Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR3 Worte

03APR2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Trost ist nicht einfach. Nicht für den, der trösten will. Aber oft auch nicht für den, der Trost braucht. Die Autorin Thea Dorn sagt warum:

Um tröstbar zu sein, muss ich zuvor akzeptiert haben, dass etwas so ist, wie ich es nie haben wollte. Solange ich im Modus der Rebellion, der Anklage bin, solange ich sage, dies und jenes hätte nie passieren dürfen, bin ich nicht tröstbar. Mach ich hingegen meinen Frieden mit einer Niederlage, mit meinem Verlust, bin ich fast schon getröstet. Genau dies fällt uns in einer Leistungskultur, einer Gerechtigkeits- und Beschwerdekultur allerdings zunehmend schwer.

 

Quelle: Galore Interviews, 45, 03/2021, 3.627 Wörter mit Thea Dorn, Dialog Verlag, Dortmund, S. 75.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32867
02APR2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Karfreitag ist der christliche Feiertag bei dem es nur um Sterben und Tod geht. Viele Menschen haben Angst vor Sterbenden. Die Autorin Thea Dorn beschreibt wie gut es ihr getan hat, beim Sterben ihrer Mutter dabei zu sein. Sie sagt:

Sie war in ihren letzten Tagen kaum noch ansprechbar, am Schluss überhaupt nicht mehr. Was hätte ich da tun sollen, außer sie zu halten, bei ihr zu sein? Ob ich sie damit in irgendeiner Weise getröstet habe, werde ich niemals erfahren. Was ich allerdings sicher weiß: Mich tröstet es bis heute, dass ich ihr bei ihrem Sterben nahe sein konnte.

 

Quelle: Galore Interviews, 45, 03/2021, 3.627 Wörter mit Thea Dorn, Dialog Verlag, Dortmund, S. 75.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32866
01APR2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Zu lange schon müssen wir durch die Pandemie relativ körperlos leben. Die Autorin Thea Dorn hat aber unabhängig davon schon einen Mangel an Körperlichkeit in unserer Gesellschaft festgestellt. Sie sagt:

Wenn wir uns anschauen, wohin unsere gesamte Zivilisation, unsere digitalisierte, hoch technologisierte Zivilisation steuert, dann doch in der Tat dahin, dass der Leiblichkeit immer weniger Bedeutung zukommt. Unsere Leiblichkeit hört auf, die natürliche Grundgegebenheit unserer Existenz zu sein, der Körper wird immer mehr zum Stress- und Störfaktor: Er wird krank, er wird alt, er fängt sich Viren ein…Trans- oder Posthumanisten träumen ja schon seit einer Weile davon, den ganzen Körperballast hinter sich zu lassen, um als reines Bewusstsein in die Cloud zu entschweben. Wer traut sich denn heute noch, seinen Körper einfach so zu lassen wie er ist?

 

Quelle: Galore Interviews, 45, 03/2021, 3.627 Wörter mit Thea Dorn, Dialog Verlag, Dortmund, S. 71.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32865
31MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Zorn ist ein so vitales wie wichtiges Gefühl. Das immer mal wieder auch ausgelebt werden muss. Die Autorin Thea Dorn tut das durch Schreiben oder Hören von lauter Musik. Was sie aber sehr selten tut, ist:

…meinen Zorn an meinen Mitmenschen auszulassen. Ich hatte eine Mutter…, die, höflich gesagt, sehr zornbegabt gewesen ist und auch wenig Hemmungen hatte, ihren Zorn auszuleben. Als Kind habe ich dann weniger mit Angst reagiert, sondern vielmehr alle Schotten dicht gemacht, sodass sich meine Mutter am Schluss mit ihrem Zorn eigentlich nur selbst verletzt hat. Ich glaube, dies habe ich sehr früh im Leben begriffen: Hinter jedem Zornigen verbirgt sich ein Verzweifelter. Und mit Zorn-Ausbrüchen erreicht man in der Regel nichts, außer dass die eigene Verzweiflung von Zornausbruch zu Zornausbruch zunimmt.

 

Quelle: Galore Interviews, 45, 03/2021, 3.627 Wörter mit Thea Dorn, Dialog Verlag, Dortmund, S. 75.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32864
30MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Zurzeit gibt es verschiedene und auch sehr verständliche Ängste in unserer Gesellschaft. Die Autorin Thea Dorn warnt aber davor, dass sich Menschen in ihrer Angst zu sehr voneinander abschotten. Sie sagt:

Endgültig heikel wird es, wenn sich unterschiedliche Gruppen in ihren jeweiligen Angsträumen verbarrikadieren: die einen haben Angst vor Corona, die anderen vor dem wirtschaftlichen Ruin, die dritten vor dem Ende der Demokratie und so weiter. Je mehr sich die verschiedenen Angstgruppen verbarrikadieren, desto geringer das Verständnis der Ängste der anderen. Dieser Prozess ist für jede Gesellschaft Gift… Deshalb führt eben doch kein Weg am Verstand vorbei: unsere Ängste müssen sich befragen lassen, wie begründet sie sind.

 

 

Quelle: Galore Interviews, 45, 03/2021, 3.627 Wörter mit Thea Dorn, Dialog Verlag, Dortmund, S. 74.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32863
29MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Autorin Thea Dorn über einen ziemlich eigenartigen Mann:

Ich las neulich ein Interview mit einem milliardenschweren Tech-Boss, der seit Jahren schon keinem Menschen mehr die Hand gibt, weil ihm das viel zu riskant erscheint. Mithilfe einer Meditationstechnik hat er es sich abtrainiert, sich ins Gesicht zu fassen, trotzdem desinfiziert er stündlich seine Hände. Er will, ich gebe das nur sinngemäß wieder, so lange leben, bis die Technologie so weit ist, dass sie ihn unsterblich machen kann. Deshalb wäre es ja blöd, wenn er sich jetzt, so kurz vor dem Ziel, noch irgendwelche Bazillen einfangen würde. Wenn ich so etwas lese, frage ich mich: Für was genau willst du eigentlich leben?

 


Quelle: Galore Interviews, 45, 03/2021, 3.627 Wörter mit Thea Dorn, Dialog Verlag, Dortmund, S. 73.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32862
28MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Autorin Thea Dorn über das Verhältnis von Einsamkeit und Geselligkeit:

Ich spüre mit jeder Woche mehr, was alles fehlt. Der Mensch ist so gemacht, dass er sich danach sehnt, mit anderen zusammen zu sein – sofern er kein Hardcore-Einsiedler ist… ich würde sagen, ich befinde mich auf der Skala des Einsiedeln-Könnens ziemlich weit oben… Sonst wäre ich nicht Schriftstellerin geworden… Wenn es nun sogar mir schon so geht, dass ich zu denken beginne, hey, jetzt wär aber wirklich mal wieder Zeit für ein ausgelassenes Gelage zu zehnt, dann mag ich mir nicht vorstellen, wie es in den Gemütern von Menschen aussieht, die ihrer Grundausstattung nach zu den geselligeren Menschen zählen. 

 

Quelle: Galore Interviews, 45, 03/2021, 3.627 Wörter mit Thea Dorn, Dialog Verlag, Dortmund, S. 70.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32861