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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

31JUL2021
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Unsere Kinder machen alle etwas Anderes. Sie engagieren sich für den Umweltschutz und in der Jugendarbeit, interessieren sich für archäologische Ausgrabungen oder gehen gerne klettern. Sie sind divers. Unterschiedlich. verschieden. Was aber irgendwie schon wieder normal ist. Denn dass Kinder sich voneinander unterscheiden, das ist selbstverständlich.

Doch Unterschiede können lebensgefährlich werden. Da werden Menschen wegen ihre Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Engagement für Unterdrückte ausgegrenzt, verfolgt, gedemütigt. Bloß, weil sie sind, wie sie sind, weil sie scheinbar anders sind.

Aus christlicher Perspektive ist das ein Skandal. Und darf nicht sein. Denn Glaube zeichnet sich gerade durch Vielfalt aus. Da gründen im Mittelalter Nonnen und Mönche Krankenhäuser, die für jeden da sind, ganz egal ob arm oder reich. Da setzen sich heute Christinnen und Christen weltweit für unterdrückte Minderheiten ein. Da engagieren sich in meinem Umfeld Glaubende für Andersglaubende, deren Leben in Gefahr ist. Christlicher Glaube ist in seiner besten Erscheinungsform vorurteilsfrei und grenzüberschreitend.

So lebt das Jesus vor. Er redet mit denen, die ausgegrenzt werden. Er kommt denen nahe, die keine Lobby haben. Er setzt sich für die ein, die nicht dazugehören. Die Botschaft, dass Gott für alle da ist, die wird bei Jesus lebendig.

Heute tun sich viele mit dieser Vielfalt schwer. Auch Christinnen und Christen. Klar: Vielfalt und Unterschiede machen das Leben kompliziert. Aber auch reich und bunt. Warum Vielfalt und Diversität ein Markenzeichen des Christlichen sind? Alle Menschen, so vielfältig und unterschiedlich sie auch sind, sind Ebenbilder Gottes. Ohne Unterschiede. Und deshalb ist auch nur ein vielfältiger und diverser Glaube auch ein christlicher Glaube.

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30JUL2021
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Regenbögen sind für mich ein Sommersymbol. Ich habe sie schon oft gesehen. Über Bergrücken haben sie sich erstreckt und den Rhein. Ich habe sie aus dem Dachfenstern beobachtet und beim Autofahren entdeckt. Und immer haben mich die Regenbögen zum Lächeln gebracht. Weil sie mein Leben bunt machen. Oft genug trägt mich dann dieses Bild durch den Tag. Ein kräftiger Regenbogen vor einer dunklen Wolkenwand. Das ist für mich ganz biblisch ein Hoffnungszeichen.

Regenbögen flatterten in diesem Sommer auch an Kirchen und in Fußballstadien. Ich habe sie an einem Fahnenmast am Supermarkt gesehen und in Werbeanzeigen. Als Regenbogenfahne. Sie ist das internationale Symbol für vielfältige sexuelle Lebensformen. Kein Wunder. Der Regenbogen steht in vielen Kulturen auf der ganzen Welt für Toleranz und Frieden, für Hoffnung und Vielfalt.

In der Bibel steht der Regenbogen am Beginn einer neuen Zeit. Das Wasser der Sintflut zieht ab. Fast alles Leben wurde zerstört. Und jetzt schließen Gott und Noah, das ist der mit der Arche, einen Bund. Nie mehr, das sagt der Regenbogen, soll Leben vernichtet werden.

Nicht von ungefähr war die Regenbogenfahne lange Zeit auch die Fahne der Friedensbewegung. Der Regenbogen symbolisiert den Frieden zwischen allem, was das lebt und existiert. Er symbolisiert, dass Leben darunter sein soll. In allen Farben und Variationen. In allen Spielarten. Leben ist bunt.

Das fordert heraus. So wie manche anderen Menschen leben, das ist mir fremd. Das betrifft ganz vieles: Partnerschaft, Wertevorstellungen, Familienformen und Hobbies. Aber: Ich muss auch nicht jeden Menschen verstehen und seine Lebensentwürfe nachleben. Der Regenbogen, der sich über die ganze Erde spannt, der sagt mir etwas Anderes: Dass jedes Lebens sein darf. Ganz egal, welche Farben es hat.

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29JUL2021
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Es ist der 29. Juli 1981. In der Londoner St Paul’s Cathedral heiraten Lady Diana Spencer und Prinz Charles. Ein Medienereignis. Angeblich verfolgten damals etwa 750 Millionen Zuschauer die Zeremonie. Und wohl auf jedem Kanal wird heute an diese Hochzeit erinnert.

