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SWR3 Gedanken

Erinnern sie sich noch: Silvesternacht, 0°° Uhr, Zeit der guten Vorsätze fürs neue Jahr! Und - Wie sieht’s aus? Haben sie’s geschafft mit den guten Vorsätzen??
Haben sie aufgehört zu rauchen? Haben sie’ s geschafft, wenigstens einmal in der Woche schon um fünf Uhr zuhause zu sein?
Gar nicht so einfach, konsequent umzusetzen, was man sich so vorgenommen hat! Man kommt oft schneller wieder im alten Trott an, als man sich das vorgestellt hat!
Wenn’s ihnen tatsächlich so geht, dann möchte ich Sie jetzt mal zu was verführen. Graben Sie doch Ihre Vorsätze am Aschermittwoch noch mal aus. Da beginnt ja die traditionelle Fastenzeit in der Kirche. Ein idealer Zeitpunkt also für einen Neustart.
Sie haben das an Silvester nicht geschafft, warum sollte es dann jetzt funktionieren – fragen sie? Nun, Sie könnten sich ja vielleicht mal der Aktion „7 Wochen ohne“ der evangelischen Kirche anschließen. Hier sind sie nämlich nicht der einzige, der einen guten Vorsatz umzusetzen versucht. Seit 24 Jahren machen immer mehr Leute bei 7 Wochen ohne mit. Inzwischen sind fast es zwei Millionen. Menschen, die diese 40 Tage bis Ostern nutzen, um einen kleinen Teil ihrer guten Vorsätze umzusetzen. Und das mit anderen zusammen. Und das schöne daran ist: es geht nur über einen ganz begrenzten Zeitraum.
Also keine Angst: Sie sollen da nicht ihr ganzes Leben umkrempeln, nur eine einzige Sache. Und das erst mal 7 Wochen lang, 40 Tage. Das ist eine überschaubare Zeit, das könnte man doch schaffen! Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Erfolg dabei.
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Es gibt Situationen, die wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht! Situationen, in denen man buchstäblich zur Salzsäule erstarrt. So ging es Lots Frau. Und das kam so: Sodom und Gomorrha. Zwei biblische Städte. Wegen ihrer Kriminalität berüchtigt. Der Alltag voller Gewalt und Unrecht. Und Gott beschließt, sie zu vernichten. Nur Lot und seine Frau sollen verschont werden - denn sie sind anders als alle andern.
Die Zerstörung ist nicht mehr aufzuhalten und so müssen die beiden ihre Stadt sofort verlassen. „Seht nicht zurück“, ruft Gott ihnen hinterher. Sie verlassen Haus und Hof und alles, was ihnen wichtig ist.
Als sie in sicherer Entfernung sind fällt Feuer und Schwefel vom Himmel. Menschen sterben, Häuser zerfallen in Schutt und Asche. Und dann geschieht, was nicht geschehen durfte: Lots Frau sieht zurück – und was sie sieht ist so entsetzlich, dass es passiert: Sie erstarrt zur Salzsäule.
Das ist lange her. Aber noch heute geht es Menschen genau so: Wer, wie Lots Frau, Furchtbares erleben muss, kann erstarren, seelisch und körperlich. Wer etwas Traumatisches erlebt, ist nicht mehr in der Lage, ein normales Leben zu führen, ganz einfach einen Schritt vor den anderen zu setzen. Bilder, Gerüche und Geräusche rufen das Erlebte wieder wach - halten die Seele gefangen.
Lots Frau damals war nicht mehr zu helfen. Sie bliebt zurück – erstarrt zur Salzsäule. Traumatisierte Menschen heute können Hilfe finden. Menschen die sie aus ihrer Erstarrung befreien.
