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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

17APR2021
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Wir haben ein neues Patenkind, naja, eher ein neues Patentier. Ein Erdmännchen. Sie heißt Klara und lebt im Zoo in Siegelbach bei Kaiserslautern. Vor ein paar Monaten hat der Zoo um Hilfe gebeten. Schon lange durfte niemand mehr den Zoo besuchen. Die Tiere brauchen allerdings weiterhin Nahrung und ja auch Zuneigung und Pflege. Und so hat der Zoo um weitere Tierpaten geworben. Als Tierpate unterstützt man ein Tier für ein Jahr mit einem bestimmten Betrag. Dieser Betrag stellt sicher, dass das Tier versorgt werden kann. Die Idee ist toll. Und viele Menschen haben die Möglichkeit ergriffen und sind Tierpaten geworden.

Mir sagt die Geschichte: Manchmal schafft man es nicht alleine. Und dann ist es in Ordnung, wenn man andere um Hilfe bittet. Der Zoo hat das getan und dabei erfahren: Die Menschen helfen gerne. Es macht uns als Familie richtig Freude für Klara da zu sein.

Manchmal schafft man es nicht alleine. Das ist in vielen Bereichen des Lebens so. Auch wenn man Kinder bekommt. Ich finde es deshalb gut, dass es auch in der Kirche die Möglichkeit gibt, Patinnen und Paten zu benennen.

Die Paten sind bei der Taufe dabei. Sie unterstützen die Eltern. Eigentlich vor allem bei der christlichen Erziehung der Kinder. Aber oft übernehmen sie darüber hinaus Verantwortung für ihr Patenkind. Eine Freundin konnte zum Beispiel als Kind ein paar Wochen bei ihrer Patentante leben, als ihre Mutter im Krankenhaus lag. Alleine hätte die Mutter das damals nicht geschafft. Und zum Glück brauchte sie das auch nicht. Sie konnte auf die Hilfe der Patin zählen. Und ich bin sicher – die hat es gerne gemacht. Meine Freundin sagt: das war eine besondere Zeit damals mit der Patentante. Sie denkt gerne daran zurück.

Manchmal schafft man es nicht alleine und dann ist es gut, um Hilfe zu bitten. Dafür sind Paten da. Sie helfen und unterstützen – und zwar gerne. Das ist beim Zoo so. Aber das ist auch bei den Menschen so. Deshalb gibt es auch in der Kirche das Patenamt. Wie gut!

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16APR2021
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Eine Bekannte schreibt mir, dass sie sich seit kurzem ehrenamtlich betätigt. Das freut mich, denn sie hat einen Verlust erlitten. Ihr Mann ist vor einem Jahr gestorben. Danach war sie sehr traurig und hat sich erst einmal zurückgezogen.

Über der Traueranzeige damals hat ein Vers aus der Bibel gestanden: „Ihr habt jetzt Trauer“, heißt es da, „aber ich will euch wiedersehen und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ Das sagt Jesus vor seinem Tod zu seinen Jüngern. Er beschreibt sehr knapp, dass es einen Wandel von der Trauer zur Freude gibt. „Ich will euch wiedersehen“, sagt er.

Die Jüngerinnen und Jünger sind dann aber trotzdem erst einmal nur traurig nach Jesu Tod. Sie sehen nur die Lücke, die er hinterlassen hat. Und die ist schwarz und tut furchtbar weh. Aber dann verändert sich etwas. Jesus erscheint einigen von ihnen. Und voller Erstaunen erzählen sie es den anderen: Jesus lebt. Und dann erzählen sie sich, was sie mit ihm erlebt haben. Immer mehr Geschichten tragen sie zusammen. Und jedem fällt noch etwas Anderes ein. Und dann fangen sie an, Gottesdienste zu feiern. Und jedes Mal ist es, als wäre er dabei. Und sie freuen sich, was sie von ihm gelernt haben. Und sie nehmen ernst, was er ihnen mit auf den Weg gegeben hat. Es ist wichtig, dass wir füreinander einstehen. Dass die Armen satt werden, dass wir die Kranken unterstützen. Und so verwandelt sich die Lücke. Aus der Trauer um Jesus wird eine große Dankbarkeit, dass sie ihn haben durften. Und sie spüren eine tiefe Freude.

