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SWR3 Gedanken

Voldemort. Eigentlich sprechen die Zauberer diesen Namen ja nicht aus, weil er das Böse verkörpert. Die Zauberer in Harry Potters Welt haben nämlich Angst. Deshalb sagen sie nicht Voldemort sondern stattdessen: "Du weißt schon wer". Auch in der Bibel soll ein Name nicht genannt werden, der Name Gottes. Aber das hat andere Gründe, da geht es nicht um Angst.
Harry Potter jedenfalls hat keine Angst vor Voldemort. Bestimmt auch nicht im neuen Buch "Harry Potter and the deathly hallows" das heute auf Englisch in die Buchläden kommt.
Harry und seine Freunde lassen sich nämlich keine Angst einjagen. Das können wir von denen lernen. Sehr richtig: Man muss das Böse benennen, beim Namen nennen, sonst gewinnt es noch mehr Macht über einen. Das gilt bei Harry wie bei uns. Man muss Probleme und Schwierigkeiten aussprechen und beim Namen nennen, was einem Angst. Dann kann man besser damit umgehen. Wer mit seinem Partner nicht über die Probleme redet, wird irgendwann von ihnen überrascht. Wie aus dem Hinterhalt.
Andererseits: Vieles lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Und es gibt auch keinen Namen dafür. Vor allem die schönen Dinge im Leben. Wenn man frisch verliebt ist, zum Beispiel. Oder wenn etwas ja... unbeschreiblich schön ist. Dann will man auch gar nicht reden. Einfach nur dasitzen und staunen. Dann ist jedes Wort zu klein oder zu billig.
Und das ist auch der Grund, warum es in der Bibel heißt: man soll den Namen Gottes nicht aussprechen. Weil uns einfach die Sprache fehlt, das Schöne und Überwältigende auszudrücken und die Freude, die sich mit Gott verbindet.

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Heute vor 63 Jahren, am 20. Juli 1944, wurde das Attentat auf Hitler ausgeübt. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte in der sogenannten Wolfsschanze bei einer Besprechung mit Hitler und anderen Offizieren eine Bombe platziert. Stauffenberg verließ das Zimmer, bevor die Bombe explodierte. Das Attentat misslang, Hitler wurde nur leicht verletzt.
Stauffenberg und der Kreis der Widerstandskämpfer wurden schnell gefasst, verhaftet und standrechtlich erschossen. Der Putschversuch schlug fehl. Aber bis heute ist der 20. Juni das Datum für den deutschen Widerstand. Der Aufstand des Gewissens.
Widerstand zu leisten ist heute um vieles einfacher. Jedenfalls in Deutschland muss man nicht um sein Leben fürchten, wenn man sich gegen den Staat wehrt. Es gibt demokratische Mittel eine unliebsame Regierung wieder los zu werden. Das ist gut. Auf der anderen Seite habe ich manchmal auch das Gefühl: Widerstand und Protest laufen ins Leere. Keiner fühlt sich wirklich getroffen. Es ist immer ein System, das alles regelt und darin ist jeder nur ein Rädchen.
Und trotzdem müssen wir Widerstand leisten. Heute allerdings eher gegen uns selbst. Vor allem gegen unseren inneren Schweinehund. Wir müssen widerstand leisten gegen unsere Bequemlichkeit. Jesus sagt dazu: Sein Kreuz auf sich nehmen.
Denn es ist vor allem bequem, alle Geräte auf Standby zu lassen. Es ist bequem nicht danach wissen zu wollen, wo die Schnäppchen herkommen und warum sie so billig sind. Es ist bequem mit dem Auto schnell mal einzukaufen, statt mit dem Fahrrad.
So, glaube ich, sieht heute unser Widerstand aus. Diese Art von Widerstand macht im Unterschied zu früher keine Angst. Aber es würde die Welt nachhaltig verändern.
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Liegen Sie im Urlaub faul am Strand oder bewundern sie lieber die Sehenswürdigkeiten der fernen Länder?

Also ich wurde als Kind immer in Kirchen mitgeschleppt. Kunst wurde bestaunt und sich darüber unterhalten ob das nun romanische oder gotische Fenster sind. Für ein Kind oder Jugendlichen eher unspannend. Obwohl so eine Kirche auch immer eine kühle Erholung war bei den diversen Stadtbesichtigungen. Gelegenheit sich hin zu setzen und auszuruhen.
Inzwischen sind Kirchengebäude genau deshalb für mich wichtig geworden: Da kann ich mich hinsetzen. Ob sie gotisch, romanisch oder barock ist, ist mir eigentlich schnuppe, Hauptsache ich sitze gerne drin.