Ich verfolge die Geschichten dieser und anderer Königsfamilien nur nebenbei. Und ich kann mir kaum vorstellen, wie ihr Leben so ist. Immer unter Beobachtung, immer verfolgt von Medien, immer im Fokus der Öffentlichkeit. Aus der Distanz heraus kann ich sagen: Zum Glück muss ich so ein Leben nicht leben.

Aber ich erlebe auch: Bei all dem Hype um die Hochzeit vor vierzig Jahren gerät doch in den Hintergrund, dass es sich auch bei den beiden, Diana und Charles, um Menschen handelt. Klar, die beiden stehen für das englische Königshaus. Und viele sahen in ihnen das kommende Königspaar. Aber es waren doch auch, selbst an diesem großen Tag, Menschen. Menschen, die vielleicht ihre Pflicht tun oder Träume haben, die sich freuen und Tränen vergießen. Menschen, die sich etwas von ihrem Leben erhoffen und Pläne schmieden. Menschen, wie viele andere auch.

Sicher: die Distanz zwischen diesem Paar und den meisten anderen Menschen ist enorm. Und doch teilen wir alle miteinander unser Menschsein. Und da erlebe ich fast jeden Tag, wie mich dieses Menschsein fordert. Im Beruf, in der Familie, beim Einkaufen im Supermarkt und wenn ich Fahrrad fahre. Ich treffe Entscheidungen und muss mich rechtfertigen, ich handle auch falsch und muss das wieder geraderücken. Das Leben fordert mich heraus. Ganz egal, wer ich bin oder wen ich heirate. Ich muss diese Herausforderung annehmen. Kann hoffen, dass mir das gelingt. Und muss manchmal auch mit einem Scheitern leben. Das verbindet mich mit allen Menschen. Auch mit Thronanwärtern und ihren Familien.

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28JUL2021
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Endlich Sommerferien und Urlaubszeit unter günstigen Corona-Umständen! Für viele Eltern war das letzte 1 ½ Jahr ein Härtetest: Homeworking mit Homeschooling - zuhause arbeiten und zugleich die Kinder bei Schulstunden unterstützen. Dabei ist alles Mögliche durcheinander geraten. Nicht nur der gut eingespielte Tagesablauf, sondern auch die Balance von Zuhause-sein und Weg-sein, von Eigeninteressen und Für-andere-dasein, von Nähe und Distanz. Auf die Dauer kann das das Leben sehr erschweren. Denn eine gewisse Tagesstruktur und Wochenstruktur sind eine wichtige Stütze im Alltag. Weil darin alles seinen guten Platz hat und gut ausbalanciert werden kann.

Nicht umsonst gibt es so etwas wie „Klostertage für Führungskräfte“, zu der v.a.  Benediktinerabteien einladen. Diese Auszeiten im Kloster sind oft ausgebucht. Kein Wunder. Die großen Orden haben eine jahrhundertelange Erfahrung, wie man mit einem hilfreichen Rhythmus und einer förderlichen Tagesstruktur lebt.

Rhythmen gehören zur Natur von vornherein dazu. Tag und Nacht, Morgen und Abend, Wachen und Schlafen, die Jahreszeiten - all das ist der Schöpfung so angelegt - das Leben vollzieht sich in Rhythmen. Und wir sind Teil der Natur - deshalb sind wir gut beraten, diese Rhythmen zu beachten und uns in sie einzuschmiegen. Leib, Geist und Seele werden es uns danken. Wer gegen diese Rhythmen lebt, der bekommt das entsprechend negativ zu spüren.

Bei Benediktinermönchen ist der Grundrhythmus des Lebens bestimmt von „ora et labora“, von „beten und arbeiten“. Bis zu siebenmal am Tag unterbrechen sie die Alltagsbeschäftigungen und halten inne bei Gebet oder Gottesdienst. Dabei hat allein schon diese Unterbrechung einen heilsamen Effekt: Sie gewinnen immer wieder neu einen gewissen Abstand zu dem, was einen Menschen ganz in Beschlag nehmen kann. Dadurch gewinnen sie auch innere Freiheit. Und Tag für Tag und Woche für Woche kommt alles vor, was wichtig ist für das Leben, auch die Mahlzeiten, das Zusammensein und die Erholung. Das hat ‘was. Und es tut gut, sich davon etwas abzuschauen für den eigenen Alltag. Weil der richtige Rhythmus und eine gewisse Struktur für das Leben hilfreich sind.

