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SWR3 Gedanken

Jona – das ist eine Stadt in der Schweiz, ein beliebter Vorname und der Held einer biblischen Kurzgeschichte. Jona bekommt von Gott einen Auftrag: er soll in die gottlose Stadt Ninive gehen und den bösartigen Einwohnern Gottes Strafe androhen.
Jona hat auf diese heikle Mission nicht die geringste Lust. Ihm liegt nicht viel an Ninive. Das auserwählte Volk ist doch Israel. Soll das Heidenpack ruhig untergehen! Doch nach langem Hin und Her tritt er die Reise an. Er predigt im mondänen Ninive von Gottes drohendem Strafgericht und ruft zur Umkehr auf. Und siehe da: Die Leute aus Ninive ändern tatsächlich ihr Leben und Gott verschont die Stadt.
Doch wieder hadert Jona mit Gott. Erstens: dieser ewige Großmut! Und zweitens: Jetzt steht er als falscher Prophet da.
Jona sitzt also in der brütenden Hitze vor den Toren der Stadt und schmollt. Und jetzt zeigt sich die Bibel wieder einmal von ihrer hintersinnigen Seite: Gott lässt über ihm einen Strauch wachsen, der ihm kühlen Schatten spendet. Jona freut sich über das Geschenk und fasst neuen Lebensmut. Doch am nächsten Tag lässt Gott die Pflanze wieder verdorren und schickt dazu einen mörderisch heißen Ostwind. Jona ist außer sich, doch das kennen wir ja bereits.
Und dann ertönt Gottes Stimme: „Jona, dir tut es Leid um den Strauch, für den du nicht gearbeitet hast. Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen. Mir aber sollte es nicht Leid tun um Ninive, die große Stadt, in der mehr als 120.000 Menschen Leben?“
Ich glaube, die Jona-Geschichte will sagen, dass Gott sich nicht pachten lässt. Wer sich ihm zuwendet, hat seine Sympathie. Gott lässt sich weder berechnen noch vereinnahmen. Für ihn gibt es einfach nur - Menschen.
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Wyclef Jean ist Musiker und Produzent. Er spielt bei den Fugees und hat zusammen mit Shakira den letztjährigen Sommerhit „Hips don´t lie“ gerappt. Jetzt macht er mit einer anderen Aktion auf sich und sein Heimatland Haiti aufmerksam. Er hat einen Straßenkehrer-Rap geschrieben. Gegen die Verwahrlosung der Gesellschaft in Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis.
Obwohl in Port-au-Prince rund 10.000 Blauhelme der UNO stationiert sind, herrscht dort fast der Ausnahmezustand: Entführungen, Schießereien, Raubüberfälle und Drogenhandel sind an der Tagesordnung. Darüber hinaus Abfallberge und Müllgestank.
Wyclef Jean lebt zwar in New York, aber er liebt seine Heimat. Regelmäßig besucht er Haiti und ist dort ein Idol. Mit seinem Straßenkehrer-Rap will er der Jugend neue Werte vermitteln. In Port-au-Prince plärrt der Hit mittlerweile aus jedem Radio. Da rappt Wyclef: „Putzt die Straßen / sie sind keine Müllkübel / Straßenkehren wird euer Denken ändern / euer Land ist euer Land“
Gleichzeitig hat Wyclef Jean eine private Müllabfuhr ins Leben gerufen. In Zwölferteams sind Jugendliche als Straßenkehrer unterwegs. Mittlerweile sind es ca. 1.400. Besen, Schaufel, Atemschutz und eine knallgelbe Weste gehören zur Grundausstattung. Jeder bekommt pro Tag zwei Dollar und gehört damit zu den Spitzenverdienern unter den Armen.
Vor kurzem gelang der große Wurf: eine Vereinbarung mit den lokalen Bandenchefs. Jetzt dürfen Wyclefs Straßenkehrer auch in die berüchtigten Slums von Cité Soleil und Bélair.
Kritiker sagen: Nun sind dreckige Straßen ja eher ein kosmetisches Problem. Die wirklichen Ursachen der Armut liegen doch tiefer!
Ich denke, saubere Straßen sind nicht das Ziel der Aktion. Es ist ein Mittel, um Zugang zu den Elendsvierteln und ihren Bewohnern zu bekommen. Und diese halten vielleicht das erste Mal im Leben ehrlich verdientes Geld in den Händen. Ein erster Schritt aus der Kriminalität - dank Wyclef Jean.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2180
