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SWR3 Worte

Stell dir vor, dass es keinen Himmel gibt.
Und keine Hölle.
Stell's dir einfach vor. Ist nicht schwer.
Alle Menschen leben nur für das Jetzt.

Länder gibt es nicht,
Religionen auch nicht,
nichts, wofür man kämpfen oder sterben müsste.
Einfach nur Frieden.

Kein Besitz mehr.
Keine Gier, keinen Hunger einfach überflüssig.
Alle zusammen Teilen alles zusammen.

Nenn mich einen Träumer.
Aber damit bin ich nicht allein.
Und vielleicht träumst du irgendwann mit.
Dann rückt die Welt wieder ein Stück näher zusammen.

Imagine, von John Lennon https://www.kirche-im-swr.de/?m=990
In Deutschland hatte sie alles aufgegeben, Job, Wohnung, Beziehung. Dann war sie losgeflogen, um ein neues Leben zu suchen. So trafen wir uns, auf dem Dach eines Hauses mitten im Dschungel von Sri Lanca und schauten in den Palmenhimmel.
Wohin nur? fragte sie. Und ich sagte: Es gibt da ein Lied, das ist für dich geschrieben und geht so:

Befiehl du deine Wege
Und was dein Herze kränkt
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt
Der Wolken, Luft und Winden
Gibt Wege Lauf und Bahn
Der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Paul Gerhardt
Evangelisches Kirchengesangbuch, Ausgabe für die Ev. Kirche in Hessen und Nassau, Spener Verlagsbuchhandlung, Frankfurt 1994, Lied Nr.361
https://www.kirche-im-swr.de/?m=989
Paul Gerhardt, der vor 400 Jahren geboren wurde, verlor 4 seiner 5 Kinder. Als seine Frau wenige Jahre danach starb, dichtete er:

Ach wie ofte dacht ich doch,
da mir noch des Trübsals Joch
auf dem Haupt und Halse saß
und das Leid mein Herze fraß:
Nun ist keine Hoffnung mehr,
auch kein Ruhen, bis ich kehr
in das schwarze Totenmeer.

Als ich furchtsam und verzagt
mich selbst und mein Herze plagt.
Als ich manche liebe Nacht
mich mit Wachen krank gemacht,
als mir aller Mut entfiel:
Tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel,
Gabst dem Unfall Maß und Ziel.

Petra Bahr, Paul Gerhardt, Leben und Wirkung, Herder Spektrum 2007, S. 134f.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=988
Deutschland im 30 jährigen Krieg. Die Dörfer sind niedergebrannt, die Felder verwüstet und verwildert. Da dichtet Paul Gerhardt, der vor 400 Jahren geboren ist.

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser schönen Sommerzeit
An deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.
Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan
Sie ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.
Ich selber kann und mag nicht ruhn
Des großen Gottes großes Tun
Erweckt mir alle Sinnen,
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt
aus meinem Herzen rinnen.

Evangelisches Kirchengesangbuch, Ausgabe für die Ev. Kirche in Hessen und Nassau, Spener Verlagsbuchhandlung, Frankfurt 1994, Lied Nr.503
https://www.kirche-im-swr.de/?m=987
Als Robinson Crusoe auf seine Insel verschlagen wurde, rettet ihm ein Trick das Leben:
er nahm Stift und Papier, die er aus dem gesunkenen Schiff geborgen hatte, und machte zwei Listen.
Auf die eine schreib er, was an seiner Situation schlecht war, auf die andere das, worüber er glücklich sein konnte.
Schlecht: ich bin auf einer einsamen Insel, ohne Hoffnung, je gerettet zu werden.
Gut: Ich bin noch am Leben und nicht ertrunken wie all meine Kameraden.
Schlecht: ich habe keine Kleider, mich zu bedecken.
Gut: ich lebe in einem heißen Landstrich wo ich kaum Kleider tragen könnte. Und so weiter.
Dann beschloss er, die negativen, unabänderlichen Dinge aus seinem Gedächtnis zu streichen, sich auf die positiven zu konzentrieren und zog das verblüffende Fazit:
"Von nun an begann ich zu folgern dass es mir möglich ist, mich in meiner verlassenen Lage glücklicher zu fühlen, als es vermutlich in irgendeinem anderen Zustand der Erde je der Fall gewesen wäre."

Alexander von Schönburg: Die Kunst des stilvollen Verarmens
rororo 2007 (8.Aufl.), S.215

https://www.kirche-im-swr.de/?m=986
Aristoteles hat den Zorn einen großen Beweger genannt, der die Selbstachtung schützt…
Wer nicht zornig werden kann, wird sich nicht befreien können- auch nicht aus selbst verursachten Katastrophen…
Der Zorn über das Misslingen muss wachsen. Wir brauchen die wütende Entschlossenheit, nicht länger unter Wert gehandelt zu werden.
Eine Gesellschaft, die nicht mehr zornig werden kann, verliert bald auch ihre Vision vom gemeinsamen Glück.

Gertrud Höhler, Jenseits der Gier, Econ 2005, S.38
https://www.kirche-im-swr.de/?m=985
Heute wird die Europäische Union 50 Jahre alt:
Dazu der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Wolfgang Huber:
Im europäischen Regelungsdickicht gerät die ursprüngliche Idee manchmal in Vergessenheit.
Den Frieden durch wirtschaftliche Zusammenarbeit zu sichern, ist ein treffliches Konzept.
Aber Vergebung an die Stelle der Vergeltung treten zu lassen, ist ein revolutionärer Gedanke. Seinen Ursprung hat er in der Bergpredigt Jesu.
Mich wundert, warum man so selten an die Geschichte der EU denkt, wenn man gefragt wird, ob man mit der Bergpredigt Politik machen könne. Man kann. Und deshalb: Herzliche Segenswünsche zum Geburtstag!

Chrismon Plus Rheinland, Ausgabe 03/07, S.12
https://www.kirche-im-swr.de/?m=984