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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

06MRZ2021
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Besuche machen will gelernt sein. Da gibt es Regeln. Die sollte man kennen. Mindestens eine kann man sich bei Jesus abschauen. Er ist ja geradezu ein Besuchsexperte. Weil er immer irgendwo auf Besuch war.

Die Bibel erzählt davon, wie er das gemacht hat. Einmal ist er mit 2 Freunden ziemlich weit gelaufen. Von Jerusalem bis nach Emmaus. Das ist schon fast ein Tagesmarsch. Und als sie am Abend ankommen, stellt er sich so an, als wolle er weitergehen. Die Beiden merken das und sagen: „Ach bleib doch noch bei uns, es wird gleich Abend. Komm doch mit rein!“ Schön dieser Moment, da sie ihn hereinbitten und Platz zu nehmen. Und Jesus lässt sich gerne bitten. Dann essen sie zusammen, sitzen am Tisch, teilen Brot und Wein. Das ist das Mahl am Abend.

Und als es gerade am Schönsten ist, als sie ihn eigentlich erst richtig ansehen und wahrnehmen, als es anfängt gemütlich und fröhlich zu werden, da zieht Jesus nicht etwa bei ihnen ein, sondern er geht raus, entzieht sich und beendet den Besuch.
Das ist die goldene Besuchsregel! Da ist er uns mustergültiges Vorbild. Er zeigt damit an: Besuch kommt, wenn man ihn herein bittet, das ist schön. doch vor allem-Besuch geht auch wieder, das ist noch schöner.

Besuch endet, ehe das Ende herbeigesehnt wird. Wenn es bedauert wird, dann ist das Gehen rechtzeitig. Kein Vereinnahmen, keine distanzlose Übergriffigkeit, sondern klare Grenze, ehe es wehtut.
Besuch sollte aufbrechen, wenn es am Schönsten ist und alle es schade finden.Besuch, der zu lange bleibt, der unbegrenzt verweilt, macht sich unbeliebt und lästig. Und das sollte man nicht auf sich sitzen lassen.

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05MRZ2021
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Besuchen macht nicht immer Spaß. Manche Besuche sind mehr Pflicht als Freude. Aber man macht sie doch, weil es für den, den man besucht, so wichtig ist. So ist es auch einmal bei Paulus gewesen. Ein Besuch als Geste der Höflichkeit und des Respekts, zu dem sich Paulus quasi verpflichtet sieht. Und das kam so:
Paulus ist auf seiner zweiten Missionsreise und gründet christliche Gemeinden, wo es geht. Gerade ist er in Griechenland, in der Stadt Philippi angekommen. Er betritt damit erstmals Europa. Und er bringt den christlichen Glauben mit.

Den will er jetzt an den Mann bringen. Aber er findet keinen. Dort, wo er am Sabbat fromme Juden beim Beten antreffen will, findet er nur Frauen. Darunter ist Lydia. Sie ist nicht nur neugierig, interessiert, sie hört sogar richtig zu und fragt nach. Das kann sie, weil sie gewohnt ist sich in der Männerwelt zu behaupten. Sie ist selbständige Tuchhändlerin, offenbar reich betucht sogar, mit Haus und Hof und allerhand Handel. Sie kann reden und ist selbstbewusst.

Paulus predigt von Jesus Christus. Offenbar so attraktiv und erfolgreich, dass sie sich spontan zur Taufe entschließt. Und ihre ganze Hausgemeinschaft gleich mit. Damit ist sie die erste getaufte Christin auf europäischem Boden. Respekt! Und jetzt kommt das, was man einen eher unliebsamen Besuch nennen kann.

Nachdem die Taufe zelebriert worden ist lädt Lydia genau ein. Sie sagt: „Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, dann kommt in mein Haus und bleibt da!“

Aber Paulus hat offenbar keine Lust. Er berichtet davon einigermaßen gequält und schreibt dazu: „Und sie drängte, sie nötigte uns regelrecht zu ihr ins Haus zu kommen!“ Da geht es also um viel.
Der Besuch soll bekräftigen und demonstrieren, dass Lydia ernstgenommen wird, dass ihre Entscheidung respektabler Fakt ist. Lydia darf  jetzt nicht enttäuscht werden. Das hat Paulus verstanden – und geht mit. Da fragt man sich am Ende wirklich, wer hier wen missioniert hat.

