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SWR3 Gedanken

Wer Kinder beobachtet und mit ihnen spielt, kann viel lernen. Zwei Jungen sitzen zusammen am Fluss. Dann will der eine nach Hause und geht. Als sein Freund nicht kommt ruft er ihm zu: "Jetzt komm schon und hör auf zu spielen." Da sagt der andere:" Ich spiele nicht, ich studiere!"

Wozu die Erwachsenen jahrelange Forschung und Studien brauchen und dicke Bücher schreiben müssen, wissen Kinder oft ganz intuitiv. Natürlich ist Spielen, vor allem für ein Kind, mehr als nur reiner Zeitvertreib. Dieser Junge hat es sofort gewusst. Und jeder, der mit Kinder zu tun hat, kann vieler solcher Geschichten erzählen, in denen Kinder in völliger Selbstverständlichkeit sehr weise Dinge sagen.

Woran das liegt? Kinder sind spontan und direkt, sie lieben die Wahrheit, sie sind neugierig und lebendig. Vielleicht, weil sie ihrem Ursprung noch nicht so weit entfernt sind, wie wir Erwachsenen. Vielleicht liegt es daran, dass sie vom Zeitpunkt der Geburt und sogar vom Zeitpunkt vor der Geburt noch nicht so weit entfernt sind.

Martin Luther, der heute seinen 524. Geburtstag hat, hat einmal gesagt: Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt." Kinder sind scheinbar so nahe an ihrem Ursprung, dass sie ihn gleich mitbringen. Das mitzuerleben, tut einfach gut.

Von meinem Freund Uli weiß ich, dass er es nicht nur genießt mit seinen Kindern zu spielen. Er freut sich vor allem auf sie, wenn im Geschäft nichts gelaufen ist. "Dann mit den Kids durch die Wohnung toben gibt mir wieder richtig Auftrieb.", sagt Uli. Und Luther würde eben sagen: Wer Kinder beobachtet und mit ihnen spielt, ertappt Gott auf frischer Tat."
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Schicksalstag der Deutschen, so wird der 9. November manchmal genannt. Warum ist dann der 9. November eigentlich kein Gedenktag, an dem die Arbeit ruht? Frage ich mich.
An diesem Tag wurde Robert Blum erschossen, der Anfang vom Ende der Revolution 1848, Hitler und Ludendorff versuchten einen Putsch, der Nationalsozialismus kam also langsam auf. Und dann natürlich die Novemberpogrome 1938. 400 Menschen kamen allein in einer Nacht um, fast alle Synagogen in Deutschland, mehr als 1400 wurden zerstört und mindestens 30000 Juden verhaftet.

Und dann gab es da noch die Maueröffnung. Auch am 9. November. 1990 hatte man sich dann überlegt diesen Tag zum Tag der deutschen Einheit zu machen. Er wurde es nicht, damit die Erinnerung an die Zerstörung der Synagogen und die Ermordung von Juden nicht durch die Feierlichkeiten zur Maueröffnung überdeckt werden. Finde ich gut so. Es wäre schlimm zu sagen. Jetzt ist mal gut mit der Vergangenheitsbewältigung- jetzt feiern wir nur noch.

Deshalb bin ich froh, dass dieser Tag zwei Gesichter hat. Das dunkle Gesicht das daran erinnert, dass deutsche Synagogen brannten , und das helle Gesicht, das daran erinnert, dass Menschen sich friedlich die Freiheit erkämpft haben. So kann ich hoffen, dass nicht immer alles so bleibt, wie es ist. Der neunte November erinnert nicht nur an den Schrecken, sondern auch an die Freude. Mich erinnert es daran: Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben. Das Krumme, Leidvolle …. Wird nicht weggewischt. Es bleibt krumm.

Ich finde, der neunte November könnte ruhig ein Gedenktag sein, an dem die Arbeit ruht. Denn es gibt viel zum Gedenken und nachdenken und zugleich zum Hoffen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2474
Nichts ist, wie es vorher war. Nach der Geburt eines Kindes verändert sich einfach alles. Das ging mir nach der Geburt unserer Tochter jedenfalls so. Meine Prioritäten werden verrückt. Mich interessieren ganz andere Dinge. Zum Beispiel die technischen Raffinessen eines Kinderwagens oder die Frage, ob man Gläschen kaufen oder den Karottenbrei selbst kochen soll.

Und dann verändern sich auch noch andere Gewohnheiten. Plötzlich sind die Jungs nicht mehr so wichtig. Ich meine die, mit denen ich gerne mal um die Häuser gezogen bin. Klar erinnere ich mich gern an die Zeiten, aber jetzt macht mich das nicht mehr so an. Ich brauche schlicht und ergreifend meinen Schlaf.

