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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

20JUL2019
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„Verheiratete katholische Priesterin feiert ökumenisches Abendmahl – Fiktion? - Realität!“

So steht es gedruckt auf Stofftaschen unserer Kirche. Ein echter Hingucker auf Kirchentagen. Drei dieser Taschen konnte ich mir gerade noch sichern. Im Augenblick sind sie vergriffen. Ich bin sicher: Bald gibt es eine neue Auflage davon!

‚Maria 2.0‘ – bei diesem Thema denke ich auch immer wieder an die Entwicklung in unserer (ebenso) katholischen Kirche, bei uns Alt-Katholiken. Ein langer Weg mit Gesprächen, Debatten und Entscheidungsphasen führte dazu, dass bereits vor über 30 Jahren die erste Weihe einer Diakonin, und vor fast 25 Jahren die erste Weihe von Frauen zu Priesterinnen gefeiert werden konnte.

In unserer Kirche sind wir froh darüber, dass dies möglich war und Wirklichkeit ist.

Ich finde es wichtig und gut, dass sich Menschen heute so stark dafür einsetzen, dass es auch in der römisch-katholischen Kirche Diakoninnen und Priesterinnen geben kann.

Wie Jesus wohl heute mit dieser Frage umgehen würde? Für mich ist das klar!

Dass bereits in den Anfangsjahren des Christentums Männer und Frauen wichtige Dienste leisten durften, daran lässt auch die Bibel keine Zweifel. Das Ehepaar Andronikus und Junia wird sogar zu den Aposteln gezählt! (vgl. Röm 16,7) Ich kann nicht verstehen, warum sich viele kirchliche Amtsträger und Theologen bis heute so stark wehren gegen die Weihe von Frauen. Mitunter mit der Begründung, Jesus sei ‚nun mal‘ ein Mann gewesen und zu seinem engen Jüngerkreis hätten ‚nur Männer gehört‘. Zum einen ist diese Aussage äußerst fragwürdig, gleichzeitig wirkt sie lächerlich! Das klingt so, als ob heute nur das gelten könne, was genau so zurzeit Jesu gewesen sei. Dann aber dürften bis heute auch nur jüdische Fischer zum Bischof von Rom gewählt werden!‘ - Das wäre zu einfältig.

‚Mama, können eigentlich Männer auch Priesterin werden?‘ Diese Frage stellte ein Kind, das bisher immer die Pfarrerin in der Gemeinde erleben durfte. Sie hatte den Jungen getauft, sie führte ihn zur Erstkommunion…

Ich habe den Wunsch, dass es irgendwann möglich ist, auch in römisch-katholischen Gemeinden diese Frage zu stellen!

Und darum wünsche ich den vielen Frauen, die sich bei ‚Maria 2.0‘engagieren, viel Kraft und Geduld, vor allem Gottes Segen und Erfolg!

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19JUL2019
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Wenn es der Dienst erlaubt und keine Termine im Kalender stehen, dann sitze ich momentan gern bei uns im Garten. Meine Frau und ich, unsere Familie, Freunde und Bekannte, wir alle erfreuen uns jedes Jahr an dieser ‚Oase im Grünen‘. Hier wird gesungen und gelacht, gegessen und getrunken, gespielt und geplanscht. Menschen begegnen sich. Hin und wieder genieße ich es, ganz allein dort zu sein. Ich kann einfach dasitzen, Bienen und Schmetterlingen zuschauen und mich über die Natur freuen. Ich kann staunen über Kleinigkeiten. Vor kurzem waren es die Katze und eine junge Elster, die mich zum Schmunzeln brachten. Eine kleine Schale mit verdünnter Milch stand da – ursprünglich hingestellt für die Katze. Was geschah? Beide nippten gleichzeitig! Bei der Hitze konnten sich die zwei einfach gegenseitig die kleine Erfrischung gönnen. Die Katze schaute, die Elster trank und umgekehrt. Ein wunderbares Bild des Friedens. Fast wie aus der Bibel, wo es mal heißt: ‚Wolf und Lamm weiden zusammen, der Löwe frisst Stroh wie das Rind (…) Man tut nichts Böses mehr‘ (Jes 65, 25).

Ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit kommt in mir auf, wenn ich dann dasitze und zuschaue. Natürlich gibt es auch andere Augenblicke im Leben, schwere und schmerzhafte. Da geht es nicht, einfach ‚Danke‘ zu sagen.

