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SWR2 Wort zum Tag

18APR2020
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Letzten Sonntag haben wir Ostern gefeiert. Aber dieses Ostern ist anders als alle Osterfeste, die ich bisher erlebt habe. Sonst war es immer, wie wenn von Karfreitag auf Ostersonntag ein Schalter umgelegt würde: Am Karfreitag erinnere ich den Tod Jesu und denke an alle Menschen, die leiden müssen. Keine zwei Tage später ist das wie weggewischt und nur noch Jubel und Freude über die Auferstehung Jesu ist zu spüren. Das ist dieses Jahr anders: Die Gemeinden haben keine Gottesdienste gemeinsam feiern können und das Fest mit der Familie und den Freunden hat auch nicht stattgefunden. 

Ostern heißt auf Griechisch übersetzt „Pascha“ und das bedeutet „Durchgang“ oder „Übergang“. Die Ikonen der Ost-Kirchen zeigen die Auferstehung Jesu auch entsprechend: Jesus schreitet nach seinem Tod am Kreuz in Riesenschritten durch die Unterwelt und fasst Adam an der Hand. Er holt den ersten Menschen stellvertretend für alle ins Leben. Die Auferstehung ist da kein Ereignis, sondern ein Prozess.

Besonders in diesem Jahr, wo ich Ostern nicht so feiern kann wie sonst, hilft mir das sehr. 

Ich muss an die Zeit denken, als ich schwer krank war: Der Arzt sagt mir, wie es um mich steht, und ich denke, jetzt ist alles aus. Alles umsonst. Mein Glaube an Gott ist da zumindest ein Strohhalm, an dem ich mich noch festhalten kann. Und der sich gleichzeitig so anfühlt als wäre mein Wunsch der Vater des Gedankens. 

Wer in den letzten Wochen schwer krank geworden ist, oder durch den Virus einen Menschen verloren hat, hat es vielleicht ähnlich erlebt. In so einer Situation kann keiner den Schalter umlegen und so tun als ob jetzt an Ostern alles gut wird. Auch wenn ich als Christ darauf hoffe, dass Gott alles zum Guten lenkt. Die Kluft zwischen Zweifel und Vertrauen ist dann einfach sehr groß und ich möchte mich am liebsten nur noch bei Gott beklagen. Das zu tun gehört eben auch zu Ostern. Denn ich hoffe ja, dass Gott meine Klage hört und mir hilft. Vielleicht so wie es die Ikone zeigt: Dass er Jesus zu mir schickt, damit er mich an der Hand nimmt und mit mir durch diese dunklen Zeiten hindurch geht. Denn dieses Bild führt mir ja beides vor Augen: Dass Gott bei mir ist in dunklen Zeiten und dass er mit mir da durchgeht. Ins Leben. 

Ostern heißt für mich in diesem Jahr: Ich will nicht so tun, als ob eigentlich schon alles gut wäre. Vermutlich muss ich das noch eine Weile aushalten. Aber in der Hoffnung, dass Jesus mich an der Hand nimmt und mir diese Kluft überwindet.

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17APR2020
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Als wäre es das Lebensmotto der letzten Wochen: „Rühr mich nicht an“. Seit der Zeit der Corona-Pandemie denk ich oft so, wenn mir andere Menschen zu nahe gekommen sind. Beim Spazieren gehen oder in der Kassenschlange im Laden, immer wieder denke ich da: „Bleib weg“ – „Rühr mich nicht an“. 

Der Clou dabei: Das ist fast ein Zitat aus der Bibel. Jesus sagt dasselbe nämlich zu Maria Magdalena, als er ihr am Ostermorgen begegnet. Sie ist zu seinem Grab gegangen, voll Trauer. Und was sie da erlebt, schleudert sie richtig hin und her. Zuerst findet sie den toten Jesus nicht, weil er verschwunden ist. Dann fragt sie bei einem Gärtner nach, und als dieser sie bei ihrem Namen „Maria“ anspricht, erkennt sie in ihm Jesus. Jetzt müsste doch alles gut sein. Maria Magdalena fällt vor Jesus zu Füßen und möchte ihn festhalten. Er weist sie aber zurück und sagt: „Rühr mich nicht an.“ 

Ich habe diese Zurückweisung von Maria Magdalena schon immer eigenartig gefunden. Wie soll denn jetzt wieder alles gut sein, wenn sie Jesus nicht nahe sein darf? Wenn er aufstanden ist und sie dann immer noch keinen Kontakt zu ihm haben kann, ist doch gar nichts besser geworden. Aber so ist es ja dann doch nicht. Der Tod hat diese Beziehung nicht gekappt, aber verändert. Aber Maria Magdalena muss erst lernen, wie das geht. Sie kann dabei auf das bauen, was ihre Freundschaft mit Jesus auch vorher schon ausgemacht hat. 

