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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

12DEZ2020
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Maria hat ein Herz. Und was für eins! Ein ganz Großes! Das hat sie sich  genommen und  alle Unannehmlichkeiten in Kauf genommen. Kommt zu dem ganzen Trubel wie die Jungfrau zum Kind. Akzeptiert dieses gottgewollte Weihnachtsspektakel, kommt einfach mit, unter ihren Umständen sogar bis nach Bethlehem. Dort erwartet sie eine schwere Geburt. So ganz allein mit Stallgeruch und Fremdbesuch, die hat sicher nicht schlecht gestaunt über Hirten und Krippe, das Kind in Windeln gewickelt und sich sehr gewundert. Und am Ende speichert sie die ganze Geschichte an dem Ort, der einzig und allein dafür geeignet ist.

Es heißt in der biblischen Weihnachtsgeschichte nämlich am Ende: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen!“ Herz ist Trumpf, wenn es darum geht, die Erfahrung aufzubewahren, dass Gott zur Welt kommt. Es reicht nicht, wenn wir es uns durch den Kopf gehen lassen, bis er raucht. Es gehört in unser Herz. Da stolpert und klopft, rast und flattert es in uns am meisten. Da hören wir nicht nur, sondern fühlen es auch.

In diesen Tagen und Wochen brauchen wir viel Herz, um mitzukommen bis zur Krippe. Das Herz ist der springende Punkt. Dort kann das Vertrauen wachsen auf Gott, der nicht himmelweit weg, sondern mir ganz nah ist. Und das macht Maria uns vor. Sie packt alles Unfassbare und alles Unglaubliche dieser Weihnachtsgeschichte in die Schatzkammer ihres Herzens.

Lange bevor sie ahnen kann, was mit diesem Kind auf sie zukommt, was aus ihm wird und damit auch aus ihr. Lange bevor sie  sich auskennt und weiß, woran sie mit diesem  Sohn eigentlich ist, nimmt sie sich einfach alles zu Herzen, alle Eindrücke und Rätsel des Augenblicks. Bis auf weiteres aber ist Advent reine Herzenssache.

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11DEZ2020
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Advent und Weihnachten sind ein weites Feld. Gott kommt auf die Welt und er sucht sich dafür besondere Orte aus. Seine Geschichte platziert er ganz bewusst. Die Koordinaten seiner Landung markieren keine heiligen Hallen, keine Paläste und  keine Tempel. Ihm gefällt das Feld. Das freie.

Mit offenem Himmel und weiter Sicht. Weltweite Feldforschung beginnt, als es heißt: „In der Gegend von Bethlehem waren Hirten draußen auf den Feldern. Sie hielten in der Nacht Wache bei ihrer Herde. Auf einmal trat der Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie. Und sie erschraken und bekamen große Angst.“

Die ersten Adressaten vom Advent Gottes in dieser Welt stehn auf dem Feld, weit weg von Haus und Hof und Herd bei ihrer Herde.Arme Schlucker weit da draußen, im Abseits ohne öffentliche Bedeutsamkeit. Und ausgerechnet dahin kommt vom Himmel hoch der Weihnachtsengel. Das leuchtet nicht so leicht ein, es blendet eher.

Die Hirten fürchten sich sonst eher nicht so schnell, sie sind draußen allerhand Gespensterliches gewohnt. Aber dieses Flutlicht auf weiter Flur ist doch zu viel auf einmal. Aber gerade sie sind die auserwählten Adventspioniere. Sie erfahren als erste von der großen Freude, die allem Volk widerfahren wird. Und sie hören einen klaren Auftrag. „Ihr werdet  das Kind in der Stadt Davids finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“

Und kaum ist das himmlische Feuerwerk vorbei, da machen sie sich auf und sehen nach und werden fündig und tragen die Nachricht weiter und vor allem kommen sie wieder zurück. Geadelt vom Himmelslicht aber geerdet von ihrer Pflicht. Sind neu und doch treu. Der Himmelsglanz und die Erdenmüh gehören zusammen. Beides ist Feldarbeit.

