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Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
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SWR3 Worte

05JUN2021
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Wann ist man eigentlich ein guter Mensch? Dazu eine Geschichte:

Ein Mönch begegnete eines Tages einem Menschen,
der ihm erzählte, wie gut er sei.
Den Armen gebe er einen Teil seiner Güter.
Er setzte sich für die Gefangenen ein.
Und die Kranken besuche er zweimal die Woche.

Der Mönch hörte ihm zu und sagte:
„Gut bist du!
Doch gehe hin und frage
Deine Frau, was sie von dir hält,
deine Kinder was sie über dich denken,
deine Verwandten, was sie von dir erwarten,
deine Nachbarn, was sie untereinander über dich erzählen,
und deine Kollegen, was sie von dir reden,
alsdann komm und sage mir, wie gut du bist.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33246
04JUN2021
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Erling Kagge ist ein mutiger Bergsteiger. Aber erst durch seine Tochter Solveig versteht er das Wunder, dass man gehen lernt:

Solveig war dreizehn Monate alt…
Wenn sie die Arme über ihren Kopf hob
und sich an meinen Fingern festhielt,
konnte sie über den Fußboden des Wohnzimmers stapfen.

Jedes Mal, wenn Solveig losließ und versuchte,
einige Schritte allein zu gehen, entdeckte sie… dass es ..
den Unterschied zwischen hoch und niedrig gibt.

Als sie stolperte und mit der Stirn gegen die Kante des Wohnzimmertisches stieß,
lernte sie, dass manche Dinge hart und andere weich sind.
Gehen zu lernen gehört möglicherweise zu den gefährlichsten Dingen,
die man im Lauf seines Lebens lernt.

Wenn ich sehe, wie ein Kind gehen lernt, wird mir klar,
dass die Freude es zu entdecken und zu beherrschen,
die stärkste Kraft ist, die es gibt.
Einen Fuß vor den anderen setzen,
Grenzen zu erforschen und zu überschreiten, liegt in unserer Natur.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33245
03JUN2021
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Das erste, was Jesus in seinem Leben getan hat, war auf einer Hochzeit Wasser in Wein zu verwandeln. Der Theologe Lothar Zenetti meint dazu:

Aus Wasser
Wein machen,
denke ich, schön und gut. –

Aber diesen Haufen von Egoisten in so was wie
Eine christliche Gemeinschaft zu verwandeln
Oder aus mir
Einen halbwegs brauchbaren Christen machen
Das wäre ein Wunder.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33244
02JUN2021
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Die Autorin und Journalistin Christine Westermann erzählt, was ihr Leben erfüllt:

Ein Journalist hat mich bei einem Interview gefragt,
was für mich in meinem Leben bis jetzt der größte Luxus gewesen sei.
Meine Antwort kam ohne großes Zögern,
hat mich in ihrer Klarheit allerdings selbst überrascht.

Der größte Luxus, den ich mir bisher in meinem Leben geleistet habe, ist,
KEIN Haus in der Sonne am Mittelmeer zu haben.
Keine teure Uhr.
Oder teure Kunst.

Luxus ist für mich stattdessen loszulassen, nicht festzuhalten.
Am Ende eines fröhlichen Abends im Restaurant die Rechnung für alle zu übernehmen.
Immer wieder.

Mein Therapeut ist darin noch besser als ich.
Er schenkt mir die Stunde
„Ich möchte ihnen etwas geben“
Ausgeschlossen, sage ich
Mir kommen die Tränen.
Ich will es nicht zulassen.
Aber es geht tatsächlich.

Alles in allem. Andere Zeiten e.V.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33243
01JUN2021
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Für alle die heute Geburtstag haben oder sonst gute Wünsche vertragen können, solche formuliert vom Poeten Richard Exner:

Dass du Licht hast, wie du Licht bist,
fassbare Zärtlichkeit sterblicher Menschen –

Dass du heftig lebst,
dass du liebst und wieder-geliebt
weiter-lebst und nie einsam verkommst –

Dass dein Herz wächst und du nicht alles erfährst –
dass du Zerbrechliches schonst, auch mit Worten

All das
Auf Vorrat.
Und Gefährten
Unter sehr hellen Himmeln

Das soll dir bleiben. Texte für morgens und abends hg Fr. Schorlemmer

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33242
31MAI2021
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Angesichts von Hass und Hunger und Wahnsinn findet Eva Strittmatter zu einer mutigen Schlussfolgerung:

In dieser Welt zu leben,
die so gewaltig ringt und schreit
vor Hass und Hunger, Lüge und Leid,
und sich drüber hinwegzuheben,
so dass man vertrauensvoll sprechen kann.
Zu einem Kind: das Leben ist gut,
ist eigentlich mehr, als man leisten kann.

Dazu gehört ein Über-Mut.
Oder Glaube, den ich in nichts besitze.
Ich fürchte des Wahnsinns Vernichtungsblitze.
Und doch sage ich: Das Leben ist gut.

Alles in allem. Andere Zeiten e.V. Hamburg

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33241
30MAI2021
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Ein Gebet in bedrängter Zeit von Carola Moosbach:

Weil du mich niemals aufgibst, Gott
Kann auch ich wieder aufstehen.
Weil du dich niemals taub stellst, Gott
Kann auch ich alles sagen.

Noch das Schwerste nimmst du auf
Und redest es nicht schön
Und zauberst es nicht klein
Das wäre mir manchmal lieber
Die Sorgen schickst du mir zurück
Aber jetzt haben sie Flügel und bewegen sich leichter
Die Peinlichkeiten haben in dir einen Namen gefunden
Jetzt kann ich sie aussprechen
Neue Kräfte schickst du in meine Müdigkeit

Und die Dunkelheiten werden begehbar in Deinem Licht
So vieles traust du mir zu
Und richtest mich auf immer wieder
Aus deiner Fülle schöpfe ich Leben
Und singe das Lied deiner Ehre.

Carola Moosbach Ins leuchtende Du. Aufstandsgebete und Gottespoesie

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33240