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SWR2 Wort zum Tag

Ist Ewigkeit ein strahlendes Wort? Eines, das Glanz in mein Leben bringt...?
Oder ist eines, vor dem ich klein werde, das mein Leben winzig und verloren erscheinen lässt.
Früher einmal - hat das Wort Ewigkeit Angst ausgelöst. So wie einst beim achtjährigen Grafen von Zinzendorf, als ihm seine Großmutter dies Lied von Johann Rist vorm Schlafen aufgesagt hat: O Ewigkeit, du Donnerwort,
 O Schwert, das durch die Seele bohrt,
.. (1. Str.) Das hat die Kinderseele zutiefst beunruhigt - die ganze Nacht.

Mich erreicht das Wort Ewigkeit sehr anders. Ich verdanke das auch der Dichterin Marie Schmalenbach. Sie bittet in ihrem Lied aus dem Jahr 1882 inständig um die Begegnung mit der Ewigkeit.
Brich herein süßer Schein, selge Ewigkeit...
Ewigkeit in die Zeit leuchte hell hinein. (württ. EG 680)
Seit ich dieses Lied kenne, hat Ewigkeit einen schönen Klang für mich.
In Marie Schmalenbachs Vorstellung begegnen sich zwei Zeiten: Die eine erhellt die andere - hier und jetzt. Immer wieder. Es scheint ein Licht in meine Welt - aus der Ewigkeit. Meine Welt ist nicht vernagelt. Das Licht der Ewigkeit lässt etwas Durchscheinen von einer Welt, wie sie Gott gefällt. Das ist Ewigkeit: in meine Zeit und mein Leben tritt die Gegenwart Gottes. Nicht nur einmal und für immer am Ende der Zeiten - sondern - wie es im Psalm heißt - von Ewigkeit zu Ewigkeit - also immer wieder - von Zeit zu Zeit. Ewigkeit ist eine Zeit, in der etwas von Gottes Gegenwart in meinem Leben transparent wird. Auch in schweren Zeiten, in Zeiten voller Angst und Not, wie Marie Schmalenbach in ihrem Lied dichtet. Da kann es geschehen. Mit einem Mal - ein Lichtblick: In einem Menschen - an einem Tag.

Wie in dieser Begebenheit, von der ich im Winter erfahren habe:
Eine Frau aus meiner Gemeinde findet im Zug die Monatskarte einer türkischen Schülerin. Die hat sie verloren. Die Frau lebt im Ruhestand. Sie hat Zeit und nimmt sich Zeit. Sie sucht nach der Adresse der Schülerin und geht und klingelt an der Wohnungstür. Sie wird herzlich empfangen - „Dass es so etwas gibt." - Die Eltern sind erstaunt, gerührt, beschenken die Finderin. Es geht bald schon gar nicht mehr um die Monatskarte - die Schülerin hatte bereits eine Ersatzkarte bekommen - aber die Begegnung wird für die Eltern und die Finderin zum Freundschafts- und Freudenfest.

Dass es das gibt...  - ein Glanz einer himmlischen Welt - mitten im Alltag.
Ewigkeit in die Zeit leuchte hell hinein...

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„Gott, du hilfst Menschen und Tieren!", heißt es einmal in einem Psalmgebet.
Bedeutet das auch: Gott hilft uns Menschen durch Tiere?

Tiere können Menschen retten. Das ist bekannt. Rettungshunde in den Bergen z.B. Aber können Tiere mir auch helfen, wenn meine Seele verletzt ist?
Wenn eine bittere Erfahrung mich gekränkt hat.
Wenn mich ein Mensch verletzt hat.
Ein lieber Mensch mir zu nahe, verletzend nahe gekommen.
So sehr, dass ich mich nun vor anderen ganz verschließe.

Worauf ich in Gesprächen immer wieder stoße:
Oft sind es Tiere, die in seelischer Not ein großer Beistand sein können.
Ich erinnere mich intensiv an die Geschichte einer Frau, die mir erzählt hat, wie sie durch ihr Haustier wieder Kontakt aufnehmen konnte.
Das ist ihr erst so richtig bewusst geworden, als ihr Tier gestorben war und sie in tiefer Trauer war. Jahrzehnte war ihr das verborgen. Dass nämlich ihre Tierliebe in der Kindheit ihren Anfang genommen hat  - und zwar nach sehr verletzenden Erfahrungen von Missbrauch. Wie sie durch ein Tier - dem sie als Kind zugewandt war - ganz allmählich wieder im Umgang mit Menschen Körperkontakt zulassen konnte, Menschen per Hand begrüßen konnte, sie umarmen konnte.
Als viel, viel später ihre Ehe zerbrach, als Mann und Kinder sie verlassen haben, da hatte sie bei sich noch das gemeinsame Haustier - gewissermaßen als einzige lebendige Erbschaft ihrer Familienzeit. Und wieder war ein Tier die Brücke zu anderen Menschen. Warum ihr Tiere so wichtig sind, sagt sie so: „ Sie machen keine komplizierten Worte, die mich so oft durcheinander bringen und belasten können. Sie geben keine blöden Antworten. Sie sind nicht verletzt, sie sind liebenswert."