Wenn ich diese Erfahrungen tiefer Dankbarkeit im Garten aber bewusst wahrnehme und spüre, wie gut es tut, dann gelingt es mir vielleicht auch eher, zu anderen Zeiten das anzunehmen, was mir schwerfällt.

Das ‚Danken-Können‘ wird so für mich zu einer Art ‚Grundlage fürs Leben‘!

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18JUL2019
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Es ist Urlaubszeit. Sommer. Menschen sind unterwegs und genießen ihre freie Zeit.
Auch ich bin in den Ferien gerne unterwegs. Im Augenblick ist es noch nicht soweit.
Aber für mich ist es angenehm, dass jetzt nicht so viele Termine anfallen.
Mir bleibt jetzt mehr Zeit für anderes. Ich räume auf!
Hin und wieder sind es sichtbare Dinge, die aufgeräumt und geordnet werden können. Vor allem aber geht es mir ums Aufräumen im übertragenen Sinn. Ich kann mich fragen, wie es mit meiner inneren Ordnung aussieht.
Ich überlege: ‚Was ist im ersten Halbjahr gelungen und was nicht?
Was ist liegengeblieben? 
Welche Ziele hab‘ ich erreicht, was ist mir schiefgegangen?
Im Getriebe des Alltags kann ja so manches schnell ‚auf der Strecke bleiben‘. Da gibt es Artikel, die ich schon immer mal lesen wollte. Den ein oder anderen Brief, den ich noch schreiben könnte. Oder auch die Planung von Besuchen in unserer weitverzweigten Gemeinde und im Dekanat.
Kurzum: In diesen Wochen kann ich eine Art Zwischenbilanz ziehen.
So betrachtet, ist dies ein Aufräumen der besonderen Art!
Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn ich nach den Ferien geordnet und neu sortiert (in Büro und Hirn) ins zweite Halbjahr starten kann…

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17JUL2019
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Armut soll nicht sein. Das ist ein Grundsatz christlichen Glaubens. Und dass Christinnen und Christen alles dafür tun müssen, dass es keine armen Menschen gibt.

Und dann gibt es einen zweiten Grundsatz christlichen Glaubens. Der heißt: wer Jesus nachfolgt, wer sich für den Glauben stark macht, der kann gar nicht anders, als arm zu leben. Denn Besitz, Güter, Reichtum behindern mich bei der Nachfolge.

Einerseits soll kein Mensch arm sein – andererseits aber ist Armut aus christlicher Sicht gut. Wie geht das zusammen?

Klar ist: Menschen sollen genug zum Leben haben. Genug zu essen, die Befriedigung ganz grundlegender Bedürfnisse, Teilhabe in der Gesellschaft, all das soll sein.

Zugleich aber können auch die, die viel haben arm sein. Aus gutem Grund. Denn wer selbst bescheiden lebt, der kann offen werden für das, was die tatsächlich Armen zu sagen haben. Kann ihnen eine Stimme zu geben und auf sie zu hören. So, wie sich Jesus vor allem den Armen zuwendet: Den Kranken, den Ausgestoßenen, den Menschen am Rand der Gesellschaft.

Arm sein mit Besitz, das heißt auch, genau zu überlegen, was ich eigentlich brauche und was nötig ist. Armut heißt hier: Sich nicht an Dinge zu binden. Sich frei machen von der Sucht nach Konsum und Haben-Wollen. Denn wer viel, wer allzuviel hat, der kann das, was er besitzt, gar nicht mehr würdigen. Wer nicht weiß, wie viele Kleidungsstücke im Schrank hängen, der entwertet nicht nur das einzelne Kleidungsstück. Der entwertet auch die Arbeit all derer, die dafür gesorgt haben, dass Hose, T-Shirt, Pulli jetzt in meinem Besitz sind.

Wer freiwillig wenig hat, der macht deutlich: der Einsatz gegen die tatsächliche Armut fordert Verzicht. Zwar ist ein Ende der Armut utopisch. Aber ohne den Willen, etwas zu teilen, bleibt der Kampf gegen die Armut sicher vergeblich. Ohne diesen Willen bleibt aber auch ein christliches Leben Stückwerk.

