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SWR2 Wort zum Tag

19JAN2021
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Ob jemand system-relevant ist,  steht ja gerade wieder als Frage im Raum. Geimpft werden als erste die Menschen aus den Höchst-Risiko-Gruppen, also vor allem sehr alte Menschen und manche mit Vorerkrankung. Und dann eben auch die, die das System irgendwie für relevant hält; und deswegen besonders schutz- und eben impf-bedürftig. Also die Pflegerinnen und Pfleger in den Alten-Einrichtungen oder im ambulanten Pflege-Dienst, ärztliches und pflegerisches Personal auch in den Kliniken und noch einige andere.

Das ist ja auch okay – jedenfalls, solange einfach zu wenig Impfstoff da ist. Und weil keinesfalls gelten dürfte, wer zuerst kommt, ist zuerst geschützt. Ich frage mich nur, ob es bessere Worte gäbe  statt „relevant“ oder „systemrelevant“. Weil – irrelevant, also das Gegenteil von relevant: irrelevant ist schlicht kein Mensch auf der Welt. Auch wer erst später zur Corona-Impfung dran ist, ist doch ein Mensch und schon deswegen wichtig: für andere Menschen – in der Familie,  im weiteren Familien- und Freundschafts-Kreis, in der Gemeinde oder Kommune, auf der Arbeit –  jeder Mensch spielt eine Rolle – und das ist mehr als Theater.

Ja: unterschiedlich wichtig sind mir die verschiedenen Menschen; alle sehr innig zu lieben, wäre eine Überforderung. Und manche halte ich lieber auf Distanz. Aber das verteilt sich, hoffe ich mal;  ich wünschte, dass jeder Mensch für wenigstens einen anderen Menschen  der oder die wichtigste ist. So wichtig, wie er oder sie wichtig ist für Gott.

Schön, dass ihr wieder da seid, stand an vielen Schulen oder Kitas oder anderen Einrichtungen  an der Tür oder sogar groß an der Wand im Sommer,  nach dem ersten Corona-Lockdown. Vor manche Schulen haben die Lehrkräfte jetzt wieder Schilder gestellt: „Ihr fehlt uns“ steht da drauf; oder: „hoffentlich sehen wir uns bald wieder“ und „bleibt vor allem gesund“.

Das sind andere Worte, weniger technokratische –  und sie sagen auch mehr als „systemrelevant“.  Sie sagen: Wir haben euch lieb.

Schön, dass du da bist – schön, dass ihr da seid: wäre doch gut, wenn solche Schilder –  ehrlich gemeint, hoffe ich –  wenn so einladende Worte und Signale auf Dauer bleiben würden;  an Kitas und Schulen und Seniorentreffs und Kirchen und fast überall; geimpft und dauerhaft geschützt wären wir dann –  und neu infiziert mit Gottes Liebe.  Bei Gott ist schließlich jede und jeder wichtig.

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18JAN2021
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Kommt mal einen Tag mit mir mit, sagt Jesus zu zwei jungen Männern. Ein bisschen erinnert die Szene an die sogenannte Generation Praktikum. Viele junge und jüngere Leute profitieren ja sehr davon, dass sie erst mal in einen Betrieb oder in eine Tätigkeit reinschnuppern können. Ein paar Tage oder Wochen können sie mitlaufen und erleben und fühlen, ob sie mit dieser Firma oder mit jener Tätigkeit warm werden und sich für länger an sie binden wollen. Und – klar das: auch die potentiellen Arbeitgeber haben was davon. Sie sehen, ob da jemand begabt ist für den Job –  oder ob sie weitersuchen müssen.

„Generation Praktikum“: –.  Da klingt natürlich auch Unverbindlichkeit mit –  nur mal so reinschnuppern; frei bleiben, erst mal.  Warten, bis mir eine bessere Stelle über den Weg läuft. Und auf der anderen Seite hat es sich eingebürgert,  dass kleine und größere Betriebe mit Praktika  Lücken schließen, oft sogar auch noch ohne oder mit ganz geringer Entlohnung.

Meister, wo wohnst du?  hatten die zwei jungen Männer im Johannes-Evangelium geantwortet, als Jesus sie fragte: Was sucht ihr? Sie waren hinter Jesus hergelaufen; ihr Lehrer Johannes, der Täufer in der Wüste, hatte auf ihn gezeigt und angedeutet, dass Jesus der Erlöser und Messias sein könnte. Meister, wo wohnst du – wer heute einen Praktikumsplatz sucht, wird schon ein bisschen mehr Interesse für den Betrieb zeigen oder mit ein paar Details darüber herausrücken,  was sie oder er denn sucht oder was sie sich so vorstellen.

Bei Jesus heißt es „Neugier genügt“ –  und er lädt Andreas und den anderen ein: Kommt mit und seht selbst. Und sie gehen mit und verbringen den Tag mit ihm –  von „wohnen“ kann ja bei einem Wanderprediger eher keine Rede sein. Aber die paar Stunden überzeugen sie: wir haben den Messias gefunden. So lädt Andreas seinen Bruder Simon bei nächster Gelegenheit ein.

Das, finde ich, ist auch heute noch richtig: Christinnen und Christen verstehen ihren Glauben als Einladung; sie lassen sich selbst einladen und dürfen jeden Tag hingehen, also ihren Glauben in die Tat umsetzen und für andere Menschen da sein und spüren, wie Gott auch für sie da ist… Und damit laden sie hoffentlich auch andere ein,  die irgendwie auf der Suche sind nach mehr Sinn und Halt und Orientierung in ihrem Leben.

Das wird dann mehr als nur ein Praktikum;  kann ganz schön verbindlich werden – für beide Seiten.  Aber es gibt dem Leben ganz neue Perspektiven  und mir gibt es Zuversicht.

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