Tiere können für Einzelne zur Brücke ins Leben werden - als Lebewesen, die (mich) anrühren und berühren. Und die ich berühren kann. Ich staune, wie meine Katzen sich von mir - ohne Scheu - genüsslich streicheln lassen - von so einem fremden Anderen, der x-mal so groß ist wie sie. Ich spüre Vertrauen und ich wecke offenbar Vertrauen. Tiere gehören dann zur Einnahmenseite der Seele - positiv.
Wenn es im Psalmgebet heißt - Gott, du hilfst Menschen und Tieren - dann gilt das auch zwischen Mensch und Tier. Tiere sind für Menschen manchmal wie eine Brücke ins Leben. Dass das so sein kann, finde ich wundervoll. Und auf eine Weise erfüllt sich darin für mich etwas von dem Segen, den Gott den Tieren bei ihrer Erschaffung zugesprochen hat.

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Gott hat mit Freiheit zu tun. „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit." (2.Kor 3,17) So klar hat das Paulus formuliert.
Da bin ich den Tränen nahe, wenn Menschen nach Freiheit rufen.
„Assardi" - Freiheit - dieser Ruf wurde in Teheran laut - im Sommer 2009.
Jetzt wird der Ruf nach Freiheit unüberhörbar in Tunesien und Ägypten.
Tausende, Hunderttausende stehen auf - nicht für ihre Privilegien - nicht für mehr Geld oder für mehr Macht - sondern schlicht für die Freiheit, die ihnen verwehrt wird.
Ein Arzt, der Beruf, eine Familie und ein sicheres Einkommen hat, hilft unermüdlich, kontrolliert die Schlangen, die auf den Platz drängen: dass keiner Waffen hat, dass die Demonstration friedlich bleibt. Szenen tief empfundener menschlicher Wärme haben sich mir eingeprägt: „Wir sind Brüder!", rufen die Demonstranten Ende Januar in Kairo den Soldaten in den Panzern zu - und die antworten: „Wir sind Brüder!" (29. Januar) Die Steine der Gewaltausbrüche werden eingesammelt und in arabischer Schönschrift zu Friedensworten gelegt. Muslimisches Freitagsgebet und koptische Sonntagsmesse (4.2./6.2.) werden auf dem Platz gefeiert - in gegenseitigem Respekt und freudiger Anteilnahme.

Wird es eine friedliche Befreiung - so wie vor zwanzig Jahren in Osteuropa?
Oder wird der Ruf nach Freiheit mit Gewalt blutig unterdrückt? Ich weiß nur dieses: Menschen sehnen sich nach Freiheit in Sicherheit. Denn wenn Menschen nach Freiheit rufen - auch im Namen ihrer Religion - wollen sie kein Chaos, keine leere Freiheit, bei der sich nur das Unrecht des Stärkeren durchsetzt. Die Menschen auf dem Tahrir Platz in Kairo wollen Freiheit in Sicherheit.

Es heißt in der Bibel: Gottes Gerechtigkeit - sein Recht, seine Gebote, sind Fundamente der Welt, so fest gegründet wie die Berge, so tief wie die tiefsten Meere: Gott, deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes - und dein Recht wie die große Tiefe. (Psalm 36,7)

Gottes Gebote sind Wegweiser für ein Leben in Frieden und Freiheit. Sie schützen die Schwachen vor den Starken - schützen ihre Freiheit umfassend.
Das Recht schützt auch meine Freiheit. Gott sei Dank!
Weil ich in einer Rechtsordnung lebe, die viele verteidigen: Gerichte und Polizei, Schulen und Parteien, Parlamente und viele andere - Gruppen und Organisationen.