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16JUL2019
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Leistung ist ein Lieblingswort unserer Gesellschaft. Und das ist gut so. Wenn sich eine Gesellschaft an der Leistung orientiert, dann heißt das – zumindest als Ideal: Wer etwas erreichen will, der kann das auch schaffen. In Diktaturen, in Gesellschaften, wo Cliquen und Clans regieren, da geht das überhaupt nicht. Da können Menschen nur etwas werden, wenn sie die richtige Abstammung haben. Wenn sie Beziehungen besitzen. Aber wo Leistung zählt, da kann der berühmte Tellerwäscher zumindest theoretisch zum Millionär werden. Wenn also Leistung zählt, dann wird damit signalisiert: In unserer Gesellschaft geht es im Großen und Ganzen gerecht zu. Klar: Um etwas zu erreichen braucht es auch Glück und Beziehungen. Aber grundsätzlich hat jede und jeder die Chance, aus seinem Leben selbst etwas zu machen.

Doch der dauernde Blick auf die Leistung hat auch seine Schattenseiten. Wenn nur Leistung zählt, dann kommt der Stress. Kommen Überforderung und Versagensängste. Dann bleiben Beziehungen auf der Strecke. Und die Muße. Der »coffee to go«, der Kaffee für unterwegs, symbolisiert das: Es bleibt gar nicht mehr die Zeit, sich in aller Ruhe einen Kaffee – oder Tee – zu machen und den dann auch genussvoll mit anderen zu trinken. Es muss schnell, schnell gehen. Für Gespräche keine Zeit, für Beziehung nur, wenn es sich lohnt.

Noch problematischer ist, dass in der Leistungsgesellschaft wenig Platz für die ist, die keine wirtschaftlich messbare Leistung erbringen. All die, die gehandicapt sind: Kinder in schwierigen Familienverhältnissen, Kranke oder Alte. Die Leistungsgesellschaft sagt all denen: Ihr seid weniger wert. Eine fatale Aussage. Denn die Achtung vor der Leistung darf nie vergessen, dass es auch eine Achtung vor dem Menschen gibt. Vor jedem. Und nur nebenbei: Ist das nicht eine unglaubliche Leistung, wenn ein chronisch kranker Mensch wieder stundenweise arbeiten kann? Wenn ein Jugendlicher trotz schlechter Startbedingungen seinen Schulabschluss macht? Wenn ein alter Mensch nochmal eine lange Wanderung bewältigt?

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15JUL2019
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In der Innenstadt springt mir in einem Schaufenster ein graues T-Shirt ins Auge. Darauf zu sehen sind die schwarzen Umrisse eine Fotokamera. Aus dem Objektiv aber quellen bunte Farbschwaden: rot, gelb, lila, blau, grün. Darunter der Schriftzug: Positiv sehen.

Positiv sehen. Ich kenne: Positiv denken. Das meint: In jeder Situation, die sich mir im Leben stellt, kann ich nach den positiven, optimistischen Aspekten suchen. Kann ich mich bewusst für die Aussichten entscheiden, die gut werden können. Ein Beispiel: Wir hatten schon länger unseren Urlaub geplant. Wollten zehn Tage ans Meer fahren. Und hatten völlig übersehen, dass am zweiten Ferienwochenende mein Schwiegervater seinen neunzigsten Geburtstag feiert. War also blöd – aber nicht zu ändern. Positiv denken hieß da für mich: Ich genieße beides. Urlaub und Geburtstagsfeier. Und lasse einfach zwei Tage vom Urlaub sausen. 

Positiv sehen, so reime ich mir das zusammen, funktioniert ähnlich. Vielleicht noch einfacher. Positiv sehen, da muss ich nicht groß drüber nachdenken. Ich gehe durch meinen Tag und tausend Eindrücke prasseln auf mich ein. Ganz egal, ob ich zu Hause bin oder zur Arbeit gehe, ob ich gesund oder krank bin, ob ich Familie habe oder alleine lebe. Ich sammle Eindrücke. Mache Erfahrungen. Was aber sehe ich? Und was bleibt hängen von diesen Seheindrücken? Der alte Kaugummi auf der Straße oder das Lächeln der Marktfrau? Der Bagger, der mitten auf der Straße steht und mir den Weg versperrt, oder der Sonnenstrahl, der sich in einer Pfütze bricht? Der Alltagstrott, in dem ich mich manchmal bewege oder die kleinen Veränderungen, die jeden Tag einzigartig machen? Positiv sehen heißt: Mit wachen Augen durch die Welt zu gehen. Und mich davon überraschend zu lassen, wieviel Buntes, Schönes und Anrührendes jeder Augenblick für mich bereit halten kann.

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