Die Erfahrungen, die ich in der Corona-Krise gemacht habe, sind zwar nicht eins zu eins dasselbe. Die Botschaft, dass Jesus auferstanden ist, macht alles Leben neu. Das Leben vor dem Tod, aber auch ich hoffe auch auf ein glückliches Leben nach dem Tod. Aber in der Corona-Krise habe ich lernen müssen, wie ich mit meiner Familie und meinen Freunden in Beziehung bleiben kann, auch wenn wir uns nicht physisch begegnen. Dank Telefon und Whatsapp kein Problem. Wenn ich an Maria Magdalena denke, ahne ich, dass es noch ganz andere Dimensionen gibt, wie ich mit anderen Menschen verbunden sein kann: Wenn ich an sie denke und wenn ich für sie bete. Das klingt womöglich banal, aber wenn ich es lerne, so mit andern Menschen verbunden zu sein, dann ist das ja schon eine Form, die über den Tod hinaus wirken kann. Der Spuk von Corona ist hoffentlich irgendwann wieder vorbei. Ostern zeigt mir schon, was ich danach noch mehr lernen will: Wie ich die geistige Nähe zu anderen Menschen pflegen kann.

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16APR2020
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Ob es ein Leben nach dem Tod gibt?  Ja, diese Frage beschäftigt viele immer noch –  Kirchen-Mitglieder stellen sie sich  und andere Menschen auch, die eher auf Distanz sind von jedem Glauben. Die christliche Bibel und die christliche Hoffnung sagen: Jesus ist der Erste, der durch den Tod hindurchgegangen ist –  und alle sind eingeladen, ihm auch auf diesem Weg zu folgen. Es bleibt eine Hoffnung.

Wie geht es weiter nach dem Tod?  Gerade in Zeiten wie diesen mit ihrer Pandemie  stellt sich diese Frage noch mal intensiver.  Trotz Ostern frage ich mich natürlich nach dem Wie und nach dem Wann. Was aber klar ist: Wenn Jesus durch den Tod hindurchgegangen ist oder wenn Gott ihn aus dem Tod herausgeholt hat, dann jedenfalls in ein neues Leben.  Da steht ein Mann vor Maria Magdalena, die noch so dahinweint; sie hält ihn für einen Gärtner und Leichendieb und fragt ihn, wo er ihren Freund und Meister hingeschafft hat. Und erkennt erst, dass sie mit Jesus spricht, als er sie liebevoll „Maria“ nennt. Ja, es gibt ein neues Leben nach dem Tod – und Christenmenschen hoffen: Auch für jede und jeden von uns und auch für mich.

Ich schlage vor, diese Hoffnung und diese Aussicht  auch herunterzubrechen auf die Frage,  die in diesen Tagen vielleicht noch näher liegt: Gibt es ein Leben nach Corona? Ja. Hoffentlich.

Und hoffentlich wird es anders weitergehen als es bisher ging –  weil manches einfach anders werden muss. Dazu gehört sicher, wie die Menschen auf das Leben blicken –  auf das eigene und das Leben der anderen.  Alle haben gelernt in diesen Wochen, dass es so zerbrechlich ist und so viel stärker gefährdet, als die meisten bisher dachten. Anders werden sicher auch die Menschen miteinander umgehen –  so viel Solidarität und Fürsorge füreinander waren doch irgendwie ansteckend, bei aller Distanz; und hoffentlich auch nachhaltig.

Anders werden muss sicher auch,  wie diese Gesellschaft manche Arbeit einschätzt und wertschätzt: die Arbeit der Menschen in systemrelevanten Bereichen, heißt das neuerdings.  Vor allem für die Frauen; aber auch für Männer in der Pflege und hinter der Ladenkasse, im Führerstand von Bus und Bahn, in E-Werken und Wasserversorgung und Müllabfuhr: Sie müssen endlich auch systemrelevante Löhne bekommen; und auch nach Corona weiterhin ausdrücklichen Dank  und gelegentlich ein freundliches Wort.

Wie ja überhaupt in der Corona-Situation viele neu entdeckt zu haben scheinen, dass es gut ist, ein wenig persönlicher miteinander umzugehen. Denn Leben wird es geben – Leben vor und nach dem Tod; hofft altfried rempe, Trier – katholische Kirche

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15APR2020
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Das ist schon schrecklich genug: Jeden Tag gibt’s haufenweise Werbung im Mail-Postfach –  meistens sind solche Mails aber unerwünscht – mindestens mal. Roboter sind da am Werk – tausendfach versenden sie Spam. Müll, überfüllte Postfächer, jede Menge Energie verschwendet und Zeit… Es gibt eine Steigerungs-Form: Mails, die so tun,  als wären sie wichtig oder sogar systemrelevant; angeblich ist ein Konto bedroht oder ich habe gewonnen oder es gibt was kostenlos. Nie klicken, nie nie – heißt die einfache Regel. Ausschließlich dann klicken oder antworten, wenn du sicher weißt, dass du die Absenderin oder den Absender kennst und dass die Mail wirklich von dieser Adresse kommt. Sonst hast du mal eben einen Kaufvertrag abgeschlossen oder – der Roboter hat sogar ein Virus in deinen Computer implantiert. Schade – hoffentlich bleibt der Schaden übersichtlich und reparabel.