Und genau das geschieht schon jetzt, wenn die Tausenden auf dem Platz selber eine zivile Ordnung aufbauen - ein Miteinander ohne Waffen und mit gegenseitigem Respekt.
Wenn ich an die vielen Menschen auf dem Tahrir Platz denke - kann ich nur hoffen und

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Linsen und Spätzle mit Putensaiten, Fleischküchle aus Rinderhack. Kantinen und Mensen in Deutschland stellen sich zunehmend auf die Bedürfnisse muslimischer Mitbürger ein. Das geht oft nicht ohne Diskussionen ab. Die einen vermissen das Schweinefleisch auf den Speiseplänen, die anderen begrüßen es, dass auf religiöse Gewohnheiten Rücksicht genommen wird.
Ich selbst kann gut mit weniger Schweinefleisch leben. Auch wenn für mich als Christin klar ist: Ich brauche mich nicht an besondere Speisegebote zu halten. Nichts, was wir essen, überhaupt nichts, was von außen in Menschen hineingeht, macht unrein, hat Jesus gesagt. Höchstens das, was aus uns herauskommt an bösen Vorhaben und Gedanken (Markus 7,14ff). Ich finde, das ist eine wichtige Erkenntnis, hinter die ich nicht zurückgehen möchte.
Was wir essen, hat also bei Christen nichts mit der Religion zu tun. Oder vielleicht doch? Nachdenklich geworden bin ich, als ich gehört habe, dass auch einige Muslime heute ganz neu über die Frage diskutieren, was helal - also rein - eigentlich bedeutet. Und ob es dabei vielleicht  weniger um eine bestimmte Technik des Schlachtens gehen sollte als um eine artgerechte Haltung und möglichst schonende Tötung der Tiere. Denn die islamischen Vorschriften fordern, dass die Tiere möglichst wenig leiden sollen (vgl. das Islamische Wort von Hilal Sezgin vom November 2010, http://www.swr.de/contra/-/id=7612/nid=7612/did=2057252/w2tzp1/index.html).
So verstanden, denke ich, gibt es durchaus auch für mich als Christin so etwas wie „Speisegebote". Wenn ich Tiere als Mitgeschöpfe sehen und achten soll, dann kann es mir nicht egal sein, unter welchen Umständen sie leben und sterben mussten, bevor sie auf meinen Teller kommen. Wenn ich Gerechtigkeit und Solidarität mit den Armen fordere, dann muss ich auch auf die Bedingungen achten, unter denen Menschen anderswo mein Obst und Gemüse anbauen.
Wohlgemerkt: Für mich als Christin ist das keine Frage von Reinheit oder Unreinheit - das ist seit Jesus wirklich passé. Aber trotzdem hat das, was ich esse, eben doch damit zu tun, woran ich glaube.
Insofern könnten Christen durchaus anregen, dass in Kantinen und Mensen, Restaurants und Cafés auch auf die christlichen „Speisegebote" Rücksicht genommen wird - und mehr mit fair gehandelten und biologisch erzeugten Produkten gearbeitet wird. Also in Zukunft nicht einfach Putensaiten, sondern Bio-Putensaiten zu den Linsen aus heimischen Anbau. Und hinterher vielleicht einen fair gehandelten Kaffee.

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Manchmal packt sie mich, die Wut. Besonders an schlechten Tagen. Wenn ich unausgeschlafen oder gestresst bin. Wenn mir da jemand das Leben zusätzlich schwer macht, dann reicht das manchmal schon, um mich in Rage zu bringen. Sie kennen das vielleicht. Quengelnde Kinder oder vergessliche Mitmenschen können einen da zur Weißglut bringen - selbst wenn sie es gar nicht böse meinen.
Nach so einem Wutanfall fühle ich mich immer schlecht. Nicht nur, dass ich erschöpft bin. Ich habe meistens auch ein schlechtes Gewissen. Denn Brüllen und Türenknallen -  für einen halbwegs verantwortlichen erwachsenen Menschen kommt das als Verhaltensweise nicht in Frage, oder? Aber trotzdem sind sie da, die Wutanfälle. Sie lassen sich mal mehr und mal weniger gut unterdrücken - das Gefühl aber bleibt. Darf das sein?
Ich bin froh, dass die Bibel da sehr realistisch ist. In diesem Buch, in dem so viel von Tugenden und Geboten die Rede ist, haben durchaus auch die negativen Gefühle ihren Ort - besonders in den Psalmen. Die Psalmbeter halten mit ihren Emotionen nicht hinter dem Berg. Auch nicht mit Wut und Aggressionen. Über die Bosheit der persönlichen Gegner wird nicht nur geklagt. Nein, auf sie wird der Zorn Gottes herabbeschworen: „Gott, zerbrich ihnen die Zähne im Maul, zerschlage das Gebiss der jungen Löwen", tobt der Beter in Psalm 58.
Im Gottesdienst oder im Unterricht kommen solche Psalmen eher nicht vor, die kritischen Stellen werden ausgelassen. In der Bibel stehen sie trotzdem - und ich finde: mit Recht!
Natürlich ist es nicht gut, anderen einen Schlag ins Gesicht zu wünschen. Aber das behaupten die Psalmen auch nicht. Sie sind keine Tugendkataloge oder Gesetzestexte. Sie sind Gebete. Gebete von höchster Emotionalität, gesprochen von Menschen, denen das Wasser bis zum Hals steht, die verzweifelt sind. Sie machen deutlich: Irgendwo in den Abgründen unserer menschlichen Seelen finden sich solche Wünsche. Und es ist gut, sich dem zu stellen.
Allerdings nicht, indem man selbst gewalttätig wird. Die Beter schlagen ja nicht selbst zu, sondern überlassen es Gott, die Feinde zu strafen. So geben sie ihrer Wut Raum - und lassen ihr dennoch nicht freien Lauf.
Mir hilft es zu wissen: Wut und Aggressionen, ja sogar der Wunsch nach Rache gehören zum Leben dazu. Ich darf mich nicht davon bestimmen lassen. Aber ich brauche mich auch nicht dafür zu schämen.
Und es gibt einen Ort, wo auch solche Gefühle aufgehoben sind - im Gebet, bei Gott. Ich glaube: Er weiß damit umzugehen.