Das gibt es nämlich auch: Kirchen in denen ich nicht gerne sitze. Weil sie mir zu voll, zu laut oder zu lieblos sind. Und es gibt Kirchen in denen ich erst meinen Platz finden muss. Da muss ich dann erstmal die Kirche anschauen, sie auf mich wirken lassen und mal den und mal jenen Platz ausprobieren, bis ich den richtigen gefunden habe. Und irgendwie reihe ich mich damit bei all denjenigen Menschen ein, die hier eine geistige Heimat gefunden haben.
Kirchen erzählen nämlich nicht nur Geschichten durch ihre Architektur. Kirchen erzählen auch von den Menschen, die sie gebaut haben. Weil sie nämlich Gott als den Schöpfer preise wollten, wurden die Kirchen groß und hoch.
Und weil Gott sich um den Menschen sorgt, haben sie die Kirchen so gebaut, dass man gerne darin sitzt und sie auch an den heißesten Tagen angenehm kühl sind.
Deshalb gehört Kirchen anschauen, heute für mich zum Urlaub einfach dazu. Hätte ich als Kind auch nicht gedacht.
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Ein vom Himmel herabgestiegener Gott. Das bedeutet das Wort Avatar ursprünglich im Sanskrit. In der Online-Plattform Second Life im Internet steht es für eine künstliche Person.
So einen Avatar muss man sich selbst erschaffen, wenn man bei Second Life mitmachen will. Es ist so was wie ein zweites Ich. Sein Aussehen gestaltet jeder für sich. Wenn man im wirklichen Leben eher klein und schwach ist, kann man dort im second life ganz locker ein Muskelprotz werden, dem das Hemd nicht mehr passt. Ganz ohne Gewichte stemmen. Die graue Maus kann sich zum Partygirl mit sexy Outfit machen. Es gibt aber auch welche, sie sehen so aus wir im wirklichen Leben- Rainer Calmund zum Beispiel ist bei second life in seiner ganzen Leibesfülle zu erkennen.
Für die einen ist Second Life die neue Form des Internets, für die anderen ist es ein bisschen wie Fasching, nur das ganze Jahr über. Ständig hat man Masken auf.
Und man ist immer ein „Avatar“- Ein vom Himmel gestiegener Gott. Warum ausgerechtet dieses Wort dafür verwendet wird ist nicht ganz klar. Es kam über einen Roman in die Computerwelt.
Ich habe mich mal in Second Life umgesehen und muss sagen: viele Avatare sehen einfach ordinär aus. Lara Croft oder Schwarzenegger für Arme. Aber es gibt auch ganz Fantasievolle Wesen. Vielleicht würde sich Gott ja so was aussuchen, wenn er auf die Erde kommt. Irgendwie was schickes, damit man gleich erkennt: Aha, das ist jetzt also der Herrgott!
Christen glauben, dass Gott auf die Erde gekommen ist. Es war dieser Jesus aus dem Dorf Nazareth im heutigen Israel. Wie Jesus wirklich aussah weiß keiner. Bestimmt ganz normal, wie man damals vor 2000 Jahren wohl als Mann aussah. Kein Muskelprotz und auch kein Aufsehen erregender grüner Alienkörper. Gott ist als Mensch wie Du und ich vom Himmel herabgestiegen. Einfach Mensch werden, das ist göttlich. Geht aber nur im wirklichen Leben.
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„Religion ist und bleibt eine Krücke.“ Das habe ich in einem Interview mit dem Atheisten Richard Dawkins gelesen. Nach Dawkins Meinung ist nämlich jegliche Religion gefährlich. Eine Krücken fürs Gehirn, die verhindert, dass die Menschen selbständig denken: Wer die Bibel liest, der glaubt auch, die Welt wurde in sechs Tagen erschaffen. Behauptet Dawkins jedenfalls.
In Amerika hat sich offensichtlich noch nicht herumgesprochen, dass es genug Christen gibt, die gut die Schöpfungsgeschichte mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaft verbinden können. Und dass es eine Wissenschaft gibt, nämlich die Theologie, die kritisch die Texte der Bibel erforscht.
Ich glaube, meine christliche Religion ist keine Krücke für Denkfaule. Vielleicht aber ein Merkzettel, auf dem steht: Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt! Ich kann meinen Weg im Leben gehen, ich kann und soll meinen Kopf benützen. Ich soll den Geheimnissen der Welt nachforschen. Aber weder bin ich allein auf der Welt, noch bin ich dafür verantwortlich, dass es mich oder die Welt gibt. Es gibt größere Dinge als mich.
