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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

21MRZ2020
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„Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.“ Das ist ein bekannter Spruch aus dem letzten Jahrhundert.

Was würden Sie machen, wenn Sie diesen Spruch erstnehmen würden? Wenn Sie sich heute ganz bewusst klar machen würden, dass dieser Tag der erste Tag vom Rest Ihres Lebens ist? Würden Sie etwas verändern? Aber was?

Ganz schön schwer – oder? Okay, manch „klassische“ Dinge fallen wohl den meisten schnell ein: Mehr auf die Umwelt achten. Sich bewusster und gesünder ernähren. Mehr Sport treiben. Mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Aber wäre es das? Gute Vorsätze, die ich allzu oft nicht umsetze. Warum eigentlich?

Ich glaube wir Menschen tun uns auch oft schwer damit Entscheidungen selbst zu treffen, noch dazu, wenn sie das ganze Leben betreffen sollen. Ich jedenfalls warte auch gerne mal ab, bis ich von außen den Impuls zur Veränderung bekomme. Ich warte bis mir jemand anderes sagt, was jetzt zu tun und zu lassen ist. Damit gebe ich Verantwortung ab. Ich kann notfalls sagen, dass ich es ja vielleicht doch anders entschieden hätte. Es ist gar nicht so leicht, die restlichen Tage meines Lebens verantwortungsvoll und sinnvoll zu gestalten.

Zum Beispiel jeden Abend zurückschauen auf den Tag. Gutes wie schlechtes anzusehen und am besten gleich Konsequenzen für den nächsten Tag ziehen. Oder es wäre doch schön jeden Mittag eine Pause mit vielleicht 20 Minuten Spazierengehen zu verbinden. Nur laufen und die Umgebung beobachten.

Vielleicht ist deshalb die Aktion „Sieben Wochen ohne“ inzwischen so beliebt. Da kann ich etwas ausprobieren, mich testen, ohne dabei die gefühlte Verpflichtung einzugehen, von heute auf morgen den gesamten Rest meines Lebens anders gestalten zu müssen.

Sieben Wochen können zwar schon ganz schön lang sein. Aber sie sind auch begrenzt und ich kann schauen, wie es sich anfühlt…

Übrigens, das geht nicht nur am Anfang der Fastenzeit – nein das können Sie auch heute noch entscheiden, auch wenn die Fastenzeit schon zur Hälfte rum ist. Und wenn Sie merken, das ist etwas, was Ihnen wirklich wichtig ist – dann machen Sie doch nach Ostern einfach weiter damit.
Also heute ist der erste Tag vom Rest Ihres Lebens – wie soll es ab morgen weitergehen?

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20MRZ2020
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Heute ist ein Tag, an dem eigentlich alles ziemlich klar ist. Die Termine des Tages stehen im Kalender und die werde ich abarbeiten. Dabei ist heute nichts Schlimmes, nichts Schwieriges, aber auch nichts Spannendes dabei.

Ich werde wieder viel zu lange im Auto unterwegs sein und dann die weiteren Termine des Tages angehen – ja fast wollte ich sagen absolvieren.

Es ist ein Tag wie viele. Alltäglich, und damit irgendwie auch gut so.  Aber doch nur „irgendwie“. Denn eigentlich wollte ich es in dieser Passionszeit endlich mal anders machen: Ich wollte aufmerksamer leben, achtsamer sein.

Ich bewundere immer Menschen, denen das gelingt, sich in diesen sieben Wochen Passionszeit etwas vorzunehmen und es durchhalten. Manche verzichten bewusst auf etwas, z.B. Alkohol, oder sie machen 7 Wochen konsequent etwas anders. Das wollte ich auch. Ich wollte achtsamer sein. Damit meine ich genauer hin sehen wann ich was tue. Schon beim Planen des Tages aufmerksamer zu sein und bewusst auch das hier und jetzt wahrnehmen. Das Leben spüren.

Aber das fällt mir schwer. Ich arbeite immer noch viel zu oft Termine einfach ab. Ohne allzu große Achtsamkeit. Aber sich Zeit und Muße nehmen, mit etwas Abstand zurück zu schauen hilft doch oft, manches besser zu verstehen. Mich tröstet ein wenig, dass es den Menschen früher auch nicht anders ging.

In der Passionszeit denken wir Christen ja an das Leiden und Sterben von Jesus. Und gerade sie erinnert mich: Die Augenzeugen bei Jesu Kreuzigung haben auch nicht sofort verstanden, was da passiert ist. Für sie wurde ein Unschuldiger hingerichtet. Für sie starb damit am Kreuz jegliche Hoffnung. Aber einige Tage später – ja da haben viele verstanden, dass da viel mehr passiert ist.

Vielleicht muss ich meinen Vorsatz für die Passionszeit nochmal überdenken. Nicht krampfhaft zu versuchen, stets auch das Alltäglichste mit größter Aufmerksamkeit zu betrachten. Besser ist vielleicht, immer wieder bewusst zurück zuschauen und so das eigene Leben besser verstehen lernen. Ich glaube: Dieser Blick von heute auf gestern ermöglicht dann auch einen anderen Blick auf Morgen.