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04MRZ2021
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Manchmal kommt Besuch zu spät. Nicht nur eine Viertelstunde, sondern eine gefühlte Ewigkeit. Dann ist die Enttäuschung groß. So wie bei Maria und Martha, den zwei Schwestern, von denen die Bibel erzählt. Mit ihnen ist Jesus gut bekannt. Sie leben in dem Dorf Betanien, zusammen mit ihrem Bruder Lazarus. Jesus und Lazarus sind ziemlich beste Freunde. Und einander zu besuchen, stärkt die Freundschaft. Erstrecht, wenn einer der Freunde krank geworden ist. Und Lazarus ist schwer krank. Die Schwestern machen sich große Sorgen um ihn. Deshalb schicken sie Jesus eine Nachricht und bitten ihn um einen Krankenbesuch.
Jesus ist betroffen, aber zu sehr beschäftigt. Er schiebt den Besuch vor sich her. Das ist menschlich, gerade wenn so Vieles an einem hängt.

Und viele totkranke Menschen warten auch heute vergeblich auf Besuch. Dabei würden ja Freunde und Verwandte einander von Herzen gerne besuchen, wenn die Corona Bedingungen es zuließen. Das ist schon eine traurige Unzeit.
Erstrecht, wenn dann tatsächlich das Unglück passiert. So wie bei Lazarus. Lazarus stirbt. Und Jesus kommt zu spät. Vorwurfsvoll empfangen ihn die trauernden Schwestern. Sie sagen: „Wenn Du hier gewesen wärst, wäre er nicht gestorben!“
Das tut weh. Das ist bitter. Jesus weint. Aber er traut Gott zu. auch den Tod zu besiegen. Und mit diesem unbändigen Gottvertrauen tritt Jesus zu dem Grab des verstorbenen Freundes und ruft: „Lazarus komm heraus!“
Und das Wunder geschieht. Lazarus kehrt tatsächlich ins Leben zurück. Unglaublich, unfassbar.

Es gehört zu der Wahrheit des Glaubens, dass wir oft früher mit Gottes Eingreifen rechnen. Und dann doch an Gräbern stehen. Gerade in dieser Zeit der Pandemie. Aber die Bibel behauptet, dass es bei Gott kein endgültiges „zu spät“ gibt, sondern ein Leben vor und nach dem Tod. Um das Unglaubliche zu glauben, ist es noch nicht zu spät.

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03MRZ2021
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Besuch kann gefährlich sein. Wenn jemand in ein Haus kommt, in dem Menschen zusammen leben, dann wohnt da ja auch so mancher Streit. Und wenn da was nicht so ganz in Ordnung ist, dann kann es leicht ausgerechnet jetzt sichtbar werden. So ist es jedenfalls auch einmal geschehen, als Jesus bei zwei Schwestern eingeladen war.

Jesus zu Gast bei Maria und Martha. Und was harmlos beginnt, wird ganz schnell zum Konflikt. Weil die Beiden nämlich vollkommen verschieden sind. Und die Anwesenheit Jesu bringt es an den Tag.
Die beiden Schwestern haben sehr unterschiedliche Talente. Marta bewirtet und tut und macht, dass der Gast gut versorgt ist. Und Maria nutzt den Augenblick des Besuchs, um ihn kennen zu lernen. Marta ist fleißig und bedient. Maria ist fleißig und hört zu.

Das gibt natürlich Ärger, weil das ja nicht das erste Mal so ist. Davon können wir ausgehen. Das haben die Beiden seit Jahr und Tag so eingeübt. Und von weitem sieht es so aus, als wäre die eine aktiv und sozial eingestellt, die andere aber faul und egoistisch.

Marta ist entsprechend empört und beschwert sich bei Jesus. „ Sag, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt?“ Aber Jesus lässt sich nicht von Maria vor den Karen spannen. Er verurteilt Maria nicht.

Nein er mutet der aufgebrachten Marta zu, das Verhalten der Schwester nicht nur zu ertragen, sondern auch noch zu würdigen. Natürlich sieht er, wie Marta sich müht und sorgt. Aber er erkennt auch den Wert an von Maria, die dasitzt und zuhört. Und er bescheinigt ihr, sich richtig entschieden zu haben.

Sie nutzt nämlich den seltenen Besuch, um sich besuchen zu lassen. Natürlich kann man da geteilter Meinung sein. Das Nichtstun schön zu reden, ist auch keine Lösung.Und Gastfreundschaft sollte man auch schmecken. Aber vielleicht geht ja beides? Tun und Lassen. Handeln und Hören.

Vielleicht hilft Jesus den Schwestern ja dabei, sich frei zu machen, von ihren eingefahrenen Rollen. Das würde beiden sicher guttun. Es käme auf einen  Versuch an beim nächsten Besuch. Denn Besuchen ist nicht nur gefährlich, sondern manchmal auch ehrlich.

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02MRZ2021
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Besuch sollte sich anmelden, finde ich. Damit man sich auch vorbereiten und darauf einstellen kann. Schließlich soll es ordentlich aussehen, aufgeräumt und sauber sein. Unangemeldeter Besuch kann ganz schön nervig sein.