Wie diese Hilfe aussehen kann? Da gibt uns die Bibel einen Hinweis: „Sieh nicht zurück!“ sagt Gott. Lass es zu, dass Andere deinen Blick vom Entsetzen weglocken. Hab Mut, die Perspektive zu wechseln. Das Geschehene gehört zwar zu deinem Leben. Aber du musst dich nicht auf ewig von ihm binden lassen! Vielleicht ist das ein langer, mühsamer Weg ist. Aber er ist möglich!

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„Weißt du“, sagt ein Freund zum anderen: „Ich glaube, ich habe eine Lederallergie! Immer wenn ich morgens im Bett aufwache und habe die Schuhe noch an den Füßen, habe ich unglaubliche Kopfschmerzen...!“
Ja – ich weiß, der Witz ist ziemlich alt! Aber trotzdem: Ab morgen wird in den Karnevalshochburgen wahrscheinlich so manch einer aufwachen und sich sagen: „Die Schuhe noch an den Füßen und so ’nen Brummschädel – das kann nur ne Lederallergie sein!“
Um 11.11 Uhr geht’s los – nicht nur in Mainz, Köln und Düsseldorf. Und dann heißt es neben Helau und Alaaf eben auch ziemlich häufig „Hoch die Tassen!“ und „einer geht noch rein!“
Nein, nein, kein Angst! Jetzt kommt keine kirchliche Predigt von wegen alles, was Spaß macht ist unmoralisch. Darum geht’ s mir nicht. Feiern und Spaß haben gehört zum Leben dazu. Ich wüsste nicht, warum Christen etwas dagegen haben sollte.
Es gibt Stellen in der Bibel, in denen man sogar den Rat bekommt, es sich im Leben auch gut gehen zu lassen. Zum Beispiel beim Prediger Salomo: „Geh hin,“ sagt er, „iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dies dein Tun hat Gott schon längst gefallen. Genieße das Leben mit deiner Frau, die du liebhast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat.“
Aber derselbe Salomo weiß auch, dass das alles flüchtig ist und seine Zeit hat, und dass ein solcher weinseliger Abend vorbei geht. Er weiß, dass nach der Feier das Aufwachen kommt - und das Nachdenken. Und dann ist es wichtig, dass man sich noch in die Augen sehen kann.
„Genieße deine Zeit“ sagt Salomo und ich würde ergänzen: „verliere nicht deinen Verstand und deine Selbstachtung dabei, denn es macht auf jeden Fall Kopfschmerzen, wenn man merkt: Da bist du zu weit gegangen.“ In diesem Sinne Helau und Alaaf!
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Sind sie auch verliebt? Dann heißt das für sie heute Abend: 5 Minuten früher Schluss machen, schnell in den nächsten Blumenladen, in die Schlange stellen, die wohlmöglich letzten roten Rosen ergattern, ein Plüschherz dazu und heim zur Liebsten! Heut ist doch Valentinstag!
Aber was haben die roten Rosen eigentlich mit Valentin zu tun?
Der heilige Valentin, auf den dieser Tag zurückgeht, hat der Legende nach im 3. Jahrhundert Liebespaare christlich getraut. Das war ja eigentlich nichts Besonderes. Aber Valentin hat sogar Soldaten getraut. Und das war etwas Besonderes, denn laut kaiserlichem Erlass sollten Soldaten nun mal ledig sein. Offenbar wusste man schon damals: Liebe lenkt ab. Wer verliebt ist hat keine Lust auf Krieg, hat keine Lust für die Karriere alles zu opfern. Wer verliebt ist, hat vor allem Sehnsucht nach dem oder der Liebsten und möchte möglichst bald wieder bei ihm oder ihr sein!
Valentin hat das gewusst und unterstützt. Er hat die Liebe über das Gesetz gestellt, über die Pflichterfüllung, über die Karriere. Das war mutig und es hat ihn letztlich den Kopf gekostet, denn der Kaiser ließ ihn hinrichten.