Die absolute Neuheit auf dem Fotomarkt ist die sogenannte „Smile Shutter“ Funktion.
Die Kamera löst nur noch aus,
wenn eine zuvor ausgewählte Hauptperson auch wirklich lächelt.
Der Vorteil ist offensichtlich:
nur noch gute-Laune-Bilder, kein lästiges Aussortieren mehr
und jeder zeigt sich von seiner Schokoladenseite – dank „Smile Shutter“.
Aber eigentlich auch ein bisschen schade.
Oftmals sind doch die vermeintlich missglückten Bilder gerade die,
die was zu erzählen haben.
Zum Beispiel das alte Schwarz-Weiß-Foto meiner Mutter mit ungewissem Blick.
Kurz zuvor hatte sie erfahren,
dass sie noch einmal überraschend schwanger geworden war.
Oder mein Kumpel und ich:
wir hocken frisch gekentert und pudelnass neben unserem vollgelaufenen Kanu - betröppelte Gesichter.
Diese Fotos sind so gut, weil sie das Leben zeigen, wie es wirklich ist.
Ein Foto soll ja Situationen festhalten, Erinnerungen erleichtern, das Leben abbilden.
Und das besteht nun mal nicht nur aus Lächeln und guter Laune.
Sondern es gibt auch Momente, da bin ich traurig, griesgrämig, wütend oder nachdenklich. Ich finde, gerade diese Vielfalt macht das Leben interessant.
Ich erinnere mich noch gut an ein Familienfoto-Shooting, bei dem ich miese Laune hatte. Noch nie ist mir das Lächeln so schwer gefallen.
Lächeln macht doch erst richtig Spaß, wenn es von Innen kommt,
wenn ich den Zeitpunkt dafür selbst bestimmen darf.
Der Fotomarkt ist mit „Smile-Shutter“ vielleicht um eine Errungenschaft reicher,
aber das echte Leben kann mehr als bloß Lächeln.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2179
Für viele Sportschau-Gucker ein gewohntes Bild: nach einem wichtigen Tor zieht ein Spieler sein Trikot hoch und drunter steht in dicken Buchstaben der Name der Freundin, des Babys oder manchmal auch „Jesus liebt dich“.
Ab dieser Saison soll nun Schluss sein damit. Der Weltfußballverband FIFA hat jetzt alle Kleidungsstücke mit solchen Botschaften verboten. Wenn´s ein Spieler trotzdem tut, dann soll nicht nur er, sondern gleich noch die gesamte Mannschaft bestraft werden.
Viele Spieler und auch Vertreter der Kirchen wundern sich über die neue Anweisung. Vor allem weil die FIFA offensichtlich keine Hemmungen hat, wenn es um kommerzielle Botschaften auf den Trikots geht.
Hans-Joachim Dohm ist Pfarrer und geistlicher Beistand des FC Schalke 04. Auch er ärgert sich. Er glaubt, dass die Funktionäre „Probleme mit einer selbstverständlich gelebten Religiosität“ haben. Er sagt: „Die Schalker Fans sind da wesentlich offener. Die finden es gut, wenn jemand den Mut hat, zu seiner Überzeugung zu stehen.“
Gerade für Fußballer aus Südamerika sind Fußball und Religion oft unzertrennbar miteinander verbunden. Und so haben die drei Schalker Spieler Kevin Kuranyi, Rafinha und Bordon jetzt ein Buch herausgegeben, wo sie ihre schönsten T-Shirt-Sprüche präsentieren.
Solche öffentlichen Bekenntnisse wird es wohl auch in Zukunft geben. Trotz FIFA-Vorschrift. Schalkes Kapitän Marcelo Bordon zum Beispiel hat schon einen Ausweg gefunden: Er hat sich seinen Leitspruch jetzt direkt auf den Rücken tätowieren lassen: „Jesus ist meine Kraft“ steht dort quer über beide Schulterblätter.
Vielleicht ein etwas extremer Weg. Aber für alle die nicht so sehr auf Tatoos stehen und trotzdem gern mal ihre Dankbarkeit zeigen wollen: ein Blick zum Himmel oder ein kleines Kreuzzeichen, das kann mir keiner verbieten – und den Bundesligaspielern auch nicht.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=2178