Aber Jesus hat genau das gerne gemacht. Spontanbesuche sind seine Spezialität gewesen. Einmal ist er in eine Stadt gekommen, irgendwo in Jericho. Und kaum ist er da, laufen auch schon die Leute zusammen, um ihn zu sehen. Denn Jesus eilt der Rauf voraus, spektakuläre Dinge zu tun. Das wollen alle mitbekommen. Aber sie werden enttäuscht.

Denn Jesus zieht zwar die Massen an, aber er hat immer einzelne Menschen im Blick. So auch diesmal. Da gibt es nämlich einen ziemlich unbeliebten Zeitgenossen, der zieht den Leuten am Zoll das Geld aus den Taschen und betrügt wo er kann, Zachäus heißt er, ein richtiger Giftzwerg ist er. Ein kleiner Gernegroß. Ob aus Angst vor den Leuten oder einfach nur weil er clever ist, steigt er flink auf einen Feigenbaum und lacht sich einen Ast, weil er so nämlich den Jesus besser sehen kann, als alle andern.

Doch als der vorbei kommt, holt er den Zachäus runter vom Baum und bringt damit die anderen Leute auf die Palme. „Zachäus, du kriegst Besuch! Ich komme und zwar gleich! sagt Jesus. Mit dir will ich mir mal dein ganzes unaufgeräumtes Durcheinander anschauen. Wollen wir doch mal sehen, wie wir bei dir aufräumen können. Jesus weiß:
Ein Besuch ist immer auch eine Chance, dass sich was ändern kann. Da kommt einer von außen und kann drinnen helfen. Und tatsächlich zuhause angekommen, erklärt der Zöllnermeister feierlich, dass er sich ändern will.

Da kann man sich nur wundern, was so ein unangemeldeter Besuch, was die plötzliche Zuwendung Jesu bei einem Menschen bewirken kann. „Was für ein heilsamer Hausbesuch!“ sagt Jesus- und geht ein Häuschen weiter.

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01MRZ2021
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Besuch ist wichtig. Aber zur Zeit eher selten. Man sagt uns eindringlich, dass wir vorerst alle besser zuhause bleiben sollen. Das ist sicher vernünftig, aber auch sehr schade und hoffentlich bald vorbei. Denn es warten so viele Menschen auf Besuch. Wenn Besuch kommt, dann passiert was, dann wird geredet, besprochen, ausgetauscht. Die Bibel erzählt dazu allerhand Geschichten.

Eine handelt von Abraham und Sarah. Die bekommen eines Tages geradezu göttlich hohen Besuch. Aber das merken sie erst später. Abraham steht an der Tür seines Zeltes, Sarah macht sich gerade drinnen zu schaffen. Da tauchen in der Mittagshitze 3 Gestalten auf. „Wir kriegen Besuch!“ ruft Abraham  nach hinten und geht den Dreien entgegen. Und weil er weiß, was sich nach guter orientalischer Sitte gehört, begrüßt er herzlich und lädt sofort zum  Essen ein. Gastfreundschaft ist für ihn ein hohes Gut.

Rasch gibt er die nötigen Anweisungen. Brot wird gebacken,  ein Kalb zubereitet. Brot, Butter, Milch und Fleisch –das Beste vom Besten wird aufgetischt. Da auf einmal fragt einer: „Wo ist Sarah?“ „Die ist im Zelt.“  Hört sie ihren Abraham sagen. Daraufhin antwortet einer der Drei: „In einem Jahr komme ich wieder-und dann wird Sarah einen Sohn haben!“ Sarah hört das und muss lachen.

Sie sind zwei alt gewordene Leutchen, haben leider nie Kinder bekommen und sich inzwischen auch irgendwie damit abgefunden. Und jetzt kommt dieser ominöse Besuch von irgendwo und sagt so was.

Sarah lacht und kann es nicht glauben. Aber da hört sie, wie gefragt wird: „Sollte denn bei Gott etwas unmöglich sein?“ Und erst jetzt wird spürbar, dass mit den Dreien irgendwie Gott selber mitgekommen ist.

Abraham geht noch ein Stück Weg mit ihnen mit. Aber das göttliche Rätsel bleibt bei Sarah im Zelt und ist nicht mehr weg zu denken. Dieser Besuch hat alles auf den Kopf gestellt.

Wenn Gott zu Besuch kommt, dann passieren Dinge zwischen Himmel und Erde, die sind so unfassbar groß und wunderbar. Und vielversprechend. Weil doch wieder mal was auf die Welt kommt, womit niemand mehr gerechnet hat. Denn bei Gott ist nichts unmöglich-auch nicht mitten in der Pandemie. Man kann also gespannt sein, wen er heute Mittag besucht....

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