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SWR3 Gedanken

24MAI2022
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Die schlechten Nachrichten überschlagen sich in diesen Tagen. Es ist immer noch Pandemie, gleichzeitig Krieg und eine Klimakrise, die sich stetig verschärft. Und neben all dem natürlich auch noch der private Alltag mit seinen Problemen und Herausforderungen. Ich merke, wie ich dabei über die letzten Monate und Jahre ein Stück von meiner Unbeschwertheit verloren habe; auch mal alles vergessen zu können, was mir Sorgen macht und mit Vertrauen in die Zukunft zu schauen. Und auch die Momente, in denen ich völlig gelöst einfach den Augenblick genieße, werden seltener.

Stattdessen bin ich nachdenklicher geworden und oft spüre ich, dass über allem so eine Schwere liegt. Von Freunden höre ich, dass es ihnen ähnlich geht. Es ist nicht leicht, dabei eine Balance zu finden. Es ist mir wichtig, das, was in der Welt passiert, an mich heranzulassen. Auch wenn ich oft nicht viel tun kann, spüre ich eine Verantwortung, Anteil zu nehmen und mich einzubringen. Gleichzeitig muss ich aufpassen, mich dem Weltschmerz nicht so sehr hinzugeben, dass ich mich klein und ohnmächtig fühle.

Drei Dinge helfen mir, etwas besser damit umzugehen.

Erstens: Überall, wo ich etwas tun kann, auch wirklich etwas tun. Etwas spenden, bei Demonstrationen dabei sein, wählen gehen. Wenn ich merke, ich kann etwas machen, hilft das gegen die Ohnmacht.

Zweitens: Bewusst Räume schaffen, in denen ich mir erlaube, unbeschwert zu sein. Momente, in denen ich loslassen und Kraft tanken kann. Bei einem Picknick am See mit Freunden. Bei einem Glas Rotwein abends auf dem Balkon.

Auch das Dritte gehört für mich dazu: Beten. Es gibt Dinge, die habe ich nicht in der Hand; Ereignisse, die ich nicht beeinflussen kann. Die lege ich in Hände, die größer sind als meine. Und bitte Gott, dass er die Last mit mir trägt.

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23MAI2022
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Wenn eine neue große Herausforderung ansteht – in der Uni oder auf der Arbeit, dann meldet es sich verlässlich immer wieder: Das Hochstapler-Syndrom. Mit diesem Begriff wird ein Gefühl bezeichnet, das ich gut kenne.

Das Gefühl, dass ich es eigentlich nicht verdient habe, in meinem Studium so weit gekommen zu sein. Oder den Job bekommen zu haben, den ich so gerne mache. Es ist das Gefühl, das alles nur dem Zufall zu verdanken. Weil einfach nie jemand gemerkt hat, dass ich gar nicht so gut bin, wie alle denken. Damit verbunden ist die Angst, aufzufliegen: Jetzt bei dieser Aufgabe werden alle sehen, dass ich eigentlich keine Ahnung habe. Eine Hochstaplerin eben!

Tatsächlich kennen das viele Menschen; und besonders viele Frauen. Diese Gedanken sind richtig fies, weil sie sich nicht nur blöd anfühlen, sondern auch ausbremsen. Weil ich mir durch sie weniger zutraue.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass drei Dinge wichtig sind, um damit besser umgehen zu können.

Erstens: Mit anderen darüber reden. Fast jede meiner Freundinnen wusste genau, wovon ich spreche, als ich mich ihnen anvertraut habe. Zu sehen, dass auch andere diese Zweifel kennen, Frauen, von denen ich genau weiß, wie kompetent sie sind; das hat geholfen! Zweitens: Sich gegenseitig loben und bestärken. Das macht Mut, den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Und drittens: Dabei ehrlich sein. Es bringt nichts, so zu tun, als hätte ich keine Schwächen. Besser ist es, Kritik so zu üben, dass die andere sie gut annehmen kann. Nur so merke ich: Wenn Du sagst, dass etwas gut ist, dann meinst Du es auch. Ich kann mich auf Dein Urteil verlassen.

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22MAI2022
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Der Mai ist in der katholischen Kirche der Marienmonat. Ich finde aber: Obwohl meine Kirche Maria feiert, wird sie ihr bis heute nicht gerecht. Denn von der biblischen Figur Maria wird oft nur einseitig gesprochen. Sie ist dann vor allem Mutter und Jungfrau. Frauen sollen sie sich zum Vorbild nehmen und deshalb auch einen dieser Wege einschlagen: Mutter sein oder keusch leben. Von Maria wird auch erzählt, dass sie sofort „Ja“ gesagt hat und bereit war, zu tun, was Gott von ihr erwartet hat. Nämlich Gottes Sohn zur Welt zu bringen.

So wird sie verwendet, um Frauen klein zu halten und in eine bestimmte Form zu pressen. Auch Maria selbst muss dafür zurechtgestutzt werden.

Denn was oft nicht erzählt wird: Maria ist keineswegs eine Figur, die sich mit der Welt, wie sie ist, einfach abfindet. Und die einfach dem folgt, was andere von ihr erwarten. Im Gegenteil: Sie sagt nicht einfach ja. Sie denkt nach und trifft eine überlegte und mutige Entscheidung. Und sie erhebt ihre Stimme für alle, die in der Welt klein gehalten werden. Sie sagt: Gott „fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen. Jetzt stürzt er die Mächtigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf. Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.“

Die Wucht dieser Worte beeindruckt mich jedes Mal wieder. Da spricht eine starke, mutige Frau mit der Vision für eine bessere Welt. Sie lässt sich nicht einschüchtern von reichen und mächtigen Menschen. An diese Maria denke ich gerne im Mai. Diese Maria ist für mich ein echtes Vorbild.

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