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SWR3 Gedanken

Wenn ich will, kann ich heute abend einkaufen bis 22.00 Uhr. Denn ich wohne zwar in einem großen Dorf. Aber selbst dort hat mittlerweile der Fortschritt Einzug gehalten. Und der bringt nun einmal erweiterte Ladenöffnungszeiten mit sich. Und so könnte ich theoretisch heute abend nach der Tagesschau noch gemütlich durch die Warenregale bummeln.
Mache ich aber nicht. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich habe es all die Jahre geschafft, über Tag meine Einkäufe zu machen. Das schaffe ich auch in Zukunft. Und irgendwie tun mir die Damen an der Kasse leid, die ihre Zeit absitzen. Denn so wie mir geht es augenscheinlich auch anderen. Nach 20.00 Uhr verirren sich nur noch Wenige in den Supermarkt.
Für mich haben die erweiterten Ladenöffnungszeiten wenig mit Fortschritt zu tun. Denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Der Fortschritt wird weiterschreiten. Und irgendwann wird es womöglich auch sonntags ganz normal sein, dass Geschäfte ihre Pforten öffnen. Und spätestens dann ist der Fortschritt so was von Rückschritt.
„Wer heute sonntags einkaufen will, muss damit rechnen, dass er morgen sonntags arbeiten muss“, behauptet der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich. Nun gibt es ja zur Zeit schon eine Menge Menschen, die sonntags arbeiten. Aber das ist kein wirklich gutes Argument, um aus Ausnahmen die Regel zu machen. Deswegen bin ich nach wie vor der Meinung, dass der Sonntagsschutz etwas Schützenswertes ist.
Natürlich sehe ich auch die Arbeitsplätze, natürlich sehe ich die Hoffnung auf Konjunkturaufschwung, natürlich habe auch ich Freude am Konsum. Aber ich habe auch Freude am Sonntag, an seiner Ruhe, an Zeit für mich und meine Familie. Und ich habe den leisen Verdacht, dass alle erweiterten Ladenöffnungszeiten dieser Welt weder die Hoffnung auf mehr Arbeitsplätze noch auf bessere Wirtschaftsbilanzen erfüllen werden. Also bleibt es dabei: Gott sei Dank, es ist Sonntag. Und nun muss ich mich leider verabschieden. Weil ich eben nicht erst heute nach der Tagesschau einkaufen gehen will.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1442
Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal auf einen Kirchentag fuhr, war ich noch in der Schule. In meiner Freizeit war ich in einer kirchlichen Jugendgruppe aktiv. Nette Leute, mit denen ich nette Dinge unternahm. Aber in der Schule habe ich davon nicht so gerne gesprochen. Weil es schon damals nicht besonders cool war, mit Kirche etwas am Hut zu haben.
Und ich erinnere mich noch lebhaft an dieses überwältigende Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Damals auf dem Kirchentag in Hannover. Dort kam man sich auf einmal nicht mehr vor wie Teil einer aussterbenden Minderheit. Da war man Eine von Vielen. Die alle erstaunlich normal und alltäglich aussahen. Und manche davon waren richtig cool. Obwohl sie etwas mit Kirche am Hut hatten.
Das hat mir damals enorm viel Rückenwind verpaßt. Über den Kirchentag hinaus. Weil ich begriffen habe, dass es gar nicht so exotisch ist, wenn man etwas glaubt, von etwas begeistert ist und gemeinsam mit anderen die Welt verändern will. Das geht vielen so. Und viele davon tun das aus ihrem christlichen Glauben heraus. Ist nicht peinlich. Ist etwas Gutes.
Und eine große Kraft. Oder um es mit einem Lied zu sagen, das ich ebenfalls auf einem Kirchentag kennengelernt habe: „Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“
Zur Zeit träumen ca. 300.000 Menschen auf dem Kirchentag in Köln. In den Bibelarbeiten, auf den Podien und in den Gottesdiensten geht es um die Welt, wie sie ist. Und der Traum, den Menschen da gemeinsam träumen, hat nichts mit Wolkenkuckucksheimen zu tun, sondern mit einer machbaren Wirklichkeit, in der Menschen in Frieden und Gerechtigkeit miteinander leben.