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10DEZ2020
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Das Wichtigste in einem Stall ist die Krippe. Das weiß ich ganz genau. Auf dem Bauernhof meiner Kindheit war ich nämlich zuständig für das Säubern der Krippe. Das Wichtigste kam immer zuerst. Und das waren saubere Krippen, damit die Futterstelle für das Vieh vorbereitet war für das Kraftfutter, das es zuerst zu Fressen gab.

Dann waren die Tiere erst einmal zufrieden und beschäftigt, wurden ruhiger und die restliche  Stallarbeit mit Misten und Melken konnte beginnen. Die Krippe ist das zentrale Inventar im Stall. Und nun heißt es in der Weihnachtsgeschichte der Bibel:
„Maria brachte ihren ersten Sohn zur Welt. Sie wickelte ihn in Windeln und legt ihn in eine Futterkrippe.“

So prominent untergebracht wird Jesus ein Stallbursche der besonderen Art und löst damit sozusagen einen krippalen Effekt aus. Und der könnte durchaus ansteckend sein, weil er gesund ist.

Was in der Krippe liegt, ist effektiv die Nahrungsquelle. Der gedeckte Tisch, da ist das Kraftfutter für die Seele. Jesus bringt lebensspendende Kraft ins Spiel und fortan nennen die Leute die Geschichte Krippenspiel.

Und das ist dann auch der Grund, warum Ochs und Esel mitspielen. Weil denen nämlich die Krippe ja gehört. Und weil sie ganz genau wissen, dass der Inhalt der Krippe lebenswichtig ist. Da kennen sie sich aus. Aus der Krippe kommen Nahrung und Bewahrung. Ohne Krippe keine Kraft. Das Krippenspiel handelt vom Nährwert. Davon leben wir. Wer die Nähe der Krippe sucht

Und mit diesem Kind groß wird, lernt die Liebe Gottes kennen und wird stark und bekommt Lebenskraft. Dafür können Ochs und Esel geradezu Vorbilder sein. Die Bibel sagt deshalb ganz frech:

„Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber mein Volk kennts nicht und verstehts nicht!“ Eine tierisch ernste Lektion wird uns da erteilt von Ochsenschwanz und Eselsohr.

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09DEZ2020
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Im Advent kommt zusammen, was zusammen gehört. Himmel und Erde. Wenn wir sonst von einem riesengroßen Abstand sprechen, dann sagen wir: Himmelweit! Weiter voneinander weg gibt’s gar nicht, als himmelweit. Gott im Himmel. Wir Menschen auf der Erde. Himmelweiter  Abstand.

Kein Wunder, dass sich viele so alleine fühlen, so gottverlassen oft. Aber wenn Advent ist, wenn Gott ankommt, denn Advent heißt ja: ANKUNFT, dann ändert sich diese mit Abstand größte Distanz. Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns. Die Engel fangen an zu singen, wenn die Ferne zur Nähe wird.

Himmelweit und erdennah klingt es dann, wenn es in der biblischen Weihnachtsgeschichte heißt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!“ Im Himmel wird die Ehre Gottes gefeiert, wenn auf der Erde Friede einzieht.
Das ist die himmlische Doppelbewegung, die auf uns zukommen soll im Advent. Ehre Gottes und Friede auf Erden sind wie das Ein und Ausatmen des Lebens im Advent.

Wenn der Schöpfer seine Geschöpfe besucht, dann geht das nur, wenn sich der Unfriede in Wohlgefallen auflöst. Der Heiland will heiles Land sehen. Land in Sicht, wenn Menschen im Advent anfangen, den Frieden zu leben.

Umgekehrt macht der Unfriede hier uns alle miteinander taub für Gott und seinen Friedenswillen. Die Art und Weise unseres Miteinanders hier ist nicht nur unsere innere Angelegenheit, es ist Majestätsbeleidigung Gottes.

Ich glaube: Im Advent steckt ganz viel Friedenspotential. Gott traut uns den Frieden zu. Mit dem Echo des Friedens könnten wir antworten auf die Überwindung des himmelweiten Abstandes zwischen Gott und der Welt. Und dann werden wir über uns hinauswachsen. Bis in den 7. Himmel womöglich.