So geht es auch meiner Bekannten. Sie sagt: „Ich erinnere mich an meinen Mann und natürlich fehlt er mir. Aber ich bin auch dankbar für all das Schöne, was wir hatten. Heute geht es mir wieder gut. Ich bin gut versorgt und darum möchte ich etwas zurückgeben“, schreibt sie mir. „Es macht mir viel Freude. Und irgendwie fühle ich mich wieder lebendig.“

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15APR2021
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Singet Gott ein neues Lied. So betet einer in der Bibel. Singet Gott ein stilles Lied. So beten oder klagen wir seit einigen Monaten. Denn gemeinsam laut singen geht gerade nicht. Zumindest nicht im Chor und nicht im Gottesdienst. Ich hätte nie gedacht, wie sehr ich den gemeinsamen Gesang vermissen würde. Es schmerzt mich, wenn ich im Gottesdienst die Lieder höre und nicht einstimmen darf. Sicherlich, inwendig singe ich laut mit. Das ist aber etwas Anderes. Es fehlt der gemeinsame Klang, das gemeinsam gesungene Lob Gottes. Singen im Gottesdienst ist ja auch ein gemeinsames Bekenntnis.

Beim Singen kann sich jeder und jede am Gottesdienst beteiligen. So bringt sich jeder ganz persönlich ein. Zugleich nehme ich dabei die anderen wahr und stimme im Gesang mit ihnen zusammen. Aus den vielen einzelnen Stimmen entsteht der gemeinsame Klang. So wird aus den Vielen eine feiernde Gemeinschaft. Schon Martin Luther hat gewusst: Singen macht glücklich. Er hat geschrieben: „Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. So betet einer in der Bibel. Und weil ich nicht die einzige bin, die das gemeinsame Singen vermisst, haben Menschen neue Wege gefunden miteinander zu singen. Da singen Menschen zu Hause für sich und daraus entsteht im Netz ein wunderbarer Chor. Einer meiner Söhne hat jede Woche mit der Jugendkantorei Zoomchorprobe und regelmäßig Stimmbildung per Telefon. Ja, auf ganz neue Weise singen wir seit einem Jahr Gott neue Lieder und erleben auf neue Weise Gemeinschaft.

Denn singen macht glücklich. Vielleicht starten sie heute mal singend in den Tag. Denn zu Hause darf jeder lauthals singen: singend: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder, singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

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14APR2021
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Wer wie was, wer wie was, wieso weshalb warum, wer nicht fragt bleibt dumm. Diese Titelmelodie gehörte zu meiner Kindheit. Bis heute mag ich die Menschen und Tiere aus der Sesamstraße. Besonders das blaue Krümelmonster. Jetzt gibt es zwei neue Puppen, Elijah und Wes. Vater und Sohn. Beide sind Persons of color, das heißt sie haben dunkle Haut. Sie thematisieren das Thema Rassismus auf kindgerechte Art und Weise.

In der ersten Folge sitzen Vater und Sohn auf einer Bank. Die Blätter sind bunt und fallen nach und nach von den Bäumen. Da kommt Elmo, ein rotes Fellmonster dazu. Elmo sammelt ein rotes Blatt auf. Und er sagt: „Es ist rot, wie mein Fell.“ Dann hebt er ein braunes Blatt auf. „Genauso braun, wie die Hautfarbe von Wes.“ Und Elmo fragt: „Warum ist deine Haut braun?“ Und der 5jährige Wes antwortet ganz aufgeregt: „Ich weiß das von meinen Eltern, das liegt am Melanin.“ Und sein Vater Elijah ergänzt: „Die Farbe unserer Haut ist ein wichtiger Teil dessen, wer wir sind. Aber wir sollten wissen, dass wir alle auf sehr viele Arten unterschiedliche aussehen. Und auch, wenn wir anders aussehen, sind wir alle Menschen.“ Dann beobachten sie wieder die Blätter. „Seht die tollen Blätter an, so verschieden“, sagt Elijah. „Wenn wir Menschen aller Hautfarben zusammenstehen, dann bleiben wir stark, wie ein Baum.“

Das ist ein schönes Bild. Gemeinsam stark bleiben wie ein Baum. Wir Menschen sind alle von Gott gemacht: individuell und verschieden, aber alle gleich geliebt. Daran glaube ich. Deshalb sollen wir einander respektvoll und liebevoll behandeln und niemanden ausschließen. Das wusste auch der Beter eines Psalms, wenn er betet: „Glücklich ist der Mensch, der nicht dem Vorbild der Frevler folgt. Dieser Mensch gleicht einem Baum, der am Wasser gepflanzt ist, Früchte trägt zu seiner Zeit und seine Blätter welken nicht.“

Bei uns ist gerade Frühling. Die ersten zartgrünen Blätter schmücken die Bäume. Die Mandelbäume blühen rosa, die Kirschblüten rieseln weiß durch die Frühlingsluft. Und diese Vielfalt ist wunderschön.

