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SWR3 Worte

10OKT2020
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Amaryllis Fox hat als CIA-Agentin mit Terroristen in Pakistan und Somalia verhandelt und dabei etwas über Menschen gelernt. Sie erzählt worüber sie mit Terroristen redet, um Schlimmstes zu verhindern:

„Über Dinge, die er wirklich liebt, seine Kinder zum Beispiel.
Die wichtigste Lektion meines Lebens: Es gibt immer einen gemeinsamen Nenner, selbst mit einem Terroristen.
Wenn wir das verstehen würden, wäre die Welt anders.“

Quelle: db.mobil. Das Magazin der Deutschen Bahn

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09OKT2020
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Fiese Erlebnisse kennt jede*r. Wie man damit so umgehen kann, dass die Seele keinen Schaden nimmt, habe ich bei einem längst verstorbenen Pfarrer entdeckt. Nachdem er überfallen wurde, hat dieser Matthew Henry abends ein Gebet aufgeschrieben:

„Gott, heute wurde ich überfallen.
Und dabei ist mir aufgefallen, dass ich dir für verschiedene Dinge danken muss.

Zuerst möchte ich dir dafür danken, dass ich bis heute nie überfallen worden bin, was in einer Welt wie dieser fast einem Wunder gleichkommt.

Als Nächstes möchte ich dir dafür danken, dass sie bloß meine Brieftasche mitgenommen haben, die wie immer nicht mehr als ein paar Dollar enthielt.

Ich danke dir auch (…) auch für die Tatsache, dass mir – glücklicherweise – in keiner Weise Schmerz zugefügt wurde.

Schließlich, Gott, möchte ich dir ganz besonders dafür danken, dass ich der Beraubte war
Und nicht der Räuber.“

Quelle: Jorge Bucay, Drei Fragen

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08OKT2020
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Gibt es Engel wirklich? Und wenn ja, wie erkenne ich sie? Pfarrer und Autor Kurt Rainer Klein hat einen Engel erlebt. Er schreibt:

„Neulich,
als ich wieder einmal ratlos war und nicht weiter wusste,
als ich mich verrechnet hatte und daraufhin dumm dastand,
als ich meine Chance verdarb und plötzlich alt aussah,
traf ich einen Engel –
der mir wunderbar und himmlisch auf Sprünge half.“

Quelle: Kurt Rainer Klein, Engelsbegegnung in: Auf den Flügeln des Morgenrotes

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31783
07OKT2020
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Welchen Platz im Leben habe ich eigentlich? Und: Kann ich mir diesen Platz selber raussuchen? Die Theologin Brudereck beschreibt eine Entdeckung:

„Sie fragte sich, neben wen man sie heute Abend setzen würde.
Wer wohl links neben ihr, rechts und gegenüber saß. Ob sie sich wohlfühlen würde, allein oder unpassend.

Sie dachte an den Esstisch in ihrem Elternhaus. (…)
Sah sich im Büro am runden Verhandlungstisch sitzen. In endlosen Diskussionen.
Sehnte sich nach ihrem kleinen Küchentisch. (…)

‚Im Leben gibt es keine festen Sitzplätze.‘
Der Gedanke kam wie ein überraschender Lichtblick. Als sei eine dunkle Wolke plötzlich weitergezogen.
Es gab gar keine Tischkärtchen.

Keine Tischordnung, die festlegte, auf welchem Stuhl sie zu sitzen hatte.
Sie konnte aufstehen.
Dahin gehen, wo es interessanter war.
Wo sie mehr gebraucht wurde.
Oder sich einfach wohler fühlte.

