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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

27JUL2019
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Wie ein roter Feuerball geht die Sonne über der Savanne auf und taucht alles in ihr warmes Licht. Das ist das Reich des Königs der Löwen.

Seit einer Woche läuft der wieder in den Kinos. Ein Remake des Zeichentrick-Klassikers – diesmal täuschend echt animiert. Die Bilder sind großartig: Der rosa Himmel über der Steppe, zerklüftete Felsen, schneebedeckte Berggipfel. Davor laufen Giraffen, Zebras, Elefanten, Gnus. Sie alle kommen, um den neugeborenen Löwen zu sehen: Simba.

Und dazu diese Musik, bei der ich Gänsehaut bekomme. Der Liedtext: „Im ewigen Kreis dreht sich unser Leben. Ein Gesetz der Natur. Und wir sind ein Teil – im ewigen Kreis.“

Dahinter steckt eine uralte Vorstellung. Die Bibel kennt sie auch. Da heißt es: Gott verspricht den Menschen: Solange die Erde währt sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Ein ewiger Kreis.

Für die Bibel ist dieses Gesetz der Natur nicht zufällig, sondern Gottes kluge Ordnung. Im Film erklärt der Löwenkönig Mufasa dem kleinen Löwen Simba das so: „Alles lebt in einem empfindlichen Gleichgewicht zusammen. Auch du hast deinen Platz im ewigen Kreis.“

Ich glaube, das gilt auch für uns Menschen. Jeder hat seinen Platz im Kreis des Lebens. Leider nehmen wir Menschen uns viel zu viel Platz in diesem Kreis. Das empfindliche Gleichgewicht gerät dadurch zunehmend aus den Fugen. Die Folgen spüren wir schon jetzt. Dafür müssen wir Verantwortung übernehmen: Gott nicht so sehr in seine Ordnung pfuschen und Rücksicht nehmen auf die Schöpfung. Jeder einzelne von uns.

Ich lasse deshalb jetzt öfter das Auto stehen, kaufe mehr Gemüse aus der Region und Fleisch gibt’s echt nur noch ganz selten. Schließlich will ich auch in Zukunft noch dankbar staunen dürfen über Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter – dieser großartigen Ordnung Gottes, dem ewigen Kreis. Und es nicht nur im Kino erleben.

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26JUL2019
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Heike hat es zu was gebracht: Sie ist Ingenieurin und leitet ein erfolgreiches Bauunternehmen. Ihr Arbeitsalltag ist stressig. Zum Ausgleich zieht sie nach Feierabend Bahnen im Schwimmbad um die Ecke.

Auf der Bahn neben ihr schwimmt Heinz. Der lässt es etwas ruhiger angehen. Höchstgeschwindigkeiten und Streckenrekorde, das muss in seinem Alter nicht mehr sein. Er will sich nur ein bisschen bewegen, damit er fit bleibt.

Und dann sind da noch die Müllers. Für die ist der Badespaß im Sommer nicht wegzudenken. Große Ausflüge oder sogar in den Urlaub fahren, das geht nicht. Dafür fehlt das Geld. Aber das Schwimmbad mit der großen Liegewiese zum Sonnen, dem Sprungturm und dem Kinderbecken, das ist ja fast wie Urlaub. Dann noch eine Portion Pommes oder ein Eis und der Tag ist perfekt.

Ob Heike, Heinz und die Müllers noch lange ihr Schwimmbad nutzen können ist leider ungewiss: Alle vier Tage schließt in Deutschland ein Schwimmbad für immer, weil der Erhalt zu teuer ist.

Ich finde das echt schade. Denn Schwimmbäder gehören zu den wenigen Orten in unserer Gesellschaft, an denen ganz unterschiedliche Menschen zusammen kommen: Hier treffen sich Jugendliche, Familien verbringen gemeinsam ihre Freizeit und Menschen treiben Sport – bis ins hohe Alter.

Solche Orte gibt es heute nicht mehr oft. In der Regel verbringen wir unsere Zeit fast ausschließlich mit Menschen, die ihr Leben ähnlich gestalten wie wir. Denen dieselben Dinge wichtig sind. Jeder bleibt unter seines gleichen. Das führt dann oft dazu, dass wir einander weniger verstehen. Und der Zusammenhalt verloren geht. Deshalb sind Jedermann-Orte wie das Schwimmbad wichtig. Wo die Ingenieurin Heike den Rentner Heinz trifft. Und auch Familie Müller ihren Spaß hat. Im Bikini oder der Badehose ist es dabei fast egal, was einer sonst im Leben macht oder wo eine herkommt.  Wenn es heiß wird, treffen sich alle gleichermaßen im Becken.