Nun wird bei uns ja – Gott sei Dank – wegen der Liebe niemand mehr hingerichtet. Aber: Opfern wir die Liebe selbst nicht doch oft genug den Gesetzen des Alltags, der Karriere? Denkt nicht vielleicht so mancher Arbeitgeber ein bisschen wie der Kaiser? „Wie bitte, deine Frau ist wichtiger als die dringende Akte? Um Fünf Uhr Feierabend? Wo kommen wir denn da hin? Der Kampf auf dem Markt ist schließlich hart“!
Liebe Arbeitgeber und Vorgesetzte: Vom Kaiser und seinem Gesetz spricht heute niemand mehr. Dem, der sich für die Liebe einsetzte, dem Valentin, wurde sogar ein eigener Tag gewidmet. Also: Seien sie ab und zu auch mal großzügig, wenn ihre Leute mal ganz pünktlich nach Hause wollen. Davon geht die Welt nicht unter! Und vielleicht freut sich ihr Mann, ihre Frau ja auch, wenn sie mal früh nach Hause kommen – vielleicht mit einer Rose in der Hand.
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„Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.“ sagt man. Es gibt aber – Gott sei Dank - auch die Erfahrung, auf wunderbare Weise behütet zu werden – sogar dann, wenn man die Gefahr vielleicht ein wenig herausgefordert hat. So ging es mir in diesem Herbst: 5.895 Meter Berg lagen vor uns. Ein halbes Jahr hatten wir uns vorbereitet: die Kraft trainiert, die Ausdauer, den Kopf. 5895 Meter Berg – der Kilimanjaro.
Drei Tage sind wir schon im Anmarsch Richtung Gipfel. „Pole pole“ – „langsam“ mahnt uns beim Wandern immer wieder Immanuel- unser tansanischer Guide zur Vorsicht.
Dann die letzte Etappe: Mitten in der Nacht setzen wir unsere Stirnlampen auf, wandern im Stockdunkeln bei Eiseskälte nach oben. Unterwegs müssen wir oft stehen bleiben, Atem holen, trinken. Nicht nur einmal überlegen wir: Was ist, wenn uns hier was passiert? Aber niemand spricht es aus. Immanuel scheint das zu spüren: Immer wieder dreht er sich um, sieht nach uns, prüft, wie’s uns geht.
Dann – urplötzlich: ein paar große Geröllfelsen und wir stehen oben: Gillmanns Point und schließlich der Gipfel: Uhuru Peak. Am Horizont geht langsam die Sonne auf.
Wir fassen unser Glück nicht und liegen uns vor Anstrengung und Freude weinend in den Armen. Es ist unglaublich. Das obligatorische Gipfelfoto – und wie immer Immanuels freundlich sorgender Blick. Schon mahnt er zum Aufbruch wegen der Höhe!
Auf dem Weg nach unten begegnen wir Wanderern mit der gefährlichen Höhenkrankheit: Sie werden von ihren Guides gestützt, gehen schwankend bergab – wir sind verschont geblieben.
Das ist jetzt vier Monate her. Im Nachhinein fragen wir uns schon: Waren wir leichtsinnig? Ja, vielleicht. Aber das eine haben wir in der ganzen Zeit gewusst: bei unserem Guide, bei Immanuel, da waren wir jede Minute gut aufgehoben. Übrigens: Immanuel heißt auf Deutsch: Gott mit uns!
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Vor kurzem bin ich 40 geworden. Zum Geburtstag kamen viele Glückwünsche und unter anderem auch die Aufforderung: „Bleib so, wie du bist!"