Der Physiker Harald Lesch hat einmal gesagt: "Was nützt es mir denn, wenn ich weiß, dass die Welt eine quantenmechanische ist? Lieben wir deswegen unseren Freund oder unsere Freundin nicht mehr? Wenn ich sehe, dass jemand anderes leidet, leide ich dann nicht mehr mit, weil ich denke: Na ja, das ist nur eine Kohlenstoffeinheit, Biochemie mit Überbau."
Ich glaube, meine christliche Religion hindert mich nicht daran selbstständig tiefe Erkenntnisse über die Welt zu erhalten, sondern sie ermöglicht es mir erst.

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1935 wurde die erste Parkuhr der Welt in Oklahoma aufgestellt.
Zeit ist Geld. Den Bürgern von Oklahoma City wurde das schlagartig an einem Morgen im Juli klar. Heute vor 72 Jahren wurde dort die erste Parkuhr der Welt aufgestellt. Von da ab zählte sie unerbittlich jede Minute. Wer Zeit parken wollte, musste für jede Minute dafür Geld zahlen. Zeit ist Geld.
Heute gibt es die klassische Parkuhr kaum noch. Parkscheinautomaten haben deren Dienst übernommen. Aber auch hier gilt: Zeit ist Geld. Und wer zu spät kommt, den bestraft das Ordnungsamt.
Da kann man mal wieder sehen, wie nahe Segen und Fluch nebeneinander stehen. Hätte man im 13. Jahrhundert nicht die Uhr erfunden, würden die Menschen sich heute noch am Sonnenstand orientieren. Erst die Uhr machte die Zeit zählbar und dann auch zahlbar.
Leider funktioniert so eine Parkuhr nicht in andern Dimensionen. Wäre doch toll, wenn es auch für unser Leben eine Art Parkuhr gäbe. Dann könnte man je nach Bedarf und Laune Geld nachwerfen, wenn die Lebenszeit abgelaufen ist. Natürlich kann man da durch gesunden Lebenswandel einiges tun. Aber so richtig in der Hand hat das niemand. Jeder Tag könnte unser letzter sein.
Die Bibel sagt: unsere Zeit liegt in Gottes Hand. Da kann ich kein Geld in irgendeinen Schlitz reinstecken. Ich kann nicht mal sehen, wie viel Zeit mir noch bleibt. Für manche ist das schlimm. Mich entlastet das. Immerhin muss ich mich nicht auch noch darum kümmern. Ich kann einfach mein Leben leben. Ohne auf die Uhr zu schielen. Vergnügt, erlöst, befreit. Zeit ist eben nicht immer Geld. Zeit ist ein Geschenk, zum genießen. Und manchmal steckt in so einem Geschenk ganz viel Leben drin.
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"Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein." Das steht in der Bibel und viele Eltern wählen das als Taufspruch für ihr Kind. Gott ruft den Täufling beim Namen, das glauben wir. d.h. Gott weiß ganz genau, wer dieser Mensch ist und damit gehört dieser Mensch zu Gott. Oder vielleicht besser der Mensch gehört Gott.
Als Kind haben Erwachsene bei uns auf dem Dorf mich oft gefragte: "Wem gehörst Du denn?"
Dann hab ich gesagt: ich gehöre meinem Vater, dem Heiner Eckert.. Und schon wussten die Leute, in welche Schublade sie mich stecken konnten. Wahrscheinlich wussten sie mehr über meinen Vater als ich, weil sie ihn schon länger kannten, als ich alt war. Das machte mich sogar ein wenig stolz.
Andererseits fand ich die Frage aber auch ärgerlich. Schließlich bin ich ja nicht nur ein Gut, das man besitzen, stolz vorzeigen oder aber verschämt verstecken kann.
Schon als Kind wollte ich ein eigenständiger Mensch und auch ohne meine Abstammung etwas wert sein. Kinder sind eben nicht Besitz der Eltern. Sie sind ihnen nur eine Weile anvertraut, damit sie ihnen ins Leben helfen. Sozusagen nur ausgeliehen.
Der Mensch gehört nicht seinen Eltern. Er gehört Gott. Das glaube ich. Der Mensch gehört zu dem, der das Leben schafft und es erhält. Der Mensch ist in Gottes Hand, im Leben und im Sterben.
Das lass mir gerne immer wieder sagen. Mir hilft das, wenn ich mich total verlassen fühle. Oder wenn alle nur noch den Kopf schütteln und sich fragen: was ist denn das für einer? Wem gehörst denn Du? Ich? Ich gehöre Gott. Gott kennt mich. Ich bin sein.
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