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SWR3 Worte

27MRZ2021
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Der Frühling kann uns mit seiner aufblühenden Kraft anstecken. Mit den Worten von Johann Wolfgang von Goethe klingt das so:

„Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich dem süßen Frühlingsmorgen, den ich mit ganzem Herzen genieße. […]

Wenn ich im hohen Gras am fallenden Bache liege, […] und das Wimmeln der kleinen Welt zwischen den Halmen […] näher an meinem Herzen fühle, dann spüre ich die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, und das Wehen des Allliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält.“

Johann Wolfgang von Goethe; In: Die Leiden des jungen Werther

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26MRZ2021
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Wie es den Pflegekräften geht, erlebt die Seelsorgerin im Krankenhausseelsorgerin Beate Schröder täglich hautnah. Sie erzählt:

“Es ist schon bitter: Am Anfang der Pandemie standen die Pflegekräfte im Fokus. Ihnen wurde applaudiert. Doch einige haben ihre Prämie erst vor kurzem bekommen, andere gar nicht. Es muss sich strukturell etwas ändern am staatlichen Gesundheitswesen. Covid-19 ist wie ein Brennglas. Wir alle sind auf die Pflegekräfte angewiesen. Aber sie bekommen materiell zu wenig Anerkennung. Weil sie derzeit so belastet sind, haben sie auch keine Energie mehr, um auf die Straße zu gehen und für ihre Rechte zu kämpfen.“

Beate Schröder; Das stumme Leiden der Covid-Patienten.

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25MRZ2021
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„Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“ – unter diesem Motto begeht die evangelischen Kirche noch bis Ostern ihre diesjährige Fastenaktion. Susanne Breit-Keßler, ehemalige Münchener Regionalbischöfin, sagt dazu:

 „Unsere Fastenaktion soll auch diesmal dazu beitragen, dass Menschen mehr Weite in ihrem Leben entdecken […]. Denn "Spielraum - Sieben Wochen ohne Blockaden" bedeutet in Corona-Zeiten die Chance, Begrenzungen im Denken und Handeln hinter sich zu lassen. […] Unser Fasten ist keine moralische Angelegenheit. Es bedeutet vor allem, kleine Fluchten und große Freiheiten für sich zu entdecken. Wo und wie kann ich mich neu und anders als bisher entfalten? Etwa durch Malen oder Schreiben, durch Tanzen und Singen - das alles geht auch zu Hause oder im Freien.

Spielraum - das ist die Zeit, in der ich nachdenke, wie die Menschen dieser Welt miteinander verbunden sind und was man selbst zu einer Globalisierung der Herzen beitragen kann."

Susanne Breit-Kessler; Fastenzeit als seelische Stütze in Corona-Zeit (epd)

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24MRZ2021
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Jüdisches Leben gibt es in Deutschland seit 1700 Jahren. Zu diesem Jubiläum gibt Barbara Staudinger, Leiterin des Jüdischen Museums in Augsburg, zu bedenken:

„Judentum und jüdisches Leben sind vielfältig. Nicht alle Juden leben gleich „jüdisch“. Diese Vielfalt wird aber zu wenig gesehen. Wie das Judentum gelebt wird, geht weit auseinander. Das gilt auch für Frauen. Es gibt das orthodoxe Judentum, in dem Frauen zum Teil früh verheiratet werden oder nicht die Ausbildung machen, die sie vielleicht wollten. Aber es gibt eben auch das liberale Judentum, wo Frauen gleichberechtigt sind, wo sie jedes Amt innehaben können, auch das einer Rabbinerin. […] Wenn wir jetzt 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiern, dann werden jedoch wieder fast nur Männer gefeiert.“

Barbara Staudinger; Unser Blick ist männlich geprägt

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23MRZ2021
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Weil sie auch Gärtnerin ist, hat die Redakteurin Andrea Kögel einen sehr genauen Blick für die Natur. Sie überlegt:

„Zuweilen, wenn eine gute Idee, ein hoffnungsvoller Ansatz zerpflückt und zerredet wird, frage ich mich, wie es um diese Zeit wohl in den Gärten aussehen würde, wenn die Natur genauso verzagt alles hundertmal hin und her bedenken würde?
Vermutlich dürften wir dann zu Ostern gerade einmal die ersten Schneeglöckchen begrüßen. Aber so ist es glücklicherweise nicht. Beherzt geht der Frühling voran, unbeeindruckt von allerlei Drohungen entfalten sich Tulpen, Primeln und Anemonen, voller Gewissheit, dass es ein traumhaftes Blütenfest wird.
Ein bisschen von diesem Mut täte uns manchmal auch ganz gut. [...] Kaum eine andere Frühlingsblume drückt diesen frohen Mut so zauberhaft aus wie die Narzisse. Leichten Fußes tanzt sie über die Wiesen, verträumt, kokett, mit einem Lachen, das ungemein ansteckend wirkt.“

Andrea Kögel; Dem Mutigen gehört die Welt Zeitschrift: Garten & Wohnen; März 2005

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22MRZ2021
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Die Pädagogin und Psychologin Dagmar Klink ist in ihrem Leben durch Höhen und Tiefen gegangen. Sie erzählt:

„Meine schlimmste Lebenskrise war ein schweres Burnout vor ein paar Jahren. Die Heilung dauerte lange. Geduld war nicht meine Stärke. […]
Mir hat geholfen, immer das Gegenteil von all dem mutig zu üben, was ich bis dahin übertrieben hatte.
Statt weiterhin zu hart, zu kontrolliert, zu überverantwortlich und überschnell zu sein und das Leben als Kampf anzusehen, bin ich jetzt weicher geworden, und gelassener, dankbarer und lebensfroher. Das ist sehr schön.
Jetzt lebe ich, so gut ich es kann, alles im rechten Maß, mittig und vertieft. Mein wichtigstes Lebensmotto ist: Das rechte Maß in allen Dingen, gereicht uns zum Segen.“

Dagmar Klink; Alles tiefer genießen

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21MRZ2021
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Als 15-Jähriger machte Said Rezek bei einem Schulwechsel Erfahrungen mit Rassismus. Damals hat er das persönlich genommen und es hat ihn sehr verletzt. Heute ist er Politikwissenschaftler und Journalist und arbeitet auch als Anti-Rassismus-Trainer. Es sagt:

Ich nehme Rassismus nicht mehr persönlich, denn ich halte Rassist*innen für sehr primitive Menschen. Sie meinen, mich allein aufgrund meiner Herkunft, Religion oder Hautfarbe zu kennen und stecken mich in eine Schublade, so wie meine damalige Lehrerin. […] Nein, diese armselige Geisteshaltung kann ich nicht persönlich nehmen, aber ich nehme Rassismus ernst und gehe dagegen vor.

[Nach meinem Schulwechsel] war ich übrigens am Ende des Schuljahres Jahrgangsbester und wurde zum Lieblingsschüler der besagten Lehrerin. Das habe ich gern persönlich genommen, weil mich die Lehrerin in der Zwischenzeit kennenlernen konnte. Ich hoffe, es war ihr eine Lehre, Menschen nicht vorschnell zu verurteilen.“

Said Rezek; Wie ich an der Hauptschule lernte, Rassismus nicht persönlich zu nehmen

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