Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

„Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf“ – das ist ein bekanntes Sprichwort. 

 

Es gibt Menschen, denen vieles gelingt, ohne dass sie sich sonderlich  dafür anstrengen müssen. Sie haben Charme, sind intelligent und zur rechten Zeit am rechten Ort…. Sind sie mit diesem Sprichwort gemeint?  

Das Sprichwort stammt aus Psalm 127. Dort heißt es: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.“ Sind also bei Gott die Strebsamen und Fleißigen nicht so angesehen? 

Das Sprichwort löst in mir zwiespältige Gefühle aus. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass es im Leben Anstrengung und Mühe braucht: „Ohne Fleiß kein Preis“. Und wem scheinbar alles in den Schoß fällt, der lebt oft auf Kosten der anderen. 

Aber ich kenne natürlich auch die andere Erfahrung. Dass ich mich mühe und anstrenge, und doch bleibt der Erfolg aus. Ja - vielleicht kann es gerade deswegen nicht gelingen, weil ich zu verkrampft an das Ganze herangehe. Weil ich nur auf meine Kräfte setze, auf meine Ideen und Vorstellungen – letztlich auf mein kleines Ich. 

Der Psalm ist ein Wallfahrtslied. Die Pilger haben es gebetet, wenn sie zum Tempel hinaufgezogen sind,  zu diesem prächtigen Ort, den der große König Salomo einst gebaut hatte. Er wollte Gott ein Haus errichten, das seiner würdig war. Und er hat keine Mühe und Anstrengung dafür gescheut. 

„Wenn nicht der HERR das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen.“

So beginnt der Psalm. Er relativiert damit grundsätzlich das, was ein Menschen erreichen kann. Sei sein Wille noch so stark. Ja, sei es der Plan eines großen Königs. Nur wenn das menschliche Tun und Mühen mit Gott verbunden ist, kann es letztlich Erfolg haben. Das bedeutet - überspitzt gesagt: Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf. 

Denn: Im Schlaf lassen wir los und unsere Seele taucht in tiefere Schichten ein. Das kann Angst machen. Es ist jedoch auch eine gute Übung, das eigene Wollen und Planen in Gottes Hand zu legen. Schlafen ist eine Einübung ins Gottvertrauen. Mit diesem Vertrauen lässt es sich leichter leben. Und hoffentlich hin und wieder die Erfahrung machen, dass das Sprichwort Recht hat:

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25447

Haben Sie heute morgen schon ein Türchen im Adventskalender aufgemacht? Viele von ihnen beginnen mit dem 1.Dezember, auch wenn in diesem Jahr der 1. Advent erst am Sonntag ist. 

Mein Adventskalender öffnet sich von morgen an jeden Tag  im Internet. Auf der Homepage „meiner“ Kirchengemeinde wird bis zum Heiligen Abend  jeden Morgen ein neues Kalenderbild/Foto gezeigt. Das Besondere daran ist, dass Menschen aus der Gemeinde diesen Adventskalender gestalten. Dafür haben sie Motive aus unserem Stadtteil ausgesucht, die sie mit Advent in Verbindung bringen: ein Fenster unserer Kirche oder das Fairkaufhaus, in dem gebrauchte Möbel zu sehr günstigen Preisen verkauft werden , die U-Bahnstation oder den Abendhimmel über ihrer Straße. In einem Begleittext schreiben sie, warum sie gerade dieses Bild ausgewählt haben und was der Advent für sie bedeutet. 

Hinter dieser Idee mit dem Adventskalender steht die Überzeugung,  dass sich der Advent in unserem Leben ereignet - in unseren Häusern und auf unseren Straßen. Advent heißt Ankunft. Gemeint ist: Gottes Ankunft. Christen erinnern sich daran, dass Gott als Mensch zu uns gekommen ist. In Jesus wird er geboren, als einer von uns. Das feiern wir an Weihnachten.  Gott überlässt die Welt nicht einfach sich selbst. Er gibt uns nicht auf. Er weckt unsere Sehnsucht. Wenn ich etwa morgens in die U-Bahn steige, kann ich mich fragen, wohin bin ich eigentlich unterwegs. Geht mein Leben in die richtige Richtung? Was sind meine Lebensziele – und hat Gott vielleicht auch ein Ziel für mein Leben?  