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13APR2021
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Der Schnittlauch ist vertrocknet. Schlimm sieht das aus in unserem Hochbeet. Holziges Gestrüpp. Schon ein paarmal war ich kurz davor, die Reste rauszureißen. Weg damit. Platz schaffen für neue Kräuter, vielleicht mal Rosmarin.

So ähnlich ist es auch einem Mann aus der Bibel ergangen. Er hatte einen Feigenbaum gepflanzt in seinem Garten. Immer mal wieder geht er vorbei, um nachzusehen, ob der Baum schon Früchte trägt. Immer voll Hoffnung, endlich eine leckere Feige ernten zu können und sie genüsslich zu essen. Und immer wird er enttäuscht. Am Baum wachsen einfach keine Früchte. Nach drei Jahren, da reicht es ihm. Wütend und enttäuscht geht er zu seinem Gärtner und sagt: „Fälle den Baum. Der hat jetzt lang genug den Boden beansprucht. Ich will den Jammer nicht mehr sehen.“ Der Gärtner allerdings spricht für den Feigenbaum: „Gib ihm noch ein Jahr!“ bittet er. „Ich werde ihn besonders pflegen und kräftig düngen. Und dann warten wir, ob wir im nächsten Jahr Feigen ernten können. Wenn nicht kannst du ihn immer noch abhauen.“

Jesus erzählt dieses Gleichnis. Und ich fühle mich ertappt. Geduld haben. Den Dingen Zeit geben, um zu wachsen. Nicht nur Pflanzen. Sondern auch anderen Menschen. Die brauchen ja auch Zeit, um zu wachsen. Ich denke an meinen Sohn. Er genießt gerade die Zeit nach seinem Abitur. Er lebt in den Tag hinein. Und ich möchte gerne schon vorgestern gewusst haben, was er denn jetzt machen will. Würde ihn am liebsten sofort herausziehen aus seinem So-Sein.

Und dann denke ich an den dürren Schnittlauch in unserem Hochbeet. Ich höre die Stimme des Gärtners aus der Bibel. „Gib ihm noch ein Jahr.“ Also dann. Schnittlauch, du darfst bleiben. Und dem Sohn lasse ich Zeit. Er darf das Leben genießen, in Ruhe herausfinden, was er machen möchte. Und das kann ich von ihm lernen. Einfach mal die Beine hoch legen und den Frühling genießen.

Gib ihm noch ein Jahr, gerade in diesen Zeiten ist das ein gutes Motto voller Hoffnung für einen langen Atem.

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12APR2021
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„Mach bloß keine Radioandacht zu Corona“, meine Freundin verdreht die Augen. Wir sitzen am Küchentisch und feiern zu zweit ihren Geburtstag. „Ich möchte etwas Schönes hören, wenn ich auf dem Weg zum Frühdienst bin.“

Was Schönes. Ohne Corona! Geht das denn nach über einem Jahr Pandemie? Ich finde: nein, das geht nicht! Aber nicht nur wegen der Pandemie. Auch vor der Pandemie gab es im Leben immer beides; das Schöne und das Schwere. Das Leben schließt den Tod und den Schrecken mit ein. Ich finde das tröstlich. Ich darf traurig sein, ich darf Angst haben, ich darf die Nase voll haben von der Pandemie. Aber ich weiß: das ist nicht alles.

Gerade durch Ostern dürfen wir begreifen, dass der Tod und das Leben ineinander fallen können. Wie schwer das zu begreifen ist, das mussten auch die Jünger damals nach Jesu Tod erleben. In der Bibel wird besonders von dem Jünger Thomas erzählt.

Eine Woche nach Jesu Auferstehung konnte er das Miteinander von schön und schwer nicht glauben. Er hatte Jesu Tod miterlebt und war gefangen in seiner Traurigkeit. Dann bekommt er Hilfe. Jesus kommt zu ihm. Zeigt sich. Zeigt, dass das Leben gesiegt hat Und da kann Thomas auch glauben.

„Erzähl mir etwas Schönes!“ Damit ich aushalte, was ist“, so bittet meine Freundin. Ich glaube, am schönsten ist es, wenn man auch zugesteht, dass es schwer ist.

Und dann haben wir es uns schön gemacht – mitten in der Pandemie. Wir haben in der Küche gesessen, haben Musik aus den 80ern gehört. Wir haben uns Geschichten erzählt, die wir noch nicht kannten, haben gelacht und geschwiegen. Wir haben Geburtstag gefeiert. Und das war schön  – trotz Corona. Und am Ende haben wir voller Hoffnung einen Ausblick auf die große Geburtstagsparty im nächsten Jahr geworfen, so Gott will.

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