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25JUL2019
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Keiner ist so weit gekommen, wie Jakob! Jakob war einer der Weggefährten von Jesus. Nachdem der gestorben war, haben seine Anhänger die Botschaft von Gott und Jesus Christus in der ganzen Welt verbreitet. Dabei ist keiner so weit gegangen wie Jakob. Bis nach Spanien – so besagt es die Legende. Das hatte vor ihm noch keiner geschafft. 

Jakob hat sich was getraut. Er ist ins Unbekannte aufgebrochen und hat für Gottes Botschaft Grenzen überwunden. Heute ist sein Gedenktag.

Zu Jakobs Ehren hat man später eine Kirche gebaut. In Santiago de Compostela, da wo sein Grab sein soll. Bis heute pilgern viele Menschen dorthin. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder sogar auf Pferden. Aus ganz Europa kommen die Pilger. Die meisten laufen von Frankreich über die Pyrenäen, quer durch Spanien.

Aber Jakobswege gibt es überall – auch hier bei uns. Man erkennt sie an kleinen Schildern, die den Weg säumen: Eine gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund, manchmal mit kleinen gelben Sternen drumherum. Die Sterne sollen an die europäische Flagge erinnern. Denn die Jakobswege spannen sich wie ein Netz über ganz Europa. Egal ob von Dänemark nach Deutschland, von Kroatien nach Österreich oder von Italien in die Schweiz.

Menschen, die sich auf den Weg machen, trauen sich was – wie Jakob. Sie überwinden Grenzen. Und sie verbreiten eine Botschaft. Die Botschaft von einem vereinten Europa. Der Jakobsweg ist für mich ein Ort – da gibt es dieses Europa schon. Da kann ich es spüren. Die Menschen teilen dort miteinander die Anstrengung, den Weg und das Ziel. Dabei wird es ganz egal, wo einer herkommt, welcher Nation er angehört und welche Sprache er spricht. Pilgern verbindet: Regionen – Länder – Menschen.

Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, setzt deshalb ein Zeichen: Für eine weltoffene Gemeinschaft. Dafür, dass es möglich ist, sich was zu trauen und ins Unbekannte aufzubrechen. Dafür, wie gut es tut, wenn Grenzen überwunden werden. 

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24JUL2019
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Es blüht. Zum ersten Mal durch mein Dazutun in unserem Garten. Oft schon habe ich versucht etwas anzupflanzen. Aber nie ist es mir gelungen, dass es blüht. Mal hatte ich zu wenig Zeit, um zu gießen. Oder ich habe den falschen Standort gewählt. Aber dieses Mal stimmt alles. Und ich freue mich täglich. Immer wieder gehe ich zum Beet und bestaune das bunte Wunder. Dabei wächst da gar nichts Besonderes: Bunte Blütenmischung heißt die Packung. Kornblumen und Calendula, Cosmea und Kapuzinerkresse. Die Bienen freuen sich auch. Und man kann die Blüten sogar essen. 

Es tut mir gut, dass da was wächst. Das ich dazu beigetragen habe, dass da Leben ist. Ich fürchte, vieles was ich tag täglich tue fördert das Leben nicht. Ich fahre Auto. Ich esse Fleisch. Ich bin umgeben von Dingen, von denen ich nicht sagen kann wer sie hergestellt hat und ob es demjenigen gut ging dabei. Ob er oder sie genug verdient hat um zu leben, oder nur einen Hungerlohn. Auf ganz unterschiedliche Weise bin ich verstrickt in einen Kreislauf, der viel Not und Leid hervorruft. Manchmal verzweifle ich richtig darüber. Auch weil vieles so undurchsichtig ist.

Und dann ist da das Blumenbeet. Es ist klein. Und wirklich einfach ein Fleck Erde im Garten. Aber da ist Leben. Ich wünschte mir, dass mehr so wäre wie mein Blumenbeet. So einfach und doch wunderbar. Und das Blumenbeet hat einen guten Effekt. Ich merke wie gut es mir tut dem Leben zu dienen. Deshalb  halte ich im Alltag Ausschau nach Gelegenheiten das auch da zu tun. Ich weiß – ich kann mich nicht auf einmal ganz aus den Verstrickungen befreien. Aber es ist möglich einige der Stricke zu lösen. Ich kann Eier kaufen aus Betrieben, die die Hähnchen nicht töten z.B. Und auch bei den Keksen darauf achten wo die Eier her kommen, die darin stecken. Überhaupt weniger kaufen. Das nutzen was da ist bis es wirklich nicht mehr zu gebrauchen ist. Auch Kleidung.