So viel Veränderung kann auch Angst machen. Und die Frage ist ja; Was muss ich verändern und was nicht?
Wer bei Gott bleibt, der bekommt neue Kraft, steht in der Bibel. Das heißt für mich, dass ich nicht alles aufgeben muss und soll. Das, was mir wirklich wichtig ist, das muss bleiben. Natürlich werden die Jungs bleiben und schon das gibt mir Mut mich den Veränderung zu stellen.

Wir ziehen nicht mehr spontan um die Häuser. Wenn wir uns treffen wollen um die ein oder andere Flasche Wein zu öffnen, müssen wir das mit dem Terminkalender planen, aber die Freundschaft bleibt.

Und so ist es mit Gott auch, glaube ich. Ich muss mir vielleicht Zeit frei schaufeln um zu beten, um in den Gottesdienst zu gehen. Aber Gott bleibt und das tut mir gut gibt mir Kraft, trotz der ganzen Veränderungen.
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Bei Abraham und Sara will und will es einfach nicht klappen. Sie bekommen keine Kinder. Und das obwohl es ihnen Gott immer wieder versprochen hat. Sara ist schon so verzweifelt, dass sie ihre Dienerin Hagar bittet mit ihrem Mann zu schlafen. Hagar soll sozusagen Leihmutter werden. Eine alte Geschichte aus der Bibel.

Bis heute ist es für viele Menschen ein Problem, keine Kinder bekommen zu können.

Natürlich gibt es sie auch heute noch, die Paare, die keine Kinder bekommen können auch mit aller medizinischen Hilfe nicht, die es heute ja gibt. Leider ist die Chance mit Hilfe der Medizin schwanger zu werden nicht so hoch, wie man es vielleicht glauben will.

Ein Mann, der in dieser Situation war, hat mir erzählt: „Jetzt verstehe ich erst, warum diese Geschichte von Abraham und Sara in der Bibel steht. Keine Kinder bekommen zu können geht an die Nieren. Es macht einen fertig. Du lebst nur noch von einem Eisprung zum nächsten... Spaß macht das alles nicht. Und ob Du gläubig bist oder nicht: Du fängst an zu beten und dich zu fragen, was du in deinem Leben falsch gemacht hast, wo du Gott so verärgert hast, dass dir so was passiert.“

Und trotzdem, macht ihm diese Geschichte Mut, wie er sagt. Zum Schluss bekommen Abraham und Sara ihren Sohn. Aber nicht die Tatsache, dass die ihn bekommen, tröstet ihn dabei. Für ihn ist wichtig, dass es passiert, als Abraham und Sara schon längst mit dem Thema abgeschlossen haben. Mich tröstet das, sagt er. Irgendwas wird passieren, wenn ich mit nichts mehr rechne. Wenn ich selber abgeschlossen habe. Ob ich nun Vater geworden bin oder nicht. Es wird etwas passieren, und wir werden glücklich und dankbar sein, wenn wir nicht mehr zu hoffen gewagt haben, das sagt mir die Geschichte von Sara und Abraham
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Es gibt eine Geschichte in der Bibel, die erzählt: Der Teufel versucht Jesus. In der Wüste. Das Böse steht ihm gegenüber und bietet ihm alles an, was man sich vielleicht wünschen kann. Erfolg, Reichtum und Macht. Unter einer Bedingung: Jesus muss sich dem Willen des Teufels unterordnen. Eine große Versuchung für Jesus.

Vor Versuchungen stehe ich auch oft. Es ist nicht der Leibhaftige der mir gegenüber steht, eher meine Inkonsequenz: lieber das Auto zu nehmen statt das Fahrrad. Oder die Tafel Schokolade wie Schwarzbrot zu essen. Oder ein ausgedehnter Spaziergang durch den Elektronikmarkt. Blöd will ich ja auch nicht sein.

Die Versuchung bietet einem immer etwas zu kaufen an, selten, was zu verschenken oder tätige Nächstenliebe zu üben. Und dann gibt es noch die Versuchung etwas nicht zu tun. Z.B. muss ich doch nicht unbedingt bei Uli vorbei, oder. Der wird mir wieder viel erzählen, von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne. Bleib ich doch lieber auf dem Sofa liegen und glotz weiter TV. Ist grad so gemütlich.

Aber dann ist mir was an der Geschichte mit Jesus und der Versuchung aufgefallen: Als Jesus der Versuchung durch den Teufel widerstanden hatte, ging er nicht leer aus. Es heißt: da kamen Engel zu ihm und dienten ihm. Steht so in der Bibel.

Für mich heißt das: Wenn ich der Versuchung widerstehe, dann werde ich nichts verlieren, sondern ich werde gewinnen. Wenn ich die Klamotten, die ich eigentlich nicht brauche, auch nicht kaufe, freut sich mein Geldbeutel. Wenn ich Fahrrad fahre, statt das Auto zu nehmen, freut sich meine Gesundheit und die Umwelt. Und wenn ich die Glotze ausschalte und Uli anrufe, freut sich Uli.