Wir sprechen sie immer mit dem Namen an, den sie bei uns hinterlegt haben – sagen seriöse Online-Anbieter. „Wir sprechen sie immer mit ihrem Namen an“; dann sind sie sicher. Ganz davon abgesehen: wer mich mit meinem Namen anspricht, stellt eine Beziehung her oder lädt dazu ein; so entsteht Vertrauen.

Im Oster-Evangelium öffnet der Name die Augen. Maria Magdalena steht am offenen leeren Grab und weint; da sieht sie den Gärtner, meint sie. Der fragt: „Frau, warum weinst du?“ Sie: „Warum und wohin hast du den toten Jesus weggeschafft?“. Erst jetzt spricht der auferstandene Jesus sie mit ihrem Namen an:  „Maria“ – und sie erkennt im „Gärtner“ ihren Freund  und nennt ihn „Rabbuni“, mein Lehrer.

Menschen nennen einander bei ihren Namen.  Das lädt ein zur Beziehung und gibt Sicherheit;  mit dem Namen öffnen sie einander die Augen. Du selbst bist gemeint, persönlich, unverwechselbar –  ich spreche dich mit deinem Namen an und werbe um dein Vertrauen.

Das geht am besten,  wenn Menschen einander begegnen und anschauen. Deswegen sehnen sich viele Christen danach,  dass sie endlich wieder zum Gottesdienst zusammenkommen dürfen; auf Augenhöhe, persönlich, physisch-körperlich – das braucht noch Zeit. Bleib zu Hause – Gott ist da auch,  ruft unser Bistum mir auf der Facebook-Seite zu. Stimmt ja wohl.

Aber auch ohne die Versammlung: Fühlen auch Sie sich gemeint –  auch von Jesus und gerade in diesen durch Corona so schwierigen Zeiten. Er meint Sie – und mich auch…

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14APR2020
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„System-relevant“: das Wort hat gute Chancen,  zu einem der Worte des Jahres zu werden. Systemrelevante Berufe – in Corona-Pandemie-Zeiten  war erst einmal überraschend, welche Berufe das sind: Verkäuferinnen und Verkäufer in den Supermärkten gehörten dazu; bald auch Erzieherinnen in den Kindertagesstätten und alle in Medizin und Pflege. Und natürlich auch Feuerwehr und Polizei –  aber bei denen war es noch am ehesten erwartbar: System-Relevanz.

Die anderen Berufs-Felder, wie gesagt: doch wohl überraschend. Aber leicht nachvollziehbar. Und, das fiel dann auch ziemlich bald auf: Berufsfelder, in denen ganz überwiegend Frauen arbeiten. An der Kasse im Supermarkt, am Krankenbett, im Pflegedienst sind sie es, die den Laden am Laufen halten. Viel zu oft deutlich schlechter bezahlt als die Männer –  sogar als die in den gleichen Berufen.  Aber Politik und Gewerkschaften und Arbeitgeber haben ja versprochen, dass sich das ändern wird, nach der Krise.

Systemrelevant sind die Frauen übrigens  auch in vielen Ostergeschichten in der Bibel. Jedenfalls haben sie als erste mitgekriegt, was da passiert ist. Einige Frauen jedenfalls, wird berichtet.  Sie waren bis zuletzt bei Jesus geblieben  und haben miterlebt, wie er elendig gestorben ist  und hastig ins Grab gelegt wurde. Shabbat brach an, der Feiertag. Und nach zwei Tagen sind sie früh am Grab, um dem toten Freund die letzte Ehre zu erweisen  und seinen Leib zu salben für seinen Weg zu Gott.

Die Frauen sind es, die das Grab offen und leer vorfinden; sie treffen Männer in weißen Gewändern (vielleicht sind es Engel?) und hören von ihnen die ganz unerwartete Botschaft: Jesus ist durch den Tod hindurch; euer Freund und Rabbi und Herr lebt –  und ist schon auf dem Weg nach Galiläa, wo ja alles angefangen hatte…

Wie peinlich ist es, dass die Männer alles für Weibergeschwätz halten, was die Frauen ihnen dann in der Stadt berichten. Und dann rennen sie doch zum Grab hinaus, finden es leer –  und kriegen es immer noch nicht auf die Reihe… Jedenfalls haben sie lange gebraucht – und erst nach fast zweitausend Jahren hat die Kirche wenigstens eine von ihnen auch offiziell anerkannt: Maria aus Magdala gilt heute als Apostelin der Apostel; von ihr haben sie die wichtigste Nachricht erhalten,  die es überhaupt geben konnte: Dass das Leben stärker ist als der Tod.

Das ist doch systemrelevant, oder? also: typisch Frau. Danke, Maria Magdalena und alle anderen Frauen der Kirche  damals und heute! sagt altfried rempe, Trier – katholische Kirche

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