Gott war ihre große Gastgeberin.
Wenn sie wollte, konnte sie ihren eigenen Tisch decken.“

Quelle: Kreise ziehen. Christine Brudereck, Gastfreundschaft in: Der Frauenkalender

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06OKT2020
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Warum soll die Hoffnung eigentlich immer zuletzt sterben? Das fragt sich die Bloggerin Susanne Niemeyer. Sie leiht der strapazierten Hoffnung ihre Stimme und schreibt:

„Die Hoffnung soll immer zuletzt sterben. Egal, ob Flutkatastrophe oder Lottogewinn, Hirntumor oder Liebeskummer. Immer muss sie ausharren bis zum bitteren Ende. Egal, wie hoch die Chancen stehen.
Das arme Ding.

Ich stelle mir vor, dass sie hier und da gern sagen würde:
„Leute, es tut mir leid. Nehmt’s mir nicht übel, aber hier kann ich wirklich nichts mehr ausrichten.

Lena wird Holger nicht küssen, auch in hundert Jahren nicht.
Nicht jeder Lahme wird gehen können. Sorry.“

Sie meint das nicht böse, sie traut sich nur, der Realität ins Auge zu sehen. Und deren Augenfarbe ist manchmal eben nicht rosa.

Sie würde dann gern weitergehen. Weil sie sieht, was nach der Katastrophe kommt. Denn ein „Danach“ gibt es immer. Darin ist die Hoffnung eine Meisterin.

Egal, ob Himmel oder Holger, sie ist schon zwei Schritte voraus.
Unsereins kann sie da schnell mal aus dem Blick verlieren.

Aber das macht nichts. An der nächsten Ecke wartet sie geduldig, bis man wieder aufgeholt hat, und dann führt sie einen in ein Land, das man sich nicht hätte träumen lassen.

Die Hoffnung hat ihre Augen überall, am liebsten aber in der Zukunft. Und da gibt es immer irgendetwas Rosiges.
Auch, wenn man selber noch schwarzsieht.“

Quelle: https://www.freudenwort.de/engelimbiss/

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05OKT2020
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Wer lieben will, wer glauben will, muss verletzlich bleiben. Menschen gegenüber genauso wie Gott gegenüber. Der Geigenbauer Martin Schleske erklärt das so:

 „Glauben heißt: sich nicht abgefunden haben.

Vieles, was in unseren Beziehungen zu anderen Menschen und auch in unserer Beziehung zu Gott schiefgeht, liegt daran, dass wir unsere Verletzungen ausklammern und sie in Enttäuschungen abkapseln, die wir uns nicht eingestehen. Uneingestandene Enttäuschungen aber lassen das Herz erblinden. Wir werden blind, weil wir nicht mehr verletzt werden wollen. Ein Mensch, der beschlossen hat, nicht mehr enttäuscht oder verletzt zu werden, hat beschlossen, nicht mehr zu lieben.“

Quelle: Martin Schleske, Herztöne. Das kleine Buch

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04OKT2020
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Für etwas dankbar sein – ein Schlüssel zum Glück. Dankbarsein, das kann man zum Glück lernen. Der Mediziner Christian Firus erklärt, wie’s geht:

„Lange dachte man: Dankbar können die Zufriedenen sein, die anderen haben ja keinen Grund dafür. Doch Forschung hat gezeigt, dass es gerade anders herum ist: Dankbarkeit macht zufrieden.

Es geht dabei um die kleinen Dinge, und man kann sie gerade, wenn es einem nicht gut geht, lernen und üben. Meine Empfehlung ist, sich ein Tagebuch anzuschaffen und für jeden Tag fünf Dinge aufzuschreiben, für die ich dankbar bin.

Das Aufschreiben ist wichtig, denn Studien zeigen, dass ich 10 bis 15 Sekunden brauche, damit sich etwas im Gehirn verankert. (…)

Bereits nach 14 Tagen sieht man, dass sich im Gehirn etwas verändert in Richtung Zufriedenheit. Die ist das tiefste Glücksgefühl, das es gibt.

Eine Baseline, die mich durch’s Leben trägt.“

Aus: Badische Zeitung, 15.9.2020

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31779