Wer der Versuchung widersteht, der wird gewinnen. Das erzählt mir die Geschichte.
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Vaterunser im Himmel So beten wir. Vaterunser. Es ist mir wirklich in Fleisch und Blut übergegangen, so dass ich oft nicht darüber nachgedacht habe, was das heißt: Gott als Vater. Aber manche, vor allem Frauen, finden das schwierig: Gott als Vater! Typisch Machomäßig, die Männer, die sich das Gebet ausgedacht haben. Würden die Schmerzen bei der Geburt nie aushalten, aber Gott ist natürlich Vater. Dabei sind die Väter ständig abwesend. Sogar im Vaterunser heißt es ja: der du bist im Himmel. Wäre da die Mutter nicht besser? Mutterunser, hier auf der Erde?

Dass Gott ein Mann ist, ist allerdings kein Gesetz. Auch nicht in der Bibel. Da wird Gott auch mal als Mutter bezeichnet. Seit ich selbst Vater bin, sehe ich manches inzwischen anders. Ich muss gestehen: Vätern fehlt tatsächlich das Erdige und Nährende. Im Gebet, wie im Leben

Als Mann und Vater habe ich nun mal nicht diese beiden „wohlig warmen Argumente, die jedes Baby super trösten und gleichzeitig ernähren können. Hier bin ich außen vor, das ist exklusiv eine Sache zwischen meiner Frau und meiner Tochter. Ich als Vater kann meine Tochter nicht ernähren, jedenfalls nicht, so lange sie gestillt wird. Und abwesend bin ich auch oft. Nicht weil ich das so will, sondern es ergibt sich halt so, dass ich sag:
Ich geh dann mal, du musst ja noch stillen.

Aber dafür kann ich anderes. Wenn meine Tochter nämlich schreit und sich nicht beruhigen will, kann ich sie trösten. Ich kann mit Ihr durch die Wohnung marschieren, kann sie im Tragetuch um den Bauch wickeln. Und ich kann ihr erzählen, auch wenn sie es noch nicht versteht. Ich habe gemerkt, dass meine Stimme sie fröhlich macht, dass sie lacht, wenn ich lache. Und ich kann ihr erzählen von dem, was ich alles in der Welt erlebt habe, die meine Tochter noch gar nicht kennt und dass die Mama bald wieder kommt.

Gott der Vater ist vielleicht oft abwesend, aber er erzählt vom Himmel der auf die Erde kommt. Und für meine Tochter gilt: Die Mama kommt wirklich wieder zurück.
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Was macht man, wenn Kinder schreien? Auf den Arm nehmen, gut zureden, trösten, singen, durch die Wohnung tragen - klar. Jedenfalls so lange, bis man die ersten Rillen in den Teppich gelaufen hat und die Stimme heiser wird.

Wer allerdings mit Ringen unter den Augen, anderen sein Leid klagt, bekommt oft zu hören: "Lass sie doch einfach schreien. Ins Kinderzimmer und Tür zu. Hat uns auch nicht geschadet. Stärkt die Lungen! Außerdem; zu viel hochnehmen verwöhnt nur"

Das ist meiner Frau und mir passiert und vielen anderen Eltern geht es ähnlich.

Mich haben diese Ratschläge immer geärgert. Erstens, weil mich meine Tochter mürbe macht, ob sie nun hinter oder vor der Kinderzimmertür schreit, und zweitens finde ich den Vorwurf: Du verwöhnst dein Kind unmöglich. Sollten sich Kinder schon mit drei Monaten an das harte Leben gewöhnen?

Mir haben bei meinem Ärger zwei Sätze geholfen.
Der erste stammt aus einem Ratgeber für frischgebackene Eltern. Da heißt es: Sie können ihr Kind mit ihrer Liebe nicht verwöhnen! Mit Dingen, die sie ihm schenken wohl, aber nicht mit ihrer Liebe." Der zweite Satz stammt aus der Bibel. Da steht in einem Psalm: Du hörst mein Weinen, Gott.

Das klingt für mich nicht danach, dass Kinder ihre Lungen stärken sollen einsam in ihrem Zimmer. Nein, Gott ist es nicht wurscht, wie es dem Kind dabei geht. Du hörst mein Weinen, Gott. Das tut gut. Ob dem Kind oder den Eltern.
Weil es leider auch Situationen gibt, in denen ich meine Tochter schreien lassen muss. Nicht damit die Lungen gestärkt werden, sondern Weil ich einfach keine Kraft mehr habe und nach einer durchwachten Nacht körperlich am Ende bin. Dann hilft es mir zu wissen: Nicht nur ich höre das Schreien, sondern auch Gott. Vielleicht spürt unsere Tochter das ja auch schon, so klein wie sie ist. Da hört einer mein Schreien. Und ist da. Auch wenn er mich nicht sofort auf den Arm nimmt.
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