Giuseppe war schon immer ein Träumer. In der Schule nennen sie ihn nur „bocca aperta“ – offenens Maul. Sein Lehrmeister, der Schuhmacher, kann auch nichts mit ihm anfangen. Schwächlich und unaufmerksam! Beim Franziskaner-Orden nimmt man ihn erst gar nicht auf. Zu dumm für uns! Und auch als Küchenjunge taugt er nicht, weil er mehr Geschirr kaputt macht als spült.

Schließlich kommt Giuseppe Desa bei seinem Onkel im Kloster unter. Er ist inzwischen 22 und bekommt zum ersten Mal so etwas wie Vertrauen entgegen gebracht. Und siehe da, er bewährt sich bei der Stallarbeit und betreut den klostereigenen Esel.

Wir befinden uns im 17. Jht. im Bergdorf Copertino in Apulien. Aber Träumer gibt´s auch heute noch und wird es wahrscheinlich immer geben. Giuseppe Desa heißt jetzt Bruder Josef. Die Mönche haben nämlich erkannt, dass sich hinter seiner Tollpatschigkeit eine große geistige Tiefe verbirgt.

Aber er bleibt ein Sonderling und ist den Mitbrüdern auch ein bisschen unheimlich: Bei einer Bibellesung stößt er plötzlich einen schrillen Schrei aus. Oder er hebt vom Boden ab und schwebt zu einer Marienstatue, die er sehr verehrt. Josef selbst sind diese Aktionen peinlich. Und für meine Ohren klingt es arg nach Legende, obwohl diese Vorfälle mit skeptischer Genauigkeit vom Vatikan geprüft wurden. Bekannte Persönlichkeiten wie der König von Polen haben sogar weitere Schwebeeinlagen bezeugt.

Der eigentliche Grund für seine Heiligsprechung dürfte aber seine Menschenliebe gewesen sein. Der vermeintlich einfältige Bruder Josef wusste nämlich Rat in den schlimmsten Lebenslagen. Und er konnte Menschen heilen, indem er sie umarmte oder liebevoll die Hand auflegte.

Heute feiert die katholische Kirche den Gedenktag des Heiligen Josef von Copertino. Sein Leben lang wurde er als Träumer und Sonderling abgestempelt. Aber manchmal können uns gerade solche Menschen ein Stück vom Himmel zeigen.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=2177
Das wohl ungewöhnlichste Radrennen der Welt findet in Brasilien statt. Das besondere dabei: Auf den Rädern sitzen Gehörlose und Blinde.
Zieleinfahrt in Salvador: mitten durch den Feierabendverkehr wühlt sich das Fahrerfeld. Rote Ampeln, Einbahnstraßen, hupende Autos werden ignoriert. Aber nicht etwa, weil die Teilnehmer taub und blind sind, sondern weil die Strecke von motorisierten Polizisten begleitet und abgesperrt wird.
Noch eine Besonderheit bei der Tour: Es sind nur Tandems unterwegs. Die Gehörlosen sitzen vorne und sehen wo´s langgeht. Die Blinden sitzen hinten und treten, was die Pedale hergeben. Teamwork vom Feinsten.
Trotz ihres Handicaps merken die Fahrer genau, was um sie herum vorgeht. Und sie genießen es, als Könige der Straße behandelt zu werden. Endlich einmal mit Fahrtwind um die Ohren mitten durch die Großstadt. Das ist mit einer Behinderung alles andere als selbstverständlich.
Organisiert wird das Rennen von den Brüdern von Taizé. Die ökumenische Gemeinschaft aus Burgund hat auch kleine Ableger in Südamerika. Dort wollen sie die Behinderten ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Und das scheint geglückt zu sein: Drei Fernsehteams begleiten die Tour. Teilweise mit Interviews während der Fahrt. Und in den Zielorten ist ihnen die Aufmerksamkeit sowieso sicher.
Diesen Trubel können die Rennfahrer gut verkraften. Sie schwärmen geradezu davon. Und einer von ihnen sagt: „Die Tour ist für uns wie Doping für´s Selbstbewusstsein!“


https://www.kirche-im-swr.de/?m=2176
Das wohl ungewöhnlichste Radrennen der Welt findet in Brasilien statt. Das besondere dabei: Auf den Rädern sitzen Gehörlose und Blinde.