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19MRZ2020
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Gestern war es wieder soweit: Ich habe etwas gelernt. Nein eigentlich heute. Denn heute habe ich über Gestern nachgedacht und habe verstanden, was gestern schief gegangen ist. Blöd nur, dass ich es gestern nicht gleich gemerkt habe.

Aber der Reihe nach: Gestern Morgen. Ich war im Auto unterwegs. Etwas spät zwar, aber, es hätte eigentlich reichen müssen. Trotzdem fuhr ich etwas schneller – und schwupp wurde ich geblitzt. Aber nicht wie sie jetzt vielleicht denken – Kein roter, heller Blitz, nein ein Polizist hielt die Laserpistole in der Hand und an der nächsten Kurve wurde ich rausgewunken. Und damit war klar: Erstens: Ich muss bezahlen und zweitens: Ich werde zu spät kommen.

Als ich nach der Erledigung der Formalitäten weitergefahren bin, war ich in einer seltsamen Stimmung. Einerseits habe ich mich geärgert. In erster Linie natürlich über mich. Andererseits war ich aber auch ziemlich ruhig, ja fast schon entspannt. Erst heute Morgen wurde mir dann klar, warum das so war.

Natürlich war da gestern der Ärger, dass mich mein zu schnelles Fahren nun etwas kosten würde. Aber die freundliche Professionalität des Menschen in Uniform hat den Ärger schnell reduziert. Er hat seinen Job gemacht und mich für mein Fehlverhalten mit einer gerechten Strafe belegt. Ganz ohne Überheblichkeit, ohne Besserwisserei, ohne Häme. Das war in dieser Situation wohltuend und hat mich trotz meines Ärgers geerdet.

Heute fühlt es sich wie Buße an, die ich tun musste um weiter machen zu können. Wenn ich von heute auf gestern schaue, war es doof von mir zu schnell zu fahren. Und ich würde es heute auch nicht mehr so machen. Ich habe nachgedacht und habe meinen Fehler eingesehen. Ja, ich habe umgedacht. War es gestern noch scheinbar in Ordnung zu schnell zu fahren, so würde ich es heute anders sehen.

Leider habe ich das so richtig erst heute verstanden. Schade, jetzt kann ich dem Polizisten nicht mehr persönlich „Danke“ sagen.

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18MRZ2020
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Neulich habe ich für den Urlaub meinen Koffer gepackt. Dabei habe ich mich an Koffer erinnert, die ich mal bei einer Ausstellung gesehen habe.
Die Ausstellung heißt: Ein Koffer für die letzte Reise. Noch immer kann man sie bestaunen – die Termine dazu gibt es Internet. Erstellt hat die Ausstellung vor einiger Zeit der Bestatter Fritz Roth. Der hat damals hundert Menschen angeschrieben und sie gebeten, einen Koffer zu packen mit dem, was sie auf ihre Reise in Jenseits mitnehmen möchten. Diese Koffer wurden dann gezeigt.

In einem liegt zum Beispiel ein Dosentelefon. Die Koffer-Packerin will nichts Materielles mitnehmen, aber irgendwie auch im Himmel mit ihren Liebsten in Kontakt bleiben. In einem anderen Koffer liegen vier Zettel. Darauf die Worte: Liebe, Nein, Entschuldigung, Danke. Der Mann, der die Zettel eingepackt hat, sagt: „Ich wollte Werte aus meinem Leben mitnehmen, weil ich sie für wichtig erachte“. Und dann ist da noch ein etwas vollerer Koffer. Gepackt hat ihn die Autorin Susanne Fröhlich. Darin unter anderem: Ein Päckchen Nudeln für gute Stimmung, ein Rätselbuch gegen Langeweile und Zigaretten für kleine Sünden.

Durch die Ausstellung spazieren macht nachdenklich: Was würden Sie mitnehmen auf Ihre letzte Reise? Wie würden Sie Ihren Koffer füllen?
Ich würde meinen Ehering einpacken, weil er für die Liebe in meinem Leben steht. Und Kopfhörer, um auch im Himmel Musik zu hören. Und einen Lippenstift vielleicht, damit ich dem lieben Gott mein schönstes Lächeln zuwerfen kann, wenn ich bei ihm ankomme.

Während ich so noch in Gedanken bei der Ausstellung zur letzten Reise bin, habe ich meine Urlaubskoffer fertig gepackt. Wahrscheinlich habe ich mal wieder viel zu viel mitgenommen. Auf meiner letzten Reise wird mir das hoffentlich nicht passieren. Weil – obwohl ich gar nicht genau weiß, wohin es im Jenseits geht, glaube ich fest daran, dass alles, was ich dort brauche, längst da ist. Und mein letzter Koffer im Grunde deshalb einfach leer bleiben kann.