 

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Sollte der Zweijährige jetzt nicht mit der musikalischen Früherziehung beginnen? Wäre es für die Vierjährige nicht gut, wenn sie spielerisch an die englische Sprache herangeführt würde?
Kleinkinder und ihre Eltern sind heute im Bildungsstress. Es gibt unzählige Angebote, den Kindern so früh wie möglich die beste und breiteste Förderung angedeihen zu lassen.
Unsere Tochter hat da allerdings sehr klare Vorstellungen, was sie möchte und was bitte nicht: „Englisch lerne ich in der Schule!" hat sie kategorisch erklärt und damit unsere Versuche, ihr mit einem lustigen zweisprachigen Wimmelbuch die Welt der Fremdsprachen zu eröffnen, jäh beendet.
Trotzdem können auch wir uns dem frühen Bildungseifer nicht ganz entziehen - in Zeiten, in denen Kindergärten nach dem „Einstein-Konzept" geführt werden und der Umgang mit Buchstaben und Zahlen dort so selbstverständlich ist wie der mit Malkreiden und Sandschaufeln.
Sicher, die Kinder profitieren davon, wenn ihr kindlicher Wissensdurst befriedigt wird - und gleichzeitig geht doch ein Stück Unbeschwertheit verloren. Bei denen, die gerne vorn dabei sind - und erst recht bei denen, die sich schwer tun mit den Anforderungen, die immer früher auf sie zukommen. Denn der Druck, die optimalen Startbedingungen für den späteren beruflichen Erfolg zu schaffen, ist inzwischen nicht nur in China, sondern auch bei uns schon im Kindergartenalter zu spüren.
Dabei warnt die christliche Tradition eigentlich davor, den Erfolg der Erziehung vor allem an schulischen oder wirtschaftlichen Maßstäben zu messen. Das Ziel des Lebens ist nicht der Erfolg, sondern die Ruhe und die Freude, erzählt schon die Schöpfungsgeschichte, und die Zehn Gebote machen es noch einmal ganz deutlich: Jeder Mensch hat das Recht auf einen Feiertag, braucht regelmäßig eine Auszeit. Und was für Erwachsene wichtig ist, gilt für Kinder allemal: Lieber mal ein wenig Langeweile als ständig verplant und beschäftigt zu sein.
Dass Kinder vielleicht mehr Ahnung davon haben, auf was es im Leben wirklich ankommt, als viele Erwachsene, darauf hat Jesus hingewiesen. Wie sie muss man sein, um ins Reich Gottes zu kommen, hat er gesagt (Markus 10,14). Ich als Erwachsene soll also von ihnen lernen. Aber das gelingt nur, wenn ich sie nicht zu früh meiner Agenda von wichtig und unwichtig unterwerfe, sondern ihnen Zeit gebe, sich zu entfalten, und mir Muße gebe, sie dabei zu begleiten.
Ich glaube übrigens, dass es für uns und unsere Kindern kein Wettbewerbsnachteil ist, wenn wir uns auf diese christlichen Traditionen besinnen. Im Gegenteil: Kreativität und Innovation entstehen, wenn auch mal eine Denkpause drin ist. Das englische Wimmelbuch darf also ruhig noch eine Weile im Regal warten.

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