Zieleinfahrt in Salvador: mitten durch den Feierabendverkehr wühlt sich das Fahrerfeld. Rote Ampeln, Einbahnstraßen, hupende Autos werden ignoriert. Aber nicht etwa, weil die Teilnehmer taub und blind sind, sondern weil die Strecke von motorisierten Polizisten begleitet und abgesperrt wird.

Noch eine Besonderheit bei der Tour: Es sind nur Tandems unterwegs. Die Gehörlosen sitzen vorne und sehen wo´s langgeht. Die Blinden sitzen hinten und treten, was die Pedale hergeben. Teamwork vom Feinsten.

Trotz ihres Handicaps merken die Fahrer genau, was um sie herum vorgeht. Und sie genießen es, als Könige der Straße behandelt zu werden. Endlich einmal mit Fahrtwind um die Ohren mitten durch die Großstadt. Das ist mit einer Behinderung alles andere als selbstverständlich und deshalb wie „Doping für´s Selbstbewusstsein“, sagen sie.

Organisiert wird das Rennen von den Brüdern von Taizé. Die ökumenische Gemeinschaft aus Burgund hat auch kleine Ableger in Südamerika. Dort wollen sie die Behinderten ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Und das scheint geglückt zu sein: Drei Fernsehteams begleiten die Tour. Teilweise mit Interviews während der Fahrt. Und in den Zielorten ist ihnen die Aufmerksamkeit sowieso sicher.

Ich finde: eine tolle Idee für die Sache der Behinderten. Sie ist Balsam für das Selbstbewusstsein. Und sie vereint Teamwork, gute PR und jede Menge Spaß. (225)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2156
Schlechte Nachrichten werden ja auch als „Hiobsbotschaften“ bezeichnet. Der Ausdruck stammt von Hiob, einem Mann aus der Bibel.
Dem bleibt fast nichts erspart: Erst verliert er all seinen Besitz, dann seine zehn Kinder. Und Schließlich überzieht ein Geschwür seinen ganzen Körper. Eine böse Überraschung nach der anderen.
Die Geschichte von Hiob wurde etwa im 3. Jht. v. Chr. aufgeschrieben. Damals war im Orient der „Vergeltungsglaube“ verbreitet. D.h. Gott belohnt oder bestraft mich schon zu Lebzeiten für meine Lebensführung. Wenn ich viel Gutes tue, dann geht´s mir gut. Und umgekehrt: ein böser Mensch hat ein schlimmes Leben zu erwarten, so wie Hiob eben.
Aber Hiob ist mit dieser Art des Glaubens nicht mehr einverstanden. Die Frage nach dem Ursprung des Leids bleibt zwar auch für ihn unbeantwortet. Aber er glaubt nicht an einen strafenden Gott. Er ist trotz allem von Gottes Güte überzeugt. Auch wenn er dafür in seiner Zeit eher belächelt wurde.
Auch heute noch ist immer wieder zu hören, dass Kriege, Naturkatastrophen oder persönliche Schicksalsschläge eine Strafe Gottes seien.
Ich finde, ein Gott der straft, ist kein Gott, sondern ein Tyrann. Aber der christliche Glaube sagt mir, dass Gott es gut meint mit uns Menschen. Dass er gerade im Leid ganz nahe bei mir ist.
Ich bewundere Hiob, wie er trotz aller Schicksalsschläge an Gott festhält und von dessen Güte überzeugt ist. Und diese Überzeugung von Hiob ist doch alles andere als eine Hiobsbotschaft. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2175