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17MRZ2020
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Gerade in Krisenzeiten zeigen sich menschliche Qualitäten besonders. Davon bin ich überzeugt. Solidarität. Besonnenheit. Geduld. Und Zuversicht. Menschen können viel, wenn es darauf ankommt. Gott sei Dank. An Tagen wie diesen, wo das Coronavirus das Land weitgehend lahmlegt, da braucht es solche Qualitäten. Und ich glaube, wir haben sie. „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim 1,7) glauben wir Christen.

Besonders wichtig ist die Solidarität scheint mir, die wir Christen Nächstenliebe nennen. Und die Kraft aus der Zuversicht, dass wir es natürlich schaffen werden. Wir werden die Krise durchstehen, wenn wir zusammenhalten. Auch wenn zusammenhalten im Augenblick oft heißt: Abstand halten und die Distanz aushalten, die empfohlen ist. Aber Einkaufen für ältere Nachbarn, Ideen für gemeinsame Kinderbetreuung, das geht ja trotzdem. Ich kenne Großeltern, die lesen ihren Enkeln am Telefon Geschichten vor – haben sie schon früher gemacht. Klappt prima. Und in Zeiten wie diesen ist es ja auch gut und wichtig, dass es Fernsehen gibt und Internet: Eltern und Kinder können gemeinsam suchen, was sich da Interessantes findet. Anrufen kann man auch bei Oma und Opa und im Krankenhaus – damit keiner das Gefühl haben muss: jetzt lassen mich alle allein.

Ich denke, das hilft, dass wir die kommende Zeit nicht als verlorene Zeit sehen müssen. Vielleicht macht sie uns sogar stärker. „Andratuttobene“, ermutigen sich die Italiener gegenseitig. Alles wird gut! Und sie singen gemeinsam von ihren Balkonen herunter und sie klatschen Applaus für die Ärzte und Pflegekräfte, die ihr Möglichstes tun.

Besonnenheit. Zuversicht, die Kraft gibt. Und Liebe. Ich glaube, nur so kann man diese Wochen durchstehen, ohne in den Coronablues zu fallen. Und das ist kein blauäugiger Optimismus, der sich etwas vormacht. Es wird auch bei uns Schwerkranke geben und Menschen werden sterben – wie bei jeder Grippeepidemie. Auch da braucht es Solidarität mit den Trauernden. Und Zuversicht. Gott hält das Leben in der Hand, auch wenn wir sterben.

Er schenke uns seinen Geist, damit wir uns nicht fürchten müssen.

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16MRZ2020
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„Trimm dich durch Sport!“ – Mit diesem Motto hat der Deutsche Sportbund heute vor fünfzig Jahren die Trimm-dich-Bewegung gestartet. Das Ziel: Die Menschen sollen sich mehr bewegen, in Sportvereinen oder auf den Trimm-Dich-Pfaden. Die wurden sogar extra dafür eingerichtet. Den Erfindern war nämlich schon damals klar: wir bewegen uns im Alltag viel zu wenig. Dabei ist Bewegung total wichtig um lange gesund zu bleiben. Sogar, wenn, wie jetzt, eine Epidemie durch die Welt geht, ist das wichtig. Wer gesund ist, den erwischt es hoffentlich nicht so leicht.

Allerdings: Obwohl ich selbst richtig gerne Sport mache, klingt der Aufruf „Trimm dich!“ für mich überhaupt nicht motivierend, sondern eher nach Quälerei und fiesem Muskelkater.

Viel besser gefällt mir ein Motto der Bibel. Da heißt es: „Euer Leib ist ein Tempel für den Heiligen Geist.“ Das bedeutet: Der Körper ist der Ort, in dem Geist und Seele stecken. Gott hat seinen Geist in unseren Körper hineingelegt. Deshalb müssen wir sorgsam mit ihm umgehen. Oder, wie es in der Bibel weiter heißt: „Sorgt dafür, dass euer Leib Gott Ehre erweist.“ (1. Kor 6,19f)

Mit diesem Motto schaue ich viel positiver auf meinen Körper. Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen einen getrimmten und gestählten Body zu bekommen, sondern ich überlege: Was braucht mein Körper, damit ich durch ihn Gott Ehre erweise? Was brauche ich, damit es meinem Körper-Tempel und dem Geist darin gut geht? Was kann ich, auch gerade jetzt, tun, um für mich zu sorgen?

Dazu gehört ganz sicher auch Bewegung, damit hatten die Trimm-Dich-Erfinder schon recht. Und das bedeutet natürlich, dass man den inneren Schweinehund erst einmal überwinden muss. Aber dann soll es auch Spaß machen, finde ich. Oder entspannen und Stress abbauen.

Denn auch das braucht der Körper, damit es ihm gut geht, damit dieser ein Tempel für Gottes Geist sein kann: Ruhezeiten und Erholung. Und Verantwortung für die eigene Gesundheit und auch die der anderen.

Und manchmal tut meinem Körper, und mehr noch meine Seele, auch einfach ein Stück Schokolade gut. Das gönne ich mir dann und lass es mir richtig schmecken – zur Ehre Gottes.

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