Gott berührt unser Herz, so dass uns andere Menschen nicht egal sind. Zum Beispiel Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen. Dann können wir die Idee des Fairkaufhauses unterstützen, und gut erhaltene Möbel und andere Dinge abgeben, die wir nicht mehr brauchen. 

Ich war überrascht, dass viele Leute die Idee mit dem Adventskalender positiv aufgenommen haben und sich bereit erklärt haben mitzumachen. Es gehört ja schon ein bisschen Mut dazu, seine Gedanken einer größeren Öffentlichkeit mitzuteilen. Aber gerade darin liegt für mich der Reiz dieses Adventskalenders, dass nicht nur die „Profis“ zu Wort kommen, wie etwa der Pfarrer oder die ganz treuen Gemeindemitglieder. Ich denke, dass wir uns mit den Beiträgen gegenseitig die Augen und die Herzen öffnen werden. Jede und jeder in einer ganz eigenen Art.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25446

Geduld ist nicht gerade eine meiner Stärken. Vorsichtig ausgedrückt. Ungeduld kenne ich schon eher. Ich könnte aus der Haut fahren in der Schlange vor der Kasse am Supermarkt. Dann, wenn jemand vor mir umständlich nach seinem Geldbeutel sucht oder die PIN falsch eingibt oder das Obst nicht abgewogen hat oder zum fröhlichen Plausch mit der Kassiererin ansetzt. Dann steigt mir der Blutdruck. Oder wenn alles Hupen nichts nützt, um dem Fahrer vor mir an der Ampel klar zu machen, dass „Rot“ vorbei ist und „Grün“ weiterfahren bedeutet. Ganz und gar nicht nette Gefühle spüre ich dann. Ebenso, wenn ich nach schlechten Erfahrungen mit der unpünktlichen Bahn dann doch das Auto benutzt habe und mich nach sechs überwundenen Autobahnbaustellen im finalen Stop-and-Go-Stau der siebten Baustelle wiederfinde.

Nein, ich bin nicht geduldig. Jedenfalls nicht immer. Gewiss Temperamentssache, Familiengene, man ist, wie man ist. Sich selbst aushalten ist nicht immer leicht. Umso mehr wünsche ich mir, dass ich gelassener bin, wenigstens  ein bisschen, um Dinge, die ich nicht ändern kann, hinzunehmen. Erst durchzuatmen, bevor ich poltere, leichter, langsamer, nachsichtiger zu sein oder zu werden. Das Gegenteil kann ich schon …

Wenn ich mal wieder besonders ungeduldig bin, schicke ich schon mal ein Stoßgebet in den Himmel. Nicht immer, aber manchmal schon. Ein Stoßgebet zu Gott, der Geduld im Übermaß hat und die auch braucht - mit Blick auf seine nur selten ganz geglückten Ebenbilder. Ich bitte ihn, mir ein bisschen von seiner Geduld abzugeben. Gelassener zu werden. Das heißt nicht dickfellig oder gleichgültig oder lethargisch werden zu wollen. Das sicher nicht. Wach und interessiert will ich bleiben, nur das innere Tempo möchte ich verlangsamen, den inneren Stress abbauen. Und ich bitte Gott auch um Geduld beim Geduldiger-Werden. Ich erwarte nicht, dass ich plötzlich geheilt bin, ich möchte mich nicht überfordern. Vielleicht erst mal über mich schmunzeln, vielleicht sogar lachen lernen - nach dem nächsten genervten „Das-darf-doch-nicht-wahr-sein-Seufzer“, der mir so oft und schnell entfährt. Mein Stoßgebet heißt: „Fahr mir in die Parade Herr und brems meine Ungeduld. Hab Du Geduld mit mir, wie ich mit anderen und sie mit mir. Amen.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25430

Mit manchen Heiligen kann ich wenig anfangen. Entweder waren sie so überirdisch fromm, dass sie kaum als Menschen mit Fleisch und Blut auf mich wirken. Oder die Legenden über ihr Leben sind so überzogen märchenhaft verfasst, dass der Verstand ein Veto einlegt. Aber dann gibt es die Gestalten, die wie Brücken sind. Zwischen ihrer Welt und meiner Welt. Das fängt schon mit ihren - in Anführungszeichen - „Fachgebieten“ an. Bei uns Katholiken ist ein Heiliger immer für etwas „zuständig“.