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08DEZ2020
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Im Advent, auf dem Weg nach Weihnachten, kommen biblische Orte ins Spiel. Zum Beispiel: Bethlehem. Bethlehem ist eine kleine Stadt im Westjordanland. Nahe bei Jerusalem. Sie hat eine lange Geschichte. Sie ist ein heiliger Ort im Heiligen Land. Liegt im judäischen Bergland. Gilt als Heimatstadt des legendären Königs David. Und weil Josef wohl weitläufig verwandt war mit ihm, muss er mit seiner Maria zur Volkszählung eben da hin. Nach Bethlehem.

Schon im 8 Jahrhundert vor Christus hatte der Prophet Micha vorausgesagt, dass der Messias einmal in Bethlehem geboren wird. Die Bibel erzählt deshalb:

Maria und Josef sind da angekommen und es war kein Zimmer frei. Kein Raum in der Herberge. Da hat alle königliche Verwandtschaft nichts genützt. Stellen Sie sich vor: Gott kommt zu Besuch und niemand lässt ihn herein. Kein Herz für Kinder. Kinder leiden immer am meisten unter dem Platzmangel auf der Welt.

Das Jesuskind war anscheinend von Anfang an obdachlos. Wird in einem Stall geboren. Der Sohn Gottes teilt das Schicksal der vielen Kinder dieser Welt, die frieren und außerhalb der guten Gesellschaft leben.
Darum gibt es dazu auch ein Lied von Rudolf Otto Wiemer in dem es heißt: „Sage, wo ist Bethlehem, wo die Krippe, wo der Stall? Musst nur gehen, musst nur sehen: Bethlehem ist überall.“ Überall, wo man Kindern keinen angemessenen Lebensraum zugesteht ist Gott mit seinem Jesuskind demonstrativ in der Nähe.

Übrigens ist es bis heute in Bethlehem sehr eng. Es kommen jedes Jahr über 2 Millionen Leute -wenn nicht gerade Corona ist-und in der Advents-und Weihnachtszeit. Ist dort wie damals kaum Raum in der Herberge.

Weil so viele den Geburtsort besuchen wollen wo der auf die Welt gekommen ist, für den kein Platz frei war.

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07DEZ2020
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Wo werden wir wohl in diesem Jahr Weihnachten feiern? Man weiß ja gar nicht recht, wie man planen soll in diesen unsicheren Corona-Zeiten. Dabei gibt es kaum ein Fest, das so an die vertrauen Orte gebunden ist, wie Weihnachten.

Höchste Zeit also für Plan B. Was ist, wenn wir womöglich nicht in die Kirche gehen können? Was, wenn wir die Kinder und die Enkel diesmal nicht im gewohnten Rahmen sehen? Nicht alle unterm Baum im festlich geschmückten Wohnzimmer sein können?

Und wie machen wir das am Zweiten Feiertag mit dem Besuchen? Können wir Freunde treffen? mit der Verwandtschaft Kaffee trinken? zur Oma fahren?

Wenn wir etwas feiern und begehen, dann sind uns Orte wichtig. Feste Punkte, an denen wir uns auskennen, wieder erkennen, erinnern von der Kindheit bis heute. Weihnachten muss verortet sein. Daheim und Drumherum. Aber womöglich werden wir diesmal flexibel sein, weil eben alles anders ist. Und die Weihnachtsgeschichte selbst hat ja auch durchaus ungewohnte Orte. Da findet auch Nichts in der guten Stube statt.

Die Bühne für das starke Weihnachtsstück ist ja der Stall, das Kind in der Krippe bei Ochs und Esel und Stallgeruch. Die Veranstaltung findet nicht im Saale statt, sondern draußen auf dem Feld. Ehre sei Gott in der Höhe und an der frischen Luft.

Das sind die Gänsehaut-Orte der Heiligen Nacht. Da könnten wir doch auch mal hin. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Wald- und Wiesenweihnacht in diesem Jahr? Oder mit einer Andacht bei den Tieren? Treffen wir uns doch in der frischen Luft unter freiem Weihnachtshimmel.

Das Gute daran ist ja, dass Gott selber gar nicht so festgelegt und ortsgebunden ist. Er feiert mit uns gerne überall. Machen wir also - wenn es sein muss-aus der Not eine Tugend in diesem Jahr und verlegen das Fest näher an den Ursprung. An der Stelle, wo wir etwas vom Zauber des Festes spüren ist jedenfalls Gott vor Ort.

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