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SWR3 Worte

Die Schriftstellerin Ulla Hahn wird heute 70 Jahre alt. Von kraftvollen Worten und Sätzen war sie schon als Kind fasziniert.

Ich […] kaufte mir […] ein Schreibheft. SCHÖNE WÖRTER, SCHÖNE SÄTZE schrieb ich aufs Deckblatt. Ich wollte mir einen Vorrat davon anlegen. […] Kräftige Sätze aus „Kalle Blomquist“ und [anderen Büchern] schrieb ich hinein. […]

Dann bekam ich mein erstes Gebet- und Gesangbuch. Es waren nicht die Geschichten, die den Hexen und Märchen […] den Rang abliefen. […] Jesus verwandelte Wasser in Wein, mit zwei Broten und fünf Fischen machte er fünftausend Menschen satt. Ganz ähnlich hatte das Schneiderlein „Tischlein deck dich“ gesagt.

Nein, die Geschichten waren es nicht. Es waren die Sätze! „Ich bin das Brot des Lebens“, sagte Jesus. […] Wo immer ich das Buch aufschlug, seine Wörter und Sätze waren schön und geheimnisvoll, voller Zauber und Kraft.

Ulla Hahn; In: Dies.: Das verborgene Wort.

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Alleinsein ist wunderbar, meint die Freiburger Soziologin Ursula Bernauer, aber auch eine Kunst.

Ja, ich glaube, Alleinsein muss man lernen, so wie man das Leben lernen muss. Das ist ein Prozess, indem Einsamkeit ganz reich wird und mit ganz vielen Möglichkeiten ausgestattet ist: wenn man in Kontakt kommt mit sich selbst, mit seiner Geschichte, [...] seinen Ideen [...], Möglichkeiten und [...] Träumen. Und damit auch eigentlich mit der Welt überhaupt, also dieses Allein ist ein All-Ein, ein Sich-Verbunden-Fühlen mit der Welt. [...]

Mein Rat für das Alleinseinlernen: Neugierig werden! Wahrnehmen, riechen, schmecken. Der Welt zugewandt sein in ihrem Reichtum. Es gibt so viel zu entdecken!

Ursula Bernauer
Allein und doch nicht einsam. Vom Glück, nicht immer Gesellschaft zu brauchen. Von Margit Irgang. SWR 2 Leben, Mi. 5.5.2010, 10.05 Uhr.

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Volle Terminkalender und hektische Arbeitstage, die gab es auch schon im 12. Jahrhundert. Der Theologe Bernhard von Clairvaux hat damals einem Freund empfohlen:

Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg siehst und deshalb Deine Stirn verhärtest. [...]

Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, da dem Du nicht landen wolltest.

Du fragst, an welchen Punkt?
An den Punkt, wo das Herz hart wird. Das soll nicht sein, deshalb denke nach:
Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selbst? Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann er gut sein? Deshalb: gönne Dich Dir selbst.

Bernhard von Clairvaux (12. Jahrhundert); Zitiert nach: Margot Kässmann, In der Mitte des Lebens.

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Kinder lernen im täglichen Miteinander. Wenn wir ihnen dabei etwas zutrauen und auch zumuten, können sie große Glücksmomente erleben. Die elfjährige Sophie erzählt:

Als ich noch klein war, wollte ich Rad fahren lernen. Mein Vater setzte mich auf mein Rad, und ich fuhr los. Er hielt mich hinten. Bei einer Straße, die leicht bergab ging, ließ er mich los, und ich fuhr nichtsahnend weiter. Plötzlich schrie mein Vater: „Du kannst es!“. Jetzt erst merkte ich, dass ich alleine fuhr. Das war das glücklichste Erlebnis in meinem Leben.

Anton A. Bucher, der die Geschichte von dem elfjährigen Mädchen in seinem Buch erzählt.
In: Anton A. Bucher: Was Kinder glücklich macht. Historische, psychologische und empirische Annäherungen an Kindheitsglück

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Heute vor 30 Jahren kam es im Kernkraftwerk von Tschernobyl zum bisher schwersten Unfall in der zivilen Nutzung der Atomenergie. Die weißrussische Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch sieht seitdem die Welt anders:

Tschernobyl hat den Raum verändert, aber bis heute reden Politiker über das Hiesige, Dortige, Nahestehende, Fremde. Das ist seltsam! Was heißt nah oder fern, wenn die Wolke am zweiten Tag über Europa lag, und am vierten über China? Selbst ein Land, das keine Reaktoren baut, wird doch vom Fallout in einem anderen Land getroffen.

Tschernobyl hat auch die Zeit verändert. Radionuklide zerfallen in Hunderttausenden von Jahren. Das übersteigt jede menschliche Vorstellungskraft. […] Tschernobyl hat gerade erst begonnen.

Swetlana Alexijewitsch; In: Tschernobyl. Ein Zeichen, das wir nicht verstehen. http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-tschernobyl-ein-zeichen-das-wir-nicht-verstehen-1.743389

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Haben Sie ein Lieblingswort? Für den Theologen Friedrich Schorlemmer ist die Antwort ganz klar. Er sagt: Mein liebstes Wort ist Freimut. Eindeutig. Der Mut zur Freiheit.

Die unbefangene Offenheit. Die überwundene Angst. Das geläuterte Selbstbewusstsein. Freimut, flankiert von Demut und Sanftmut. Jedenfalls der Mut, man selbst zu sein, unermüdlich zu trotzen ohne Trotz.
Frei-Mut heißt befreiender Mut und befreiter Mut. […] Es ist für mich ein Wort, das sich nicht abnutzt, sondern an dem ich mich aufrichte, an jedem Tag neu.

Friedrich Schorlemmer; Text: Mein schönstes deutsches Wort
In: Friedrich Schorlemmer: Lass es gut sein. Ermutigung zu einem gelingenden Leben

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Am Sonntag macht die Woche eine Pause – so hat der Journalist Matthias Drobinski es als Kind erlebt und er erzählt:

Der Sonntag, der zu meiner Kindheit gehörte, war sehr geregelt. […]
Zuerst der […] Kirchgang […], zum Mittagessen gab es Pommes und gegrilltes Hähnchen. […] Um zwei packten meine Eltern uns vier Geschwister in den Ford Transit und es ging in den Wald. […] Um fünf hielten wir vor der Eisdiele, drei Kugeln waren erlaubt. […]
Es war ein sehr geregelter und doch ein sehr freier Tag. […]
Es war Gottes- und nicht Menschentag. […]   Die Kindheitssonntage sind vorbei. […]
Geblieben ist aber die Sehnsucht nach dem Gottestag. […] Der Gottestag, an dem die Woche Pause macht und der Alltag die Luft anhält. […]
Der Tag, an dem man nichts sein muss als Mensch, liebender geliebter Mensch.

Matthias Drobinski; „Mein Sonntag“
In: http://www.ekd.de/sonntagsruhe/ideen/texte/drobinski.html

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