Petrus bekanntermaßen für das Wetter. Das hat natürlich bisweilen auch irrationale Züge, aber heiter-sympathische. Zum Beispiel wenn bei uns in Trier der Oberbürgermeister der Petrusfigur auf dem Hauptmarkt einen Blumenstrauß überreicht. Zum Start des Altstadtfestes, das natürlich ein super Wetter braucht.

Josef, der Zimmermann aus Nazareth ist logischerweise für die Handwerker zuständig, und bei Halsschmerzen und anderen Krankheiten ruft man den Heiligen Blasius um Hilfe an. Rund um die Uhr beschäftigt ist der Hl. Antonius. Er war Prediger in Padua. Er tritt in Aktion wenn man etwas verloren hat. Jedenfalls bittet man ihn darum. Und das nicht selten. Mir geht es jedenfalls so. Ich hab ein Abo bei ihm. Wenn ich etwas suche, was ich verlegt habe oder etwas vermisse dann kommt es natürlich auf mich an mich anzustrengen um es wiederzufinden. Aber so ein kleines Stoßgebet zum Hl. Antonius kann doch nichts schaden. Und wenn es nur meine Nerven beim Suchen etwas beruhigt.

So bete ich dann zum Beispiel:

„Ich weiß, ich bin’s schon wieder, heiliger Antonius. Nein, diesmal sind’s nicht die Schlüssel, auch nicht die Brille, auch nicht das Handy. Das hatten wir alles schon. Du musst zugeben, ich biete Dir immer was Neues. Diesmal suche ich den Ring aus Jerusalem, kein wertvolles Teil, aber mir ist er unendlich kostbar, mit vielen Erinnerungen verbunden. Mir ist, als hörte ich Dein genervtes Seufzen“. Und dann bete ich weiter: „Du hast ja recht, im Verlieren und Verlegen von Dingen bin ich unschlagbar. Aber bitte, nur noch einmal, heiliger Antonius, Held aller Schlamper, aller Vergesslichen, aller Zerstreuten,  zeige mir die Richtung und lass mich wiederfinden, was jetzt verloren scheint. Nur noch einmal, bitte, es ist bestimmt das letzte Mal, bestimmt. Aber ... versprechen kann ich es nicht. Amen.“

Wie ich mich kenne werde ich so ähnlich noch öfter beten. Mit Augenzwinkern. Diese Leichtigkeit gehört für mich zum Glauben dazu. Nicht immer. Aber immer wieder gerne.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25429

Mit Mikrophon und Lautsprecher hab’ ich so meine Probleme. Nicht hier im Rundfunk. Da kümmern sich erfahrene Profis um den besten Ton. Probleme gibt es in manchen Gottesdiensten. Jede größere Kirche hat zwar ihre eigene Mikrophonanlage, aber natürlich keinen eigenen Tontechniker. Also keine Kontrolle wenn man zu laut oder zu leise spricht. Dann kann es vorkommen, dass man nach einem Gottesdienst zu hören bekommt: „Das war ja sehr schön heute. Man hat Sie nur nicht verstanden.“ Dann könnte ich immer die Wand hoch gehen. Da hat man lange über seiner Ansprache gebrütet, hat an Formulierungen gefeilt und dann das. Akustisches Scheitern.

Ein einziges Mal habe ich erlebt, dass jemand rechtzeitig die Notbremse gezogen hat. Während einer Predigt kommt eine ältere Dame aus einer der letzen Reihen in aller Ruhe durch den Mittelgang nach vorne, unterbricht mich in meiner Rede und sagt sehr freundlich: “Bitte reden Sie doch etwas lauter. Man versteht Sie leider sehr schlecht.“ Hab ich dann auch sofort gemacht. Ich hätte die Dame küssen können. Endlich hatte mal jemand den Mut das laut zu sagen, was wohl die meisten dachten, aber sich nicht trauten.

Sagen was man denkt ist nicht immer leicht. Gerade wenn Kritik angesagt ist. Aber besser gerade heraus als die Faust in der Tasche zu machen. Oder über alles zu sprechen nur nicht über das was jetzt wirklich angesagt wäre. Auch wenn es vielleicht unbequem ist. Das was zu sagen ist dann aber an anderer Stelle herauszulassen, bei anderen, ist natürlich ganz heftig. „Er ist nicht vorne wie hinten“, so eine Redeweise. Meint, er sagt nicht was er wirklich denkt.

