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SWR3 Worte

08MAI2021
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Heute ist Jahrestag vom Ende des 2. Weltkrieges. Seit 76 Jahren leben wir in einem befriedeten Land. Das ist ein Privileg und eine Aufgabe, meinte schon Altbundespräsident Richard von Weizäcker. Er sagte:

„Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren. Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken,  […] gegen Schwarz oder Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder beherzigen und ein Beispiel geben.
Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.“

Richard von Weizäcker, Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa am 8. Mai 1985

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07MAI2021
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Hanna Veiler studiert Französisch und Kunstgeschichte an der Uni Tübingen. Sie ist Jüdin. Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft in Deutschland wünscht, sagt sie:

„Ich wünsche mir, dass es wieder ganz normal wird, jüdisch und deutsch zu sein. […] Viele jüdische Menschen haben keinen Bock mehr, immer nur über Antisemitismus, über Nahostkonflikt und über Holocaust zu sprechen, weil sie viel mehr sind als das. […]

Es gibt ein lebendiges jüdisches Leben und Studierendenunionen überall in Deutschland, wie die große Jüdische Studierendenunion Deutschlands, und auch die kleinen, lokalen Studierendenunionen, die sich fast jeden Freitag zum Schabbat treffen. Es gibt jüdische Festivals und jüdische Künstlerinnen und Künstler und vieles mehr. Das ist ganz vielen Menschen in Deutschland gar nicht bewusst, und ich wünsche mir, dass das alles stärker und sichtbarer wird.“

Hanna Veiler im Interview mit Stefan Koebke; Als Jüdin in Tübingen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33062
06MAI2021
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Heute feiert er seinen 50. Geburtstag, der Jazzmusiker Till Brönner. Auf die Frage, was ihm in einer Krise hilft, sagt er:

„Von meinem Vater habe ich gelernt, dass man sich die Momente, in denen es einem schlechtgeht, zugestehen muss und darf. Gefühle von Einsamkeit und Verlassenheit sind ja früh morgens um vier oder fünf Uhr am schwersten zu ertragen. Wenn sich der Kummer so groß anfühlt, dass man gar nicht mehr schlafen kann.

Dann kann es helfen, sich ans Fenster zu stellen und zu sagen: Stimmt, mir geht es gerade echt mies. […] Ohne sich selbst zu bewerten, kann man einfach feststellen, dass es einem schlechtgeht. Verdrängen ist viel schwieriger – obwohl wir reflexartig dazu neigen. Wenn ich mir meinen Kummer erst einmal zugestanden habe, dann kann ich mich um den nächsten Schritt kümmern."

Till Brönner im Gespräch mit Dirk von Nayhauß; Ich will herausfinden, was ich wirklich brauche - und was ich weglassen kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33061
05MAI2021
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Rama Kserawy ist in Syrien geboren. Als 17-Jährige ist sie mit ihrer Familie aus den dortigen Kriegswirren geflohen. Heute studiert sie Nanoscience an der Uni Tübingen. In ihrer Freizeit trifft sie sich gern mit ihrer Freundin Isabell. Sie erzählt:

„Wir kochen arabische Gerichte zusammen und reden viel über interkulturelle Sachen. Meist kommen dann kritische Fragen dazwischen. Oft geht es um gesellschaftliche Unterschiede und Religion. Sie ist Christin, und ich bin Muslima. Wir haben auch ein Seminar über den Vergleich von Islam und Christentum besucht und gemerkt, wie viele Gemeinsamkeiten unsere Religionen eigentlich haben.“

Rama Kserawy im Gespräch mit Finn Walter, Text: Aus dem Krieg an die Uni
In: Schwäbisches Tagblatt, Tübingen, Montag, 13. April 2021

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33060
04MAI2021
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Der Journalist Peter Fahrenholz ist mit 55 Jahren zum ersten Mal Vater geworden. Vielleicht ist das der Grund, warum er das Familienleben mit seiner mittlerweile achtjährigen Tochter auch in diesen Zeiten so sehr schätzen kann. Er erzählt:

„Die Pandemie mit ihrer anstrengenden Mischung aus Home-Office und Home-schooling hat auch ihre guten Seiten. Man rückt als Familie enger zusammen, ist sich näher, auch wenn es manchmal scheppert. […] Die Intensität des Zusammenseins zu genießen, ist für mich umso wichtiger, als klar ist, dass die gemeinsame Zeit limitiert ist. Die Uhr tickt im Hintergrund mit, oft hört man sie nicht, aber manchmal tickt sie schmerzhaft laut. […] Ja, ich weiß, Glück kann man nicht kaufen. Aber man kann es geschenkt bekommen. Und wenn man es erst spät bekommt, ist es ein besonderes Geschenk.“

Peter Fahrenholz, Neue alte Väter; In. Süddeutsche Zeitung. Ostern, 3.-5. April 2021

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33059
03MAI2021
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Für die Schauspielerin und Komikerin Annette Frier ist der Glaube eine Stütze im Alltag. Auf die Frage nach ihrer Vorstellung von Gott sagt sie:

„Ich möchte es schöpferische Kraft nennen. Es ist ein Spektakel, was in jeder einzelnen Zelle geschieht. Wenn man sich vorstellt, was da los ist – wie kann man dann das Schöpferische verneinen? Ich müsste mir mit beiden Händen die Augen zuhalten, um nicht anzuerkennen, was da pulsiert. Der Glaube, auch das Gebet, helfen, weil ich dadurch im Austausch bin […]. In Momenten großer Einsamkeit ist es, als käme Licht in die Dunkelheit. Ich kann meine Sorgen ins Universum abladen. Es kann unglaublich erleichternd sein, einfach loszulassen und abzugeben.“

Mich noch mal neu kennenlernen. Annette Frier im Gespräch mit Dirk von Nayhauß

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33058
02MAI2021
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Heute feiern orthodoxe Christinnen und Christen das Osterfest. Die Journalistin Alexia Passias erinnert daran, wie es dabei traditionell in normalen Zeiten zugeht:

„Die Osternacht von Samstag auf Sonntag ist der Höhepunkt: Am Abend schreiten die Menschen mit weißen, geschmückten Kerzen in die Kirche. Kurz vor Mitternacht gehen die Lichter in der orthodoxen Kirche aus und der Pfarrer tritt mit dem Osterfeuer hervor. Kommt und nehmt euch das Licht, singt der Kirchenchor. Von Kerze zu Kerze flackert innerhalb weniger Minuten ein Meer von Lichtern auf. Der Pfarrer liest aus dem Evangelium und verkündet Punkt Mitternacht mit lauter Stimme das erlösende "Christos Anesti" ("Christus ist auferstanden"), worauf die Gemeinde jubelnd antwortet "Alithos Anesti" (Er ist wahrhaftig auferstanden). Die Auferstehung Christi wird schließlich mit dem Liebeskuss und einer freudigen Umarmung gefeiert.“

Alexia Passias, "Christos Anesti": Ostern bei den Griechisch-Orthodoxen
In: https://www.evangelisch.de/inhalte/99236/01-04-2010

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33057