Und wenn diese Menschen in der nächsten Woche wieder in ihren jeweiligen Alltag zurückkehren, dann wünsche ich ihnen und uns allen, dass der gemeinsame Traum weiterlebt. In unseren Kirchen und Gemeinden. Und dass viele sich trauen, ganz laut zu träumen. Vom Beginn einer neuen Wirklichkeit. Denn was wäre das cool.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1441
Sandra findet Kirche doof. Sandra findet Kirche toll. Wie geht das zusammen? Ganz einfach: Kirche ist eben nicht gleich Kirche. Und Sandra ist ein kluges Mädchen mit klaren Ansichten.
Die sonntäglichen Gottesdienste zum Beispiel. Da fühlt sie sich nicht zu Hause. Sie mag die Lieder nicht, ihr sagt die Sprache nichts, sie kommt da einfach nicht vor. Ihrer Ansicht nach.
Den Kirchentag zum Beispiel, den findet sie toll. Weil sie da viele Menschen ihres Alters trifft. Weil es Angebote gibt, die sie ansprechen. Weil das Ganze eben ein wirklich großes und einmaliges Event ist.
Aber genau da liegt das Problem. Kirchentage sind ein Event. Sie sind kein Alltag. Wollen sie ja auch gar nicht sein. Aber was macht man dann mit dem Alltag?
Sandra hat dafür eine Lösung gefunden. Vor vier Jahren war sie zum ersten Mal auf einem Kirchentag. Mit einer ganzen Gruppe von jungen Menschen. In Berlin waren sie gemeinsam bei einem Jugendgottesdienst. Der genau dem entsprochen hat, was sie sich unter Gottesdienst vorstellten. Die Musik, die Themen, die Sprache. Da hat einfach alles gestimmt. Für Menschen ihres Alters.
Auf der Rückreise von Berlin hat man beschlossen, dass es das nicht gewesen sein kann. Und wieder zu Hause haben Sandra und ihre Freunde ein Gespräch mit dem Pfarrer geführt. Heraus kam eine Reihe von Jugendgottesdiensten. Von jungen Menschen vorbereitet, von jungen Menschen besucht. Und jedes Mal kamen mehr.
In diesem Moment ist Sandra auf dem Kirchentag in Köln. Und auf dem „Markt der Möglichkeiten“ wird sie vor allen Dingen die Stände aufsuchen, die sich mit Jugendarbeit beschäftigen. Und wie beim letzten Mal auch wird sie Ideen und Anregungen im Gepäck haben, wenn am Sonntag der Kirchentag endet.
Weil Sandra eben ein kluges Mädchen ist. Und genau weiß, dass Kirche nur dann lebendig ist, wenn Menschen sie lebendig machen. Und das nicht nur alle zwei Jahre auf dem Kirchentag. Sondern an jedem Tag an jedem Ort.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1440
Botswana. Kaum ein anderes Land ist so stark von Aids betroffen wie Botswana. Jeder dritte Erwachsene trägt das HI-Virus in sich. Früher wurden die Menschen in dem südafrikanischen Land durchschnittlich 60 Jahre alt, inzwischen erleben die meisten ihren 40sten Geburtstag nicht.
Eine Weile sah die Situation wieder etwas rosiger aus. Aus Indien wurden günstige Aidspräparate importiert, die sich die Menschen in Botswana auch leisten konnten. Aber genau diese preiswerten Nachahmerprodukte sind der US-Pharmaindustrie ein Dorn im Auge. Deshalb pochen sie auf die Durchsetzung von Patentrechten, die für alle Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation gelten sollen. Auch für Indien. Damit ist Schluß für preisgünstige Nachahmerprodukte. Außer gegen hohe Lizenzgebühren. Aber da beißt sich die Katze ja dann wohl in den Schwanz.
Schutz des geistigen Eigentums, zu deutsch: das Patentrecht, steht unter anderem auch auf der Agenda des G8-Gipfels, der heute in Heiligendamm beginnt. In erster Linie soll es dabei um Raubkopien aus Fernost gehen. Denn die verderben den Mächtigen dieser Welt das Geschäft. Aber die Plagiate auf dem Medikamentenmarkt retten Millionen von Leben. Drücken wir die Daumen, dass der G8-Gipfel weise Entscheidungen trifft.