Natürlich gibt es Situationen in denen es wichtiger ist diplomatisch und zurückhaltend zu sein als gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Ich habe mal jemandem zum Geburtstag ein Bild geschenkt was mir sehr gut gefiel. Dem Beschenkten aber nicht - was er spontan vor allen Leuten deutlich gesagt hat und mich wie einen begossenen Pudel hat aussehen lassen. Da wäre es mir lieber gewesen er hätte mir das später unter vier Augen gesagt.

Alles hat seine Zeit und seinen passenden Ort. In seinem Gebet um die „Kunst der kleinen Schritte“ bittet der Dichter Antoine de Saint-Exupéry Gott: „Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt“. Das schreibt Exupéry, das wünsch ich mir auch und hoffe das selbst auch immer mal wieder zu schaffen. In kleinen Schritten

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25428

Raketen gab es nicht, auch keinen Schampus. Trotzdem war gestern Silvester. Kirchlich gesehen. Der letzte Sonntag im alten Kirchenjahr. Der erste Advent ist startbereit und mit ihm das neue Kirchenjahr. In der katholischen Kirche wurde der gestrige Tag als Christkönigssonntag gefeiert.

Als Papst Pius XI das Fest 1925 einführte war es eine klare Zeitansage. Er hat damit auf die Schrecken des Ersten Weltkrieges und seine Folgen reagiert, geantwortet auf das Ende der großen herrschenden Monarchien - wie bei uns das des Kaisertums. Das Fest sollte deutlich machen: für Christen gibt es nur einen wahren König und der heißt Jesus Christus.  Ein König ohne Pomp und Hofstaat, ohne Kabinett und Militär, ohne Fahne und Wappen. Das Evangelium erklärt, dieses andere König-Sein Jesu. Zu seiner Zeit hatte Jesus manche Hoffnungen enttäuscht. Viele hatten gehofft er wäre der lange ersehnte Retter, der die verhassten Römer mit Gewalt vertreiben würde. Um ein neues Königtum aufzurichten. Nach seiner Verhaftung fragt ihn der der römische Statthalter Pontius Pilatus genau danach. Ob er ein König sei, will er wissen. Jesus antwortet mit einem klaren Ja, fügt aber hinzu: „Nicht von dieser Welt.“ Die Menschenmenge verspottet und verhöhnt ihn dafür. Sie legen ihm einen alten roten Mantel um, setzen ihm eine Dornenkrone auf, machen ihn so lächerlich und kreuzigen ihn - aber: vernichten ihn nicht. Denn mit Ostern hatte keiner gerechnet. Dadurch dass Jesus auferstanden ist hat er den Tod besiegt. Und dadurch ist seine Botschaft eine frohe und lebensbejahende. Die Auferstehung ist der endgültige Sieg Jesu über den Tod; und der Sieg seiner frohen und lebensbejahenden Botschaft. Jesus ist ein unsterblicher König mit einem so ganz anderen Regierungsprogramm. Ein Programm, das nicht unterdrückt sondern erwartet, dass man sich gegenseitig achtet, sich einsetzt für Gerechtigkeit, seinen Nächsten liebt. Ein Programm, das das eigene Leben unterstützt, hier und jetzt. Ein Programm mit einer Perspektive über den Tod hinaus. Der Christkönigssonntag bekennt sich zu dieser menschenfreundlichen, göttlichen Königsherrschaft.

In der Zeit der Nazidiktatur war dieser Sonntag für die organisierte katholische Jugend ein besonderer Tag. Bekenntnissonntag nannten sie ihn. Mit der Christkönigsverehrung haben sie geantwortet auf den Führerkult der Nazis. Sie haben eigene Fahnen und eigene Uniformen getragen, mit eigenen Prozessionen haben sie sich zu Jesus Christus bekannt. Für viele mit schrecklichen Folgen. Antrieb für sie war, was Jesus Pilatus geantwortet hat: „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder der aus der Wahrheit ist hört auf meine Stimme.“ Diese Stimme ist nicht verstummt. Ich hoffe, dass sie auch in unserer Zeit gehört wird. Und nicht erst dann, wenn es mal wieder zu spät ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25427