Ich hab mich natürlich gefreut. „Bleib so wie du bist“, das heißt doch: „Du bist ganz ok so, wie du bist!“
Aber ganz ehrlich, ich wünsche mir eigentlich etwas anderes: Ich möchte eben nicht nur so bleiben, wie ich bin. Ich möchte mich weiterentwickeln. Ich möchte in zehn Jahren einen weiteren Horizont haben als heute! Ich wünsche mir, dass ich jeden Morgen, die Chance und auch die Lust dazu habe, eine neue Perspektive einzunehmen. Es gibt ein Gleichnis in der Bibel, in dem Jesus sagt, wie das gehen könnte mit dem Perspektivenwechsel:
„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war“, sagt er. „Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“
Einen solchen Mut möchte ich haben: Auf die Suche gehen nach dem Wertvollsten für mich und andere und mich dabei auch von Dingen, die weniger wichtig sind wieder verabschieden können. Auf der Suche nach dem, was wirklich reich macht, Überholtes zurücklassen! Nur: Es ist nicht einfach, sich von Vertrautem zu trennen, denn Vertrautes gibt Sicherheit.
Es braucht Mut und Entschlossenheit, Neues zu riskieren, sich und sein Leben zu verändern. Aber: Was für Chancen kann so eine Veränderung mit sich bringen! Wie spannend kann es sein, in vielleicht noch unbekanntes Gebiet vorzustoßen, zu graben und dabei Schätze zu entdecken: Vielleicht eine Begabung, von der ich bisher nichts wusste, oder eine neue Aufgabe, die mir Spaß macht oder Menschen, die mich fördern und herausfordern.
Einen solchen Mut wünsche ich uns. Es wäre doch jammerschade, wenn wir hinter den Möglichkeiten zurückbleiben, die Gott uns geschenkt hat - und die vielleicht noch unentdeckt in uns schlummern!
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86.400,-- Euro. Stellen sie sich mal vor: Jeden Morgen bekommen sie 86.400,-- Euro von ihrer Bank auf ihrem persönlichen Konto gutgeschrieben. Für Sie. Einfach so. Eine verlockende Vorstellung, oder? Was könnte man mit so viel Geld alles machen! 86.400 Euro pro Tag!
Aber: Wie das oft so ist, wenn man etwas – einfach so - geschenkt bekommt: Die Sache hat einen Haken: Sie müssen jeden einzelnen Euro an diesem einen Tag ausgeben, an dem sie es gutgeschrieben bekommen. Was sie nicht ausgegeben haben, verfällt am Abend. Sie können nichts sparen. Und: Es gibt noch einen Haken: Die Bank kann die Zuwendung jederzeit wieder einstellen.
Was tun sie also alles mit dem Geld? Sie geben es mit vollen Händen aus. Für Wünsche, die sie schon immer hatten. Klar. Für ihre Liebsten. Auch klar. Und natürlich für alle anderen, die ihnen wirklich wichtig sind – so lange, bis am Abend nichts mehr übrig ist.
Nun ist das mit dem Geld ja leider nur ein Gedankenspiel. Stellen sie sich doch jetzt mal vor, diese 86.400 Euro wären Sekunden. Denn so viele Sekunden hat ja ein Tag. 86.400 Sekunden Lebenszeit werden ihnen auf ihrem persönlichen Lebenszeitkonto jeden Morgen gutgeschrieben. Was für eine ungeheure Menge! Was sie alles damit machen könnten – für sie, Ihre Liebsten, für alle, die ihnen wichtig sind. Aber bedenken sie: Mit der Zeit ist es wie mit den Euros in unserem Gedankenspiel: Was sie bis zum Abend nicht genutzt verfällt. Lebenszeit ansparen geht nicht. Und: Sie kann jederzeit zu Ende sein.
Also: In was könnten sie ihre Lebenszeit heute investieren? Wo könnten sie ihr persönliches Kapital an Zeit einbringen, sinnvoll, liebevoll? Gar nicht so einfach, dafür eine Antwort zu finden? Wenn Ihnen auf Anhieb nichts einfällt – wie wär’s: Fragen sie doch einfach mal ihre Familie, oder ihre Freunde, oder schlagen sie mal die Zeitung auf. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ihnen ganz schnell was dazu einfällt!
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