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27JUL2021
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Die Verkäuferinnen, das Krankenhauspersonal, die LKW-Fahrer - sie sind „systemrelevant“! Das ist in der Corona-Pandemie bewusst geworden, und das wird bis heute betont. In der Krisenzeit hat sich herausgestellt, wie wichtig manche Berufsgruppen für das Funktionieren der Gesellschaft sind. Sie sind gelobt und auch beklatscht worden. Und es wurde auch eine angemessenere Entlohnung für sie gefordert. Gut, dass das alles nun im Blick ist!

Dass bestimmte Menschen systemrelevant sind bedeutet: Sie halten das am Laufen, was wirklich lebensnotwendig ist. Sie verrichten Tätigkeiten, Dienstleistungen, auf die wir dringend angewiesen sind - nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch im ganz normalen Alltag. Aber das sind noch viel mehr als diejenigen, die jetzt direkt genannt werden. Denken Sie nur an den Beginn des Tages: Meine Zeitungszustellerin, die Müllwerker und Mitarbeiter der Wasserwerke, die Bäcker und Briefzusteller - sie alle sind schon für mich am Arbeiten, bevor ich am Frühstückstisch sitze! Auch sie und noch manche andere sind systemrelevant, damit unser Leben funktioniert. Deshalb ist es gut, alle diese Menschen wertzuschätzen und ihnen für ihren selbstverständlichen Dienst zu danken.

Allerdings: Es wäre gefährlich, wenn die Menschen jetzt nach ihrer Systemrelevanz eingestuft und bewertet würden. Was wäre dann mit den alten Menschen, den Behinderten, den Kranken, mit denen, die nicht so leistungsfähig sind? Das, was jemand zum Gelingen unseres Lebens beiträgt, das darf nicht zur Messlatte werden für den Wert eines Menschen. Sonst wird unsere Gesellschaft inhuman.

Der Maßstab für mich ist: Im „System Gottes“ ist jeder Mensch systemrelevant. Jeder, den er geschaffen hat, ist ihm unendlich wichtig, ganz ohne irgendwelche Bedingungen oder Anforderungen, völlig unabhängig von seinen Leistungen - einfach weil es diesen Menschen gibt. Deshalb tut es gut, wenn wir jeden Menschen so mit den Augen Gottes betrachten. Dann leuchtet der absolute Wert jedes Einzelnen auf. Und dann können wir auch noch entdecken, welche Menschen Tag für Tag das Ihre dazu beitragen, dass unser Leben gut wird.

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26JUL2021
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Die Freisitze in den Cafés und Restaurants in Speyer sind in diesen Wochen oft voll mit Gästen. Alle genießen es, dass sie endlich wieder ausgehen können, auch, dass man sich mit größeren Freiheiten wieder unbeschwert zuhause mit mehr Personen treffen kann - vor allem auch zum gemeinsamen Essen und Trinken.

Denn das gemeinsame Essen, das Mahl bringt ein Stück Lebensqualität in den Alltag. Es geht dabei ja nicht nur um das Sattwerden - es geht um Gemeinschaft, Nähe, zusammen gehören, sich austauschen, sich entspannen, auftanken, Lebensfreude. Beim gemeinsamen Mahl wird spürbar, was das Leben schön macht. Es kann uns regelrecht „beseligen“. Dabei kann ein Stückchen „Himmel auf Erden“ aufleuchten!

Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die Bibel als eines der Bilder für die Vollendung unseres Lebens das Bild vom „himmlischen (Hochzeits-)Mahl“ wählt. Der Himmel als ein großes Festmahl für alle, mit „den feinsten Speisen und den erlesensten Weinen“ (Jes 25,6-8) - Leben pur!

In allen Religionen und Kulturen hat das gemeinsame Essen, das Mahl eine besondere Bedeutung: Wir feiern das, was das Leben ausmacht; wir feiern diejenigen, die uns Leben und Freude am Leben schenken; wir teilen das Leben miteinander und wir bekommen beim Mahl neue Kraft geschenkt.

Das können wir jetzt wieder freier genießen. Umso mehr, je länger wir darauf verzichten mussten. Dabei wird der Genuss nachhaltiger, wenn Sie ganz bewusst wahrnehmen, was Sie in froher Tischrunde alles erleben und was Ihnen dabei gut tut. Wenn Sie dabei Ihre Sinne und die Sensoren Ihrer Seele auf „hohe Empfindsamkeit“ einstellen, dann können Sie innerlich viel mehr von dem verkosten, was beim gemeinsamen Essen, beim Mahl rüberkommt. Ich hoffe, dass Sie so ein bisschen „Himmel auf Erden“ erleben!

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