Es tut gut dem Leben zu dienen. Mir hat das ein Päckchen Samen wieder klargemacht. Bunte Blumenmischung. 3,99 Euro.  

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23JUL2019
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Immer im Sommer denke ich an Franka. Denn im Sommer ist Frankas Geburtstag. Das waren schöne Feste: Mit Butterkuchen unterm Sonnenschirm. Mit langen Gesprächen zum erstem Wein. Wenn ich daran zurückdenke blühen Klatschmohn und Kornblumen und immer scheint die Sonne. Und ich denke auch an die Träume, die wir miteinander geteilt haben. Wir wollten die Welt retten und Spaß haben; nach Berlin ziehen und gemeinsam studieren.

All das hat sich nicht erfüllt. Nach der Schulzeit haben wir uns aus den Augen verloren. Vielleicht hat es auch einen Streit gegeben, aber worum der ging, das weiß ich nicht mehr. Seit Jahren haben wir keinen Kontakt mehr. Und trotzdem: Immer im Sommer denke ich an sie. Das Hohelied in der Bibel ist ein Liebeslied. Aber ich finde: Was darin steht, das trifft auch auf Freundschaften zu. Zum Beispiel steht da: Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Mädchen!“ So habe ich das damals empfunden. Unter all den Mädchen hat Franka herausgestochen. Die Seelenfreundin, der ich alles erzählen konnte. Mit ihr konnte ich lachen und weinen. Wer so einen Schatz gefunden hat, sollte ihn nicht leichtfertig aufgeben. Denn im Leben lernt man schnell: oft gibt es mehr Dornen als Lilien. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, die so jemanden wie Franka im Leben hat. Einen Menschen, der einem einmal ganz nah gewesen ist. Einen Menschen, der trotz der langen Zeit irgendwie fehlt im Leben. Natürlich ist seit damals viel Zeit vergangen. Ganz bestimmt habe ich mich verändert. Und auch Franka ist sicher nicht mehr die Abiturientin mit Baskenmütze und losem Mundwerk. Vielleicht haben wir uns nichts mehr zu sagen. Aber vielleicht eben doch. Ich werde versuchen Ihre Adresse herauszufinden. Und vielleicht gibt es im nächsten Jahr einen neuen Geburtstag – diesmal gemeinsam unterm Sonnenschirm. Freundschaft ist wertvoll – mit und ohne Butterkuchen.

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22JUL2019
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„Ich habe gar nicht gewusst, dass Kirche auch Spaß machen darf!“ Meine Freundin zwinkert mir zu und  schwärmt beim Abschied: „Was für ein wunderschöner Abend. Die Stimmung war so schön. Tolle Musik, leckeres Essen. Ich hoffe das machen wir bald wieder!“ 

Sie lacht und verabschiedet sich. Wir waren auf dem Gemeindefest gewesen. Und ich denke: da ist es wieder – das alte Problem. Meine Freundin ist getauft, und zahlt auch Kirchensteuer. Wegen all der sozialen Sachen, die die Kirche macht. Aber sie hat mit Kirche nicht viel am Hut. Die haben mir einfach nichts zu sagen, sagt sie. Da zieht mich nichts hin, in die Gemeinde. Und Sonntag früh möchte ich auch mal ausschlafen und mit meiner Familie frühstücken.

Ich kann sie gut verstehen. Sie arbeitet die ganze Woche, genau wie ihr Mann. Von Montag bis Freitag müssen alle funktionieren. Und da genießt sie jeden Moment, der nicht durchgetaktet ist. Ich habe sie trotzdem zum Gemeindefest eingeladen. Bei uns beginnt das abends im Kirchgarten. Unter Kastanienbäumen. Eine Band tritt auf. Aber so, dass man sich noch unterhalten kann. Es wird gegrillt. Alle essen und trinken miteinander. Für die Kinder gibt es spät noch openair kino und die Eltern sitzen zusammen und erzählen. Ja, Kirche darf auch Spaß machen. Sie soll es sogar. Immer wieder heißt es in der Bibel: Gott ist da, wo Freude ist. Wo Menschen einander begegnen und eine gute Zeit erleben.  Wo sie merken, hier ist es schön. Und hier kann ich sein – mit allem was ich so mitbringe.

Der Kirchenrebell und Autor Erik Flügge empfiehlt der Kirche daher: Erfindet Euch neu! Sucht nach neuen Wegen, um den Menschen von Gott zu erzählen. Und lasst Sie spüren, dass Kirche Spaß machen darf. Ein Ort ist an dem Leben gelingen kann. Miteinander nämlich. Im Teilen von Freude und Kummer. Er hat Recht, finde ich. 

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