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SWR3 Worte

02JAN2021
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Das Jahr ist noch ganz jung und viele gehen mit guten Vorsätzen in das neue Jahr. Ein Neubeginn ist immer möglich. Bei Bertold Brecht klingt das so:

„Alles wandelt sich.
Neu beginnen kannst Du mit dem letzten Atemzug.
Aber was geschehen ist, ist geschehen. Und das Wasser, das du in den Wein gossest, kannst du nicht mehr herausschütten. […]
Aber – alles wandelt sich. Neu beginnen kannst Du mit dem letzten Atemzug.“

Bertold Brecht, Alles wandelt sich. In: Fülle, Schätze aus 25 Jahre Der Andere Advent 2020

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01JAN2021
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Anderen zum Neuen Jahr Gutes zu wünschen, ist ein schöner Brauch. Die Dichterin Rose Ausländer tut das mal ein bisschen anders:

„Im neuen Jahr grüße ich meine nahen und die fernen Freunde
grüße die geliebten Toten
grüße alle Einsamen
grüße die Künstler, die mit Worten, Bildern und Tönen mich beglücken
grüße die verschollenen Engel
und grüße mich selber mit dem Zuruf: Mut“

Rose Ausländer Text: Im neuen Jahr. In: Freude, Schätze aus 20 Jahren „Der Andere Advent“

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Wie oft haben wir den Sylvestertag bis aufs Kleinste durchgeplant? Den ganz eigenen Reiz der diesjährigen Situation umschreibt Irene Ruegg so:

„Ohne Plan sich in den Tag hineingleiten lassen,
gemächlich gen Mittag segeln.
Irgendwann eine kleine Rast, Energie für Leib und Seele.
Den Nachmittag genießen ohne Termine.
Abend kostbar auf der Zunge zergehen lassen
und ohne Plan die Nachtsegel setzten.“

Irene Rüegg, Ferien. In: Theo Czernik (Hg.): Gestern ist nie vorbei. Eine Auswahl neuerer Lyrik

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30DEZ2020
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Sich aus tiefem Herzen richtig freuen – was für ein schönes Gefühl. Der Hamburger Pastor Frank Howaldt hat über dieses Gefühl nachgedacht und meint:

„Freude geht durch Mark und Bein. […] Es lässt sich nicht sagen, auf was Freude die logische Antwort wäre. Sie bleibt gänzlich unlogisch und entzieht sich der Berechnung. Manchmal bleibt sie aus, so sehr sie auch ersehnt wird und man weiß nicht warum.
Tief empfundene wirkliche Freude ist unendlich herrlich subjektiv und persönlich.
Eine echte Herzensangelegenheit eben, verbunden mit großer Dankbarkeit. In dem was geschieht, wird mehr vorweggenommen, als vor Augen steht. […]
Großartig muss die Freudenbotschaft nicht daherkommen. Es kann eine kleine Geste sein, ein angezündetes Licht, ein eingeschenktes Glas, ein Wort, ein Stern, ein Kind.“

Frank Howaldt, Freude. In: Fülle, Schätze aus 25 Jahre Der Andere Advent, hrsg. vom Anderen Advent, 2020

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Der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis lässt Alexis Sorbas in seinem Buch über Weihnachten nachdenken. Das klingt so:

„Glaubst Du“, sagte Sorbas, „dass Gott Mensch wurde und in einem Stall zur Welt kam?“
„Darauf kann man schwer etwas antworten, Sorbas. Ich glaube es und glaube es nicht. Und du?“
„Ach, was soll ich Dir sagen! Wie soll sich da einer auskennen? Als ich noch ein kleines Kind war und meine Großmutter mir Märchen erzählte, hielt ich alles für Unsinn. Und doch zitterte ich und lachte und weinte, als ob ich es glaubte.
Als ich dann erwachsen wurde, warf ich all diese Märchen zum alten Eisen und machte mich sogar lustig darüber. Aber jetzt, auf meine alten Tage, bin ich wie ein Kind geworden und glaube wieder daran. Was für ein komisches Geschöpf ist doch der Mensch!“

Nikos Kazantzakis: Alexis Sorbas

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Es ist ein bekanntes weihnachtliches Bild: Das Jesuskind in der Krippe. In ihm – so glauben wir Christen – ist Gott selbst zur Welt gekommen und ist Mensch geworden. Der Theologe Fulbert Steffensky setzt sich mit diesem Bild der Krippe auseinander und sagt:

„Es sind [eigentlich] lächerliche Würdezeichen: Kinderwindeln und ein Futtertrog! Wenn sich einer blasphemische Verhöhnung von Glanz und Herrlichkeit Gottes ausdenken wollte, könnte er es nicht besser und ironischer tun, als Gott es in der Weihnachtsgeschichte selber getan hat.
[Ja,] es ist ein fremder und [zugleich höchst] zärtlicher Gedanke, dass unser Leben und dass die Welt nicht durch die Macht der Mächtigen gerettet werden. Die Liebe […] ist die erlösende Kraft.“

Fulbert Steffensky, Gott geht in die Knie. In: Fülle, Schätze aus 25 Jahre Der Andere Advent 2020

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Engel – so steht es in den biblischen Weihnachtsgeschichten – kamen zu den Hirten auf das Feld und berichteten ihnen vom neugeborenen Jesuskind. Wo Engel heute unterwegs sind, erzählt Marius Müller-Westernhagen so:

„Engel: als die Götter dich gesandt, hab' ich dich nicht einmal erkannt.
[…]
Meine Seele war vereist und mein Herz war längst vergreist.
Alles was ich dachte war: Warum?
[Aber] Du hast mich in Licht getaucht, hast mir gezeigt,
dass – wenn ich glaub' –
meine Sehnsucht Sterne schmelzen kann.

Engel:lass die Zeit stillstehn,
lehr mich zu verstehn,
lehr mich dankbar zu sein.
Engel: Lass uns ein Wunder tun.
Die Welt soll wissen, warum es sich zu lieben lohnt!“


Marius Müller-Westernhagen, aus dem Lied: Engel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32303