Aber eigentlich können wir ja auch mehr tun als Daumen drücken. Wir können beten. Wir können laut beten. Wir können in die Welt hineinbeten. Und dabei deutlich sagen, dass wir von den Regierungschefs der acht größten Industrienationen dieser Welt mehr erwarten als Lobbyarbeit für den Geldadel. Als Christen und Christinnen erwarten wir Solidarität mit den Ärmsten, Schutz des Lebens und Verantwortung für die Welt. Nicht mehr und nicht weniger.
Deswegen rufen heute Kirchen und kirchliche Organisationen zu einer Aktion „Acht Minuten für Gerechtigkeit“ auf. Zeitgleich mit den Eröffnungsgottesdiensten des Kirchentages in Köln werden in ganz Deutschland die Glocken läuten und Menschen beten. Von Bayern bis Schleswig-Holstein, von Nordrhein-Westfalen bis Sachsen. Und vielleicht werden diese Gebete so laut sein, dass nicht nur Gott sie hört. Sondern dass sie sogar die Herzen von Mächtigen erreichen. Und auf diese Weise den Menschen in Botswana Mut machen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1439
„Lebendig und kräftig und schärfer“, lautet das Motto des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentages, der morgen in Köln beginnt. „Lebendig und kräftig und schärfer“ sollte auch das Lied sein, das in diesem Jahr den Kirchentag repräsentiert. Mit den Wise Guys hat man fünf junge Männer gefunden, die sich der Herausforderung gestellt haben. Keine leichte Aufgabe für die mittlerweile erfolgreichste deutsche A-capella-Band.
„Ich hatte noch nie einen Auftrag mit so wenig Auftrag“, sagt Dän Dickopf, der so etwas wie der Kopf der Gruppe ist. „Alles, was ich hatte, war die titelgebende Losung des Kirchentages.“ Und die lautet nun einmal: Lebendig und kräftig und schärfer. Eine Anordnung von Wörtern, die in sich schon eine Art Rhythmus haben. Und daraus haben die Wise Guys ihren Titel gestrickt.
In dem nicht ein einziges Mal das Wort „Gott“ vorkommt. Aber das war eine bewußte Entscheidung. Das Lied sollte möglichst viele Menschen ansprechen. Und ansprechend ist der Text in der Tat. „Laßt uns dem Alltag, der so nichtig ist, entgegenstellen, was uns wichtig ist. Mit frischem Schwung und neuer Energie, so gut gelaunt und engagiert wie nie.“
Und genau das ist den Kölschen Jungs wichtig. Gute Laune und Engagement. Oder um es noch einmal mit Dän Dickopf zu sagen: „Die christliche Lethargie und Bekenntnislosigkeit finde ich schrecklich, ohne jetzt dem Fundamentalismus das Wort reden zu wollen.“ Und in der Tat hat er ja recht. Zwischen Engagement und Fundamentalismus besteht ein himmelweiter Unterschied.
Und wie die Wise Guys das meinen, sagt ihr Lied: „Man fühlt sich oft auf sich allein gestellt. Oft fehlt die Kraft, dass man dagegenhält. Zu oft das letzte Wort den Ander’n überlassen, zu oft verführt, sich nur der Mehrheit anzupassen. Wir wachen auf aus dieser Lethargie und zeigen, dass wir so lebendig sind wie nie.“
Diese Worte kann ich nun wirklich von Herzen mitsprechen. Und kann es sogar mitsingen. Im Lied der Wise Guys. Und wenn Sie das auch tun möchten, dann hören Sie doch mal rein. Sie finden den Titel zum Download auf der Homepage des Deutschen Evangelischen Kirchentages. (http://www.kirchentag.net/index.php?id=1217)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1438
Himmel und Erde. Im Rheinland eine Spezialität für den Gaumen. In der Pfalz eine Spezialität fürs Ohr. Denn dort hat die Gruppe „Himmel und Erde“ sich längst einen Namen gemacht mit Musik, die gut ins Ohr geht und gut für die Seele ist.
