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SWR3 Worte

13FEB2021
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Wie kann man lernen, Kinder zu verstehen? Der polnische Pädagoge Janusz Korczak versucht zuerst, die Perspektive eines Kindes einzunehmen und kommt zu dem Ergebnis:

„Ein Kind ist wie ein Fremdling. Es versteht die Sprache nicht. Es kennt den Verlauf der Straßen nicht, und auch die Gesetze und Bräuche sind ihm unbekannt.
Manchmal möchte das Kind selbst entdecken.
Wenn es schwierig wird, bittet es um Hilfe und Rat. Es braucht jemanden, der es leitet und seine Fragen beantwortet.
Wir sollten die Unwissenheit der Kinder achten! […]
Wir sollten ihre Wissbegierde achten!
Und wir sollten auch ihre Misserfolge und Tränen achten.“

Janusz Korczak, Das Recht des Kindes auf Achtung

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12FEB2021
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Reinhardt Seibert ist 1. Vorsitzender der Tübinger Tafel. Der Verein sammelt Lebensmittelspenden bei Geschäften und Bäckereien, um sie dann an finanziell Bedürftige weiterzugeben. Wichtig ist ihm dabei, dass die Tafeln Orte der Begegnungen sind – auch in diesen Zeiten. Er erzählt:

„Bei der Versorgung mit Lebensmitteln […] sind es der erfahrene Respekt, die Anerkennung und die guten Worte, die die Tafel zu einem Ort der Begegnung werden lassen. […] Der Staat wir dadurch nicht aus seiner Verantwortung für die soziale Gerechtigkeit im Land entlassen. Hier im Verein ergreifen Bürgerinnen und Bürger selbst die Initiative im Sinne von […] Begegnungen auf Augenhöhe. Bei diesen Begegnungen kann ich Vorbehalte abbauen und fremde Andere als Menschen wie mich selbst in seinen Grundbedürfnissen nach Angenommensein und Liebe wahrnehmen.“

Reinhardt Seibert, Leben als Begegnung, In: Schwäbisches Tagblatt

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32546
11FEB2021
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Nelson Mandela hat sein ganzes Leben gegen die Apartheid von Südafrika gekämpft und saß deswegen 28 Jahre im Gefängnis. Heute vor 31 Jahren wurde er aus seiner Haft entlassen. In seiner Autobiographie schreibt er:

„Ich bin nicht mit dem Hunger nach Freiheit geboren worden. [...]

Erst als ich zu begreifen begann, dass meine jugendliche Freiheit eine Illusion war, und ich entdeckte, dass meine Freiheit mir längst genommen war, begann ich nach ihr zu hungern. [...]

Während der langen, einsamen Jahre in Haft wurde aus meinem Hunger nach Freiheit für mein eigenes Volk der Hunger nach Freiheit aller Völker, ob weiß oder schwarz.

Und ich wusste so gut, wie ich nur irgendetwas wusste, dass der Unterdrücker genauso befreit werden musste wie der Unterdrückte. Ein Mensch, der einem anderen die Freiheit raubt, ist ein Gefangener des Hasses, er ist eingesperrt hinter den Gittern von Vorurteil und Engstirnigkeit."

Nelson Mandela, Der lange Weg zur Freiheit. Autobiographie.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32545
10FEB2021
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Sandra und Reinhard Schlitter haben ihren Sohn Mirco durch einen grausamen Mord verloren. Er war erst 10 Jahre alt, als er von seinem Täter entführt, missbraucht und getötet wurde. Wie schafft man es, an so einer Katastrophe nicht zu zerbrechen? Die beiden antworten:

„Wenn dieser ganze Irrsinn von Mircos Tod irgendeinen Sinn haben sollte, dann dieser: dass wir davon erzählen, wie das Leben nach einem solchen Todesstoß weitergehen kann. Wir wollen zeigen, dass bei all dem Unbegreiflichen noch Platz für Hoffnung und Vergebung ist. […] Würden wir den Täter hassen, würden wir uns nur selbst mit dem Hass vergiften. Die einzige Chance ist die Kraft der Vergebung. Nur die lässt uns zu Ruhe kommen.“

Christoph Fasel im Gespräch mit Sandra und Reinhard Schlitter, Verlieren, verzweifeln, verzeihen: Wie geht das? In: Anders Handeln. Ein Magazin von anderen Zeiten e.V.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32544
09FEB2021
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Was ist das Wichtigste in unserem Leben? Der Apostel Paulus, der viele Teile des Neuen Testaments geschrieben hat, setzt auf die Liebe. Er sagt:

“Und wenn ich […] alles Verborgene weiß und alle Erkenntnis habe […] und bin ohne Liebe, dann bin ich nichts.

Und wenn ich alles, was ich kann und habe, für andere aufwende und mein Leben aufs Spiel setze […] und bin ohne Liebe, dann hat alles keinen Sinn.

Die Liebe hat einen langen Atem und sie ist zuverlässig.
Sie ist nicht eifersüchtig, sie spielt sich nicht auf, um andere zu beherrschen.

Die Liebe handelt nicht respektlos anderen gegenüber.
Sie ist nicht egoistisch, sie wird nicht jähzornig und nachtragend.

Wo Unrecht geschieht, freut sie sich nicht, vielmehr freut sie sich mit anderen an der Wahrheit. Sie kann schweigen und vertrauen, sie hofft mit Ausdauer und Widerstandskraft. […]
Setzt alles auf die Liebe.“

1. Kor 13, 2-8 u. 14,1a (Bibel in gerechter Sprache)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32543
08FEB2021
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Die Studentin Sukanya Weiß denkt darüber nach, dass sie in den jetzigen Zeiten manchmal ein rechtes Gefühlschaos erlebt. Sie erzählt:

„Ich bin ängstlich in Bezug auf das, was da noch kommt, und doch so gelassen im Hier und Jetzt.

Ich vermisse die Umarmung, und zugleich genieße ich den Abstand. […] Ich fühle mich wie im ewigen Stop- and Go-Verkehr – nur eben ohne Go. […] Durch diese besondere Zeit finde ich Zeit für mich: Zeit zum […] Spazierengehen, Nachdenken, Aufräumen, Umräumen und mich selbst sortieren. […] Trotz der Veränderungen und des Stillstandes geht es mir eigentlich sehr gut. […] Ich lebe viel bewusster, weil ich schnell gemerkt habe, wie dankbar ich dafür sein kann, einen gesunden Körper zu haben und gute Freunde, auf die ich in diesen Zeiten über Skype trotzdem zählen kann.“

Sukanya Weiß, Warten auf eine Art Alltag

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07FEB2021
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Anne Morrow Lindbergh war eine der ersten Pilotinnen und hat gemeinsam mit Charles Lindbergh sechs Kinder großgezogen. Heute vor 20 Jahren ist sie gestorben. Die Liebe ihres Lebens hat sie so beschrieben:

„Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit […] auf die gleiche Weise. Und doch ist es genau das, was die meisten von uns fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten der Liebe […]. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen, und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, die Liebe würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; doch die einzige mögliche Fortdauer […] der Liebe liegt […] im Auf und Ab – und in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich [manchmal] kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.“

Anne Morrow, Ich ging weit den Strand entlang In: Muscheln in meiner Hand.

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