswoche für die Einheit der Christen“,
die heute wie jedes Jahr um diese Zeit wieder beginnt.
Bei dieser „Ökumenischen Gebetswoche“
machen Christen aus ganz verschiedenen Kirchen mit.
Eine Woche lang geht es mal nicht um die Unterschiede,
sondern um die Gemeinsamkeiten.
Denn die sind doch in Wahrheit viel größer.
Und die sind auch viel wichtiger,
wenn es um Gott und die Welt geht.
Womit ich die Unterschiede nicht verharmlosen will.
Aber diese Unterschiede zwischen den Kirchen
verstehe ich immer mehr als eine Art „Geschwisterstreit“.
Das heißt, wenn die verschiedenen Kirchen
sich darum zanken, wer denn nun den besten Glauben hat,
dann ist das wie bei Kindern,
die um die Liebe der Eltern wetteifern
Die Kinder können sich darüber streiten, wer das bravere Kind ist.
Sie können sich auch darüber streiten, wen die Eltern lieber haben.
Aber bei allem Streiten und Wetteifern
müssen sie eigentlich zugeben,
dass sie in Wahrheit das Entscheidende gemeinsam haben –
und sich deshalb eigentlich gut verstehen sollten:
weil sie eben dieselben Eltern haben.
Das ist bei Christen und Gott, ihrem Vater, genauso.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2935