Der Name „Himmel und Erde“ ist fast so etwas wie das Programm der Gruppe. „Wir wollen Probleme dieser Erde ansprechen, bodenständige Themen“, erklärt Matthias Schwarz, Dekan im pfälzischen Otterbach und zugleich zuständig für das Keyboard der Gruppe. „Aber unsere Gottesbeziehung ist das, was uns trägt.“
Dabei ist es den zehn Musikerinnen und Musikern wichtig, „nicht einfach nur fromm daher zu singen“, betont Matthias Schwarz. Denn seiner Meinung nach muss in einem Lied nicht unbedingt das Wort „Gott“ vorkommen, um Gott darin zu finden. Wichtig ist ihm, dass Menschen sich mit ihren Alltagsproblemen in den Texten wieder finden und Mut bekommen, sie mit Schwung anzugehen.
Und das Konzept geht auf. Mit steigender Beliebtheit finden sich „Himmel und Erde“ mittlerweile bei zahlreichen Gottesdiensten und Konzerten im pfälzischen Raum. Aber absoluter Höhepunkt ist für die Gruppe der diesjährige Kirchentag. Denn dort wird „Himmel und Erde“ in der Kölner Kreuzkirche am Donnerstagabend einen Auftritt haben. Und natürlich hofft das Ensemble auf eine volle Kirche und einen mitreißenden Abend.
„Kirchentag ist schon etwas Besonderes“, findet Mattias Schwarz, der seit vielen Jahren treuer Kirchentagsbesucher ist. Und auch wenn die Kölner Kreuzkirche nicht bis auf den letzten Platz besucht sein sollte, weiß er, dass die Fahrt nach Köln für die Gruppe auf jeden Fall eine gute Erfahrung sein wird. „Wir werden als Gruppe gestärkt nach Hause fahren und auf jeden Fall Kraft und Mut für die Arbeit daheim mitbringen.“
Dennoch wird sich die Gruppe„Himmel und Erde“ nach dem Kirchentag erst einmal eine kurze Auszeit gönnen. Nach den vielen Proben für das große Event ist das einfach notwendig. Aber dann geht es weiter. Frei nach dem Text eines Liedes, das für die Gruppe wie ein Mottolied wirkt: „Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.“
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Am Mittwoch der kommenden Woche beginnt der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag in Köln. Aber für Gaby hat der Kirchentag eigentlich schon gestern begonnen. Da fiel nämlich der Startschuss für die Aktion „bike and help“.
Auf Initiative des Landesjugendpfarramtes in Kaiserslautern machten sich gegen 12.00 Uhr mittags 33 im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Menschen auf den Weg, die Strecke Kaiserslautern – Köln per Drahtesel zu bewältigen. Eben auch Gaby.
Gaby fährt gerne Fahrrad. Aber das ist für sie nicht der ausschlaggebende Grund für diese ungewöhnliche Anreise zum Kirchentag. Sie motiviert vor allen Dingen der gute Zweck der Aktion. Für jeden geradelten Kilometer gibt es nämlich Bares.
Jeder, der teilnimmt, sucht sich vorher Sponsoren, mit denen er einen bestimmten Betrag pro gefahrenen Kilometer aushandelt. Dieser Betrag wird nach erfolgter Reise abgerechnet und einem guten Zweck zugeführt. Diesmal kommt der Erlös von circa 410 schweißtreibenden Kilometern einem Selbsthilfeprojekt in Manila zugute. Dort soll das Geld Kinder und Jugendliche in den Slums unterstützen, ihre Probleme zu erkennen und selbst nach Lösungen zu suchen.
Damit das Geld ausnahmslos dem guten Zweck zukommt, zahlen die Teilnehmenden von „bike and help“ einen Beitrag zur Deckung ihrer eigenen Unkosten. Im Mittelpunkt steht also wirklich die gute Sache, für die Gaby auch gerne in Kauf nimmt, am Mittwoch beim Eröffnungsgottesdienst in Köln ein wenig Pudding in den Knien zu haben.
Für Gaby gehört „bike and help“ seit vielen Jahren zum festen Kirchentagsprogramm. Weil man im Sattel gemeinsam mit anderen eine Menge Spaß hat. Und weil sie es einfach gut findet, dass man etwas bewegen kann, indem man sich bewegt. „Bike and help“. Eine gute Idee. Zur Nachahmung empfohlen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1436